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Arbeitsschutz & Arbeitssicherheit im Betrieb: Das sollten Sie wissen

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Arbeitsschutz

Der Gesundheitszustand der eigenen Mitarbeiter ist die Grundlage für deren Leistungsfähigkeit. Er steht im Interesse eines jeden Arbeitgebers. Mitarbeiter haben Recht auf eine angemessene Arbeitssicherheit. Jeder Arbeitnehmer in Deutschland hat Anspruch auf Sicherheit am Arbeitsplatz. Immer wieder kommt es zu Unfällen im Betrieb, auch zu tödlichen. Jeder Firmeninhaber ist gesetzlich dazu verpflichtet, sich in seinem Unternehmen um die Sicherheit seiner Mitarbeiter und um deren Gesundheitsschutz zu kümmern.

Darunter fallen Vorkehrungen zur Unfallvermeidung genauso wie das Recht auf Mutterschutz, Pausenzeiten, Nichtraucherschutz und vieles mehr. Auch die einheitlichen Maßnahmen zum Schutz vor dem Corona-Virus zählen zum Arbeitsschutz. Es gibt unzählige Gesetze zu Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit. Im folgenden Artikel möchten wir Sie über einige davon aufklären.

    Was versteht man unter Arbeitsschutz?

    Unter dem Begriff Arbeitsschutz werden sämtliche Maßnahmen zusammengefasst, welche zum Schutz der Gesundheit sowie der Sicherheit der Arbeitnehmer eines Betriebes dienen. Dies gilt sowohl für Betriebe, deren Tätigkeit in einem Büro stattfindet als auch für Produktionsstätten und Fabriken, beispielsweise in der Stahlverarbeitung.

    Dadurch sollen Arbeitsunfälle vermieden und die Gesundheit der Beschäftigten aufrechterhalten werden. Der Arbeitsschutz ist die Grundlage für sichere Arbeitsbedingungen, die vor allem in der heutigen Zeit von einem raschen Wandel begriffen sind.

    Hinweis

    Die Regelungen zum Arbeitsschutz sind im Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) festgelegt. Dieses enthält nicht nur allgemeine Vorgaben für den Gesundheitsschutz, sondern auch Verordnungen, unter anderem für Betriebssicherheit, Gefahrstoffe oder die Arbeitsstättenverordnung.

    Was versteht man unter Arbeitssicherheit?

    Die Bezeichnung Arbeitssicherheit beschreibt jenen Zustand, der durch die Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der körperlichen und geistigen Gesundheit der Arbeitnehmer erreicht wird. Gefährdungen der Sicherheit und Gesundheit im Betrieb sollen minimiert werden, sodass Unfälle und lang- bzw. kurzfristige Folgeschäden vermieden werden.

    Dies sollte nicht nur aus ethischen oder humanen Gründen passieren, sondern auch aus wirtschaftlicher Sicht: Es ist ökonomischer, die Arbeitssicherheit als Vorsorge zu gewährleisten, als nach Unfällen oder Krankheiten Nachsorge zu treffen.

    Folgende Gesetze bilden die Grundlage für die Arbeitssicherheit:

    • Arbeitsschutzgesetz (ArSchG)
    • Arbeitssicherheitsgesetz (ASiG)
    • Sozialgesetzbuch (SGB) VII: Gesetzliche Unfallversicherung
    • Gesetz über Betriebsärzte, Sicherheitsingenieure und andere Fachkräfte für Arbeitssicherheit (ASiG) – „Arbeitssicherheitsgesetz“

    Ein Betrieb ist folglich gesetzlich verpflichtet, präventiven Unfall- und Gesundheitsschutz zu leisten.

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    Was ist der Unterschied zwischen Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit?

    Der Arbeitsschutz beschreibt all jene Maßnahmen beschreibt, die zur Sicherung der Gesundheit aller Arbeitnehmer eines Betriebs getroffen werden. Bei der Arbeitssicherheit handelt es sich um eine Zielsetzung oder einen Zustand, der durch die Vorkehrungen des Arbeitsschutzes erreicht werden soll.

    Das Ziel des Arbeitsschutzes ist es, alle Angestellten vor berufsbedingten Gefahren und Belastungen zu schützen. Dazu gehören unter anderem Verletzungen, Berufskrankheiten oder andere Beanspruchungen des Körpers. Sind diese Vorkehrungen vorhanden, liegt Arbeitssicherheit – ein gefahrenfreier Zustand während der beruflichen Tätigkeit vor.

    Die Inhalte des Arbeitssicherheitsgesetzes (ASiG)

    Die korrekte Bezeichnung des Arbeitssicherheitsgesetzes lautet „Gesetz über Betriebsärzte, Sicherheitsingenieure und andere Fachkräfte für Arbeitssicherheit“ (ASiG). Es handelt sich um ein sogenanntes Rahmengesetz. Der gesteckte Rahmen wird durch zusätzliche Vorschriften ausgefüllt. Darin sind Regelungen zu der Pflicht eines Arbeitgebers für die Bereitstellung folgender Personen enthalten:

    • Betriebsärzte
    • Sicherheitsingenieure
    • Andere Fachkräfte für Arbeitssicherheit

    Diese sollen den Arbeitgeber in Fragen des Arbeitsschutzes sowie der Unfallverhütung unterstützen und fachkundig beraten. In Austausch mit dem Unternehmer erfolgt die Anwendung der Vorschriften gemäß des Arbeitsschutzes sowie der Unfallprävention entsprechend der Verhältnisse im Betrieb. Des Weiteren sollen aktuelle sicherheitstechnische und arbeitsmedizinische Erkenntnisse angewandt werden, um einen möglichst hohen Wirkungsgrad der Maßnahmen der Arbeitssicherheit zu erreichen.

    Hinweis

    Die Unfallverhütungsvorschrift (UVV) der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) enthält konkrete Anforderungen zu Arbeitsmedizin und Sicherheitstechnik.

    Der Arbeitsschutzausschuss (ASA) entsprechend des Arbeitssicherheitsgesetzes

    Für Unternehmen und selbstständige Betriebe mit mehr als 20 Mitarbeitern ist nach den Vorgaben des Arbeitssicherheitsgesetzes ein Arbeitsschutzausschuss (ASA)  verpflichtend. Ihre Anzahl richtet sich nach bestimmten Kriterien. Dieser Arbeitsschutzausschuss hat die Aufgabe sich mit allen Fragen rund um die Sicherheit der Beschäftigten auseinanderzusetzen.

