Telearbeit: So arbeiten Ihre Mitarbeiter sicher im Home-Office

Telearbeit: So arbeiten Ihre Mitarbeiter sicher im Home-Office

Telearbeit, das Arbeiten aus dem Home Office, nimmt zu. Doch auch am Telearbeitsplatz muss ein ergonomisches und gesundheitsgerechtes Arbeitsumfeld sichergestellt sein. Welche Anforderungen gelten erfahren Sie hier.

Die Tatsache, dass immer mehr Mitarbeiter zum Teil von zuhause aus arbeiten, sorgt bei vielen Arbeitsschützern für Verunsicherung. Eine rechtliche Klarstellung zur Telearbeit ist deshalb in der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) definiert.

    Unterschied zwischen Telearbeitsplatz und mobiler Arbeit

    Wo genau beginnt die Telearbeit zuhause? Gilt bereits als Telearbeit oder Home-Office, wenn man per Smartphone nach Feierabend eine dringende beruflich bedingte Mail beantwortet, oder erst, wenn einem der Arbeitgeber einen Bildschirmarbeitsplatz in den eigenen 4 Wänden eingerichtet hat? Der Gesetzgeber regelt dies nun, indem er Telearbeit von mobiler Arbeit unterscheidet (s. Tabelle).

    Unterscheidung: Telearbeit und mobile Arbeit*
    Zur mobilen Arbeit zähltAls Telearbeitsplatz gilt
    • das gelegentliche Arbeiten von zuhause aus oder von unterwegs
    • vom Arbeitgeber fest eingerichtete Bildschirmarbeitsplätze im Privatbereich eines Beschäftigten
    • das Abrufen von E-Mails nach Feierabend außerhalb des Unternehmens
    • für die eine wöchentliche Arbeitszeit vereinbart ist
    • das Arbeiten zuhause ohne eingerichteten Bildschirmarbeitsplatz
    • für welche die Bedingungen der Telearbeit im Arbeitsvertrag oder einer anderen Vereinbarung festgelegt wurden.
    * laut Begründung des BMAS zum Entwurf der ArbStättV vom 23.9.2016

     

     

    Die ArbStättV stellt Anforderungen an Telearbeit

    Wichtig für Sie als Arbeitsschützer: Die ArbStättV gilt für Telearbeitsplätze, greift jedoch nicht für mobile Arbeit.

    Wichtig zum Verständnis ist, dass die Telearbeitsplätze zwar in die ArbStättV aufgenommen werden, aber mit der Einschränkung, dass nur 2 Paragraphen der ArbStättV angewandt werden:

    • „§ 3 bei der erstmaligen Beurteilung der Arbeitsbedingungen und des Arbeitsplatzes“, dies bezieht sich auf die Notwendigkeit einer Gefährdungsbeurteilung.
    • „§ 6 und der Anhang Nummer 6“, dies bezieht sich auf die Notwendigkeit einer Unterweisung und Maßnahmen zur Gestaltung von Bildschirmarbeitsplätzen.
    • „soweit der Arbeitsplatz von dem im Betrieb abweicht“, das bedeutet: Wenn die Arbeitsbedingungen an einem Bildschirm zuhause denen im Betrieb entsprechen, ist keine erneute Gefährdungsbeurteilung erforderlich.

    Dass Sie für Bidlschirmarbeitsplätze also eine Gefährdungsbeurteilung und Unterweisung durchführen müssen ist ziemlich deutlich. Wie exakt ein Monitorarbeitsplatz zuhause dem Arbeitsplatz des gleichen Mitarbeiters im Büro entsprechen muss, bleibt jedoch offen.

    Man kann davon ausgehen, dass hier auch ein wenig der gesunde Menschenverstand und das persönliche Gespür der betrieblichen Arbeitsschützer gefragt sind. Denn letztlich kommt es nicht nur auf die ergonomische Ausstattung, sondern auch auf die richtige Einstellung und Benutzung von Mobiliar und Arbeitsmitteln durch den Mitarbeiter an. Und was Sie in der Sicherheitsunterweisung im Betrieb dazu sagen, gilt im Großen und Ganzen genauso auch für den Heimarbeitsplatz.

