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Unfallursache Schlafmangel? Ein unterschätztes Problem und wie Sie vorbeugen können

© Thunderstock – Shutterstock
Schlafmangel Unfallursache

Unfallursache Schlafmangel? Wir schlafen in der Regel nicht am Arbeitsplatz. Daher betrifft dies auf den ersten Blick nicht den Arbeitsschutz. Doch das Gegenteil ist der Fall. In der letzten Zeit häufen sich die Belege, dass gesunder Schlaf und ausreichende Erholungszeiten viel wichtiger für die Unfallprävention sind, als bislang vermutet. Der folgende Beitrag fasst die neuesten Erkenntnisse zusammen und zeigt, was Sie dazu in Ihren Unterweisungen vermitteln sollten.

Mediziner kennen mehr als 80 unterschiedliche schlafbezogene Störungen, von Einschlaf- oder Durchschlafstörungen über Albträume und Schlafwandeln bis zu schlafbezogenen Atmungsstörungen wie z. B. der Schlafapnoe (Atemaussetzer, oft mit Schnarchen verbunden). Dies wirkt sich zunächst auf die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Lebenspartner aus.

Unfallursache Schlafmangel?

Doch immer deutlicher zeigt sich ein Zusammenhang von Schlafstörungen mit Arbeitsunfällen und Ausfalltagen. Denn wer nicht erholt zur Arbeit erscheint, ist eher unaufmerksam, macht häufiger Fehler und verletzt sich schneller. Die Schweizer Unfallversicherung Suva spricht nach einer Ende letzten Jahres veröffentlichten Studie von einem „lebensgefährlichen Schlafmangel“. Der diesjährige Gesundheitsreport der Krankenkasse DAK fokussiert auf Schlafstörungen und den Zusammenhang mit Arbeitsunfähigkeit.

Der Bericht belegt erneut die zunehmende Relevanz des Themas Schlaf für den Arbeits- und Gesundheitsschutz (s. Kasten). Die BAuA erweitert den Blick vom Schlafvorgang auf Pausen- und Erholungszeiten und warnt im September 2017: „Fallen Ruhezeiten regelmäßig aus oder müssen sich Beschäftigte auch außerhalb ihrer Arbeitszeit häufig um berufliche Belange kümmern, kann es zu negativen Beanspruchungsfolgen kommen.“

Die Fakten: Deutlicher Anstieg bei Schlafstörungen*

  • Die Anzahl der Fehltage wegen Schlafstörungen ist von 2005 bis 2015 um fast 80 % gestiegen. Inzwischen leidet jeder zehnte Erwerbstätige in Deutschland unter einer Insomnie (Schlafstörung). ( DAK 2017)
  • Eine Arbeitsunfähigkeit wegen Schlafstörungen dauert im Durchschnitt etwa 11 Tage. Alle Altersgruppen sind betroffen, Männer häufiger als Frauen. ( DAK 2017)
  • Im Vergleich zu 2010 schlucken heute fast doppelt so viele Erwerbstätige Schlafmittel. ( BG Verkehr 2017)
  • Bei jedem fünften Berufsunfall spielt Übermüdung aufgrund von Schlafproblemen eine Rolle (Suva 2016). Am häufigsten kommt es zu Stolper- und Sturzunfällen sowie Verletzungen mit Maschinen und Werkzeugen.
  • Jeder vierte Autofahrer ist schon einmal am Steuer eingeschlafen. ( DVR 2016)

*Unter Schlafstörung fällt nicht, dass man mal eine schlechte Nacht hat, erfasst wurden chronische Schlafstörungen nach klinischen Kriterien.

Die aktuellen Befunde diverser Organisationen sprechen für sich. Man sollte sich bewusst machen, dass es hier nicht nur um die direkt einer Schlafstörung zuzuordnenden Arbeitsunfähigkeitstage geht. Für wie viele Arbeits- und Wegeunfälle, Unaufmerksamkeiten, Maschinenausfälle, Produktionsstörungen und Qualitätsmängel usw. letztlich schlechter oder ungenügender Schlaf die eigentliche Ursache ist, kann nur vermutet werden. Die Dunkelziffer dürfte relativ hoch sein.

