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Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit im Betrieb: Das sollten Sie wissen

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Arbeitsschutz

Der Gesundheitszustand der eigenen Mitarbeiter ist die Grundlage für deren Leistungsfähigkeit und sollte im Interesse eines jeden Arbeitgebers stehen. Das gilt für alle Abteilungen der Firma. Mitarbeiter haben ein Recht auf einen angemessenen Arbeitsschutz. Darunter fallen Maßnahmen zur Unfallvermeidung genauso wie das Recht auf Mutterschutz, Pausenzeiten, Nichtraucherschutz und vieles mehr. Dafür gibt es unzählige Gesetze und es ist nicht ganz leicht, hier den Überblick zu behalten.

Viele Pflichten des Unternehmens sind in der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) geregelt, die sich an jeden Arbeitgeber richtet. Weil sich die Arbeitswelt jedoch mehr und mehr ändert, gab es in der jüngeren Vergangenheit viele Verunsicherungen, die mit einer Novellierung der ArbStättV im Jahr 2016 ausgeräumt werden sollten. Verunsicherungen etwa darüber, ob eine Gefährdungsbeurteilung für einen Home Office-Arbeitsplatz durchgeführt werden muss und wie sie gelingen kann.

Arbeitsschützer forderten in Zusammenhang mit der Novellierung etwa auch eine Gefährdungsbeurteilung von psychischen Erkrankungen. Hinzu kommen unter anderem auch Neuerungen bei der Gefährdungsbeurteilung von Bildschirmarbeitsplätzen oder eine sogenannte Sonnenlicht-Klausel.

Arbeitsschutz ist ein großes Thema: Allen voran müssen Unternehmer umfassende Gefährdungsbeurteilungen für ihren Betrieb erheben und überprüfen sowie die individuell zu treffenden Maßnahmen ableiten, die sich daraus ergeben. Die Richtlinien der ArStättV dienen dem Schutz und der Gesundheit der Mitarbeiter. In ihr sind Ziele und Mindestvorgaben formuliert, allerdings keine expliziten Zahlen etwa zu Raumtemperaturen oder Sicherheitsabständen. Diese konkreteren Angaben macht das sogenannte Technische Regelwerk. Trotzdem ist es für Firmeninhaber wichtig, die Arbeitsstättenverordnung zu kennen – auch in Bezug auf Rechtssicherheit.

Arbeitsstättenverordnung und Gefährdungsbeurteilung

Was Arbeitgeber vor diesem Hintergrund jedoch zu allererst interessieren dürfte: Wie funktioniert eigentlich eine Gefährdungsbeurteilung nach der ArbStättV? Worauf ist zu achten? Schließlich drohen auch Bußgelder, wenn die Beurteilung fehlerhaft oder unvollständig ist. Wichtig dabei ist die sogenannte Technische Regel, die der Ausschuss für Arbeitsstätten formuliert hat. Sie bietet Hilfe bei einer ersten Beurteilung der Arbeitsstätte. Dabei stehen unter anderem bauliche Maßnahmen und Veränderungen, Kennzeichnungspflichten, die Festlegung und Benutzung von Arbeitsplätzen sowie die Arbeitsabläufe im Fokus. Insgesamt sind es acht Schritte, die dabei zu beachten sind:

  • Vorbereiten
  • Ermitteln von Gefährdungen
  • Beurteilen der Gefährdungen
  • Festlegen von Maßnahmen
  • Umsetzen von Maßnahmen
  • Überprüfen der Wirksamkeit der Maßnahmen
  • Dokumentation
  • Fortschreiben

Weitere Gesetze und Verordnungen zum Arbeitsschutz

Für Baubetriebe sind außerdem Kenntnisse über die Baustellenverordnung (BauStellV) wichtig, um das Gefahrenpotenzial zu reduzieren. Gesundheitsschutz und Sicherheit müssen hier besonders großgeschrieben werden. Die Baustellenverordnung greift immer dann, wenn auf einer Baustelle Mitarbeiter verschiedener Arbeitgeber beschäftigt sind. Auch hier steht zunächst eine Gefährdungsbeurteilung an. Risiken und Gefahren müssen zunächst erkannt werden, um anschließend entsprechende Arbeitsschutzmaßnahmen ergreifen zu können. Besondere Schutzmaßnahmen sind zum Beispiel Pflicht, wenn die Gefahr besteht, dass Arbeiter abstürzen, ertrinken oder verschüttet werden. Auch der Umgang mit giftigen, explosiven oder krebserregenden Stoffen erfordert spezifische Maßnahmen.

