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Darum dürfen Sie bei Überstunden nicht wegschauen

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Überstunden

Wussten Sie, dass wir Deutschen Europameister bei den Überstunden sind? Etwa 1,8 Milliarden Überstunden – 47 pro Arbeitnehmer – fallen hierzulande jedes Jahr an, wie neue Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) belegen. Vor dem Hintergrund der von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) kürzlich belegten Folgen von Überstunden für die Gesundheit ist das ein Thema auch für den Arbeitsschutz. Auch als Sifa haben Sie Hebel, gegen krankmachende Mehrarbeit anzugehen.

Arbeitszeit ist seit jeher ein Thema für den Arbeitsschutz. Die Rahmenbedingungen für Arbeitszeiten, Nachtarbeit, Sonntagsarbeit, Pausen usw. sind im Arbeitszeitgesetz (ArbZG) geregelt. Bisher waren Tages- oder Wochenarbeitszeiten eher ein Thema für Tarifverhandlungen, Betriebsräte und Personalvertreter. Der „Arbeitszeitreport 2016“ der BAuA hat den Zusammenhang von Überstunden und Gesundheitsfolgen belegt. Die Zahlen des IAB bekräftigen die Relevanz dieses Themas.

Die Daten sind eindeutig: Je mehr Überstunden, desto kränker!

Die Zahlen der BAuA bestätigen den Befund des IAB. Fast jeder vierte (24 %) Vollzeitbeschäftigte arbeitet wöchentlich 2 bis 5 Stunden länger, als vertraglich vereinbart. Bei beinahe jedem Dritten (29 %) fallen sogar mehr als 5 zusätzliche Arbeitsstunden pro Woche an. Dies bleibt nicht ohne Folgen für die Gesundheit. Die folgende Grafik zeigt, bei wie viel Prozent vollbeschäftigter Arbeitnehmer bestimmte Beschwerden auftreten. Deutlich ist zu erkennen, dass jeder Beschwerdetyp mit der Zahl geleisteter Überstunden an Häufigkeit zunimmt.

So krank machen Überstunden

Wie der Arbeitszeitreport der BAuA zeigt, verursachen Überstunden sowohl körperliche, als auch psychische Beschwerden. Müdigkeit und Erschöpfung sowie Rückenschmerzen sind häufige Begleiterscheinungen von einem zu hohen Arbeitspensum:

 

Statistik-Ueberstunden

 

So gehen Sie gegen Überstunden vor

Mehrarbeit durch Überstunden kann ein heikles Thema sein. Insbesondere dann, wenn betroffene Mitarbeiter sich nicht dagegen selbst wehren. Überstunden sind sehr häufig die Folge aus einer falschen Arbeitsorganisation oder einer schlechten Kommunikation und müssen nicht direkt bedeuten, dass zu viel Arbeit vorhanden ist. Dennoch können Sie als Arbeitsschützer mehrere Hebel ansetzen:

1. Holen Sie sich Unterstützung durch den Betriebs- oder Personalrat. Tauschen Sie sich aus und bringen Sie das Thema im Arbeitsschutzausschuss ganz nüchtern zur Sprache. Erinnern Sie an die Vorgaben des ArbZG:

  • Es bestehen zwar viele Ausnahmen und Sonderregelungen für bestimmte Branchen und Beschäftigungsarten. Dennoch sollten Normalarbeitszeiten von maximal 8 Stunden pro Tag angestrebt werden.
  • Auch für Mehrarbeit gibt es Grenzen. Nur bis zu 10 Stunden an einem Tag darf laut dem ArbZG gearbeitet werden. Und auch nur dann, wenn dies anschließend mit Freizeit ausgeglichen wird, und zwar so, dass eine maximale Arbeitszeit von 48 Stunden wöchentlich im Halbjahresdurchschnitt nicht überschritten wird.

3. Behalten Sie Ihre Unfallzahlen im Auge, auch die Wegeunfälle. Eine Zunahme der Unfallzahlen kann mit einer Überlastung von Mitarbeitern zusammenhängen.

4. Stellen Sie zusammen mit den Mitarbeitern heraus, welche Faktoren für Überstunden verantwortlich sind. Legen Sie auf wahrheitsgetreue Darstellungen Wert.

  • Sprechen Sie die Gesundheitsbelastung durch Überstunden bei den Verantwortlichen sachlich an. Ausgelaugte und überlastete Mitarbeiter fallen eher und länger aus. Da kann es schon allein aus betriebswirtschaftlichen Gründen sinnvoller sein, von vornherein den Personalschlüssel der anfallenden Arbeitsmenge anzupassen. Für Überstunden kann es gute Gründe geben. Und nicht jede Überstunde ist per se gesundheitsschädlich. Doch wo Betriebe wiederholt oder dauerhaft die gesetzlichen Arbeitszeitregelungen missachten, drohen nicht nur hohe Bußgelder sondern sogar ein Straftatbestand. Überlastete, ermüdete und kranke Mitarbeiter sind alles andere als eine gute Basis für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens.

Fazit: Auf die Balance kommt es an

Bei der Arbeitszeit kommt es auf das richtige Maß an. Einerseits – und das ist schon länger bekannt – sind Arbeitslose wesentlich häufiger krank als Erwerbstätige. Auf der anderen Seite leidet derjenige, der zu viel arbeitet. Als Arbeitsschützer sollten Sie sich dem Thema stellen, auf Einhalten der Arbeitszeitregelungen pochen und Betroffene wie Vorgesetzte zu den Gesundheitsfolgen aufklären.

Vor allem Arbeitnehmer in der Schicht- oder Wochenendarbeit sollten spezielle Maßnahmen angeboten bekommen, um psychische Belastungen abzubauen. Das können spezielle Sport- oder Entspannungsmaßnahmen in Sportstudios oder Praxen sein, aber auch Ruheräume beim Arbeitgeber.

Auch bei Vertrauensarbeitszeit ist es wichtig, dass der Vorgesetzte Überstunden nicht ignoriert. Sollten keine Überstunden erfasst werden, muss die betreffende Person trotzdem schriftlich gefragt werden, ob Überstunden in dem Zeitraum angefallen bzw. ob sie mit der Arbeitszeit zurechtgekommen sind. Ansonsten riskiert das Unternehmen bei einer Kontrolle durch die Aufsichtsbehörden eine Aberkennung Ihrer Gefährdungsbeurteilung!

Mehr zum Thema: So machen Sie Psychische Belastung am Arbeitsplatz messbar

Autor: Dr. Friedhelm Kring, Jürgen Loga 

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