    Der Arbeitsausschuss (ASA) besteht aus:

    • dem Arbeitgeber oder einer von diesem beauftragten Person
    • zwei Mitgliedern des Betriebsrates
    • dem Betriebsarzt
    • den Fachkräften für Arbeitssicherheit
    • den Sicherheitsbeauftragten 

    Ziel ist es, den Gesundheits- und Arbeitsschutz im Unternehmen zu verbessern und die Verantwortlichen zu beraten. Das betrifft auch Fragen zu Investitionen rund um den Arbeitsschutz. Doch auch Mobbing kann ein Thema sein. Der ASA tritt mindestens vierteljährlich zusammen.

    Viele Betriebe beauftragen bestimmte Mitarbeiter, als sogenannte Sicherheitsbeauftragte als Bindeglied zwischen Fachkräften für Arbeitssicherheit, der Führungsebene und Mitarbeitern zu fungieren. Diese helfen dabei, Sicherheitsmaßnahmen durchzusetzen, machen auf Gefahrenquellen aufmerksam und achten beispielsweise beim Arbeitsschutz in der Produktion auf die Benutzung von Schutzkleidung.

    Anders als Fachkräfte für Arbeitssicherheit haben Sicherheitsbeauftragte keine bestimmte Qualifikation, nehmen allerdings an bestimmten Seminaren der Berufsgenossenschaft oder Unfallkassen teil. Sie tragen auch keine formale Verantwortung für die Sicherheit im Betrieb. Sicherheitsbeauftragte sind ab einer Betriebsgröße von mindestens 20 Mitarbeitern Pflicht.

    Arbeitsschutzgesetz: Die rechtliche Grundlage für den Arbeitsschutz

    Das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) enthält die juristischen Vorgaben für den Arbeitsschutz in Betrieben. Es handelt sich um ein Gesetz der Bundesrepublik Deutschland zur Umsetzung von Richtlinien, die EU-weit festgelegt wurden. Die Gesetzgebung dient der Sicherung und Verbesserung des Gesundheitsschutzes aller Beschäftigten in Deutschland.

    Der Inhalt der ArbSch-Gesetzgebung entwickelte sich im Laufe der letzten 100 Jahre. Sobald Gesundheitsgefahren bekannt wurden, integrierte man diese in den Gesetzestext. Es gibt unterschiedliche Inhalte für verschiedene Wirtschaftsbereiche, beispielsweise den Handel, die Industrie und Produktion oder den Bergbau. Außerdem werden in manchen Absätzen spezifische Gefahren wie Lärm, Gefahr- oder Biostoffe angesprochen.

    Der Titel des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG)

    „Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit.“

    Organisation des europäischen Arbeitsschutzrechtes

    Für wen gilt das Arbeitsschutzgesetz?

    Das Arbeitsschutzgesetz betrifft alle beruflichen Tätigkeitsbereiche mit Ausnahme von Hausangestellten privater Haushalte, Angestellten auf Seeschiffen sowie Betrieben, für die das Bundesberggesetz gilt (wenn für diese eine gesonderte Rechtsvorschrift vorliegt). Auch für einen Tätigkeitsbereich eigens festgelegte gesetzliche Vorschriften bleiben erhalten.

    Unter „Beschäftigten“ versteht das ArbSchG folgende Personen:

    • Arbeitnehmer
    • Arbeitnehmer in Berufsausbildung
    • Beamte
    • Richter
    • Soldaten
    • Personen, die in Werkstätten für Behinderte angestellt sind

    Die Regelungen und Vorgaben im ArbSchG betreffen alle eben genannten Personengruppen. Für Jugendliche in Ausbildung (Azubis) gilt das Jugendarbeitsschutzgesetz.

    Wer ist für Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit verantwortlich?

    Der Arbeitgeber ist für die Durchführung der Maßnahmen zur Prävention von Unfällen und zur Sicherung der Gesundheit der bei ihm angestellten Personen (Beschäftigte) verantwortlich. Entsprechend der Begriffsbestimmung im ArbSchG handelt es sich dabei sowohl um natürliche als auch um juristische Personen sowie rechtsfähige Personengesellschaften.

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    Hinweis

    Laut Arbeitsschutzgesetz ist der Arbeitgeber verpflichtet, Maßnahmen für den Arbeitsschutz zu treffen, diese zu prüfen und gegebenenfalls anzupassen, sodass die Sicherheit der Beschäftigten stets verbessert wird.

    Anstelle des Arbeitgebers können auch andere Personen zur Sicherstellung des Arbeitsschutzes herangezogen werden:

    • Gesetzliche Vertreter des Arbeitgebers
    • Zur Vertretung berechtigte Organe einer juristischen Person/Gesellschafter einer Personenhandelsgesellschaft
    • Mit der Leitung eines Betriebes beauftragte Personen
    • Sonstige auf Grundlage des ArbSchG verpflichtete Personen

    Der Arbeitgeber allein ist verantwortlich und nicht die häufig von Unternehmen bestellte sogenannte Sicherheitsfachkraft (SiFa), der Sicherheitsbeauftragte (SiBe) oder gar der Betriebsarzt. Diese haben lediglich eine beratende und unterstützende Funktion.

    Allerdings sollten insbesondere die SiFa und der Betriebsarzt hinlänglich Kenntnis über Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz haben und über einen direkten Draht mit der Unternehmensleitung kommunizieren können. Sicherheitsbeauftragte sind meistens Mitarbeiter des Betriebs und kennen den Arbeitsalltag im Betrieb gut.

    Wer kontrolliert die Einhaltung des Arbeitsschutzgesetzes?

    Die Bundesländer sind für die Überwachung und Durchführung der Vorgaben des staatlichen Arbeitsschutzgesetztes verantwortlich. Die Bezirksregierungen, Ämter für Arbeitsschutz oder die Gewerbeaufsichtsämter sind für die Kontrolle zuständig. Sie sind zur Betretung und Besichtigung eines Betriebes berechtigt, dürfen Auskünfte verlangen und Unterlagen einsehen.

    Auch Unfallversicherungsträger überprüfen den Arbeitsschutz in Unternehmen (also die jeweils zuständigen Unfallkassen oder die Berufsgenossenschaften). Wer ein Unternehmen betreibt, muss dieses spätestens sieben Tage nach seiner Gründung dem zuständigen Unfallversicherungsträger melden.

    Allgemeine Grundsätze des Arbeitsschutzgesetzes

    Der §4 des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG) beschreibt die allgemeinen Grundsätze, welche für die Durchführung von Maßnahmen zum Arbeitsschutz zu befolgen sind:

    • Die Arbeitstätigkeit muss so gestaltet sein, dass eine Gefährdung des Lebens oder der physischen und psychischen Gesundheit der Arbeitnehmer vermieden wird.
    • Auftretende Gefahren müssen an ihrem Ursprung bekämpft werden.
    • Die Maßnahmen zum Arbeitsschutz müssen entsprechend des aktuellen Stands der Technik, Medizin und Hygiene erfolgen.
    • Organisation, Technik, soziale Beziehungen, der Einfluss der Umwelt sowie andere Arbeitsbedingungen müssen bei der Maßnahmenplanung sachgerecht mit dem Arbeitsplatz verknüpft werden.
    • Allgemeine Schutzmaßnahmen sind vorrangig gegenüber individuellen.
    • Besonders schutzbedürftige Gruppen von Beschäftigten müssen bei der Maßnahmenplanung speziell berücksichtigt werden.
    • Es müssen geeignete Anweisungen an die Beschäftigten erfolgen.
    • Nur wenn es biologische Gründe erfordern, sind geschlechtsspezifische Regelungen zulässig.