In diesen Fällen muss ein Sicherheits- und Gesundheitsplan aufgestellt werden. Für die Aufstellung des Planes ist ein vom Bauherrn bestellter Sicherheits- und Gesundheitskoordinator (SiGeKo) verantwortlich. Dieser Plan muss außerdem ausgearbeitet werden, wenn Mitarbeiter unterschiedlicher Firmen auf einer Baustelle tätig sind. Weiterhin ist in der Baustellenverordnung geregelt, welche Arbeitsschutzmaßnahmen vom Arbeitgeber eingehalten werden müssen. Dazu gehört die Sorgfalt über die Instandhaltung von Arbeitsgeräten genauso wie die fachgerechte Lagerung und Entsorgung von Bauabfällen.

Neuigkeiten gibt es auch bei der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV), die einen neuen, verschärften Schwerpunkt  auf den sicheren Umgang mit Arbeitsmitteln setzt. Weil sie an der europäischen Rechtsprechung orientiert ist, kommen auf Unternehmer neue Aufgaben bei den Arbeitsabläufen und der Dokumentation zu. Neben körperlichen Belastungen müssen nun auch die psychischen berücksichtigt werden, außerdem gibt es deutlich mehr Anforderungen an alters- und alternsgerechte Arbeitsgestaltung. Davon betroffen sind alle Unternehmer, deren Mitarbeiter Arbeitsmittel verwenden. Sie gilt auch für alle Betreiber von überwachungsbedürften Anlagen wie etwa Fahrstühle. Gefährdungsbeurteilungen sind auch hier Pflicht.

Immer zu berücksichtigen ist, dass man nur geeignete Arbeitsmittel verwendet, von denen keine Gefährdung ausgeht. Mitarbeiter müssen diesbezüglich zu unterwiesen oder zu qualifizieren. Im Endeffekt geht es also um die Eignung beim Umgang mit Werkzeugen, Maschinen, Fahrzeugen, Anlagen oder Geräten wie Computer. Dabei sind auch Arbeitsmittel einer Gefährdungsbeurteilung zu unterziehen, die Sie im Betrieb selbst herstellen. Das gleiche gilt für private Arbeitsmittel, die der Mitarbeiter mit in die Firma bringt. Dieses ist übrigens ausdrücklich zu gestatten.

In einem Unternehmen, darunter fallen auch selbstständige Betriebe, mit mehr als 20 Mitarbeitern, ist auch ein sogenannter Arbeitsschutzausschuss (ASA) Pflicht. Dieses Gremium befasst sich mit allen Fragen rund um die Sicherheit der Beschäftigten und setzt sich aus mindestens sechs Personen zusammen. Ziel ist es, den Gesundheits- und Arbeitsschutz im Unternehmen zu verbessern und die Verantwortlichen zu beraten. Das betrifft auch Fragen zu Investitionen rund um den Arbeitsschutz. Doch auch Mobbing kann ein Thema sein.

Viele Betriebe beauftragen bestimmte Mitarbeiter, als sogenannte Sicherheitsbeauftragte (SiBe) als Bindeglied zwischen Fachkräften für Arbeitssicherheit (SiFa), der Führungsebene und Mitarbeitern zu fungieren. Diese helfen dabei, Sicherheitsmaßnahmen durchzusetzen, machen auf Gefahrenquellen aufmerksam und achten beispielsweise auf die Benutzung von Schutzkleidung. Anders als Fachkräfte für Sicherheit haben SiBe`s keine bestimmte Qualifikation, sie tragen auch keine formale Verantwortung für die Sicherheit im Betrieb. Sicherheitsbeauftragte sind ab einer Betriebsgröße von mindestens 20 Mitarbeitern Pflicht. Ihre Anzahl richtet sich nach bestimmten Kriterien.

