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Anlagensicherheit – So lernt der Arbeitsschutz aus dem Seveso-Unfall

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Anlagensicherheit

Industrieanlagen können ein Gefahrenpotenzial darstellen – aufgrund gefährlicher Stoffe, technischer Prozesse oder wenn sich Zwischenfälle ereignen. Deshalb wird deren Sicherheit in mehreren Vorschriften geregelt. Den Anstoß für eine gesetzliche Regulierung gab der verheerende Unfall, der sich 1976 im italienischen Seveso ereignete.

Sichere Anlagen sind, genau wie zuverlässige Maschinen, eine wichtige Voraussetzung für sichere Arbeit. Deshalb können Aktivitäten des Arbeitsschutzes nur im Zusammenspiel mit Maschinen- und Anlagensicherheit erfolgreich sein. Als Anlagen gelten nach Bundes-Immissionsschutzgesetz (§ 3 BImSchG):

● Betriebsstätten und sonstige ortsfeste Einrichtungen
● Maschinen, Geräte, sonstige ortsveränderliche technische Einrichtungen und ggf. Fahrzeuge
● Grundstücke, auf denen Stoffe gelagert oder abgelagert oder Arbeiten durchgeführt werden, die Emissionen verursachen können.

Anlagensicherheit soll dazu dienen, schwere Unfälle mit gefährlichen Stoffen zu verhindern oder zumindest die Auswirkungen solcher Unfälle für Mensch und Umwelt zu begrenzen. Die maßgebliche Vorschrift ist die EU-Richtlinie zur Beherrschung der Gefahren schwerer Unfälle mit gefährlichen Stoffen (Seveso-III-Richtlinie 2012/18/EU).

Hintergrund: Der Unfall von Seveso

Bei einer Explosion im Chemiewerk ICMESA wird am 10.7.1976 im oberitalienischen Seveso eine große Menge des hochgiftigen Dioxins TCCD freigesetzt. Eine Giftwolke schwebt tagelang über dem 8.000-Einwohner-Ort. Erst nach 10 Tagen wird die Bevölkerung vor der Gefahr gewarnt. Die Bilanz des Unglücks: Vögel und Kleintiere in der Umgebung sterben, rund 200 Menschen leiden an einer schweren Hautkrankheit (Chlorakne). Häuser müssen abgerissen, der Boden abgetragen und dekontaminiert werden.

Neue Verordnung zur Anlagensicherheit

Dieses und weitere Unglücke führten dazu, dass in Deutschland eine Störfall-Verordnung (StörfallV) erlassen wurde. Sie wurde zum Vorbild für die „Seveso-Richtlinie“ der EU.
1996 wurde „Seveso I“ durch die „Seveso-II-Richtlinie“ (96/82/EG) abgelöst, die nicht mehr nur für bestimmte Anlagen, sondern für ganze Betriebsbereiche gilt.
Außerdem wird verstärkt ein Sicherheitsmanagement gefordert. Inzwischen gilt „Seveso III“ (2003/105/EG). Hier wurde der Anwendungsbereich u. a. auf die Behandlung und Lagerung gefährlicher Stoffe (speziell im Erzbergbau) ausgedehnt.
Die Anforderungen aus die Seveso-Richtlinien wurden jeweils in das Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) und die Störfall-Verordnung (StörfallV) eingearbeitet.
Wichtig für die Praxis ist die Unterscheidung zwischen genehmigungs- und nicht genehmigungsbedürftigen Anlagen. Die 4. Verordnung über genehmigungsbedürftige Anlagen (4. BImSchV) enthält in Anhang 1 eine Auflistung von Anlagen, für deren Betrieb eine Genehmigung benötigt wird. Keine Genehmigung ist nach §§ 22 ff. BImSchG für alle Anlagen erforderlich, die dort nicht gelistet sind.
Auch wenn keine spezielle Erlaubnis erforderlich ist, müssen diese Anlagen gemäß § 20 BImSchG so eingerichtet und betrieben werden, dass

● schädliche Umwelteinwirkungen verhindert werden, die nach dem Stand der Technik vermeidbar sind,
● die beim Betrieb der Anlagen entstehenden Abfälle ordnungsgemäß beseitigt werden können.

Wer Anlagen einrichtet und betreibt, muss dazu Pflichten u. a. aus folgenden Gesetzen und Vorschriften erfüllen: Abfall-, Chemikalien-, Wasserhaushaltsgesetz, Betriebssicherheitsverordnung und Unfallverhütungsvorschriften.
Hier zeigt sich wieder die Verbindung zum Arbeitsschutz. Ansprechpartner für die Belange der Anlagensicherheit ist der » Störfallbeauftragte, mit dem sich die Fachkraft für Arbeitssicherheit abstimmen sollte.

Autor: Uta Fuchs

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