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Hitze am Arbeitsplatz: Diese Risiken müssen Sie im Sommer beachten

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Arbeiten bei Hitze

Hitze am Arbeitsplatz ist in vielen Branchen nicht zu vermeiden. Beschäftigte auf Baustellen, beim Straßenbau, in Gartenbau, Landschaftspflege und Landwirtschaft oder bei Transportaufgaben sind im Sommer oft besonderen Belastungen ausgesetzt. Für Sicherheit, Gesundheit und Wohlbefinden gelten bei Freilandarbeiten andere Faktoren als bei Tätigkeiten in Innenräumen. Doch auch Mitarbeiter im Büro haben mit hohen Temperaturen am Arbeitsplatz zu kämpfen. Für beide Gruppen gilt es die Gefährdung zu beurteilen und über die Risiken aufzuklären.

Arbeiten bei Hitze und hohen Lufttemperaturen kann zu Müdigkeit, Herzkreislaufproblemen und geringerer Leistungsfähigkeit führen. Schnellere Erschöpfung und geringere Konzentration steigern nicht nur das Risiko für Arbeitsunfälle. Durch die Hitze am Arbeitsplatz steigen die Gesundheitsgefährdungen durch Sonnenstich, Hitzschlag und Hitzekollaps. Die Risiken im Sommer werden häufig unterschätzt, unabhängig davon, ob es sich um einen Büroarbeitsplatz oder um Freilandarbeit handelt.

Beachten Sie die Raumtemperatur im Büro

Nicht jeder kann die heißen Sommertage im Strandkorb, Liegestuhl oder Hängematte verbringen, viele müssen auch im Juli und August im Büro arbeiten. Allerdings ist nicht jedes Büro mit erfrischenden Klimaanlagen ausgestattet. Daher gibt die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) auch Regeln zu der zumutbaren Temperatur am Arbeitsplatz an, deren Erfüllung Sie anhand einer Gefährdungsbeurteilung prüfen sollten. Die Hitze am Arbeitsplatz wird anhand der Lufttemperatur gemessen. Erst bei einer Überschreitung der Raumlufttemperatur von +26°C, ist der Arbeitgeber angehalten, Sonnenschutzmaßnahmen wie Jalousien oder Verglasungen umzusetzen. Sollte die Lufttemperatur dennoch weiter auf +30°C ansteigen, dann müssen weitere Maßnahmen getroffen werden. In den Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR) werden in der ASR A3.5 unter Punkt 4.4 folgende beispielhafte Maßnahmen aufgelistet:

  • effektive Steuerung des Sonnenschutzes (z. B. Jalousien auch nach der Arbeitszeit geschlossen halten)
  • effektive Steuerung der Lüftungseinrichtungen (z. B. Nachtauskühlung)
  • Reduzierung der inneren thermischen Lasten (z. B. elektrische Geräte nur bei Bedarf betreiben)
  • Lüftung in den frühen Morgenstunden
  • Nutzung von Gleitzeitregelungen zur Arbeitszeitverlagerung
  • Lockerung der Bekleidungsregelungen
  • Bereitstellung geeigneter Getränke (z. B. Trinkwasser)

Sollten diese Maßnahmen erfolglos bleiben und die Raumlufttemperatur überschreitet +35°C, dann gilt dieser Raum vorerst nicht mehr als Arbeitsraum geeignet.

Das können Sie selbst gegen die Hitze am Arbeitsplatz tun

Damit Sie auch an den heißen Sommertagen kühl im Kopf bleiben, können Sie selbst vorbeugende Maßnahmen treffen:

  • Bitten Sie Ihren Vorgesetzten die Gleitzeitregelung einzuführen und nutzen Sie die frühen Morgenstunden, um zu arbeiten.
  • Reißen Sie morgens die Fenster auf und halten Sie diese ab etwa 11 Uhr geschlossen, bzw. immer dann, wenn es draußen wärmer ist als drinnen.
  • Tragen Sie luftdurchlässige Kleidung.
  • Viel Trinken! Verzichten Sie dabei auf eisgekühlte Getränke, denn diese belasten den Körper stärker. Ungesüßte, kohlensäurearme, lauwarme Getränke sind ideal.
  • Reduzieren Sie Kaffee und koffeinhaltige Getränke.
  • Essen Sie leichte Mahlzeiten. Denn schwere, fettige Kost, kostet Ihrem Körper mehr Energie bei der Verdauung.
  • Schalten Sie alle nicht genutzten elektrischen Geräte ab, damit diese keine zusätzliche Wärme ausstrahlen.