    Welche Verordnungen umfasst das Arbeitsschutzgesetz?

    Die deutsche Bundesregierung kann nach Zustimmung des Bundesrates zusätzliche Rechtsverordnungen erlassen, um das ArbSchG zu erweitern und zu festigen. Diese können Einfluss auf bereits festgelegte Paragrafen oder gewisse Personenkreise haben.

    Das Arbeitsschutzgesetz umfasst folgende Verordnungen:

    Verordnungen des Arbeitsschutzrechtes

    Pflichten des Arbeitgebers bezüglich Arbeitsschutz & Arbeitssicherheit

    Entsprechend des Arbeitsschutzgesetzes ist ein Arbeitgeber zur Beurteilung von Gesundheitsgefährdungen am Arbeitsplatz sowie zur Entscheidung über Schutzmaßnahmen verpflichtet. Dies kann durch die Integration des Arbeits- und Gesundheitsschutzes in die Organisation und Prozesse eines Unternehmens erfolgen. Durch diese Vorkehrungen wird die Prävention von Krankheiten oder Arbeitsunfällen sichergestellt.

    Unter Prävention kann beispielsweise ein ergonomischer Schreibtisch, die Anwendung von Schutzbekleidung, Unterweisungen zur Anwendung von Gefahrstoffen oder medizinische Vorsorgeuntersuchungen.

    Hinweis

    Die Investition in den Arbeitsschutz und die Prävention macht sich auch aus betriebswirtschaftlichen Gründen bezahlt: Sind alle Beschäftigten gesund, dann bedeutet dies auch Erfolg und Leistung für das Unternehmen.

    Die Pflichten des Arbeitgebers nach dem Arbeitsschutzgesetz umfassen:

    • Beurteilung aller vorliegenden Gefährdungen am Arbeitsplatz
    • Unterweisung der Beschäftigten zu den Gefahren
    • Herausgabe von Betriebsanweisungen
    • Sicherstellung von Brandschutz– und Erste Hilfe-Maßnahmen 
    • Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen 
    • Regelmäßige Prüfung der Arbeitsgeräte und Anlagen
    • Bestellung eines Sicherheitsbeauftragten
    • Beachtung des jeweiligen berufsgenossenschaftlichen Regelwerks und des staatlichen Arbeitsschutzrechts

    Pflichten der Arbeitnehmer entsprechend des Arbeitsschutzgesetzes

    Nicht nur der Arbeitgeber, sondern auch die Beschäftigten haben zur Sicherstellung des Arbeitsschutzes gewisse Pflichten zu erfüllen.

    Dazu gehört unter anderem die Beachtung der Unterweisungen und Weisungen des Arbeitgebers zum Schutz ihrer Gesundheit und Sicherheit. Die Arbeitnehmer sind beispielsweise verpflichtet, zur Verfügung gestellte Sicherheitsausrüstung auch zu verwenden. Falls während der Ausübung der Arbeitstätigkeit eine Gefährdung auffällt, muss der Vorgesetzte oder Arbeitgeber darüber informiert werden.

    Insgesamt haben die Arbeitnehmer, beziehungsweise ihre Vertreter, folgende Rechte und Pflichten, die in Zusammenhang mit der Gefährdungsbeurteilung stehen:

    • Arbeitgeber über Gefahren informieren
    • Veränderungen am Arbeitsplatz melden
    • Befragung zur Organisation der Gefährdungsbeurteilung
    • Beteiligung an der Gefährdungsbeurteilung
    • Information über die Beseitigung von Gefahren
    • Aufforderung an den Firmeninhaber, Gefahren zu verringern oder zu beseitigen
    • Teilnahme an der Ausarbeitung der Dokumentation
    • Kooperation mit dem Arbeitgeber

    Gefährdungsbeurteilung nach dem Arbeitsschutzgesetz

    Die Pflicht zur regelmäßigen Gefährdungsbeurteilung durch den Unternehmer beziehungsweise dessen Beauftragten hat einen besonderen Stellenwert. Sie ist im Grunde genommen die Planungsbasis für Gesundheit und Sicherheit im Unternehmen.

    Angesiedelt ist sie in der Führungsebene: Dort laufen die Fäden für einen verantwortlichen Umgang mit dem Thema Arbeitsschutz zusammen, dort wird der Schutz der Mitarbeiter im Betrieb verlässlich gestaltet und dokumentiert. Mögliche gesundheitliche Risiken für die Mitarbeiter eines Betriebes müssen entlang dieser Einschätzung aufgedeckt, analysiert und behoben werden.

    Warum ist eine Gefährdungsbeurteilung wichtig?

    Wenn Gefahren rechtzeitig erkannt werden, können geeignete Maßnahmen getroffen und Störungen im Betriebsablauf verhindert werden. Deshalb ist eine Gefährdungsbeurteilung nicht nur für den Schutz der Mitarbeiter unabdingbar, sondern trägt auch dazu bei, wirtschaftliche Verluste zu minimieren, wie sie durch arbeitsbedingte Unfälle und Krankheiten entstehen können. Arbeitsschutz zahlt sich also aus. Zentrale Fragen bei der Gefährdungsbeurteilung sind:

    • Was kann die Sicherheit im Unternehmen gefährden?
    • Was kann die Gesundheit gefährden?
    • Wie lassen sich Sicherheit und Gesundheitsschutz garantieren?

    Ist eine Gefährdungsbeurteilung versäumt worden, kann dies schwerwiegende Folgen haben. Es kann sogar zu einem Gerichtsprozess kommen. Bei Unvollständigkeit oder Nichteinhaltung der Arbeitssicherheit drohen hohe Bußgelder. Auch wenn die Gefährdungsbeurteilung fehlerhaft ist, winken empfindliche Strafen.

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    Wichtig dabei ist die Technische Regel ASR V3-Gefährdungsbeurteilung, die der Ausschuss für Arbeitsstätten formuliert hat. Sie bietet Hilfe bei einer ersten Beurteilung der Arbeitsstätte. Dabei stehen unter anderem bauliche Maßnahmen und Veränderungen, Kennzeichnungspflichten, die Festlegung und Benutzung von Arbeitsplätzen sowie die Arbeitsabläufe im Fokus.