    § 4
    Allgemeine Grundsätze

    Der Arbeitgeber hat bei Maßnahmen des Arbeitsschutzes von folgenden allgemeinen Grundsätzen auszugehen:

    1. Die Arbeit ist so zu gestalten, daß eine Gefährdung für das Leben sowie die physische und die psychische Gesundheit möglichst vermieden und die verbleibende Gefährdung möglichst gering gehalten wird;
    2. Gefahren sind an ihrer Quelle zu bekämpfen;
    3. bei den Maßnahmen sind der Stand von Technik, Arbeitsmedizin und Hygiene sowie sonstige gesicherte arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse zu berücksichtigen;
    4. Maßnahmen sind mit dem Ziel zu planen, Technik, Arbeitsorganisation, sonstige Arbeitsbedingungen, soziale Beziehungen und Einfluß der Umwelt auf den Arbeitsplatz sachgerecht zu verknüpfen;
    5. individuelle Schutzmaßnahmen sind nachrangig zu anderen Maßnahmen;
    6. spezielle Gefahren für besonders schutzbedürftige Beschäftigtengruppen sind zu berücksichtigen;
    7. den Beschäftigten sind geeignete Anweisungen zu erteilen;
    8. mittelbar oder unmittelbar geschlechtsspezifisch wirkende Regelungen sind nur zulässig, wenn dies aus biologischen Gründen zwingend geboten ist.

    Arbeitsschutz im Home-Office – Corona

    Büroarbeiten sind nach Möglichkeit im Homeoffice auszuführen, insbesondere, wenn Büroräume von mehreren Personen mit zu geringen Schutzabständen genutzt werden müssten. Homeoffice kann auch einen Beitrag leisten, Beschäftigten zu ermöglichen, ihren Betreuungspflichten (z.B. Kinder oder pflegebedürftige Angehörige) nachzukommen.

    Arbeitsschutzmaßnahmen- und Vorschriften im Home-Office

    Die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) definiert im deutschen Recht den sog. Telearbeitsplatz und legt in § 2 Abs. 7 i. V. m. Abs. 5 ArbStättV die Voraussetzungen dafür fest. Hiernach soll es eine Vereinbarung mit dem Mitarbeiter über Arbeitszeit, Arbeitsbedingungen und Arbeitsplatzgestaltung, die Einrichtung eines Bildschirmarbeitsplatzes im Privatbereich geben.

    Die SARS-CoV-2 Arbeitsschutzregel konkretisiert für den Zeitraum der epidemischen Lage von nationaler Tragweite gemäß § 5 Infektionsschutzgesetz die Anforderungen an den Arbeitsschutz.

    Die Regel stellt Maßnahmen für alle Bereiche des Wirtschaftslebens vor, mit denen das Infektionsrisiko für Beschäftigte gesenkt und auf niedrigem Niveau gehalten werden kann. Dabei bleiben Abstand, Hygiene und Masken die wichtigsten Instrumente, solange es keinen Impfschutz für CoViD-19 gibt. Betriebe, die die Regel anwenden, können davon ausgehen, dass sie rechtssicher handeln.

    Vorschriften

    • Arbeitszeiten müssen festgelegt werden
    • Pausenzeiten müssen festgelegt werden
    • Arbeitsmittel und Kommunikationsgeräte müssen bereitgestellt und installiert werden
    • Zur Grundausstattung gelten: Firmen-Laptop und ein Dienst-Handy
    • Reglungsmodell für die Zeiterfassung

    Arbeitsschutzmaßnahmen

    • eine Gefährdung für das Leben sowie die physische und die psychische Gesundheit möglichst vermeiden.
    • Arbeitszeiten sowie Pausenzeiten müssen eingehalten werden
    • Datenschutz – Datensicherheit und IT-Infrastruktur
    • Gefährdungsbeurteilung muss vorgenommen werden
    • Verbot von Sonn- und Feiertagsarbeit

    Wie kann der Telearbeitsplatz überprüft werden?

    Letztendlich muss jeder Bildschirmarbeitsplatz, ob in der Firma oder zuhause, sicher und für Bildschirmarbeit geeignet sein und auf die richtige Art und Weise benutzt werden.

    Wichtig für Sie als Fachkraft für Arbeitssicherheit: Die zuvor viel diskutierte Forderung nach einer regelmäßigen Prüfung aller Home-Office-Arbeitsplätze wurde aus dem ursprünglichen Entwurf der ArbStättV gestrichen. Nun gilt: Der Arbeitgeber ist dafür verantwortlich, dass für Home-Office-Arbeitsplätze eine Gefährdungsbeurteilung durchgeführt wird, und zwar

    • (nur) bei der erstmaligen Einrichtung des Arbeitsplatzes.
    • bevor ein Mitarbeiter erstmalig von zuhause aus arbeitet.

    Die Prüfpflicht / Gefährdungsbeurteilung gilt nicht, wenn ein Mitarbeiter nur ab und zu mal von zuhause aus arbeitet. Damit muss die Fachkraft für Arbeitssicherheit (oder wer immer die Gefährdungsbeurteilung durchführt) nicht sofort bei jedem Mitarbeiter in der Privatwohnung vorbeischauen und checken, wie ergonomiefreundlich oder nicht dieser nach Feierabend an seinem Küchentisch per Notebook dienstliche Mails checkt.

