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Arbeitsunfall im Betrieb: was ist zu beachten?

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Arbeitsunfall Betrieb

Ein unachtsamer Moment reicht schon aus, um auf dem Weg zur Toilette zu stolpern. So unglaublich es klingen mag: es gab auch schon Fälle, bei denen der eine Kollege in einen Arbeitsraum rein und der andere in diesem Moment aus dem gleichen raus wollte. Ergebnis: Ein abgebrochener Zahn und eine blutende Nase! Neben einem leichten Arbeitsunfall gibt es aber auch schwere. Gerade im Baugewerbe oder im Bergbau kommt es weltweit immer wieder zu teils tödlichen Arbeitsunfällen. Diesen vorzubeugen ist manchmal extrem schwierig.

Wichtig ist es, bei jeder Art von Arbeitsunfall die Nerven zu bewahren, die Erstversorgung einzuleiten und weitere Hilfe anzufordern. Jede Sekunde zählt und kann im Notfall über Leben und Tod entscheiden. Eine beherzte sofortige Hilfe kann zudem Folgeschäden minimieren oder ganz vermeiden.

Befindet sich der verletzte Arbeitnehmer außerhalb der Gefahrenzone, sind sofort weitere Schritte einzuleiten, die wir Ihnen gerne in diesem Beitrag näher erläutern möchten.

    Was ist ein Arbeitsunfall?

    Laut der gesetzlichen Unfallversicherung beschreibt ein Arbeitsunfall, auch Berufs- bzw. Betriebsunfall genannt, den Unfall eines angestellten Arbeitnehmers. Das besagte Unglück kann entweder während der Arbeitszeit selbst oder auf dem Weg zur Arbeitsstätte hin geschehen.

    • Nach § 178 Absatz 2 Satz 2 VVG zu Folge gibt es präzise Vorstellungen, wann ein Unfall versicherungsrechtlich auch tatsächlich ein Unfall ist. Ein Arbeitsunfall liegt vor, wenn der versicherte Arbeitnehmer von einem nicht vorhersehbaren Ereignis körperliche Schädigungen davonträgt. Eine wichtige Voraussetzung dafür, dass dieser Unfall von der gesetzlichen Unfallversicherung anerkannt wird. Bei Eigenverschulden kann der geschädigte Arbeitnehmer zu Teilen oder ganz zur Verantwortung gezogen werden. Darüber entscheidet die Einzelprüfung des jeweiligen Falles.

    Auf welche Bereiche ist ein Arbeitsunfall beschränkt?

    Ein Arbeitsunfall erfährt auch dann den natürlichen Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung, wenn er nicht direkt am Arbeitsplatz stattfindet.

    Unfälle dürfen ebenfalls als Arbeitsunglück angesehen werden, wenn diese folgende Bedingungen erfüllen:

    • Der Unfall findet während eines Kindergarten-, Schul- oder Kitabesuchs statt.
    • Das Unglück ereignet sich im eigenen Wohnraum während der Betreuung oder Pflege eines Familienmitglieds.
    • Es kommt zu Verletzungen aufgrund einer Hilfeleistung (beispielsweise nach einem Verkehrsunfall).
    • Auch wenn Sie ein Ehrenamt ausüben und sich an Ort und Stelle verletzen, greift im Normalfall die gesetzliche Unfallversicherung.

    Ab der ersten Sekunde Erste Hilfe leisten

    Egal wie schwer die Verletzung ist, sie sollte sofort untersucht und achtsam versorgt werden. Solange der Arzt am Unfallort fehlt, sollten Sie als Ersthelfer die Ruhe bewahren, den Verletzten beruhigen und ordnungsgemäß, vor allem behutsam in die richtige Körperlage bringen. Es muss dafür gesorgt werden, dass der Verletzte frei atmen kann und möglichst bei Bewusstsein bleibt.

    Zur Information: Die Kosten für eine Ersthelferausbildung werden von den Berufsgenossenschaften getragen. Ein Grund mehr, dieses manchmal sogar lebensrettende Angebot anzunehmen. Wer im entscheidenden Moment Hilfe spenden kann, ist in jeder Hinsicht klar im Vorteil!

    Wurde Ersthilfe geleistet, trägt das Unternehmen die Verantwortung für einen fachgerechten Krankentransport. Krankentransporte nach Arbeitsunfällen ziehen selbstredend Kosten nach sich. Diese übernimmt in der Regel die Berufsgenossenschaft. Die nächste Station ist der Durchgangsarzt, auch als D-Arzt bekannt. Nach einem Betriebsunfall ist er die Adresse, die der verletzte Arbeitnehmer allein oder von Sanitätern gestützt ohne Umwege aufsuchen sollte. Der D-Arzt ist ein von der Berufsgenossenschaft zugelassener Mediziner, der eine unfallmedizinische Ausbildung genossen hat.