    Wie läuft eine Gefährdungsbeurteilung ab?

    Eine Gefährdungsbeurteilung ist für jeden Arbeitsplatz und jedes Berufsfeld im Betrieb notwendig. Arbeiten, die außerhalb des Firmensitzes ausgeführt werden und die in Verbindung mit spezifischen Gefahren stehen, unterliegen ebenfalls einer arbeitsplatzbezogenen Gefährdungsbeurteilung.

    Pflicht des Arbeitgebers ist ebenfalls, den gesamten Prozess rund um die Gefährdungsbeurteilung zu dokumentieren. Sinnvoll ist es, die Mitarbeiter in diesen Prozess miteinzubeziehen – sie können aufgrund ihrer Arbeitspraxis Fakten beisteuern, an die der Arbeitgeber gegebenenfalls nicht denken könnte. Überhaupt haben Betriebs- und Personalräte ein Mitbestimmungsrecht, wenn es um die Durchführung der Gefährdungsbeurteilung geht.

    Insgesamt sind es acht Schritte, die dabei zu beachten sind:

    • Vorbereitung
    • Ermittlung von Gefährdungen
    • Beurteilung der Gefährdungen
    • Definition von Maßnahmen
    • Umsetzung von Maßnahmen
    • Überprüfung der Wirksamkeit der Maßnahmen
    • Dokumentation
    • Fortschreiben

    Prozess der Gefährdungsbeurteilung

    Hinweis

    Die Gefährdungsbeurteilung kann unterschiedlich ausfallen, je nachdem, welche Arbeiten zu erledigen sind. Daher kann es hier keine Beurteilungsnorm geben. Deshalb ist es wichtig, die jeweiligen Tätigkeiten zu konkretisieren.

    Es geht also nicht nur um typische Risiken – immer muss der Einzelfall betrachtet werden, um Maßnahmen zur Arbeitssicherheit festzulegen und zu koordinieren. Unfallgefahren lassen sich minimieren, wenn zum Beispiel stets für eine ausreichende Beleuchtung der Baustelle gesorgt ist, ebenso ein sicherer Umgang mit Strom oder die Gewährleistung von Erster Hilfe.

    Gefährdungsbeurteilung für die Industrie 4.0

    Weil sich die Arbeitswelt wandelt, muss auch die Arbeitsstätte eine andere werden. In den Medien grassiert derzeit das Schlagwort Industrie 4.0, wenn es um die Zukunft der Arbeitswelt geht. Gemeint ist damit ein neues Zeitalter technischer Entwicklungen. Die Digitalisierung und künstliche Intelligenz (KI) hat Einfluss auf den Arbeitnehmer.

    Dabei prägen die neuen Technologien auch eindeutig die Arbeitssicherheit, die sich in diesem Zusammenhang ebenfalls verändern muss. Auch Arbeitsstätten werden „intelligente“ Gebäude, weil sie mithilfe der neuen Technologien gesteuert werden. Die mobilen Kommunikationsmittel wirken ebenfalls auf die Arbeit ein. Auch diese Veränderungen müssen mit in die Gefährdungsbeurteilung aufgenommen werden.

    Vorsicht bei der Gefährdungsbeurteilung: Pausen gehören zum Arbeitsschutz!

    Auch die Einhaltung von Pausen und Arbeitszeit gehören zum Arbeitsschutz. Deshalb müssen Unternehmer über Vorschriften zu Arbeitszeiten, gesetzlichen Pausen, Schicht- oder Nachtarbeit und die Lenk- und Ruhezeiten für LKW-Fahrer Bescheid wissen.

    Vergessen Sie bei der Gefährdungsbeurteilung nicht auf folgende Aspekte:

    Schlafmangel ist eine der häufigsten Unfallursachen! Die Einhaltung der vorgeschriebenen Ruhezeiten ist deshalb eine wesentliche Methode zur Unfallverhütung. Hier greifen mehrere Gesetze ineinander, mit denen man Arbeitgeber dazu anhält, neben Verkehrssicherheit auch für den Gesundheitsschutz ihrer Mitarbeiter Sorge zu tragen. Verstöße gegen diese Vorschriften werden streng geahndet und der Unternehmer zur Kasse gebeten.

    Hinweis

    Was grundsätzlich gesetzliche Pausenzeiten betrifft, sind lediglich Rahmenbedingungen für Mindestzeiten vorgeschrieben. Die Gesetzgebung zu Arbeitspausen findet sich im Arbeitszeitgesetz (ArbZG).

    Hier finden Sie nähere Informationen zu den Pausenregelungen im ArbZG.

    Unterweisung zur Arbeitssicherheit

    Das Arbeitssicherheitsgesetz legt fest, dass während der Arbeitszeit eine regelmäßige Unterweisung zu Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der beruflichen Tätigkeit zu erfolgen hat. Bei Änderungen im Aufgabenbereich oder der Verwendung neuer Arbeitsmittel muss erneut eine Unterweisung stattfinden. Neue Mitarbeiter erhalten eine Erstunterweisung. Dabei werden unter anderem sämtliche wesentlichen Sicherheitszeichen besprochen.

    Freiräume überlässt der Gesetzgeber dem Arbeitgeber, wie er die Unterweisung durchführt. Allerdings ist dabei das Ziel nie aus den Augen zu verlieren. Denn nur mit einer professionellen Unterweisung kann man die Beschäftigten mit ins Boot nehmen. Die Mitarbeiter müssen die Informationen einer Unterweisung verstehen. Denn sie sind es, die diese Informationen an ihrem Arbeitsplatz verwerten.

    Einmal im Jahr müssen volljährige Beschäftigte über Arbeitsschutz und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz im Unternehmen unterwiesen werden – das ist Pflicht und gesetzlich vorgeschrieben. Gesetzlich geregelt ist auch, dass Auszubildende einmal pro Halbjahr geschult werden müssen. Das ist nicht nur deshalb wichtig, weil gut geschulte Mitarbeiter Risiken und Gefahren schnell erkennen können: Eine Vernachlässigung dieser Verpflichtung kann neben rechtlichen (Bußgelder) auch wirtschaftliche Konsequenzen (lange Krankheitszeiten von Mitarbeitern) mit sich führen.

    Die meisten Unfälle am Arbeitsplatz geschehen aufgrund menschlichen Fehlverhaltens. Deshalb ist mit der regelmäßigen Unterweisung laut Arbeitsschutzgesetz und anderen Verordnungen Einfluss auf das Verhalten der Beschäftigten zu nehmen.