So erkennen Sie Gesundheitsstörungen durch Hitze am Arbeitsplatz

Doch auch bei nur leicht erhöhten Temperaturen wird der Körper belastet und es bestehen Gesundheitsrisiken. Besonders Mitarbeit mit direkter Sonneneinstrahlung im Freien und körperlicher Arbeit sind hiervon betroffen. Denn der Körper verliert durch das Schwitzen bei Hitze nicht nur Flüssigkeit, sondern auch Salze. Ist die Wärmeregulation des Körpers überfordert, besteht die Gefahr, dass der Kreislauf zusammenbricht (Hitzekollaps). Folgende Gesundheitsstörungen können auftreten:

  • Hitzekrampf: schmerzhafte Muskelkrämpfe ohne Anstieg der Körpertemperatur. Ursache ist meist ein durch starkes Schwitzen verursachter Mangel an Flüssigkeit und Salzen.
  • Hitzeerschöpfung: Schwächegefühl, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Übelkeit und Rötung der Haut sind erste Anzeichen, später können Blässe mit kaltem Schweiß, Herzrasen, Hitzekrämpfe und Ohnmacht dazukommen. Wird eine Hitzeerschöpfung nicht erkannt und keine Gegenmaßnahmen ergriffen, kann dies zum Hitzekollaps führen.
  • Hitzschlag: Folge körperlicher Überanstrengung, gekennzeichnet durch erhöhte Körpertemperatur (> 40 °C), trockene erhitzte Haut, Benommenheit bis Bewusstlosigkeit (lebensbedrohlich!).
    Sonnenstich: eine Sonderform des Hitzschlags mit hochrotem erhitztem Kopf und kühler Haut am restlichen Körper. Ursache ist eine starke Sonneneinstrahlung auf Kopf und Nacken.

Ein Mitarbeiter zeigt erste Anzeichen eines Hitzeschadens – was tun?

Bei ersten Anzeichen einer durch Hitze hervorgerufenen Gesundheitsstörung sollten Sie folgendermaßen reagieren:

  • Den betroffenen Mitarbeiter sofort auffordern, seine Arbeit einzustellen.
  • Den Betroffenen an einen schattigen Platz begleiten, bei Schwindelgefühl sollte er sich hinlegen, bei Übelkeit auf die Seite.
  • Einengende Kleidung öffnen und ggf. ausziehen.
  • Den Mitarbeiter weiter beobachten, auf keinen Fall allein lassen!
  • Für dessen äußere Kühlung sorgen, z. B. durch nasse Tücher auf Kopf und Nacken.
  • Sofern er bei klarem Bewusstsein ist, sollten Sie den Betroffenen mit Wasser versorgen, das er langsam und in kleinen Schlucken zu sich nehmen sollte.
  • Medizinische Hilfe organisieren: den Rettungsdienst alarmieren, ggf. Betriebssanitäter (ab 100 Versicherten auf einer Baustelle ist ein Betriebssanitäter Pflicht!).

Erläutern Sie dieses Vorgehen in einer Unterweisung. Machen Sie Ihren Mitarbeitern klar: Es ist unverantwortlich, unter extremen Wetterbedingungen den „harten Mann markieren“ zu wollen. Durch Sonnenstich und Hitzschlag kann es zu Hirnschäden kommen. Unerkannt und unbehandelt besteht Lebensgefahr!

