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Die SiFa und die Arbeitsmedizin: Warum eine enge Zusammenarbeit mit dem Betriebsarzt so wichtig ist!

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Betriebsarzt, SiFa

Die Fachkraft für Arbeitssicherheit ( SiFa) und Betriebsärzte bzw. betriebsärztliche Dienste sollen effizient zusammenarbeiten. Diese Kooperation ist durch die DGUV-Vorschrift 2 vorgegeben. Doch nicht jede SiFa ist mit den Aufgaben und Funktionen des Betriebsarztes vertraut. Lesen Sie daher im Folgenden die wichtigsten Fakten und Grundlagen des betriebsärztlichen Wirkens. Binden Sie den Betriebsarzt mit ein!

Aus Sicht der SiFa ist der Betriebsarzt der kompetente Begleiter für die arbeitsmedizinische Vorsorge und Versorgung im Unternehmen. Er erweitert den technisch-organisatorischen Arbeitsschutz um die Perspektive des Mediziners.

Stellung und Aufgaben von einem Betriebsarzt

Analog zur SiFa ist der Betriebsarzt gemäß dem Arbeitssicherheitsgesetz in der Anwendung seiner Fachkunde weisungsfrei und unmittelbar dem Unternehmer und Arbeitgeber zufgeordnet. Er wirkt bei der Gestaltung guter Arbeitsbedingungen mit und richtet sein Augenmerk besonders auf die Wechselwirkungen zwischen Arbeit und Gesundheit. Er berät bezüglich arbeitsmedizinischer Fragen und ist (Mit-)Organisator der betrieblichen Gesundheitsförderung und der medizinischen Prävention. Sein Beratungsauftrag wird an einigen Stellen im Arbeitsschutzrecht explizit betont: Wenn Beschäftigte z. B.

  • mit Gefahrstoffen umgehen,
  • Tätigkeiten mit Biostoffen durchführen oder
  • einer Überschreitung der Auslösewerte für Lärm oder Vibrationen ausgesetzt sind

fordern GefStoffV, BioStoffV bzw. LärmVibrationsArbSchV eine arbeitsmedizinisch-
toxikologische bzw. allgemeine arbeitsmedizinische Beratung unter Beteiligung des Betriebsarztes. Als Arbeitsschützer sollten Sie den Betriebsarzt einbinden bei Vorgängen wie:

  • Beurteilung von Arbeitsbedingungen und Gefährdungen, z. B. hinsichtlich von Biostoffen und Infektionsgefahren, Gefahrstoffen, Lärm und Vibrationen, Hautschutz, manuellem Handhaben von Lasten, psychischen Fehlbelastungen usw. Unterweisungen zu den genannten Themenfeldern
  • Beschäftigung von besonders schutzbedürftigen Personengruppen wie Jugendlichen, Schwangeren, Mitarbeitern mit gesundheitlichen Einschränkungen
  • Organisation der Ersten Hilfe im Betrieb
  • Beschaffung von Arbeitsmitteln, z. B. im Hinblick auf ergonomische Anforderungen
  • Auswahl von Körperschutzmitteln zur Hautpflege, Desinfektion, Sonnenschutz usw.
  • Fragen zur Arbeitsorganisation, z. B. zu Arbeitsrhythmen, Schichtplänen, Arbeitszeiten und Pausenregelungen
  • Eingliederung und Wiedereingliederung von Beschäftigten mit gesundheitlichen Einschränkungen oder nach Unfällen/ Reha
  • Begehungen von Arbeitsstätten im Hinblick auf Sicherheit und Gesundheitsschutz

Außerdem führt der Betriebsarzt Impfungen durch und wirkt mit im Arbeitsschutzausschuss ( ASA), bei Gesundheitszirkeln, Arbeitskreisen usw. Genauer nachzulesen sind die für den Betriebsarzt vorgesehenen Aufgaben in der DGUV- Vorschrift 2. Hier finden Sie auch Details zu den unterschiedlichen Betreuungsmodellen (Regelbetreuung, alternative bedarfsorientierte Betreuung usw.) sowie der Aufteilung der Arbeitszeiten des Betriebsarztes im Verhältnis zu denen der SiFa.