    Konkret: Spezielle Unterweisungen

    Spezielle Unterweisungen sind bei Leiharbeitern, bei Arbeiten in explosionsgefährdeten Bereichen oder bei Tätigkeiten mit Bio- und Gefahrstoffen notwendig. Diese Sicherheitsvorkehrungen sollten vom Unternehmen nicht als kosten- und zeitintensive Maßnahmen angesehen werden. Helfen kann dabei auch, Poster und Bilder zum Beispiel in den Pausenräumen aufzuhängen, die das Thema Arbeitsschutz und -sicherheit thematisieren.

    Außerdem darf auch die Brandschutzverordnung in einem Unternehmen nicht vernachlässigt werden. Auch hier sind die Mitarbeiter mit einer Unterweisung zum Brandschutz zu schulen. Nicht nur, was den Brandschutz als solchen angeht, auch Themen wie Brandbekämpfung, Erste Hilfe und Evakuierungsmaßnahmen spielen in diesem Zusammenhang eine Rolle.

    Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV)

    Die Arbeitsstättenverordnung wurde zur Sicherstellung des Schutzes der Gesundheit aller Beschäftigten an ihrer jeweiligen Arbeitsstätte verfasst. Unter Arbeitsstätten sind in diesem Zusammenhang sowohl Arbeitsräume und Orte im Freien auf dem Gelände eines Betriebs als auch Orte auf Baustellen gemeint. Die genauen Begriffsbestimmungen sind dem § 2 der ArbStättV zu entnehmen.

    Allen voran sind Inhaber eines Betriebs verpflichtet, umfassende Gefährdungsbeurteilungen für ihren Betrieb zu erheben und zu überprüfen sowie die individuell zu treffenden Maßnahmen abzuleiten, die sich daraus ergeben.

    Wichtig

    Die Richtlinien der ArbStättV dienen dem Schutz und der Gesundheit der Mitarbeiter. In ihr sind Ziele und Mindestvorgaben formuliert, allerdings keine expliziten Zahlen etwa zu Raumtemperaturen oder Sicherheitsabständen.

    Konkretere Angaben machen die technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR). Trotzdem ist es für Betriebsinhaber wichtig, die Arbeitsstättenverordnung zu kennen – auch in Bezug auf Rechtssicherheit.

    Ergonomischer Arbeitsplatz entsprechend der ArbStättV

    Die Arbeitsstättenverordnung macht beispielsweise Vorgaben, wie ein ergonomischer Arbeitsplatz aussehen soll. Sie stellt unter anderem Anforderungen an:

    • Bildschirm und Tastatur
    • Mobiliar
    • Raumklima

    Darüber hinaus fordert die Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge auch die Untersuchung der Augen und des Sehvermögens der Mitarbeiter. Konkrete Messwerte lassen sich in den sogenannten Technischen Regeln nachlesen.

    Ist die Telearbeit im Arbeitsschutz enthalten?

    Ein ergonomischer Arbeitsplatz ist auch bei der Telearbeit Voraussetzung. In der Arbeitsstättenverordnung wurde mittlerweile eine rechtliche Definition aufgenommen. Ein Platz für die Telearbeit ist demnach ein vom Arbeitgeber fest eingerichteter Bildschirmplatz im privaten Bereich eines Mitarbeiters mit einer vereinbarten Arbeitszeit.

    Für mobile Arbeitsplätze greift zwar nicht die Arbeitsstättenverordnung, jedoch das Arbeitsschutzgesetz.

    Demnach ist auch hier eine Gefährdungsbeurteilung des Telearbeitsplatzes durchzuführen und ggfls. eine Betriebsvereinbarung zu formulieren. Mobile Arbeitsplätze dienen etwa zum Abrufen von Mails oder für kurzfristige Arbeiten z. B. in Dokumenten auf einem Laptop oder Tablet – aber auch hier ist das Arbeitszeitgesetz zu beachten.

    Der Arbeitgeber ist auch für die sicherheitstechnische, gesundheitliche und ergonomische Telearbeit verantwortlich – dazu zählt nicht nur die Einrichtung und Wartung der Arbeitsmittel, sondern auch die Überprüfung des Arbeitsplatzes.

    Hinweis zur Telearbeit

    Damit der Arbeitgeber die Einhaltung der rechtlichen Vorgaben überprüfen kann, sollte ein Zutrittsrecht für ihn und von ihm beauftragten Personen (Betriebsarzt, Fachkraft für Arbeitssicherheit) vereinbart werden.

    Bildschirmarbeit in der ArbStättV

    Auch bei Bildschirmarbeit ist eine Gefährdungsbeurteilung erforderlich. In diesem Bereich haben sich außerdem in der jüngeren Vergangenheit Änderungen ergeben: Die Bildschirmarbeitsverordnung wurde aufgehoben und vom Bundeskabinett um weitere Verordnungen in der ArbStättV erweitert. Durch diese Maßnahme wurden somit gesundheitsgerechte Arbeitsbedingungen für alle Beschäftigten mit Bildschirmarbeitsplatz geschaffen.

    Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit am gesamten Betriebsgelände

    In punkto Sicherheit muss ein Unternehmer auch das Betriebsgelände im Blick behalten: Zum Beispiel gelten für Fahrten auf dem Firmengelände feste Vorgaben nach der StVO. Hier ist die Straßenverkehrsordnung außer Kraft gesetzt, was Mitarbeiter so auslegen können, dass sie es bei Fahrten auf dem Betriebsgelände nicht so genau nehmen müssen. Es reicht nicht aus, ein Hinweisschild aufzustellen, dass auf dem Firmengrundstück die Straßenverkehrsordnung zu gelten hat.

    Verkehrssicherheit entsprechend der Arbeitsstättenverordnung

    Verkehrssicherheit sollte mit in die Gefährdungsbeurteilung einfließen. Dazu gehört, dass jedes betrieblich genutzte Fahrzeug auch betriebssicher und ohne Mängel sein muss. Dies ist einmal im Jahr zu prüfen, unabhängig davon, ob das Betriebsfahrzeug zum TÜV muss oder Bußgelder drohen.

    Um den rechtlichen Grundlagen zu genügen, muss der Firmeninhaber viele Aspekte bedenken:

    • Mitarbeiter dürfen ein Betriebsfahrzeug beispielsweise nur dann führen, wenn sie dazu befähigt sind und auch unterwiesen wurden.
    • Wann zum Beispiel darf man ein Handy benutzen?
    • Gibt es im Betrieb ein Alkoholverbot?
    • Ist eine Vorsorgeuntersuchung notwendig?
    • Werden Parkregelungen benötigt?
    • Sind Fahrer darin geschult, Handzeichen zu verwenden?

    Hinweis

    Das gilt auch für die Verkehrssicherheit der Anlage (Sichtfelder, Ausleuchtung, Verschmutzungen, etc.).

