Homeoffice zu Zeiten von Corona – Was Unternehmen wissen sollten

Homeoffice zu Zeiten von Corona – Was Unternehmen wissen sollten

Corona beherrscht das gesamte Jahr 2020 die Nachrichten. Bis ein Impfstoff verfügbar ist, stehen Mitarbeiter und in gleicher Weise Unternehmen und Führungskräfte in den nächsten Wochen und Monaten vor der Frage und Situation, wie man sich und andere proaktiv und wirkungsvoll vor Covid-19 schützen kann.

Betriebe und die Wirtschaft sind zugleich aufgefordert, zweckmäßige Arbeitsschutz- und Infektionsschutzmaßnahmen zu implementieren, durch die Sicherheit vor Corona erhöht wird. Ein einheitlicher Arbeitsschutz in Zeiten von Corona ist ebenso essenziell wie eine professionelle Gefährdungsbeurteilung.

Diese gehört beispielsweise bei Telearbeit oder in anderen Fachbereichen im Unternehmen zum Standard. Um die Belegschaft zu schützen, setzen Betriebe neben allgemeingültigen Maßnahmen seit April 2020 verstärkt darauf, dass Mitarbeiter aus dem Homeoffice arbeiten.

In Bezug auf die Arbeit aus dem Homeoffice kommen vor allem die folgenden Fragen auf:

  • Welche Vor- und Nachteile hat eine Tätigkeit im Homeoffice für Arbeitgeber und Arbeitnehmer?
  • Welche gesetzlichen Regelungen müssen bei einer Beschäftigung im Homeoffice zwingend beachtet werden?
  • Besteht grundsätzlich ein gesetzliches Recht auf Homeoffice?
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    Warum Homeoffice grundsätzlich geeignet ist, die Ansteckungsraten zu senken

    Sowohl im privaten wie beruflichen Umfeld ist die Einhaltung der sogenannten AHA-Regel essenziell.

    Diese Regeln für die Gesundheit zielt darauf ab:

    • 1,5 Meter Abstand zu anderen Menschen zu gewährleisten.
    • Hygienemaßnahmen wie regelmäßiges Händewaschen zu beachten sowie
    • Alltagsmasken oder generell einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen.

    Seit Beginn der Pandemie und ebenfalls im Bund-Länder-Beschluss vom 28.10.2020 wird neben vielen anderen Vorgaben für Wirtschaftsbetriebe die Arbeit im Homeoffice als empfehlenswerte Maßnahme identifiziert.

    Im Beschluss fordern Bund und Länder die Unternehmen dezidiert auf:

    angesichts der hohen Infektionszahlen, wo immer dies umsetzbar ist, Heimarbeit oder das mobile Arbeiten zu Hause zu ermöglichen.

    Die eindringliche Bitte ist nachvollziehbar, da im beruflichen Umfeld nicht grundsätzlich der notwendige Abstand eingehalten werden kann. Die unbemerkte Ansteckung eines Mitarbeiters kann weitreichende Folgen haben und im schlimmsten Fall zur Schließung des Betriebs führen.

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    Homeoffice und Corona – Vorteile für Mitarbeiter und Unternehmen

    Durch die schnell voranschreitende Digitalisierung ist es immer mehr Unternehmen möglich, ihren Beschäftigten eine zeitweilige oder vollständige Tätigkeit im Homeoffice zu gewähren. In Zeiten von Corona kann die Arbeit im Homeoffice das Risiko einer Ansteckung eindeutig verringern.

    Gleichzeitig müssen Effizienz und das Erreichen der Unternehmensziele im Fokus stehen. Diese Ziele erreichen Unternehmen ausschließlich, indem sie einen professionellen und rechtsgültigen Rahmen schaffen, der die Rechte und Pflichten beider Seiten in Bezug auf die Arbeit im Homeoffice beschreibt.

    Gemäß einer Statistik hat sich der Anteil von Homeoffice in Deutschland im 2. Quartal 2020 um 20 % auf über 60 % erhöht. Bis zu 80 Prozent aller Angestellten könnten nach dieser Umfrage generell von zu Hause arbeiten.

    Vorteile von mobilem Arbeiten

    Zeitersparnis und geringere Kosten durch den fehlenden Arbeitsweg
    Die vertraute häusliche Umgebung
    Mehr Freiheiten bei der Zeiteinteilung

    Das sind drei von vielen Vorteilen, die Arbeitnehmer bei der Arbeit im Homeoffice sehen. Wichtig ist, dass die Beschäftigung im Homeoffice vom Betrieb professionell vorbereitet wird und die Kommunikationskultur gewahrt bleibt. Ist dies der Fall, berichten viele Unternehmen von einer gestiegenen Produktivität und einer verbesserten Arbeitsmoral sowie Motivation der Mitarbeiter.