Diese Faktoren steigern das Risiko für Schlafstörungen

Schlafstörungen können unterschiedliche Ursachen haben. Einige davon betreffen eindeutig das Arbeitsleben. Wie Sie in Ihrem Unternehmen Arbeitszeiten einteilen, auf das Einhalten von Pausen achten, zeit und ortsflexibles Arbeiten regeln und mit Stress umgehen, all das wirkt sich auf das Schlafverhalten Ihrer Mitarbeiter aus. Als Arbeits- und Gesundheitsschützer sollten Sie wissen, welche Arbeitsbedingungen Schlafforscher als Risikofaktoren sehen. Stärker gefährdet, eine Schlafstörung zu entwickeln ist, wer

  •  häufig unter Termin- und Leistungsdruck arbeitet.
  • wiederholt seine Pausen nicht nimmt.
  • 4 oder mehr Überstunden pro Woche macht.
  • auch außerhalb der Arbeitszeit für Chef und Kollegen erreichbar ist.
  • in Schichtarbeit, Nachtarbeit oder mit häufig wechselnden Arbeitszeiten eingesetzt wird.

Rufbereitschaft oder Bereitschaftsdienst werden als weniger kritisch angesehen; hier war laut DAK die Häufigkeit von Schlafproblemen nur geringfügig erhöht.

Unterweisen Sie: Wer ausgeschlafen ist, arbeitet sicherer

Spätestens jetzt sollte deutlich geworden sein, warum gesunder Schlaf auch ein Unterweisungsthema ist. Sprechen Sie das Thema Schlafverhalten und Schlafqualität an und klären Sie über die Folgen von zu wenig oder gestörtem Schlaf auf. Nutzen Sie die oben genannten Fakten und stellen Sie klar:

  • Schlafstörungen führen zu einer erhöhten Tagesmüdigkeit.
  • Ein Schlafmangel kann ähnliche Effekte haben wie die Wirkung von Alkohol.
  • Schlafdefizite steigern daher das Risiko für Unfälle am Arbeitsplatz.
  • Kollegen, bei denen – aus welchen Gründen auch immer – Pausen und Erholungszeiten zu kurz kommen, gefährden sich und andere.

Bereits mit dem Gestalten von Arbeitsbedingungen, Schichtplänen und Einsatzzeiten können Sie das Risiko von Schlafstörungen senken. Folgendes sollte auch jeder Vorgesetzte in Ihrem Betrieb wissen:

  • Auch wenn flexible Arbeitszeiten oft gewünscht und vorteilhaft sind, für einen gesunden Schlaf sind allzu wechselnde Arbeitszeiten eher ungünstig.
  • Halten Sie den Kreis der Mitarbeiter mit ungünstigen Arbeitszeiten wie Nachtarbeit oder wechselnden Einsatzzeiten so klein wie möglich.
  • Achten Sie darauf, dass auch zu Normalarbeitszeiten die Arbeitszeit und Pausenregelungen eingehalten werden.
  • Versuchen Sie, Termindruck und andere zu Anspannungen führende Belastungen zu vermeiden.
  • Erscheint ein Mitarbeiter nicht ausgeruht am Arbeitsplatz, z. B. wegen Jetlags oder unruhiger Nächte durch ein zahnendes Kleinkind, dürfen Sie ihn nicht bei besonders gefährlichen Tätigkeiten einsetzen.

Störungen des Nachtschlafes sind nicht immer vermeidbar. Aber dies darf nicht zulasten der Arbeitssicherheit gehen. Wirken Sie darauf hin, dass Vorgesetzte vertrauensvoll und Mitarbeiter eigenverantwortlich mit dem Thema umgehen. Ermuntern Sie Ihre Kollegen dazu, Schlafprobleme ernst zu nehmen und sich nicht zu scheuen, einen Arzt aufzusuchen. Schlafstörungen als Alltagsproblem abzutun oder wahllos Schlafmittel einzunehmen ist keine Lösung. Unbedingt zu empfehlen ist, dass Sie das Thema „Schlaf und Erholung“ in Ihr Betriebliches Gesundheitsmanagement aufnehmen.