    Die Räum- und Streupflicht gilt auch im Betrieb

    Für Unternehmen gilt zudem die Räum- und Streupflicht im Betrieb, wobei dieses Thema nicht nur die Mitarbeiter des Betriebs, sondern vor allem den Betrieb selbst betrifft. Wenn sich Kunden oder Besucher wegen Glätte verletzen, haftet der Unternehmer. Ein Räum- und Streuplan ist deshalb unabdingbar.

    Hinweis

    Grundsätzlich müssen Einfahrten, Wege, und Zugänge zwischen 7 und 20 Uhr geräumt sein. Dieser Zeitraum kann sich auch verlängern (zum Beispiel bei Kundenverkehr).

    Bei der Räum- und Streupflicht muss auch an mögliche Dachräumungen gedacht werden. Bei schweren Schneefällen können sich Unternehmen nicht auf das Technische Hilfswerk oder die Feuerwehr verlassen. Deshalb ist ein Konzept nötig, das im Fall von schweren Schneefällen eine sichere Dachräumung ermöglicht.

    Nichtraucherschutz für mehr Arbeitssicherheit

    Auch der Nichtraucherschutz ist in der Arbeitsstättenverordnung verankert und ein wichtiger Bestandteil. Unternehmen müssen dafür Sorge tragen, dass Arbeitnehmer überall innerhalb der Arbeitsstätte gegen Passivrauchen geschützt werden. Tabakrauch gefährdet bekanntlich die Gesundheit, und auch Nichtraucher nehmen in Anwesenheit von Rauchern Schadstoffe auf.

    Korrekte Beleuchtung für mehr Arbeitssicherheit

    Nicht zu vernachlässigen ist auch die Arbeitsstättenbeleuchtung in Betrieben, durch die viele Unfälle vermieden werden können. Bei einem Brand müssen die Flucht- und Rettungswege gut erkennbar sein – auch bei einem Ausfall der Allgemeinbeleuchtung. Entscheidend ist dabei, dass die Sicherheitsbeleuchtung gut geplant und stets kontrolliert wird.

    Bestimmte Arbeitsstätten müssen mit einer entsprechenden Beleuchtung ausgestattet sein. Auch hier bilden die Arbeitsstättenverordnung und die Technischen Regeln die Grundlage. Sicherheitsbeleuchtung ist zum Beispiel in elektrischen Betriebsräumen ein Muss, genauso wie bei Steuereinrichtungen für Anlagen, in Laboren, in Räumen ohne Tageslicht oder unter Tage.

    Hier finden Sie mehr zu den Anforderungen der Sicherheitsbeleuchtung.

    Wenn Sie sich auch in Zeiten von Corona mit dem Thema Arbeitssicherheit beschäftigen müssen, dann schauen Sie vorbei beim Online-Kongress der Praxistage Arbeitssicherheit.

    Arbeitssicherheit und Wetter

    Das Thema Wetter, insbesondere Hitze, spielt auf Baustellen, aber auch im Landschaftsbau, im Transportwesen und auch im Büro ebenfalls eine große Rolle. Hitze am Arbeitsplatz ist oft unvermeidbar. Viele Mitarbeiter sind in diesem Fall besonderen Belastungen ausgesetzt.

    Achtung

    Hitze kann zu Krämpfen oder Erschöpfung führen, manchmal droht auch ein Kreislaufkollaps. Gerade bei Arbeiten im Freien sollte nicht auf einen Sonnenschutz verzichtet werden, auch Sonnencreme (Hautkrebsgefahr) ist sinnvoll.

    Zu bedenken ist außerdem, dass nicht nur Sonnenstrahlung schädlich sein kann, sondern auch die Ozonbelastung.

    Im Büro gilt:

    • Steigt die Temperatur dort auf über 26 °C, sind Maßnahmen zu ergreifen (zum Beispiel Jalousien).
    • Steigt die Temperatur weiter auf über 30 °C, müssen weitere Maßnahmen eingesetzt werden.
    • Bei über 35 °C gilt: Das Büro ist nicht mehr als Arbeitsraum geeignet.

    Jedoch gibt es eine Menge, das getan werden kann, um die Mitarbeiter vor Hitze am Arbeitsplatz zu schützen (Lüftungsanlagen, Lockerung der Kleiderordnung, Gleitzeitregelung). Beim ersten Anzeichen von gesundheitlichen Einschränkungen durch Hitze sollten sofort geeignete Maßnahmen ergriffen werden.

    Arbeitssicherheit: Vorsicht beim Umgang mit Elektrizität

    Ein weiterer, besonders großer Fokus muss auch auf dem Umgang mit Elektrizität und der Elektrosicherheit im Unternehmen liegen. Strom ist nun einmal gefährlich, deshalb ist vom Unternehmer auch eine Elektrofachkraft mit ins Boot zu holen. Jedes Jahr kommen Menschen durch einen Stromunfall ums Leben. Oft braucht es dafür nur Kleinigkeiten, zum Beispiel defekte Zuleitungen. Die Auflagen beim Umgang mit Strom sind deshalb streng und betreffen sowohl die Elektroinstallationen von Gebäuden als auch die Sicherheit elektrischer Geräte und Anlagen.

    Wichtig sind insbesondere die Vorschriften zum Umgang mit Elektrizität im Unternehmen und wie Sie Ihre Mitarbeiter am besten vor Unfällen schützen.

    Hinweise zum Umgang mit Elektrizität im Betrieb:

    • Gesetzliche Regelungen zu den Bedingungen und erforderlichen Qualifikationen im Elektrizitätsbereich beachten.
    • Regelmäßige Unterweisungen zur Elektrosicherheit durchführen.
    • Entsprechende Schutzausrüstung für Elektrofachkräfte nutzen. Diese schützt durch Isolierung vor der Durchströmung des Körpers mit Elektrizität.

    Wichtig

    Kommt es trotzdem zu einem Unfall mit Elektrizität, sind sofort Ersthelfer und der Notarzt zu rufen, denn unter anderem besteht die Gefahr von Kammerflimmern. Deshalb ist es auch wichtig, einen Defibrillator vor Ort zu haben. Auch nach kleineren Unfällen, bei denen Strom beteiligt war, sollten die Mitarbeiter einen Arzt aufsuchen, denn auch hier drohen schwere Folgen.

    Zum Arbeitsschutz gehört die richtige Kleidung

    Auch Schutzausrüstung gehört zur Arbeitssicherheit. Dabei muss zwischen zwei Formen unterschieden werden:

    • Arbeitskleidung, z.B. Wetterschutzbekleidung, Warnkleidung, „Blaumann“
    • Berufsbekleidung, z.B. Uniformen

    Schutzkleidung meint eine Ausrüstung, die den Mitarbeiter vor schädigenden Einflüssen schützen soll. Damit sind beispielsweise thermische und mechanische Einflüsse gemeint, aber auch Einwirkungen auf den Mitarbeiter, die Infektionsfolgen nach sich ziehen können.