    Vielfach handelt es sich bei dem Durchgangsarzt um einen als Facharzt für Unfallchirurgie niedergelassenen Arzt. Es kommt aber auch vor, dass er seiner Arbeit in einem der umliegenden Krankenhäuser nachgeht. Gemeinsam mit der Berufsgenossenschaft gewährleistet der Durchgangsarzt eine sehr gute medizinische Versorgung. Sind die erworbenen Verletzungen und das Unfallereignis als eher harmlos einzustufen, wird der verletzte Arbeitnehmer vom D-Arzt zur Weiterbehandlung an den Hausarzt weitergereicht. Wo Sie den nächstgelegenen D-Arzt finden, erfahren Sie bei Ihrem Arbeitgeber bzw. bei Ihrem Unfallversicherungsträger.

    Ausnahme Lebensgefahr:

    Bei lebensbedrohlichen Arbeitsunfällen und Ohnmacht des Versicherten wird dieser unverzüglich mit dem Rettungswagen in ein nahegelegenes Krankenhaus oder direkt in die Berufsgenossenschaftliche Klinik gebracht.

    D- und H-Arzt: Ihre Bedeutung

    Ist ein Arbeitsunfall passiert, muss schnell, umsichtig und richtig gehandelt werden. Dies gilt für den verletzten Arbeitnehmer ebenso wie für den aufsichtstragenden Arbeitgeber und alle weiteren in diesem Verfahren involvierten Personen. Hier kommen auch D-Arzt und H-Arzt ins Spiel.

    Nach einem Betriebsunfall ist der Durchgangsarzt zuständig. Er hat die Befugnis der Überwachung sowie Lenkung weiterer medizinischer Maßnahmen im Rahmen des berufsgenossenschaftlichen Heilverfahrens inne. Anders als der D-Arzt widmet sich der H-Arzt gemeinhin dem zu ihm eilenden Unfallverletzten. Ein allgemeines Zuweisungsverfahren anderer Mediziner an den H-Arzt wird kaum in Anspruch genommen.

    Arbeitsunfall: welche wichtigen Schritte sind entscheidend?

    Nach einem Arbeitsunfall sitzt der Schock erst einmal tief. Dennoch müssen gewisse Fristen bezüglich der Meldepflicht dringend eingehalten werden. Diese Vorschrift gilt für Arbeitgeber wie auch für den verletzten Arbeitnehmer gleichermaßen.

    • Tödliche Unfälle müssen mit einer Sofortmeldepflicht vom Arbeitgeber an den zuständigen Unfallversicherungsträger übermittelt werden. Wurden bei dem Unglück gleich mehrere Personen verletzt und wurden diese medizinisch behandelt, ist auch dies dringend meldepflichtig.
    • Weitere meldepflichtige Arbeitsunfälle müssen innerhalb von drei Tagen bekannt gemacht werden.

    Nach der Meldung des Unfallereignisses kontrolliert der Versicherungsträger, ob auch alle entscheidenden Punkte für einen Unfall erfüllt sind. Hierzu dürfen der versicherte Unfallverletzte, der Arbeitgeber sowie Zeugen des Geschehens befragt werden und ihrerseits Stellung beziehen.

    Neben der Ermittlung der allgemeinen Unfallsituation und dem damit einhergehenden Gesundheitsschaden durchleuchtet der Versicherungsträger oft auch die Krankenvorgeschichte der geschädigten Person. Der Versicherte kann in diesem Fall einen mit der erforderlichen Eignung gesegneten Gutachter wählen oder die Wahl dem Unfallversicherungsträger überlassen. Da diesem interne Gutachter fehlen, beauftragt er externe Fachärzte, beispielsweise Neurologen, Chirurgen oder Orthopäden.

    Tipp: Lassen Sie sich als betroffener Versicherter vom Unfallversicherungsträger eine Kopie des Gutachten aushändigen. Damit sind Sie, egal was noch kommt, immer auf der richtigen Seite!

    Arbeitsunfall auf der Toilette

    Fakt ist: Jeder Arbeitnehmer darf sich während seiner arbeitsvertraglich festgelegten Tätigkeit durch die gesetzliche Unfallversicherung geschützt und abgesichert fühlen. Dies besagt: Wer sich innerhalb der Arbeitszeit auf seinem Arbeitsplatz verletzt, darf meistens den Versicherungsschutz inklusive medizinischer Behandlung und etwaigen Entschädigungsleistungen in Anspruch nehmen. Dies gilt übrigens auch für Wege zum Arbeitsplatz und zurück nach Hause.