    Wie diese Pflicht konkret umgesetzt werden wird, ist noch nicht abzusehen. Wird die Fachkraft für Arbeitssicherheit demnächst tagelang unterwegs sein, um Home-Office-Mitarbeiter zuhause zu besuchen? Und wie soll die Wirksamkeit dieser Gefährdungsbeurteilungen überprüft werden, wenn sie nur einmalig erfolgen?

    Unbedingt anzuraten ist, etwaige Besuche von Mitarbeiten an Telearbeitsplätzen zu protokollieren. Wenn Sie jeweils den Befund mit Ort und Datum festhalten, die wichtigsten Sicherheitsregeln und Schutzmaßnahmen notieren und dies den Mitarbeiter unterschreiben lassen, erhöhen Sie wesentlich Ihre Rechtssicherheit. Es dürfte kaum zumutbar sein, dass Sie bei jedem Einzelnen ständig nachfragen, ob er seinen Monitor korrekt positioniert hat oder bei ausreichend Tageslicht arbeitet. Doch wenn Mitarbeiter an Telearbeitsplätzen über Gesundheitsbeschwerden klagen oder ausfallen, können Sie den Arbeitsplatz zuhause nicht länger bei der Ursachensuche ausklammern.

    So stellen Sie gesundheitsgerechte Telearbeit sicher

    Regeln Sie im Arbeitsvertrag von Telearbeitern nicht nur die Arbeitszeit, die Dauer der Telearbeit, die zu verwendende Hard- und Software usw., sondern auch die für den Arbeitsschutz und die Aufgaben der Sifa relevanten Aspekte. Das betrifft insbesondere die Vereinbarungen bezüglich eines Zutrittsrechts für das Einrichten und Beurteilen (s. u.) des Telearbeitsplatzes im privaten Zuhause Ihrer Mitarbeiter.

    Home-Office Unterweisung

    Zu Beginn der Tätigkeit im Home-Office sollte der Arbeitgeber eine Unterweisung in verschiedenen Bereichen durchführen:

    • Unterweisung in die Datensicherheit und Schutz der EDV vor Viren
    • Unterweisung der Arbeitszeiten und Arbeitspausen (Dazu gehört die Dokumentation der Arbeitszeiten)
    • Unfallversicherungsrechtliche Besonderheiten im Home-Office. Arbeitnehmer müssen auf die Risiken hinweisen, welche Bereiche von der Unfallversicherungen angenommen werden und welche nicht
    • Sicherheitsunterweisung

    Tipps für die Arbeit im Home-Office

    • Der Abstand zum Bildschirm sollte 50.70 cm betragen
    • Öfter die Sitzhaltung ändern
    • Bewegungspausen machen
    • Sie sollten sich einen Zeitplan erstellen und sich ein neues Konzept zur Arbeitsorganisation ausdenken oder raussuchen

    Konzepte im Home-Office

    Zeiteinteilung

    • Legen Sie feste Arbeitszeiten fest
    • Erstellen Sie eine Aufstellung mit Ihren Arbeitszeiten und den Zeiten, an denen Sie nicht erreichbar sind.

    Organisation

    • Erstellen Sie ein Konzept für die Archivierung und Ablage der Dokumente
    • Richten Sie eine Datensicherung ein
    • Schaffen Sie Routinen
    • Kategorisieren und Analysieren Sie Ihren Posteingang. (Als Email und Papierform)

    Einrichtung und Leistungsfähigkeit

    • Richten Sie Ihren Arbeitsplatz so ein, dass Sie sich wohl fühlen und damit auch gerne Zeit an ihm verbringen
    • Sorgen Sie für gutes Licht
    • Versuchen Sie die wichtigsten Dinge auf Ihrem Schreibtisch zu haben
    • Ergonomie der Büroeinrichtung

    FAQ Home-Office

    Ist ein Unfall im Homeoffice ein Arbeitsunfall?

    Wenn sich der Arbeitsplatz beispielsweise in einem anderen Stock befindet und der Arbeitnehmer die Treppe runterfällt, weil er auf den Weg zu seinem Arbeitsplatz war, gilt es in gewissen Fällen als Arbeitsunfall. Der Unfall muss in einem sachlichen Zusammenhang mit der Versichertentätigkeit stehen, um als Arbeitsunfall gewertet werden zu können.

    Welche Arbeitszeiten gelten im Homeoffice

    Die vereinbarten Arbeitszeiten gemäß des Arbeitsvertrages gelten auch zu Hause. Oft können speziell für die Änderung im Home-Office die Arbeitszeiten neu festgelegt werden.

    Kann mein Chef mich vor ansteckenden Krankheiten schützen?

    Ihr Arbeitgeber kann eine Gefährdungsbeurteilung erstellen, in dem er dann nachgeht wie die Mitarbeiter geschützt werden können und was dafür getan werden muss.

    BildscharbV aufgehoben: Das gibt die ArbStättV für Bildschirmarbeit vor

    Autor: Friedhelm Kring