    Hinweis

    Die Arbeitsschutzkleidung muss entsprechend der PSA-Benutzungsverordnung (PSA-BV – Persönliche Schutzausrüstung) vom Arbeitgeber bereitgestellt werden.

    Das Baugewerbe liegt bei der Arbeitsunfallstatistik ganz vorne. Auf 1000 Mitarbeiter wurden in den vergangenen Jahren rund 55 Unfälle verzeichnet. Die häufigste Ursache für tödliche Unfälle sind Abstürze. Schutzhelme und Sicherheitsschuhe reichen also häufig nicht aus. Vor diesem Hintergrund sollten die möglichen Gefährdungen bei der Gefährdungsbeurteilung einer Baustelle vollständig erfasst werden.

    Baustellenverordnung (BauStellV) für Arbeitsschutz & Arbeitssicherheit

    Für Baubetriebe sind Kenntnisse über die Baustellenverordnung (BauStellV) für die Arbeitssicherheit wichtig, um das Gefahrenpotenzial zu reduzieren. Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit müssen hier besonders großgeschrieben werden.

    Die Baustellenverordnung dient zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten auf Baustellen. Auch hier steht zunächst eine Gefährdungsbeurteilung der Baustelle an. Risiken und Gefahren müssen zunächst erkannt werden, um anschließend entsprechende Maßnahmen zur Arbeitssicherheit ergreifen zu können.

    Als Baustelle ist der Ort gemeint, an dem ein Bauvorhaben ausgeführt wird. Ein Bauvorhaben hat zum Ziel, eine oder mehrere bauliche Anlagen zu errichten, zu verändern oder auch abzubrechen.

    Wichtig

    Werden auf einer Baustelle, auf der Beschäftigte mehrerer Arbeitgeber tätig sind, besonders gefährliche Arbeiten ausgeführt, so ist dafür zu sorgen, dass vor Einrichtung der Baustelle ein Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan erstellt wird

    Der Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan muss …

    • alle für die betreffende Baustelle anzuwendenden Arbeitsschutzbestimmungen erkennen lassen
    • besondere Maßnahmen für die besonders gefährlichen Arbeiten enthalten.

    Wenn erforderlich sind bei Erstellung des Planes betriebliche Tätigkeiten auf dem Gelände zu berücksichtigen.

    Wer ist für den Sicherheitsplan verantwortlich?

    Für die Aufstellung des Planes ist ein vom Bauherrn bestellter Sicherheits- und Gesundheitskoordinator (SiGeKo) verantwortlich. Ein Sicherheits- und Gesundheitskoordinator verfügt – meist anders als der Bauherr – über das notwendige Fachwissen, um gesundheits- und sicherheitsrelevante Aspekte auf der Baustelle beurteilen zu können. Seine Aufgaben zum Arbeitsschutz auf der Baustelle sind vielfältig, das Themenspektrum ist komplex:

    • Der SiGeKo muss neben der Gefährdungsbeurteilung und den sich daraus ergebenden Maßnahmen (SiGe-Plan) auch notwendige Bauunterlagen erstellen und in Kontakt mit Behörden stehen.
    • Im SiGe-Plan sind alle Arbeitsschutzrichtlinien schriftlich zu fixieren. Damit wird auch sichergestellt, dass sich alle am Bau beteiligten Betriebe an das Arbeitsschutzgesetz halten.
    • In der Regel hat der SiGeKo eine beratende und unterstützende Funktion. Es ist aber möglich, ihm Weisungsbefugnis zu erteilen. Die Verantwortung bleibt jedoch in den Händen der am Bau beteiligten Arbeitgeber, beziehungsweise beim Bauherrn.

    Weiterhin ist in der Baustellenverordnung geregelt, welche Arbeitsschutzmaßnahmen vom Arbeitgeber eingehalten werden müssen. Dazu gehört die Sorgfalt über die Instandhaltung von Arbeitsgeräten genauso wie die fachgerechte Lagerung und Entsorgung von Bauabfällen.

    Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)

    Die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) setzt einen neuen, verschärften Schwerpunkt auf den sicheren Umgang mit Arbeitsmitteln. Weil sie an der europäischen Rechtsprechung orientiert ist, kommen auf Unternehmer neue Aufgaben bei den Arbeitsabläufen und der Dokumentation zu.

    Neben körperlichen müssen nun auch psychische Belastungen berücksichtigt werden, außerdem gibt es deutlich mehr Anforderungen an alters- und alternsgerechte Arbeitsgestaltung.

    Hinweis

    Von den Neuerungen der Betriebssicherheitsverordnung sind alle Unternehmer betroffen, deren Mitarbeiter Arbeitsmittel verwenden. Sie gilt ebenso für alle Betreiber von überwachungsbedürften Anlagen wie etwa Fahrstühle. Gefährdungsbeurteilungen sind auch hier Pflicht.

    Immer zu berücksichtigen ist, dass nur geeignete Arbeitsmittel verwendet werden, von denen keine Gefährdung ausgeht. Mitarbeiter müssen für die Mittel unterwiesen und qualifiziert sein.

    Im Endeffekt geht es also um die Eignung beim Umgang mit

    • Werkzeugen
    • Maschinen
    • Fahrzeugen
    • Anlagen
    • Geräten wie Computer, etc.

    Dabei sind auch Arbeitsmittel einer Gefährdungsbeurteilung zu unterziehen und ggfls. zu prüfen. Das gleiche gilt für private Arbeitsmittel, die der Mitarbeiter mit in den Betrieb bringt. Dieses ist übrigens ausdrücklich zu gestatten.

    Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge

    Grundsätzlich müssen alle Arbeitgeber ihren Mitarbeitern eine arbeitsmedizinische Vorsorge anbieten und das in Abhängigkeit von der Art und dem Ausmaß der Gefahren am Arbeitsplatz. Die Inanspruchnahme durch den Mitarbeiter ist in vielen Fällen freiwillig, aber nicht immer.

    Ziel dieser Verordnung ist, Maßnahmen zu treffen, um durch arbeitsmedizinische Vorsorge arbeitsbedingte Erkrankungen, auch Berufserkrankungen, rechtzeitig zu erkennen und zu verhindern. Arbeitsmedizinische Vorsorge dient außerdem als Beitrag zum Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit und Fortschreibung betrieblichen Gesundheitsschutzes.

    Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen sind gerade bei gefährlichen Tätigkeiten, die beispielsweise in der Industrie oder in der Baubranche häufig vorkommen, wichtig. In solchen Fällen sind ärztliche Untersuchungen mit Blick auf arbeitsbedingte Krankheiten Pflicht des Unternehmens.

    • Warum sind arbeitsmedizinische Untersuchungen wichtig?

