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Aktuelles Urteil: Krebsverdacht kann für die Anerkennung einer Berufskrankheit ausreichen

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Berufskrankheit Krebs

Erkrankt ein Mitarbeiter, der viele Jahre mit Asbest arbeitete, an Krebs, muss die Berufsgenossenschaft für die Berufskrankheit zahlen. Das hat das Hessische Landessozialgericht vor einigen Wochen entschieden.

Berufskrankheit Krebs: Der Fall

Ein Handwerker hat von 1948 bis 1993 als Schlosser und später als Elektriker gearbeitet. In dieser Zeit kam er des Öfteren mit Asbest in Berührung, und zwar unter anderem beim Schneiden von Asbestplatten sowie beim Löten mit Asbestband. Im Jahr 2011 erkrankte er an einem Tumor im Brustkorb und verstarb nach wenigen Monaten. Die Witwe forderte die Anerkennung der Erkrankung als Berufskrankheit, weil die histologischen Untersuchungen auf ein Mesotheliom, also einen bösartigen Tumor des Rippen- und Lungenfells, hindeuteten. Die Berufsgenossenschaft lehnte eine Anerkennung als Berufskrankheit Nr. 4105 deshalb ab, weil ein Mesotheliom nur wahrscheinlich und nicht letztendlich nachgewiesen wurde. Dagegen klagte die Witwe.

Das Urteil

Die Berufsgenossenschaft muss die Berufskrankheit anerkennen und eine Witwenrente zahlen. Eine Revision gegen das Urteil wurde nicht zugelassen.

Die Begründung

Bei der Diagnose „Mesotheliom“ handelt es sich um eine Ausschlussdiagnose, also eine Diagnose, die sich aus dem allmählichen Ausschluss aller anderen möglichen Erkrankungen mit denselben Sympthomen ergibt. Zudem zeige die Erfahrung, dass zwischen dem beruflichen Asbestkontakt und der Entwicklung eines Tumors durchaus bis zu 30 Jahre liegen könnten. Dafür könne sogar eine geringfügig vermehrte Asbestbelastung ausreichen. Dem Gericht genügte diese Wahrscheinlichkeit, um die Krebserkrankung als Berufskrankheit anzuerkennen. Außerdem hat die Berufsgenossenschaft es versäumt, die Angehörigen des Verstorbenen auf eine notwendige Obduktion und deren Wichtigkeit hinzuweisen. Dies habe dann dazu geführt, dass an den Nachweis eines Mesothelioms weniger hohe Anforderungen anzulegen waren.

Hessisches Landessozialgericht, Urteil vom 21.2.2017, Az. L3 U 124/14

Autor: Gabriele Janssen

 

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