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Immer mit der Ruhe: 3 Lärmschutz Maßnahmen für Ihren Betrieb

© Ingo Bartussek – fotolia.com
Lärmschutz

Die größten Attacken auf die Gesundheit vieler Beschäftigter gehen vom täglichen Lärm am Arbeitsplatz aus. Zu den schädlichen Folgen gehört vor allem die arbeitsbedingte Lärmschwerhörigkeit, die bei jedem zehnten Betroffenen zur vorzeitigen Verrentung führt. Aber Lärm kann auch Herz- und Kreislaufbeschwerden, Verdauungsstörungen und andere Krankheiten hervorrufen. Im Interesse von Beschäftigten und Betrieb sollten Sie daher die Lärmschutz Maßnahmen in Ihrem Betrieb genau überprüfen.

Lärmschutz gilt es auch dann zu überprüfen, wenn die gesetzlich festgelegten Auslösewerte für Vorbeugungsmaßnahmen nicht erreicht werden: Nach der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) ist der Schalldruckpegel so niedrig zu halten, wie es nach Art des Betriebs möglich ist (Anhang 3.7 ArbStättV).

Schriftliches Lärmminderungsprogramm: Bei über 85 dB (A) Pflicht

Nach der Lärm- und Vibrationsarbeitschutzverordnung (LärmVibrationsArbSchV) müssen Sie für alle „Lärmbereiche“ ein schriftliches Lärmminderungsprogramm erstellen und dokumentieren (§ 7 Abs. 5 der Verordnung). Lärmbereiche sind Arbeitsplätze mit einer Geräuschimmission – das ist die gesamte dort einwirkende Lärmbelastung– von über 85 dB (A). Das „(A)“ steht dabei für ein rechnerisches Bewertungsverfahren, das höhere Schallfrequenzen höher gewichtet als niedrige, da jene dem Ohr mehr zusetzen. Das Lärmschutz – Programm muss Aufzeichnungen zur Auswahl lärmarmer Arbeitsmittel und -verfahren, zu technischen und organisatorischen Maßnahmen und zur Unterweisung lärmgefährdeter Beschäftigter usw. enthalten.

1. Schritt: Führen Sie eine Gefährdungsbeurteilung durch

Erfassen Sie zunächst sämtliche Lärmquellen und bewerten Sie die davon ausgehenden Gefährdungen.

Tipp: Besonders in größeren Betrieben hat es sich bewährt, sich dabei jeweils auf einzelne Funktionsbereiche zu konzentrieren – Werkshalle, Lager usw. – und diese der Reihe nach
abzuarbeiten.

Lärmmessung: Eine Sache für Spezialisten

Stellen Sie dafür zunächst den Grad der Lärmimmission fest. Dazu sind immer dann Messungen nötig, wenn auf andere Weise die Lärmbelastung nicht hinreichend genau ermittelt werden kann (§ 3 Abs. 1 LärmVibrationsArbSchV), z. B. weil in einer Werkshalle viele Maschinen gleichzeitig betrieben werden und die Lärmkennwerte der einzelnen Maschinen keine Aussage über den gesamten Geräuschpegel zulassen. Lärmmessungen sind aber keine einfache Sache. Sie setzen neben der Messtechnik auch Spezialkenntnisse voraus, die in vielen Betrieben fehlen.

Als Messgeräte sind in der Regel „integrierende“ Schallpegelmesser nach DIN EN 61672 „Elektroakustik – Schallpegelmesser“ erforderlich. Sie erlauben das Ablesen des dB (A)-Werts über einen bestimmten Zeitraum und liefern auch weitere Daten wie den Spitzenschallwert. Mit der Messung allein ist es aber noch nicht getan: So kann z. B. die Untersuchung der Lärmausbreitung aufgrund der besonderen Raumakustik, etwa des Nachhallverhaltens der Wände, nötig werden.

Falls Sie die für die Messungen vorgeschriebene Fachkunde (§ 5 LärmVibrationsArbSchV) nicht durch eigenes Personal abdecken können, nehmen Sie dazu externe Unterstützung in Anspruch, etwa durch die Berufsgenossenschaften.

Beachten Sie bei der Beurteilung der Lärmgefährdungen besonders die folgenden Punkte:

  • Sind Kollegen ständig oder gelegentlich so lauten Geräuschen ausgesetzt, dass ihnen Gehörverlust droht? Werden die in der LärmVibrationsArbSchV vorgegebenen Auslösewerte überschritten, leiten Sie die entsprechenden Maßnahmen ein (s. u.).
  • An welchen Arbeitsplätzen gibt es außer dem Lärm noch zusätzliche Belastungen (z. B. Vibrationen), die zusammen mit dem Lärm die Gesundheitsgefahr erhöhen?
  • Gibt es Lärmarbeitsplätze, an denen gleichzeitig Gefahrstoffe vorhanden sind? Manche Stoffe wirken ototoxisch („giftig für die Ohren“), z. B. Toluol oder Schwefelkohlenstoff. Gerade diese Stoffe werden aber auch in lärmintensiven Umgebungen verwendet, etwa in der Druckindustrie. Beschäftigte in solcher Umgebung sind besonders gefährdet.
  • Gibt es besonders gefährdete Personen, z. B. Schwangere? Eine andauernde Lärmbelästigung des Kindes im Mutterleib kann sein späteres Hörvermögen schädigen. Deshalb müssen Sie in solchen Fällen besondere Lärmschutz Maßnahmen treffen.
  • Trägt die Art des Lärms zu arbeitsbedingtem Stress bei? Dies kann auch in unverdächtigen Bereichen der Fall sein, besonders in Großraumbüros.