    • Aber wie sieht es mit dem Toilettenbesuch während der Arbeitszeit aus?
    • Greift der Versicherungsschutz auch dann, wenn Sie beispielsweise auf dem Weg zur Toilette ausrutschen und sich dabei ein Bein brechen?

    Hier scheiden sich die Geister. Ein Unfall auf dem Weg zur oder auf der Toilette, wird leider viel zu oft nicht als reiner Arbeitsunfall angesehen.

    Merke: Ein Arbeitsunfall wird als solcher gewertet, wenn er in direktem Zusammenhang mit der Arbeit steht. Während der Gang zur Toilette in den meisten Fällen eine normale Absicherung erfährt, fehlt diese auf der Toilette selbst. Auch hier entscheidet oftmals der Einzelfall! Und „auf der Toilette“ meint hier der Aufenthalt im gesamten sanitären Bereich.

    Wegeunfall mit Einschränkungen

    Vielleicht fragen Sie sich gerade, wann die Grenzen des Arbeitsunfalls erreicht sind? Wann die Sozialversicherung im Falle eines Betriebsunfalls gerade noch greift und an welcher Stelle der Arbeitsschutz im Betrieb für den versicherten Arbeitnehmer endet. Grundsätzlich ist es so, dass der Arbeitnehmer sowohl auf der Arbeit selbst, als auch auf dem direkten Weg von seiner Wohnung zu seiner Tätigkeit vollen Schutz genießt.

    Dabei gilt Folgendes: Der Versicherungsschutz bleibt nur dann bestehen, wenn der versicherte Beschäftigte sich auf direktem Weg zu seiner Arbeitsstelle begibt. Geschieht ein Unfall während eines nicht vorgesehenen Zwischenstopps oder auf einem Umweg (z. B. zur Tankstelle oder zum Bäcker), ist der Versicherungsschutz für die betroffene Person aufgehoben. Nur Unfälle auf direktem Weg zum Arbeitsplatz werden in der Regel als Arbeitsunfall gewertet und dementsprechend auch als solche behandelt.

    Die Grundsatzentscheidung durch das Bundessozialgericht gibt vor:

    • Alle Mittel, mit denen Sie ihren direkten Weg zur Arbeit und zurück bestreiten, gelten als abgesichert. So ist es beispielsweise egal, ob Sie zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit Auto, Bus oder Bahn Ihre Arbeit erreichen.
    • Wichtig zu wissen: der Versicherungsschutz reicht bis zur Außentür des Wohngebäudes. Treppenstürze innerhalb des Gebäudes sind somit von der Versicherung ausgenommen.
    • Ebenso werden private Unglücke in den eigenen vier Wänden nicht als Arbeitsunfall anerkannt.
    • Vergnügungseinkäufe während oder nach der Arbeitszeit sind ebenfalls nicht abgesichert. Hingegen kommt etwa bei Nutzung von Fahrgemeinschaften der volle Versicherungsschutz zum Tragen. Darunter fallen beispielsweise Eltern, die ihre Kinder vor der Schule absetzen oder diese nach Ablauf der geregelten Betreuungszeit wieder vor dem Gebäude abholen.
    • Ausnahmen: Kommt es auf direktem Weg zur Arbeitsstätte zu einem Stau, darf der versicherte Arbeitnehmer einen Umweg nehmen, ohne den Versicherungsschutz dabei zu gefährden.

    Lohnfortzahlung nach Arbeitsunfall

    Arbeitsunfälle passieren erwartungsgemäß häufiger in Hochrisikobereichen. Aber auch bei harmlos wirkenden Tätigkeiten kann es hin und wieder zu einem minderschweren oder schweren Betriebsunfall kommen. Manchmal ist der versicherte Arbeitnehmer aufgrund schwerer Verletzungen außer Stande, die Arbeit in gewohnter Form fortzusetzen. Dann wird er im Regelfall vom behandelnden Arzt krankgeschrieben. Wie lange der „Krankenschein“ ausfällt, hängt mitunter von der Art der Verletzung und der Heilungsprognose ab.

    Wie sieht es nach dem Arbeitsunfall mit der Lohnfortzahlung aus?  Hier kommen drei Möglichkeiten in Betracht:

    1. Wurde ein Arbeitsunfall als solcher anerkannt, bezieht der verletzte Arbeitnehmer von seinem Arbeitgeber eine Entgeltfortzahlung. Diese Zahlung erstreckt sich über eineinhalb Monate.

    Bedingung: Um die Lohnfortzahlung zu aktivieren, ist zuvor die zuständige Berufsgenossenschaft über den Vorfall zeitnah zu informieren.