Mit diesen Schlafmythen sollten Sie aufräumen

Einige Irrtümer zum Schlafverhalten und Schlafmangel halten sich hartnäckig. Die folgenden Fehlvorstellungen können Sie auch als Einstieg in eine Unterweisung nutzen.

  1. Bei Bedarf kann ich vorschlafen: Das stimmt natürlich nicht. Ein Vorschlafen funktioniert allenfalls sehr kurzfristig innerhalb von 24 Stunden. Es schadet nichts, nachmittags ein Nickerchen zu machen, wenn man weiß, dass man abends lange auf sein wird. Doch niemand kann dauerhaft und „auf Vorrat“ Schlafwirkungen speichern und sie bei Schlafmangel abrufen.
  2. Ein Schlummertrunk hilft beim Einschlafen: Gegen einen Kräutertee oder Milch mit Honig ist nichts einzuwenden. Doch mit dieser Aussage ist meist ein alkoholisches Getränk gemeint. Alkohol kann in der Tat das Einschlafen erleichtern und gegen ein Glas Wein oder Bier ist nichts einzuwenden. Doch in größerer Menge behindert Alkohol das Durchschlafen. Denn Alkohol bedeutet Stress für den Stoffwechsel und die inneren Organe müssen mitten in der Nacht aktiv werden. Vorsicht ist auch bei koffeinhaltigen Getränken wie Kaffee, Cola, Schwarz oder Grüntee geboten. Sie wirken noch viele Stunden später anregend und können das Einschlafen massiv erschweren.
  3. Am Fernseher schläft man am besten ein: Selbstverständlich kann Fernsehen wie auch viele andere Freizeitbeschäftigungen dazu beitragen, nach einem hektischen Arbeitstag runterzukommen und zu entspannen. Viele Menschen neigen zudem dazu, bei der gleichmäßigen Geräuschberieselung schläfrig zu werden. Doch die Körperhaltung entspricht dabei selten einer optimalen Schlafposition. Auch steht man sowieso noch mal auf, um die Zähne zu putzen und ins Schlafzimmer zu wechseln. Da wäre es sicher günstiger, rechtzeitig auszuschalten und früher das Bett aufzusuchen.
  4. Mit vollem Bauch schläft es sich gut: Sicherlich sollte man nicht hungrig zu Bett gehen. Doch ein schweres Essen am späten Abend fördert anschließend die Schlafprobleme. Schlafmediziner empfehlen, die letzte große Mahlzeit mindestens 4 Stunden vorher einzunehmen.
  5. Nacktschläfer schlafen gesünder: Wer lieber unbekleidet zwischen den Laken liegt und dabei gut schläft, muss seine Gewohnheiten nicht ändern. Als bessere Lösung wird von den meisten Schlafforschern und Schlafmedizinern jedoch leichte und bequeme Kleidung angesehen. Denn dies erleichtert es dem Körper, seine Temperatur während der Nacht konstant zu halten.
  6. Elektrosmog ist für Schlafprobleme verantwortlich: Dies ist weder bewiesen noch widerlegt. Doch auch unabhängig davon haben Fernseher, Internet und Smartphone im Schlafzimmer nichts zu suchen. Die Blauanteile des Bildschirmlichts halten wach, weil sie das für einen gesunden Schlaf wichtige Hormon Melatonin unterdrücken.
  7. Schlafprobleme sind normal, damit muss man nicht zum Arzt. Richtig ist: Mal eine unruhige Nacht zu haben ist nicht tragisch. Wer aber längerfristig nachts keine Erholung findet und morgens schon müde am Arbeitsplatz erscheint, sollte einen Arzt aufsuchen und um Rat fragen.

Gesunder und ausreichender Schlaf stärkt das Immunsystem und lässt uns gesünder aussehen. Der Begriff Schönheitsschlaf hat daher durchaus seine Berechtigung. Genauso wichtig ist das persönliche Schlafverhalten aber auch für das Vermeiden von Unfällen und Verletzungen.

Autor: Dr. Friedhelm Kring


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