Tipp: Fragen Sie bei der Ermittlung und Bewertung der Lärmgefahren die Kollegen an den Arbeitsplätzen – sie kennen die Lärmsituation dort am besten, besonders die nur vorübergehend
auftretenden Spitzenbelastungen. Ziehen Sie auch den Betriebsarzt oder bei besonders schwierigen Themen, etwa dem Zusammenwirken von Lärm und Gefahrstoffen, externe Experten hinzu.

2. Schritt: Lärmschutz Maßnahmenplan festlegen

Zeichnen Sie Ihre Ergebnisse der Gefährdungsbeurteilung auf, und entwerfen Sie zusammen mit der Geschäftsleitung, den Führungskräften und ggf. dem Betriebsrat einen
Maßnahmenplan. Abb. 1 zeigt Ihnen, wie Sie dabei vorgehen sollen:

Laermschutz
© de la Roza: Lärmschutz Maßnahmenplan

 

Wichtig: Die Reihenfolge: 1. technische – 2. organisatorische – 3. personenbezogene Schutzmaßnahmen ist verbindlich! Legen Sie für alle Maßnahmen Verantwortlichkeiten und Termine fest. Klären Sie mit der Geschäftsleitung die Finanzierung der Maßnahmen ab.

2.1. Technische Maßnahmen

  • Schallentstehung vermindern, z. B. durch Auswahl lärmarmer Arbeitsmittel oder Änderung der Arbeitsverfahren. Bei der Beschaffung von Maschinen auf die Schallemissionswerte in Datenblättern und Betriebsanleitungen achten! Das gilt auch für Bürogeräte wie Kopierer und Drucker. Download Tipp: Im Internet stehen Maschinenlärm-Datenbanken kostenlos zur Verfügung, z. B. KarLA (Katalog Repräsentativer Lärm und Vibrationsdaten am Arbeitsplatz) auf der Website des Landesamtes für Arbeitsschutz Brandenburg (www.las-bb.brandenburg.de).
  • Arbeitsverfahren ändern: Manche Arbeitsverfahren sind geräuschärmer als andere: In einer Gießerei wurde z. B. eine erhebliche Lärmminderung erreicht, indem die Metallteile über Transportbänder statt durch laute Container zum Schmelzofen befördert wurden.
  • Schallabstrahlung vermindern, z. B. durch Kapselung von Maschinen. Oft gibt es auch ganz simple Lösungen, wie etwa gummibeschichtete Mülltonnen.
  • Schallübertragung reduzieren, etwa durch Lärmschutzdämmung in Wänden, Decken und Türen.
  • Je näher laute Schallquellen beieinanderstehen, umso größer ist der auf die Beschäftigten einwirkende Schall. Laute Maschinen sollten deshalb 6 m Mindestabstand voneinander haben und nicht näher als 3 m an einer hallenden Wand stehen.
  • Maschinen und Arbeitsmittel regelmäßig warten! Oft erhöhen Verschleiß oder Unwuchten drehender Teile den Lärm.
  • In Büros laute Geräte statt im Arbeitsbereich in einem separaten Raum unterbringen! Teppichböden schlucken ebenfalls Schall.

2.2. Organisatorische Maßnahmen

  • Lärmbereiche kennzeichnen und Zugangsbeschränkungen einrichten – dies ist nach der LärmVibrationsArbSchV Pflicht ab einem Schallpegel von 85 dB (A).
  • „Lärmpausen“ einrichten, um die Lärmeinwirkung auf die betroffenen Kollegen zu begrenzen.
  • Lärmintensive Arbeiten möglichst räumlich trennen und zeitlich auseinanderlegen, um das Zusammenwirken mehrerer Lärmquellen zu verhindern.

2.3. Personenbezogene Maßnahmen

  • Sorgen Sie für Erst- und regelmäßige Folgeunterweisungen (mindestens einmal jährlich) der betroffenen Mitarbeiter über Lärmgefahren und Schutzvorkehrungen – nach der LärmVibrationsArbSchV vorgeschrieben bei Lärmpegeln ab 80 dB (A).
  • Stellen Sie den Betroffenen geeigneten Gehörschutz zur Verfügung – ebenfalls Pflicht ab 80 dB (A).
  • Ordnen Sie bei Lärmpegeln ab 85 d B (A) die Benutzung von Gehörschutz verbindlich an. Erstellen Sie hierzu eine Betriebsanweisung.
  • Bieten Sie Beschäftigten an Arbeitsplätzen mit einer Lärmeinwirkung von über 80 dB(A) bzw. Lärmspitzen von 135 dB(C) arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen an. Ab 85 dB (A) bzw. 137 dB(C) sind diese Untersuchungen vorgeschrieben.

3. Schritt: Erfolgskontrolle und regelmäßige Überprüfung

Prüfen Sie nach Abschluss aller durchgeführten Lärmschutz Maßnahmen deren Wirksamkeit, ggf. auch durch neue Messungen. Wiederholen Sie außerdem in regelmäßigen Abständen die Gefährdungsbeurteilung, ebenso beispielsweise beim Einsatz neuer Maschinen. Kontrollieren Sie stichprobenartig, ob Zugangsbeschränkungen zu Lärmbereichen eingehalten und der vorgeschriebene Gehörschutz benutzt wird. Überprüfen Sie die Ergebnisse der Gehöruntersuchungen auf Hinweise, ob Sie Lärmgefahren übersehen oder unterbewertet haben.

 

Autor: Rafael de la Roza

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