    Nachteile der Arbeit im Homeoffice – das sind die Herausforderungen

    Nicht jeder Mitarbeiter hat die räumlichen Voraussetzungen, um ungestört und produktiv im Homeoffice zu arbeiten. Vor allem bei gleichzeitiger Kinderbetreuung kann die Arbeit für Angestellte im Homeoffice als stressiger und herausfordernder empfunden werden.

    Technische Probleme, zum Beispiel eine zu geringe Internet-Bandbreite oder Probleme mit der Software können ebenfalls herausfordernd sein.

    Nachteile von mobilem Arbeiten

    Aus den Nachteilen ergeben sich die Komplikationen aus Unternehmenssicht, die unter anderem wie folgt beziffert werden können:

    Fehlende Konzentration im privaten Büro kann zu mehr Fehlern führen.
    Durch Computerprobleme leidet die Effizienz.
    Anonymität und fehlende Absprachen führen zu Kommunikationsproblemen und Defiziten beim Abarbeiten von Aufgaben.
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    Psychische Nebenwirkungen bei der Arbeit im Homeoffice

    Die psychischen Einflüsse der Pandemie auf Beschäftigte im Allgemeinen und ebenso auf die Mitarbeiter im Homeoffice dürfen nicht unterschätzt werden. Neben allgemeinen Unsicherheiten und Sorgen durch die Pandemie fehlen bei einer Tätigkeit im Homeoffice die gewohnten Strukturen und das gewohnte Arbeits- und Kollegenumfeld.

    © davide bonaldo – Adobe Stock

    Mediziner warnen gemäß einem Artikel der Pharmazeutischen Zeitung vom 29.05.2020 bereits seit Beginn der Pandemie vor tief greifenden psychischen Auswirkungen. In ersten Studien konnte gezeigt werden, wie sich die Angst vor Ansteckung und der Wunsch nach Alltag oder eine Infekton auf die Psyche von Menschen auswirkt. Existenzängste und die Isolation durch Kontaktbeschränkungen und veränderte Arbeitsbedingungen können Depressionen, Burnout oder andere psychische Erkrankungen begünstigen.

    Aus diesem Grund sollten Chefs und Verantwortliche in einer Gefährdungsbeurteilung ebenfalls die psychischen Effekte auf Arbeitnehmer berücksichtigen, die im Homeoffice arbeiten.

    Zusammenfassend ist es aus Sicht des Infektionsschutzes alternativlos, so vielen Arbeitnehmern wie möglich die Tätigkeit im Homeoffice zu erlauben. Ein durchdachtes innerbetriebliches Konzept, das Beachten der Datenschutzvereinbarung und essenzieller rechtlicher Aspekte stellt sicher, dass die Arbeit im Homeoffice während der Krise gesetzeskonform und produktiv ist.

    Viele Unternehmen haben in diesem Zusammenhang sehr gute Erfahrungen mit festen Abstimmungsmeetings per Videokonferenz oder rollierenden Lösungen gemacht, bei der einzelne Mitarbeiter einmal pro Woche physisch im Office arbeiten.
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    Arbeitsrecht und Homeoffice – was Arbeitgeber und Arbeitnehmer wissen müssen

    Aktuell gibt es keine einheitliche gesetzliche Grundlage, die Arbeitnehmern das Recht gibt, ins Homeoffice zu wechseln. Bundesarbeitsminister Heil von der SPD plant eine Gesetzesinitiative für einen Rechtsanspruch auf Homeoffice. Bis dahin gilt, dass die Arbeit im Homeoffice auf Individualvereinbarungen mit dem Vorgesetzten beruht. Der Arbeitsvertrag regelt, wo und in welchen Arbeitszeiten die Arbeitsleistung erbracht wird. Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen vereinbaren ebenfalls wann ein Wechsel ins Homeoffice möglich ist.

    Arbeitgeber haben im Umkehrschluss keinen Rechtsanspruch, Mitarbeiter per Anweisung und ohne Absprache ins Homeoffice zu versetzen. Zum Schutz vor Corona oder bei einer möglichen Ansteckungsgefahr können sie Beschäftigte zu jeder Zeit freistellen, um den Arbeits- und Infektionsschutz sicherzustellen. Für eine Tätigkeit im Homeoffice bedarf es grundsätzlich einer beiderseitigen Vereinbarung oder anderer triftiger Gründe.