Gesundheitsschutz und Unfallverhütung müssen in einem Betrieb also großgeschrieben werden. Zunächst aber ist es von Bedeutung, zu wissen, was eine Arbeitsstätte kennzeichnet. Erst dann kann daraus abgeleitet werden, für den die ArbStättV tatsächlich gilt. Fällt auch Heimarbeit darunter? Was ist mit Arbeiten im Freien? Oder mit Dienstfahrten? Grundsätzlich sind Arbeitsstätten laut ArbStättV „Arbeitsräume oder andere Orte in Gebäuden auf dem Gelände eines Betriebs.“ Die Werkstatt oder das Büro fallen also eindeutig darunter, ein Marktstand jedoch nicht, genauso wenig wie eine Dienstfahrt. Welche Vorschriften genau gelten, erklären wir unter.

Das Arbeitsstättenschutzgesetz bringt auch viele andere Pflichten für den Arbeitgeber mit sich. Zum Beispiel bei der Bildschirmarbeit. Auch hier ist nämlich eine Gefährdungsbeurteilung erforderlich. In diesem Bereich haben sich außerdem in der jüngeren Vergangenheit Änderungen ergeben: Die Bildschirmarbeitsverordnung wurde vom Bundeskabinett um weitere Verordnungen erweitert und in die ArStättV aufgenommen. Durch diese Maßnahme wurden somit gesundheitsgerechte Arbeitsbedingungen für alle Beschäftigten mit Bildschirmarbeitsplatz geschaffen.

Arbeitsschutz ist sehr vielfältig

Auch der Nichtraucherschutz ist Bestandteil der Arbeitsstättenverordnung. Unternehmen müssen dafür Sorge tragen, dass Arbeitnehmer überall – sowohl in der Werkstatt als auch im Büro – gegen Passivrauchen geschützt werden. Tabakrauch gefährdet bekanntlich die Gesundheit, und auch Nichtraucher nehmen in Anwesenheit von Rauchern Schadstoffe auf.

Wer Auszubildende in seinem Betrieb beschäftigt, ist zu einer besonderen Sorgfalt verpflichtet, die im Jugendarbeitsschutzgesetz (JarbSchG) geregelt ist. Deshalb muss bei der Gefährdungsbeurteilung noch einmal ein genaues Augenmerk auf Jugendliche unter 18 Jahren gelegt werden. Sie gelten als besonders schutzbedürftige Personen, für die andere Regelungen in Bezug auf Arbeitszeiten, Gesundheitsvorsorge und Beschäftigungsverboten gelten als für volljährige Mitarbeiter. Jugendliche können Risiken womöglich noch nicht umfassend einschätzen oder sind in Gefahr, sich übermäßig zu beanspruchen (auch bei schweren körperlichen Tätigkeiten). Deshalb muss der Arbeitgeber auf verschiedene Aspekte achten. Das kann der Ausschluss von Akkordarbeit sein oder auch ein Verbot, mit schädlichen Stoffen zu hantieren. Unterweisungen zum Sicherheits- und Gesundheitsschutz müssen bei Auszubildenden halbjährlich erfolgen. Dazu gehört auch die Kenntnis über die weitestgehend genormten Sicherheitskennungen, die alle Mitarbeiter verstehen müssen.

Unternehmer sind dazu verpflichtet, Sicherheitskennungen anzubringen und zwar dann, wenn Gefährdungen von Gesundheit und Sicherheit nicht vermieden oder nur ausreichend begrenzt werden können. Welche Schilder im Betrieb angebracht werden müssen, wird durch die Gefährdungsbeurteilung deutlich. Darunter sind jedoch nicht visuelle Zeichen zu verstehen, sondern auch akustische Signale, Handzeichen und andere. Auch Flucht- und Rettungspläne gehören zu den Bildzeichen.

Aktualisierung der Regelungen

Kürzlich sind die Technischen Regeln zur Arbeitsstättenverordnung aktualisiert worden. In diesem Zusammenhang wurde ein Verbotszeichen (PO22, Besteigen für Unbefugte verboten) neu gestaltet. Das Sicherheitsschild besagt, dass niemand an dieser Stelle aufsteigen oder hochklettern darf ohne ausdrückliche Erlaubnis. Wer also die Kennzeichnung in seinem Betrieb neu plant, sollte die aktuelle Variante der älteren vorziehen.