    2. Ein Betriebsunfall geschieht und die zuständige Krankenkasse kümmert sich für die besagten sechs Wochen um die Entschädigung. Diese Auskunft ist verpflichtend, wenn bereits im Vorfeld klar ist, dass Sie mehr als drei Tage arbeitsunfähig sind.

    Voraussetzung: eine Genesungsdauer länger als 6 Wochen. Hier übernimmt die Krankenkasse die Lohnfortzahlung. Der Arbeitgeber wird entlastet.

    3. In bestimmten Fällen kommt anstatt der Lohnfortzahlung und der finanziellen Unterstützung durch die Krankenkasse das Verletztengeld zum Tragen.

    Info: Bei langer Krankheitsdauer kommt die zuständige Krankenkasse auf. Man spricht dann nicht mehr von einer Lohnfortzahlung, sondern von dem Verletztengeld. Diese finanzielle Hilfe liegt etwas unter dem normalen Gehalt des Arbeitnehmers. Wenn Sie Verletztengeld von Ihrer Krankenkasse beziehen, erhalten Sie im Monat etwa 80 Prozent des durchschnittlichen Bruttogehalts.

    Wann ist eine Kündigung nach einem Arbeitsunfall legitim?

    Bestimmt haben Sie schon einmal davon gehört, dass einem Arbeitnehmer nach einem Betriebsunfall überraschend die Kündigung ins Haus flatterte? Dass dies nicht den Normalfall darstellt, liegt auf der Hand. Ein solches Verhalten des Arbeitgebers gegenüber dem Arbeitnehmer ist weitgehend unfein und lässt sich oftmals kaum begründen.

    • Der Arbeitgeber kann dem Arbeitnehmer, wenn überhaupt, nur dann kündigen, wenn er dabei die geregelten Fristen einhält. Auch muss ein triftiger Grund für die Kündigung (beispielsweise unsachgemäßes Verhalten, übermäßige Krankschreibungen oder sonstige Verfehlungen) nachweisbar vorliegen.
    • In der Probezeit (üblicherweise 6 Monate) hat der Arbeitgeber die Chance, dem Arbeitnehmer auch aus geringfügigem Anlass zu kündigen. Sondervertragliche Vereinbarungen gelten in diesem speziellen Fall.
    • Zudem können Sie, wenn Sie mit der Kündigung nicht einverstanden sind oder formale Fehler im Anschreiben Ihres Arbeitgebers entdecken, zeitnah vor Gericht Widerspruch einlegen (hierzu kontaktieren Sie bitte rechtzeitig einen Rechtsanwalt für Arbeitsrecht).

    Rente nach einem bestätigten Arbeitsunfall?

    Die Rente besitzt einen hohen Stellenwert, sowohl im Alter als auch bei einem Arbeitsunfall.

    Arbeitnehmer, welche durch einen Betriebsunfall arbeitsunfähig sind, haben ein Recht bzw. einen gesetzlichen Anspruch auf mindestens eine monatliche Bezuschussung. Dies gilt beispielsweise für Arbeitnehmer, die aufgrund eines Arbeitsunfalls nicht mehr mit ganzer Arbeitskraft ihrer Tätigkeit nachgehen können. Egal, ob Sie über einen befristeten oder über einen lebenslangen Arbeitsvertrag verfügen, Ihnen steht eine „Entschädigung“ für Ihre am Arbeitsplatz erworbene Verletzung zu.

    Was sagt das Gesetzbuch nach einem Arbeitsunfall?

    Das Gesetzbuch sagt: Nach einem Betriebsunfall ist immer dann eine Rente zu gewähren, wenn es zu einem kurzfristigen oder anhaltendem Schaden gekommen ist. In diesen Fällen fühlt sich die gesetzliche Unfall- und Rentenversicherung aufgerufen, tätig zu werden.

    Bei der sogenannten Berufsunfallrente zahlt die Berufsgenossenschaft. Bei den Leistungen handelt es sich um die sogenannte Unfall- und Verletztenrente.

    • § 56 des SGB VII besagt: Einer Person, die einen Voll- oder Teilzeitjob bedient, wird nach einem Arbeitsunfall ein solcher Rentenanspruch der verpflichteten Unfallversicherung zugesprochen, wenn die Erwerbstätigkeit des Arbeitnehmers über ein halbes Jahr um mindestens 20 Prozent gesunken ist.

    Übrigens: Erst nach Beendigung der medizinischen Reha-Maßnahme zahlt man Ihnen die ganze Rente aus. Oder anders ausgedrückt: Die Ausschüttung der Unfall- und Verletztenrente beginnt ab dem Tag, an dem der Versicherte an und für sich wieder relevant für den Arbeitsmarkt ist.

    Autor: Redaktion Safety Xperts

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