    Fehlende Arbeitsschutzstandards und Homeoffice

    Ein wesentlicher Grund für Homeoffice kann vorliegen, wenn im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung auffällt, dass die gängigen Arbeitsschutzstandards der Arbeitsstättenverordnung, zum Beispiel regelmäßiges Lüften, nicht eingehalten werden können. In diesem Fall ist das Versetzen der Mitarbeiter ins Homeoffice eine wirksame und zielführende Maßnahme.

    © shintartanya – Adobe Stock

    Unternehmen kommen ihrer Fürsorgepflicht nach, wenn sie in solchen Fällen Mitarbeitern eine Tätigkeit im Homeoffice gestatten. Sie sollten vor allem darauf achten, dass vulnerable Gruppen im Betrieb keinem erhöhten Risiko ausgesetzt werden.

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    Homeoffice: Steuerpauschale für Home Office während Corona

    Update – 21. Dezember 2020: Der Bundesrat hat am 16.12.2020 eine Steuerpauschale für alle Arbeitnehmer beschlossen, die während der Corona-Krise im Home Office arbeiten. Demnach können Steuerzahler fünf Euro pro Tag und maximal 600 Euro jährlich absetzen. Die Steuerpauschale gilt als Sonderregelung für die Jahre 2020 und 2021.

    Wichtig: Die HomeOffice-Pauschale fließt in die Berechnung der Werbekostenpauschale mit ein. Die Corona-Pauschale wird nicht zusätzlich gewährt.

    Allerdings ist die steuerliche Erleichterung an eine wesentliche Bedingung geknüpft: Die Homeoffice-Pauschale zählt zu den Werbungskosten in der Steuererklärung. Demnach können Arbeiter im Home Office erst dann von der steuerlichen Entlastung profitieren, wenn mehr als 1000 € Ausgaben jährlich anfallen.

    Kosten für Strom, Telefon und Internet können steuerlich geltend gemacht werden, sollte von zuhause aus gearbeitet werden. Gleiches gilt auch für persönliche Schutzausrüstung, neue Arbeitskleidung oder Weiterbildungen. Steuerliche Entlastungen für Kurzarbeiter und Personen mit ehrenamtlicher Tätigkeit fallen ebenfalls unter das neue Gesetz.

    Zusammenfassung und Fazit: Homeoffice in Zeiten von Corona ist eine zielführende Infektionsschutzmaßnahme

    Eine der wirksamsten Methoden, die Ausbreitung von Covid-19 einzudämmen, ist das Beschränken von Kontakten. Am Arbeitsplatz kann dies bedeuten, dass ein Großteil der Beschäftigten während der Corona-Pandemie aus dem Homeoffice arbeitet.

    Ein grundsätzliches Recht oder eine Pflicht auf Homeoffice oder mobiles Arbeiten oder Telearbeit gibt es aktuell nicht. Aufgrund der Fürsorgepflicht und aus Gründen des Arbeits- und Infektionsschutzes ist es aus betrieblicher Sicht zielführend, so vielen Mitarbeitern wie möglich die Tätigkeit aus dem Homeoffice zu ermöglichen. Diese wird vor allem mit einem professionellen Arbeitskonzept effektiv. Eine fortlaufende und nutzenorientierte Kommunikation garantiert, dass die Motivation, Flexibilität und Arbeitsmoral trotz geänderter Rahmenbedingungen nicht absinkt.

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    Gibt es einen Rechtsanspruch auf Homeoffice?

    Aktuell gibt es kein Recht auf Homeoffice. Während die Arbeit im Homeoffice vor der Krise als Ausnahmefall galt oder individualvertraglich abgesprochen wurde, wird die Arbeit im Homeoffice während der Corona-Pandemie meist einvernehmlich geregelt.

    Wann muss der Arbeitgeber der Tätigkeit im Homeoffice zustimmen?

    Können grundlegende Arbeits- und Infektionsschutzmaßnahmen, wie zum Beispiel das Abstandsgebot nicht eingehalten werden, ist Homeoffice eine Alternative. Gleiches gilt, wenn ein Kind von seinen Eltern im Lockdown nach Schließen einer Einrichtung betreut werden muss.

    Ist der Betriebsrat beim Thema Homeoffice mitbestimmungspflichtig?

    Gemäß § 87 BetrVG hat der Betriebsrat in Firmen ein Mitbestimmungsrecht bei Fragen des Gesundheitsschutzes. Versetzungen und veränderte Arbeitsbedingungen sind ebenso mitbestimmungspflichtig.

    Autor: Redaktion SafetyXperts