Nicht zu vernachlässigen ist auch die Sicherheitsbeleuchtung in Betrieben: Bei einem Brand müssen die Flucht- und Rettungswege gut erkennbar sein – auch bei einem Ausfall der Allgemeinbeleuchtung. Entscheidend ist dabei, dass die Sicherheitsbeleuchtung gut geplant und stets kontrolliert wird. Bestimmte Arbeitsstätten müssen mit einer entsprechenden Beleuchtung ausgestattet sein. Auch hier bilden die Arbeitsstättenverordnung und die Technischen Regeln die Grundlage. Sicherheitsbeleuchtung ist zum Beispiel in elektrischen Betriebsräumen ein Muss, genauso wie bei Steuereinrichtungen für Anlagen, in Laboren, in Räumen ohne Tageslicht oder unter Tage.

Bei der Installation und Wartung sind viele Anforderungen zu beachten, denn in einem Notfall kann die Sicherheitsbeleuchtung durchaus lebensrettend sein. Grundsätzlich gilt in Zusammenhang mit der Beleuchtung am Arbeitsplatz, dass natürliches Licht künstlichem vorzuziehen ist. Doch es gibt Ausnahmen, die mit technischen oder anderen betriebsbedingten Anforderungen an das Unternehmen zusammenhängen. Tageslicht am Arbeitsplatz ist ausreichend, wenn ein Tageslichtquotient größer als zwei Prozent ist (bei Dachoberlichtfenstern vier Prozent). Außerdem muss das Verhältnis der lichtdurchlässigen Fläche zur Raumgrundfläche mindestens 1:10 betragen. Fachplaner können den Tageslichtquotienten berechnen. Wichtig bei der Beleuchtung ist auch, Blendeffekte zu vermeiden. Bei künstlicher Beleuchtung hingegen gibt es Mindestbeleuchtungsstärken, die je nach Branche und Tätigkeit variieren. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die Beleuchtungsqualität (Farbwiedergabe, Flimmerverhalten, Schattenbildung etc.). Auch künstliche Beleuchtung im Freien fällt unter den Begriff Arbeitsplatzbeleuchtung. Hier ist ebenfalls eine sorgfältige Gefährdungsbeurteilung nötig.

Arbeitsschutz erstreckt sich auf das gesamte Betriebsgelände

In punkto Sicherheit muss ein Unternehmer auch das Betriebsgelände im Blick behalten: Zum Beispiel gelten für Fahrten auf dem Firmengelände feste Vorgaben. Hier ist die Straßenverkehrsordnung außer Kraft gesetzt, was Mitarbeiter so auslegen können, dass sie es bei Fahrten auf dem Betriebsgelände nicht so genau nehmen müssen. Es reicht nicht aus, ein Hinweisschild aufzustellen, dass auf dem Firmengrundstück die Straßenverkehrsordnung zu gelten hat.

Verkehrssicherheit sollte mit in die Gefährdungsbeurteilung einfließen. Dazu gehört, dass jedes betrieblich genutzte Fahrzeug auch betriebssicher und ohne Mängel sein muss. Dies ist einmal im Jahr zu prüfen, unabhängig davon, ob das Betriebsfahrzeug zum TÜV muss oder Bußgelder drohen. Um den rechtlichen Grundlagen zu genügen, muss der Firmeninhaber viele Aspekte bedenken: Mitarbeiter dürfen ein Betriebsfahrzeug beispielsweise nur dann führen, wenn sie dazu befähigt sind und auch unterwiesen wurden. Wann zum Beispiel darf man ein Handy benutzten? Gibt es im Betrieb ein Alkoholverbot? Ist eine Vorsorgeuntersuchung notwendig? Werden Parkregelungen benötigt? Sind Fahrer darin geschult, Handzeichen zu verwenden? Die Fragen sind vielfältig und sind vorab zu klären.

Hinweis: Das gilt auch für die Verkehrssicherheit der Anlage (Sichtfelder, Ausleuchtung, Verschmutzungen, etc.).