Arbeitsmedizinische Vorsorge

Details zur arbeitsmedizinischen Vorsorge sind in der gleichnamigen Verordnung (ArbMedVV) geregelt. Dabei wird je nach konkreter Situation und Tätigkeit auf Grundlage der Gefährdungsbeurteilung zwischen der Pflicht-, Angebots- und Wunschvorsorge unterschieden. Wichtigstes Ziel von Anamnese und individuellen  Präventionsempfehlungen ist ein frühzeitiges Erkennen arbeitsbedingter Gesundheitsstörungen und damit das Verhüten arbeitsbedingter Erkrankungen. Arbeitsschützer und Führungskräfte sollten zudem Folgendes wissen:

  1. Arbeitsmedizinische Vorsorge sollte während der Arbeitszeit stattfinden.
  2. Für Betriebsärzte gilt die Schweigepflicht. Auch als Sicherheitsverantwortlicher haben Sie kein Recht auf Auskunft oder Einsicht in Patientenakten.
  3. Die Vorsorgeanlässe werden im Anhang der ArbMedVV gelistet, z. B. Angebotsvorsorge bei mehr als 2 Stunden und Pflichtvorsorge bei mehr als 4 Stunden Feuchtarbeit pro Tag.

Hinweis: Eignungsuntersuchungen sind Untersuchungen zum Nachweis einer gesundheitlichen Tauglichkeit für eine Tätigkeit. Sie sind nur unter bestimmten Umständen zulässig und von der arbeitsmedizinischen Vorsorge strikt zu trennen. Als Handlungsgrundlage für den Betriebsarzt gilt die DGUV-Information 250-010 „Eignungsuntersuchungen in der betrieblichen Praxis“.

Mit der Novellierung der ArbMedVV Ende 2013 hat die arbeitsmedizinische Vorsorge einen noch stärkeren Stellenwert erhalten, seitdem gilt:

  • Es heißt nun „Arbeitsmedizinische Vorsorge“ statt zuvor „Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung“. Dies soll deutlicher machen, dass Vorsorge nicht automatisch eine körperliche Untersuchung mit sich bringt.
  • Die informationelle Selbstbestimmung des Beschäftigten, insbesondere das Recht auf Nichtwissen, wurde gestärkt.
  • Der Arbeitgeber muss eine Vorsorgekartei führen, die festhält, wer wann welche Vorsorge aus welchem Anlass erhalten hat, aber nicht, ob gesundheitliche Bedenken bei dem Beschäftigten bestehen oder nicht.
  • Wenn eine Gefährdung nicht sicher ausgeschlossen werden kann, muss der Arbeitgeber seinen Beschäftigten eine Wunschvorsorge ermöglichen.

Das arbeitsmedizinische Regelwerk

Seit 2009 gibt es den Ausschuss für Arbeitsmedizin (AfAMed). Dieses Gremium erstellt arbeitsmedizinische Regeln (AMR) und Arbeitsmedizinische Empfehlungen (AME), welche die ArbMedVV konkretisieren (s. Tabelle) und dem Betriebsarzt zur Orientierung dienen.

Die 12 Arbeitsmedizinischen Regeln (AMR)

Nr. Titel
2.1 Fristen für die Veranlassung/das Angebot von arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen
3.1 Erforderliche Auskünfte/Informationsbeschaffung über die Arbeitsplatzverhältnisse
5.1 Anforderungen an das Angebot von arbeitsmedizinischer Vorsorge
6.1 Fristen für die Aufbewahrung ärztlicher Unterlagen
6.2 Biomonitoring
6.3 Vorsorgebescheinigung
6.4 Mitteilungen an den Arbeitgeber nach § 6 Abs. 4 ArbMedVV
6.5 Impfungen als Bestandteil der arbeitsmedizinischen Vorsorge bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
13.1 Tätigkeiten mit extremer Hitzebelastung, die zu einer besonderen Gefährdung führen können
13.2 Tätigkeiten mit wesentlich erhöhten körperlichen Belastungen mit Gesundheitsgefährdungen für das Muskel-Skelett-System
14.1 Angemessene Untersuchung der Augen und des Sehvermögens
14.2 Einteilung von Atemschutzgeräten in Gruppen

 

Die 4 Arbeitsmedizinischen Empfehlungen (AME)

  • Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit
  • Psychische Gesundheit im Betrieb
  • Zeitarbeit
  • Wunschvorsorge

 

FAZIT: Die arbeitsmedizinische Vorsorge durch den Betriebsarzt wird auf der Grundlage Ihrer Gefährdungsbeurteilung durchgeführt. Sie ergänzt den technischen,  organisatorischen und personenbezogenen Arbeitsschutz, meist von der SiFa organisiert, durch die individuelle Gesundheitsberatung eines fachlich qualifizierten Mediziners. Eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit von SiFa und Betriebsarzt erleichtert beiden die Arbeit und kommt dem Arbeits- und Gesundheitsschutz im gesamten Betrieb zugute.

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Autor: Dr. Friedhelm Kring

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