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Warum Elektrosicherheit im Betrieb immer Teamwork ist

© David Tadevosian – Shutterstock
Elektrosicherheit

Rechtlich gesehen, ist die Organisation der Elektrosicherheit im Betrieb eine klassische Führungsaufgabe. Denn Verantwortung und Haftung liegen in letzter Instanz beim Unternehmer – auch wenn der in der Regel qualifizierte fachliche Unterstützung benötigt, um alle elektrotechnischen Anforderungen zu erfüllen. Idealerweise arbeiten deshalb die Elektrofachkraft, die Fachkraft für Arbeitssicherheit (Sifa) und der Firmeninhaber bzw. Geschäftsführer eng zusammen – nicht nur, weil der Gesetzgeber das so vorschreibt, sondern auch, weil sich alle Schutzziele so am besten verwirklichen lassen.

Organisation der  Elektrosicherheit

Die betriebliche Gefährdungsbeurteilung legt die Basis für die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz im Unternehmen, also auch für die Elektrosicherheit. Zwar ist die Gefährdungsbeurteilung eine der Kernaufgaben des Unternehmers, doch schreibt das Arbeitssicherheitsgesetz vor, dass er sich dabei die Unterstützung des Betriebsarztes und der Fachkraft für Arbeitssicherheit holen muss.

Wenn es um den Umgang mit elektrischem Strom geht, fehlt vielen Fachkräften für Arbeitssicherheit aber das erforderliche Fachwissen. Insofern muss jedes Unternehmen, das über einen elektrotechnischen Betriebsteil verfügt, eine Elektrofachkraft oder eine verantwortliche Elektrofachkraft mit ins Boot holen. In der Praxis sind es also die drei Praktiker, die die Gefährdungsbeurteilung durchführen.

Rechtsvorschriften, wie u. a. die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV), die DGUV- Vorschrift 3 (ehemals BGV A3) sowie Normen wie die DIN VDE 1000-10 „Anforderungen an die im Bereich der Elektrotechnik tätigen Personen“ sowie die DIN VDE 0105-100 „Betrieb von elektrischen Anlagen“, legen die allgemeinen Anforderungen dafür fest. Trotzdem bleibt auch der Unternehmer oder Geschäftsführer rechtlich verantwortlich.

Fachkunde, Verantwortung und Haftung

Der Unternehmer trägt neben der Organisationspflicht, die er mit der Kooperation mit den genannten Experten weitgehend erfüllt, auch die sogenannte Auswahlverantwortung. Das bedeutet, dass er Sicherheitsaufgaben nicht an irgendeinen Mitarbeiter delegieren darf. Er muss sicherstellen, dass die beauftragte Person die nötigen Fachkenntnisse hat und ihre Aufgaben tatsächlich erfüllt.

Im Rahmen einer schriftlichen Pflichtenübertragung (Delegation) überträgt der Unternehmer also etwa im Bereich der Elektrosicherheit Unternehmerpflichten auf die Elektrofachkraft. Wer aber Verantwortung trägt, haftet in der Regel auch für das, was er im Rahmen dieser Verantwortung tut. Als Elektrofachkraft bzw. verantwortliche Elektrofachkraft haften Sie deshalb mit, wenn von Ihnen erarbeitete Sicherheitsmaßnahmen unzureichend sind und es etwa zu einem Unfall kommt.

Wichtig: Juristisch gibt es einen entscheidenden Unterschied zwischen der verantwortliche Elektrofachkraft und der Fachkraft für Arbeitssicherheit. Die Fachkraft für Arbeitssicherheit arbeitet unabhängig und weisungsfrei, hat aber keine Befugnisse, Mängel, die sie bei ihrer Arbeit erkannt hat, abzustellen. Deshalb haftet die Fachkraft für Arbeitssicherheit grundsätzlich nicht, wenn es Versäumnisse im betrieblichen Arbeitsschutz gibt, sondern nur dann, wenn sie es an der erforderlichen Sachkunde bei der Beratung des Unternehmers hat fehlen lassen, etwa, wenn sie sich jahrelang nicht weitergebildet hat oder wichtige Vorschriften nicht kennt.

Eine verantwortliche Elektrofachkraft dagegen übernimmt auf dem Gebiet der Elektrotechnik Unternehmerpflichten, ist damit Führungskraft und trägt deshalb auch die juristische Verantwortung – mit allen Konsequenzen.

Schwachpunkt organisatorische Schnittstellen

Wer sich einmal anschaut, welche Fälle Gerichte bei der Elektrosicherheit verhandeln, erkennt schnell: Nur eine perfekte, schriftlich festgelegte Organisation aller Betriebsabläufe schützt vor Haftungsfolgen. Das gilt auch, wenn Ihr Unternehmen mit Fremdfirmen zusammenarbeitet.

Ihre Aufgabe als verantwortliche Elektrofachkraft sollte vertraglich definiert und exakt begrenzt werden. Der Unternehmer hat ein Interesse daran, die Verantwortung – in diesem Fall für die Elektrosicherheit – so umfassend wie möglich zu delegieren, um von der Haftung so weit wie möglich entbunden zu sein. Ihr Interesse ist es, so klar wie möglich zu sehen, wofür Sie verantwortlich sind und wofür nicht.

Vor Gericht zählen „weiche“ Formulierungen in Ihrem Bestellungsschreiben dabei mehr als informelle Absprachen. Achten Sie z. B. auf scheinbar unwichtige Wörter wie „insbesondere“ vor Aufzählungen Ihrer Aufgaben. Diese Wörtchen bedeuten nichts anderes, als dass die Liste Ihrer Tätigkeiten nicht abschließend ist und ähnliche Arbeiten bzw. Verantwortungsbereiche umfasst, auch wenn sie nicht explizit genannt sind! Bestehen Sie deshalb darauf, dass Aufgaben und Kompetenzen klar zugewiesen und ebenso klar begrenzt sind.

Juristisch werden oft Schnittstellen zum Problem, weil Verantwortungsbereiche hier unklar abgegrenzt sind. Nicht nur Sie als verantwortliche Elektrofachkraft, sondern auch die Kollegen müssen etwa wissen, dass Sie im Bereich der Elektrosicherheit Vorgesetzter mit Fach- und Führungsverantwortung sind und dass Ihre Anordnungen gelten. Gibt es mehrere verantwortliche Elektrofachkräfte im Unternehmen, müssen Aufgaben wie Mitarbeiterverantwortung eindeutig abgegrenzt werden – nach dem Motto „Wer hat wo das Sagen?“

So einfach geht Arbeitsschutz und Elektrosicherheit im Betrieb!

Autor: Sabine Kurz

 

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