    Arbeitsmedizinische Untersuchungen dienen der Gefährdungs- und Belastungseinschätzung und sind notwendig, um Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu ergreifen. Gleichzeitig sind diese Vorsorgeuntersuchungen wichtig, um Berufskrankheiten so früh wie möglich erkennen zu können.

    • Wer führt eine arbeitsmedizinische Untersuchung durch?

    Durchgeführt werden sie von qualifizierten Betriebsärzten und nach den Kriterien des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG). Wichtig ist, dass der Betriebsarzt in einem ständigen Austausch mit der SiFa und den Mitarbeitern des Betriebes steht. Sein Ziel ist es, Erkrankungen zu verhindern, die in Zusammenhang mit den Arbeitsaufgaben der Mitarbeiter stehen.

    • Was ist der Unterschied zwischen Pflicht- und Vorsorgeuntersuchung?

    Eine Vorsorgeuntersuchung durch den Betriebsarzt unterliegt der ärztlichen Schweigepflicht. Ausführliche Untersuchungsergebnisse zu den einzelnen Mitarbeitern dürfen nicht weitergegeben werden. Der Mediziner kann jedoch gesundheitliche Bedenken mitteilen und Auflagen bei bestimmten Tätigkeiten erteilen. In der Regel umfasst die Untersuchung durch den Betriebsarzt folgende Punkte:

    • Pflichtuntersuchung: Information des Arbeitgebers über die Durchführung
    • Beurteilung der Arbeitsplatzsituation
    • Untersuchung und Beratung der Mitarbeiter sowie Beurteilung des Gesundheitszustandes
    • Gespräch mit dem Mitarbeiter über eventuelle gesundheitliche Bedenken nach Auswertung der Untersuchungsergebnisse

    Ob eine Pflicht- oder Vorsorgeuntersuchung durchzuführen oder zu empfehlen ist, regelt die Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV). Vorher aber muss das Unternehmen die Arbeitsbedingungen prüfen. Dies geschieht über die fachmännische Gefährdungsbeurteilung – sie ist auch die Basis für eine adäquate arbeitsmedizinische Vorsorge.

    Wichtig ist dabei eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Betriebsarzt und der Fachkraft für Arbeitssicherheit. Schließlich wird die arbeitsmedizinische Beurteilung von Mitarbeitern und die Vorsorgeleistung auf Basis der Gefährdungsbeurteilung vorgenommen, mit der wiederum die Sicherheitsfachkraft betraut ist. Eine Zusammenarbeit ist deshalb für beide Seiten von Vorteil und nützt am Ende dem Betrieb. Beide wirken bei der Gestaltung der Arbeitsbedingungen im Unternehmen mit und haben das Zusammenspiel von Arbeit und Gesundheit im Blick.

    Weitere Verordnungen zu Arbeitsschutz & Arbeitssicherheit

    Hier sei auf vier weitere Verordnungen hingewiesen, welche bezüglich Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit im Betrieb beachtet werden müssen:

    • Gefahrstoffverordnung (GefStoffV)
    • Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG)
    • Lärm- und Vibrationsarbeitsschutzverordnung (LärmVibrationArbSchV)
    • Mutterschutzgesetz (MuSchG)

    Die Gefahrstoffverordnung hat zum Ziel, Menschen und Umwelt vor schädlichen Stoffen zu schützen. In ihr sind Regelungen zur Kennzeichnung und Verpackung, aber auch zur Einstufung gefährlicher Stoffe und Gemische enthalten. Darüber hinaus geht es auch um die Beschränkung bei der Herstellung und Verwendung von Gefahrstoffen. In diesem Bereich sind besondere Qualifikationen der Fach- oder Sachkunde nötig.

    Das Jugendarbeitsschutzgesetz gilt für Mitarbeiter, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben – und zwar in der Ausbildung, als Arbeitnehmer oder auch bei sonstigen Dienstleistungen und einer Ausbildung ähnlichem Arbeitsverhältnis. Sie stehen unter besonderer Sorgfaltspflicht und Arbeitgeber haben bei der Beschäftigung von Azubis und Jugendlichen einiges zu beachten.

    Bei der Lärm- und Vibrationsarbeitsschutzverordnung geht es um den Schutz von Beschäftigten beispielsweise in der Produktion vor Lärm und Vibrationen am Arbeitsplatz. Unter anderem werden hier Art, Ausmaß und Dauer von Lärm und Vibrationen behandelt, aber auch Auslöse- und Expositionswerte. Außerdem geht es unter anderem auch um Möglichkeiten der Verfügbarkeit alternativer Arbeitsmittel, um Gesundheitsgefahren durch Vibrationen und Schwingungen zu vermeiden.

    Das Mutterschutzgesetz regelt nicht nur Schutzfristen vor und nach der Entbindung, sondern befasst sich auch mit weiteren Themen wie etwa dem Verbot von Mehrarbeit oder Nachtarbeit, den Arbeitsbedingungen und vielem mehr. Auch wurden im Jahr 2018 Änderungen im Mutterschutzgesetz vorgenommen und beschlossen.

    Fazit: Optimierung von Arbeitsschutz & Arbeitssicherheit

    Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit sind weit gefasste Bereiche, über die man als Arbeitgeber schnell den Überblick verlieren kann.

    Ein wirksamer Schutz der Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten kann mit einer effektiven Arbeitsschutzorganisation erreicht werden. Dazu ist es erforderlich, den Arbeits- und Gesundheitsschutz nicht losgelöst von den Betriebsstrukturen zu betrachten.

    Eingebunden in die Arbeitsabläufe, wird eine funktionierende Arbeitsschutzorganisation zunächst dafür sorgen, dass die gesetzlichen Vorschriften eingehalten werden. Mit der richtigen Organisation kann die Arbeitssicherheit über die Gesetzesvorgaben hinaus optimiert werden. Die erforderlichen Maßnahmen zur Verbesserung des Gesundheits- und Arbeitsschutzes werden dadurch konkreter und senken die Gefahr für die Beschäftigten.

    Arbeitsschutzmanagementsysteme zur Steigerung der Arbeitssicherheit

    Zu einem wichtigen Instrument in der Arbeitsschutzorganisation haben sich Arbeitsschutzmanagementsysteme bewährt.

    Der Arbeitgeber und fachkundige Führungskräfte stehen in der Verantwortung, die Wirksamkeit dieser Systeme zu überwachen. Durch derartige straffe Organisationsformen kann der Arbeitgeber aber auch Bußgelder und Strafverfahren vermeiden. Denn eines ist klar, nicht nur das Risiko eines Arbeitsunfalls sinkt. Mit einer gut funktionierenden, fest eingebundenen Organisation wird auch die Gefahr minimiert, als Arbeitgeber in die Gesetzesfalle zu tappen. Denn solch ein Managementsystem arbeitet nach dem Arbeitsschutzgesetz.


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