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So wenden Sie die Leitmerkmalmethode an

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Leitmerkmalmethode

Rund 80 % der Deutschen leiden im Laufe ihres Lebens an Rückenbeschwerden. Ein Teil davon wird durch das Handhaben schwerer Lasten hervorgerufen. Deshalb müssen Sie im Betrieb die Gefährdungen bei der manuellen Handhabung von Lasten beurteilen. Dabei ist die Leitmerkmalmethode eine große Hilfe.

Laut Arbeitsschutzgesetz (§§ 5 und 6) und Lastenhandhabungsverordnung (§ 2) sind Sie verpflichtet, im Unternehmen die Arbeitsbedingungen zu beurteilen, wenn Gefährdungen bei der manuellen Handhabung von Lasten nicht sicher auszuschließen sind. Für diese Gefährdungsanalyse empfehlen die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) und der Länderausschuss für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik (LASI) die Leitmerkmalmethode.

Darum sollten Sie die Leitmerkmalmethode kennen

Mithilfe der Leitmerkmalmethoden können Sie Defizite bei der Arbeitsplatzgestaltung (Ergonomie) ermitteln und Maßnahmen erarbeiten, mit deren Hilfe das Risiko für negative gesundheitliche Auswirkungen deutlich verringert werden kann. Manuelle Arbeiten, also Tätigkeiten, die mit Fehlbelastungen der Hände und Arme einhergehen, führen häufiger zu gesundheitlichen Problemen. Mitarbeiter, die solche Arbeiten verrichten, leiden nach Untersuchungen der BAuA deutlich öfter an Beschwerden und Erkrankungen im Hand-Arm- und Schulter-Nacken-Bereich als andere Beschäftigte.

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Einstufung in 4 Leitmerkmale

Bei der Leitmerkmalmethode können Sie mithilfe von 4 Leitmerkmalen ermitteln, in welche Risikostufe eine Tätigkeit fällt, und entsprechende Schutzmaßnahmen festlegen.

Die 4 Leitmerkmale einer Tätigkeit sind… Bei der Beurteilung berücksichtigen Sie u. a.

 

Zeitdauer/Häufigkeit

 

  • Anzahl der Vorgänge bei regelmäßigem kurzem Auf-, Ab- und Umsetzen, z. B. beim Setzen von Mauersteien
  • Dauer des Haltens, z. B. beim Bedienen von Motorsägen

 

Lastgewicht

 

  • Wirksame Last, Mittelwert bei unterschiedlichen Gewichten
  • Unterschiedliche Vorgaben für Frauen und Männer

 

Körperhaltung:

 

  • Genaue Haltung bei den Arbeitsprozessen berücksichtigen, unterschieden wird z. B. zwischen aufrechtem Stehen und Gehen, bei dem die Last dicht am Körper getragen wird, und Vorbeugen bis ca. 30°
Ausführungsbedingungen

 

  • Unterschiedliche Bedingungen, z. B. gute oder schlechte Bodenbeschaffenheit, eingeschränkte Bewegungsfreiheit

 

Auf Basis dieser 4 Kriterien erhalten Sie einen Punktwert, welcher Ihnen den Risikobereich der ausgeübten Tätigkeit anzeigt. Ein hoher Punktwert entspricht einer hohen Belastung der Muskel-Skelette. So können Sie einfach, schnell und rechtskonform die Notwendigkeit oder auch den Verzicht auf Handhubwagen und auf andere Hilfsmittel begründen und dokumentieren. Allerdings sollten Sie diese Methoden nicht dazu verwenden, eine Begründung für nicht rückengerechtes Arbeiten zu finden. Denn auch, wenn möglicherweise auf Hilfsmittel ganz oder teilweise verzichtet werden kann, bedeutet das nicht, dass Sie der Pflicht entbunden sind, den Mitarbeitern rückenschonendes Arbeiten zu ermöglichen.

Betrachten Sie die verschiedenen Formen physischer Belastung

Bei der Lastenhandhabung wird zunächst zwischen Heben, Halten und Tragen sowie Ziehen oder Schieben unterschieden. Auch für sich wiederholende manuelle Tätigkeiten wird die Leitmerkmalmethode „Manuelle Arbeitsprozesse“ als Bewertungskriterium herangezogen. Bei diesen Tätigkeiten wird von wesentlich erhöhter körperlicher Belastung gesprochen, wenn ein Punktwert des Risikobereichs 3 erreicht oder überschritten wird.

Zurzeit sind noch nicht alle Formen physischer Belastung abbildbar, aber die BAuA arbeitet sie weiter aus. Für folgende Tätigkeiten liegen Formblätter zur Leitmerkmalmethode vor:

  • Heben, Halten, Tragen,
  • Ziehen, Schieben,
  • Manuelle Arbeitsprozesse

Zur Ganzkörperschwingung auf Staplern stehen auch Methoden in unterschiedlichen Formaten zur Verfügung, sodass sie jeder einsetzen kann.

Tipp: Sie finden die Formblätter auf der Website der BAuA. Hier können Sie ohne ergonomische Spezialkenntnisse und ohne aufwendige Berechnungen die Tätigkeit beurteilen. Auf der Internetseite von Rückenkompass finden Sie dazu Übersetzungen in viele Sprachen.

Anwendung der Leitmerkmalmethode

Die Leitmerkmalmethoden sind sogenannte Screening-Methoden. Um sie verwenden zu können, sind gute Kenntnisse der zu beurteilenden Arbeitsplätze erforderlich. Subjektive Schätzungen führen zu keinem verlässlichen Ergebnis. Am besten ist es daher, die zu beurteilenden Arbeitsplätze gemeinsam mit den Führungskräften und Beschäftigten vor Ort zu analysieren.

Betrachten Sie auch die ergonomischen Aspekte an Bildschirmarbeitsplätzen!

Autoren: Uta Fuchs & Holger Kück

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