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Gefährdungsbeurteilung ASR V3: Worauf muss ein Betrieb konkret achten, wenn er eine Beurteilung nach der ArbStättV durchführt?

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Gefährdungsbeurteilung ASR

Die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) fordert schon seit vielen Jahren eine Gefährdungsbeurteilung. Aber worauf muss ein Betrieb achten, wenn er eine Beurteilung nach der ArbStättV durchführt? Wird bei einer Kontrolle eine unvollständige oder fehlerhafte Gefährdungsbeurteilung vorgelegt, kann das ein Bußgeld von bis zu 3.000 € zur Folge haben. Ergänzend zu den folgenden Besonderheiten können Sie hier auch die 10 Schwachstellen bei einer Gefährdungsbeurteilung ASR nachlesen.

Damit Sie bei der Erfüllung dieser Pflicht kein wichtiges Detail vergessen, hat der Ausschuss für Arbeitsstätten eine Technische Regel aufgestellt, in der alles Wesentliche gut strukturiert beschrieben ist.

Konkretisierung: Gefährdungsbeurteilung ASR V3

Die neue Technische Regel für Arbeitsstätten (ASR) V3 gibt Ihnen Hilfestellung bei der erstmaligen Beurteilung der Arbeitsstätte inklusive der Telearbeitsplätze. Im Fokus stehen das Errichten und Betreiben der Arbeitsstätte.

Betrachtet werden beispielsweise

  • bauliche Maßnahmen oder Veränderungen, insbesondere Neu- und Umbau sowie Erweiterungsmaßnahmen,
  • das Anlegen und Kennzeichnen von Verkehrs- und Fluchtwegen, Kennzeichnen von Gefahrenstellen und brandschutztechnischen Ausrüstungen,
  • das Festlegen von Arbeitsplätzen unter Berücksichtigung der geplanten Tätigkeiten,
  • das Benutzen, Instandhalten und Optimieren der Arbeitsstätte sowie
  • die Organisation und die Gestaltung von Arbeits- und Fertigungsverfahren und Arbeitsabläufen.

Die Beurteilung gliedert sich in 8 Prozessschritte

Unter Punkt 5 der ASR V3 finden Sie eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für die Gefährdungsbeurteilung. Die einzelnen Prozessschritte können Sie anhand der nachfolgende Abbildung gut nachvollziehen.gefaehrdungsbeurteilung-ASR-V

 

Schritt 1: Vorbereiten

Gliedern Sie die Arbeitsstätte in Arbeitsbereiche oder Tätigkeitsgruppen. Berücksichtigen Sie auch Tätigkeiten, die nicht so häufig (z. B. jährlich) anfallen.

Schritt 2: Ermitteln von Gefährdungen

Prüfen Sie, wodurch es in der Arbeitsstätte zu einer gesundheitlichen Gefährdung kommen kann. Hier spielen Gefährdungsfaktoren wie z. B. mechanische, elektrische oder thermische Gefährdungen eine Rolle. In der Arbeitsstätte besteht auch die Möglichkeit von Gesundheitsschäden durch Gefahrstoffe. Diese können beispielsweise aufgrund von Innenraumluftverunreinigungen durch

  • schadstoffbelastete Einrichtungsgegenstände, z. B. Formaldehyd oder andere Aldehyde
  • Holzschutzmittel
  • organische Lösemittel (VOC)
  • Passivrauchen am Arbeitsplatz verursacht werden.

Schritt 3: Beurteilen der Gefährdungen

Vergleichen Sie den vorliegenden Planungs- oder Ist-Zustand mit den ermittelten Gefährdungen. Nutzen Sie Beurteilungsmaßstäbe, wie sie beispielsweise in anderen Technischen Regeln festgelegt sind. So können Sie z. B. anhand der ASR A1.3 prüfen, ob die Sicherheitskennzeichnung in Bezug auf die Abmessungen und die dargestellten Symbole den dort genannten Vorgaben entspricht.

Schritt 4: Festlegen von Maßnahmen

Halten Sie bei der Auswahl von Maßnahmen die folgende Maßnahmenhierarchie ein:

Reduzieren oder beseitigen Sie die Gefährdung

  1. an der Quelle,
  2. durch technische Maßnahmen,
  3. durch organisatorische Maßnahmen.
  4. Wenn diese Maßnahmen nicht ausreichend wirksam sind
  5. nutzen Sie Persönliche Schutzausrüstungen und
  6. qualifizieren Sie Ihre Mitarbeiter durch Schulung und Unterweisung.

Schritt 5: Umsetzen von Maßnahmen

Erstellen Sie einen Ablaufplan, in dem beispielsweise Termine, Übergangsmaßnahmen und Verantwortlichkeiten genannt sind.

Schritt 6: Überprüfen der Wirksamkeit der Maßnahmen

Kontrollieren Sie, ob die beschlossenen Maßnahmen vollständig umgesetzt wurden und dazu geführt haben, die Gefährdung zu beseitigen bzw. ausreichend zu reduzieren.

Schritt 7: Dokumentation

Die Dokumentation dient als Grundlage für die Gestaltung und Planung der betrieblichen Prozesse wie Modernisierungen, Betriebsanweisungen oder Unterweisungen. Sie kann in Papierform oder elektronischer Form vorliegen.

Schritt 8: Fortschreiben

Prüfen Sie die Gefährdungsbeurteilung kontinuierlich. Achten Sie darauf, dass immer zweifelsfrei erkennbar ist, welche Version den aktuellen Stand wiedergibt.

13 ASR wurden aktualisiert

Infolge der geänderten ArbStättV wurden bei folgenden ASR redaktionelle Änderungen durchgeführt und am 5.7.2017 im Gemeinsamen Ministerialblatt verkündet:

  • ASR A1.2 „Raumabmessungen und Bewegungsflächen“
  • ASR A1.3 „Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung“
  • ASR A1.5/1,2 „Fußböden“
  • ASR A1.6 „Fenster, Oberlichter, lichtdurchlässige Wände“
  • ASR A1.7 „Türen und Tore“
  • ASR A2.1 „Schutz vor Absturz und herabfallenden Gegenständen, Betreten von Gefahrenbereichen“
  • ASR V3a.2 „Barrierefreie Gestaltung von Arbeitsstätten“
  • ASR A3.4/3 „Sicherheitsbeleuchtung, optische Sicherheitsleitsysteme“
  • ASR A3.5 „Raumtemperatur“
  • ASR A4.1 „Sanitärräume“
  • ASR A4.2 „Pausen- und Bereitschaftsräume“
  • ASR A4.3 „Erste-Hilfe-Räume, Mittel und Einrichtungen zur Ersten Hilfe“
  • ASR A4.4 „Unterkünfte“

Der Gefährdungsbeurteilung ASR V3 sollte somit in Ihrem Betrieb nähere Beachtung geschenkt werden.

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Autor: Gabriele Janssen

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