Auch die Räum- und Streupflicht fällt unter dieses Thema und betrifft nicht nur die Mitarbeiter des Betriebs. Wenn sich Kunden oder Besucher wegen Glätte verletzen, haftet der Unternehmer. Ein Räum- und Streuplan ist deshalb unabdingbar. Grundsätzlich müssen Einfahrten, Wege, und Zugänge zwischen 7 und 20 Uhr geräumt sein. Dieser Zeitraum kann sich auch verlängern (zum Beispiel bei Kundenverkehr). Ein Betriebsurlaub ist übrigens kein Grund, auf die Streu- und Räumpflicht zu verzichten. Sind Parkplätze Gästen vorbehalten, so sind auch hier Stolperfallen zu beseitigen. Das Unternehmen kann entweder selbst für ein eis- und schneefreies Gelände sorgen oder einen externen Dienstleister dazu heranziehen. Behält sich der Betrieb die Räumpflicht vor, ist der Winterdienst gut zu organisieren.

Bei der Räum- und Streupflicht muss auch an mögliche Dachräumungen gedacht werden. In der Arbeitsstättenverordnung ist unter anderem nachzulesen, welche Kriterien eine Dachräumung notwendig machen und wie man die Schneelast berechnet. Bei schweren Schneefällen können sich Unternehmen nicht auf das Technische Hilfswerk oder die Feuerwehr verlassen. Deshalb ist ein Konzept nötig, das im Fall von schweren Schneefällen eine sichere Dachräumung ermöglicht?

Auch Pausen gehören zum Arbeitsschutz

Ein weiterer wichtiger Punkt: Auch Pausen und Arbeitszeit gehören zum Arbeitsschutz. Deshalb müssen Unternehmer über Vorschriften zu Arbeitszeiten, gesetzlichen Pausen, Schicht- oder Nachtarbeit und die Ruhezeiten für LKW-Fahrer Bescheid wissen. Schicht- und Nachtarbeit ist zum Beispiel in der Gefährdungsbeurteilung keineswegs zu vernachlässigen, genauso wenig wie spezielle Verpflichtungen des Arbeitgebers bei Jugendlichen und Müttern. Auch für Kraftfahrer gelten besondere Regelungen zu den sogenannten Lenk- und Ruhezeiten. Hier greifen mehrere Gesetze ineinander, mit denen man Arbeitgeber dazu anhält, neben Verkehrssicherheit auch für den Gesundheitsschutz ihrer Mitarbeiter Sorge zu tragen. Verstöße gegen diese Vorschriften werden streng geahndet und der Unternehmer zur Kasse gebeten.

Was grundsätzliche Pausenzeiten betrifft, schreibt das Gesetz lediglich Rahmenbedingungen für Mindestzeiten vor. Wie diese jedoch ausgestaltet werden, ist Sache des Arbeitgebers. Diese sollten Pausenzeiten ihrer Mitarbeiter als Erholung und Gesunderhaltung ansehen. Im Paragraf 4 des Arbeitszeitgesetzes sind die gesetzlichen Richtlinien der Pausenzeiten geregelt. Wer beispielsweise zwischen sechs bis neun Stunden arbeitet, muss eine Pause von mindestens einer halben Stunde einlegen. Darüber hinaus muss die Entlohnung für die Pausenzeit festgelegt genau werden (bezahlte Pause oder nicht). Bei einer Arbeitszeit von bis zu sechs Stunden ist keine gesetzliche Pause vorgeschrieben. Wer also morgens um 7 Uhr mit der Arbeit beginnt, muss spätestens um 13 Uhr eine 30-minütige Pause machen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die gesetzliche Feiertagsregelung. Grundsätzlich ist es verboten, Mitarbeiter an christlichen Feiertagen zu beschäftigen. Es gibt natürlich Ausnahmen wie etwa in Krankenhäusern, Restaurants oder Verlagen. Diese Ausnahmeregelung ist vom Arbeitgeber jedoch zu beantragen. Wichtig zu wissen ist, dass die Religionszugehörigkeit eines Mitarbeiters keine Rolle dabei spielt. Demnach dürfen keine Muslime, Buddhisten oder Angehörige anderer Religionen an einem christlichen Feiertag eingesetzt werden. Genauso wenig wie Angestellte, die aus der Kirche ausgetreten sind. Allerdings gilt dies nur für gesetzliche Feiertage, die in allen Bundesländern ihre Gültigkeit haben.

