Not-Aus-Schalter rettet Leben – So wichtig ist die Gefährdungsbeurteilung

Not-Aus-Schalter rettet Leben – So wichtig ist die Gefährdungsbeurteilung

Der Not-Aus-Schalter ist Pflicht! Ob Laufband, Förderband, Fließband oder Gurtförderer, überall, wo Werkstoffe oder Bauteile auf beweglichen Bändern transportiert werden, besteht eine Einzugsgefahr. Hier kann ein vorhandener Schalter vor schrecklichen Arbeitsunfällen schützen. Wissen Ihre Mitarbeiter aber auch, wie sie sich bei Störungen verhalten sollen?

Not-Aus-Schalter rettet Mitarbeiter das Leben

Gerade noch halbwegs gut ging ein Arbeitsunfall aus, der sich im thüringischen Heiligenstadt ereignete. Der Mitarbeiter einer Wäscherei arbeitete an einer Heißmangel und bemerkte, dass ein Laufband nicht ordnungsgemäß auf seinen Rollen lief. Als der Mann versuchte, das Band zu justieren, wurde seine Hand vom Förderband erfasst und eingeklemmt.

Zum Glück konnte der Beschäftigte noch den Not-Aus-Schalter erreichen, sodass er mit Quetschungen an der Hand davonkam. Das Amt für Arbeitsschutz ermittelt. Die Schutzeinrichtungen solcher Transportsysteme wie Verkleidungen, Sensoren oder Lichtschranken können nicht immer einen vollständigen Schutz vor Einzug bieten. Spätestens wenn Mitarbeiter ein Band bedienen, Gegenstände entnehmen oder hinzufügen müssen usw., bedarf es strikter Verhaltensregeln.

Ermitteln Sie in Ihrer Gefährdungsbeurteilung mögliche Störungsszenarien, und legen Sie fest, wie Ihre Mitarbeiter dann reagieren müssen: Wann darf mit den Händen, mit Handschuhen, mit Werkzeugen eingegriffen werden? Wann ist ein sofortiger Stopp notwendig, um das Risiko eines abgerissenen Fingers oder Arms zu vermeiden? Natürlich ist es weder in einer Wäscherei noch in der Produktion noch auf dem Bau wünschenswert, dass ein Band stillsteht. Dennoch ist eine Not-Aus-Funktion unverzichtbar. Nutzen Sie hier alle technischen Optionen. Wo ein Schalter wenig zweckmäßig ist, könnte beispielsweise eine Reißleine (Seilzugnotschalter) geeignet sein.

Rechtliche Grundlagen für die Gefährdungsbeurteilung

Laut § 3 ArbSchG ist der Arbeitgeber verpflichtet,

  1. die erforderlichen Maßnahmen für Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei der Arbeit zu treffen.
  2. die Maßnahmen auf deren Wirksamkeit zu überprüfen.
  3. die Maßnahmen an sich ändernde Gegebenheiten anzupassen.
  4. eine Verbesserung von Sicherheit und Gesundheitsschutz der Beschäftigten anzustreben.

Konkret genannt wird das Beurteilen in § 5 ArbSchG, nach welchem der Arbeitgeber „durch eine Beurteilung der für die Beschäftigten mit ihrer Arbeit verbundenen Gefährdung zu er
mitteln“ hat, welche Maßnahmen des Arbeitsschutzes erforderlich sind.
Diese Pflicht gilt für jeden Betrieb: Ausgenommen sind laut dem ArbSchG lediglich

  • Unternehmen, die dem Bundesberggesetz unterliegen,
  • Beschäftigte auf Seeschiffen sowie
  • Hausangestellte in privaten Haushalten.

Betriebsanweisungen für den richtigen Umgang mit Maschinen

Um Gefährdungsbeurteilung zu verarbeiten bedarf es genauen Betriebsanweisungen. Diese sind bei gefährlichen Arbeiten, beim Umgang mit Gefahrenstoffen sowie bei biologischen Arbeitsstoffen unumgänglich und sogar rechtlich vorgeschrieben.

Checkliste für die Betriebsanweisung:

Generell gilt die Regel, dass in eine gute Betriebsanweisung so viele Informationen wie nötig und so wenige Informationen wie möglich hinterlegt werden. Folgende Checkliste hilft bei der Erstellung:

  • Anwendungsbereich, Arbeitsplatz, Tätigkeit
  • Einsatzbedingungen (bei Maschinen)
  • Gefahren für Mensch und Umwelt
  • Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln
  • Tragen und Verwenden von P SA
  • Verhalten bei Störungen, im Gefahrfall und bei Unfällen
  • Erste Hilfe
  • Sachgerechte Entsorgung (bei Gefahrenstoffen)
  • Instandhaltung (bei Maschinen / technischen Anlagen)
  • Folgen der Nichtbeachtung

Diese Punkte in beispielhafter Reihenfolge sind keine feste Vorgabe. Sie können je nach Bedarf abweichen. Es ist aber sinnvoll, wenn sich alle Ihre Betriebsanweisungen im Aufbau widererkennbar ähneln.

Wichtig:

Auch wenn Sie eine Betriebsanweisung im Unternehmen haben, dient diese nur als Ergänzung und nicht als Ersatz für eine hochwertige Betriebsanweisung. Betriebsanweisungen haben kein Ablaufdatum, sollten aber binnen festgelegter Fristen geprüft und gegebenenfalls überarbeitet werden. Die Betriebsanweisung darf den Mitarbeitern auch digital zur Verfügung stehen.

Betriebsanweisung online bereitstellen – Das müssen Sie beachten!

Autor: Holger Kück, Friedhelm Kring