Die Aufgaben des Sicherheits- und Gesundheitskoordinators

Ein Sicherheits- und Gesundheitskoordinator verfügt – meist anders als der Bauherr – über das notwendige Fachwissen, um gesundheits- und sicherheitsrelevante Aspekte auf der Baustelle beurteilen zu können. Seine Aufgaben sind vielfältig, das Themenspektrum ist komplex. Der SiGeKo muss neben der Gefährdungsbeurteilung und den sich daraus ergebenden Maßnahmen (SiGe-Plan) auch notwendige Bauunterlagen erstellen und in Kontakt mit Behörden stehen. Im SiGe-Plan sind alle Arbeitsschutzrichtlinien schriftlich zu fixieren. Damit wird auch sichergestellt, dass sich alle am Bau beteiligten Betriebe an das Arbeitsschutzgesetz halten. In der Regel hat der SiGeKo eine beratende und unterstützende Funktion. Es ist aber möglich, ihm Weisungsbefugnis zu erteilen. Die Verantwortung bleibt jedoch in den Händen der am Bau beteiligten Arbeitgeber, beziehungsweise beim Bauherrn.

Grundsätzlich müssen alle Arbeitgeber ihren Mitarbeitern ein arbeitsmedizinisches Vorsorgeangebot anbieten und das in Abhängigkeit von der Art und dem Ausmaß der Gefahren am Arbeitsplatz. Die Inanspruchnahme durch den Mitarbeiter ist in vielen Fällen freiwillig, aber nicht immer. Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen sind gerade bei gefährlichen Tätigkeiten, die beispielsweise in der Industrie oder in der Baubranche häufig vorkommen, wichtig. In solchen Fällen sind ärztliche Untersuchungen mit Blick auf arbeitsbedingte Krankheiten Pflicht des Unternehmens.

Arbeitsmedizinische Untersuchungen dienen der Gefährdungs- und Belastungseinschätzung und sind notwendig, um Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu ergreifen. Gleichzeitig sind diese Vorsorgeuntersuchungen wichtig, um Berufskrankheiten so früh wie möglich erkennen zu können. Durchgeführt werden sie von qualifizierten Betriebsärzten und nach den Kriterien des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG). Wichtig ist, dass der Mediziner in einem ständigen Austausch mit den Mitarbeitern des Betriebes steht. Sein Ziel ist es, Erkrankungen zu verhindern, die in Zusammenhang mit den Arbeitsaufgaben der Mitarbeiter stehen. Häufig sind dies Muskel-Skelett-Erkrankungen, Süchte oder auch psychische Erkrankungen. Unterschieden wird dabei die Pflicht- und die Vorsorgeuntersuchung. Welche durchzuführen oder zu empfehlen ist, regelt die Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV). Vorher aber muss das Unternehmen die Arbeitsbedingungen prüfen. Dies geschieht über die fachmännische Gefährdungsbeurteilung – sie ist auch die Basis für eine adäquate arbeitsmedizinische Vorsorge.

Eine Vorsorgeuntersuchung durch den Betriebsarzt unterliegt der ärztlichen Schweigepflicht. Ausführliche Untersuchungsergebnisse zu den einzelnen Mitarbeitern dürfen nicht weitergegeben werden. Der Mediziner kann jedoch gesundheitliche Bedenken mitteilen und Auflagen bei bestimmten Tätigkeiten erteilen.  In der Regel umfasst die Untersuchung durch den Betriebsarzt folgende Punkte:

  • Pflichtuntersuchung: Information des Arbeitgebers über die Durchführung
  • Beurteilung der Arbeitsplatzsituation
  • Untersuchung und Beratung der Mitarbeiter sowie Beurteilung des Gesundheitszustandes
  • Gespräch mit dem Mitarbeiter über eventuelle gesundheitliche Bedenken nach Auswertung der Untersuchungsergebnisse

Wichtig ist dabei eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Betriebsarzt und der Sicherheitsfachkraft. Schließlich wird die arbeitsmedizinische Beurteilung von Mitarbeitern und die Vorsorgeleistung auf Basis der Gefährdungsbeurteilung vorgenommen, mit der wiederum die SiFa betraut ist. Eine Zusammenarbeit ist deshalb für beide Seiten von Vorteil und nützt am Ende dem Betrieb. Beide wirken bei der Gestaltung der Arbeitsbedingungen im Unternehmen mit und haben das Zusammenspiel von Arbeit und Gesundheit im Blick.

Autor: Redaktion Safety Xperts

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