Neben der immer wieder thematisierten UV-Strahlung belasten hohe Ozonwerte den Körper zusätzlich. Erinnern Sie Ihre Mitarbeiter also an das Auftragen von Sonnenschutzmitteln. Mögliche Folgen bei ungeschützter Sonneneinstrahlung sind Augenbrennen, Reizungen von Nase, Hals und Rachen, Atemnot und Kopfschmerzen. Besonders gefährdet sind Beschäftigte mit Asthma und chronischen Atemwegserkrankungen sowie Beschäftigte bei körperlich anstrengenden Arbeiten im Freien. Beachten Sie: Die Tageshöchstwerte der Ozon-Belastung liegen meist zwischen 16 und 18 Uhr. Das Arbeitsschutzgesetz verpflichtet den Arbeitgeber, die Gefährdungen bei der Arbeit zu beurteilen und geeignete Schutzmaßnahmen zu treffen.

So schützen Sie sich vor Insektenstichen

Ob beim Betriebsfest oder als Kurierfahrer, beim Gartenbau oder der Feuerwehr – stechende Insekten unterscheiden nicht nach Beruf und Tätigkeit. Insektenstiche sind zwar in unseren Breitengraden nur selten gefährlich, aber schmerzhaft und lästig. Die mechanische Hautverletzung durch den Stich ist meist harmlos. Die Beschwerden an der Einstichstelle werden durch das Gift von Wespe oder Mücke verursacht. So beugen Sie vor:

  • Seien Sie besonders aufmerksam bei zuckerhaltigen Nahrungsmitteln und Getränken im Freien.
  • Trinken Sie nicht aus undurchsichtigen offenen Behältern (Gefahr des Verschluckens).
  • Halten Sie Vorrats- und Abfallbehälter immer geschlossen.
  • Bleiben Sie bei einer Wespe in der Nähe ruhig, vermeiden Sie hektische Bewegungen.
  • Entfernen Sie Schweißgeruch durch Waschen oder Duschen, aber verzichten Sie auf stark duftende Körperpflegemittel.

Wird trotzdem jemand gestochen, empfiehlt sich eine Kühlung durch kaltes Wasser oder Eiswürfel. Entfernen Sie ggf. einen verbliebenen Stachel mit einer Pinzette und desinfizieren Sie die Einstichstelle. Gegen den Juckreiz gibt es Salben. Lassen Sie einen betroffenen Mitarbeiter bei Verdacht auf eine allergische Reaktion (starke Rötung, Quaddeln auf der Haut, Übelkeit, Atemnot) sofort von einem Notarzt versorgen.

Achtung: Wespenstiche in Mund oder Rachen können auch ohne Allergie lebensbedrohlich werden, wenn das Anschwellen des Gewebes Atemnot verursacht. Kühlen Sie die betroffene Stelle bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes von innen und außen, so gut es geht.

Die Wirksamkeitskontrolle nicht vergessen

Spätestens am Ende des Sommers sollten Sie prüfen, ob Ihre festgelegten Schutzmaßnahmen greifen. Dazu haben Sie, je nach Betriebsgröße und -struktur, mehrere Möglichkeiten:

  • den Betriebsarzt zu Krankenstatistiken befragen, z. B. nach Fällen von Sonnenstich oder Kreislaufproblemen
  • sich bei den Beschäftigten erkundigen, etwa nach Problemen mit Insektenstichen oder nach Sonnenbränden
  • die Unfallmeldungen auswerten, beispielsweise ob es zu hitzebedingten Gesundheitsstörungen kam

Betrachten Sie nicht nur Fälle von Erkrankungen oder Unfällen. Versuchen Sie, auch alle durch die Arbeitsbedingungen in Sommerhitze ausgelösten Fehlhandlungen, betrieblichen Störungen, Beschwerden oder Beinahe-Unfälle zu erfassen. Bedenken Sie stets, dass die Empfindlichkeiten Ihrer Mitarbeiter individuell unterschiedlich sind. Was sich für den Großteil Ihrer Belegschaft
als zweckdienlich in Sachen Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz herausstellt, kann für einzelne Mitarbeiter nicht ausreichend sein. Das betrifft nicht nur Beschäftigte mit gesundheitlichen Einschränkungen, sondern speziell die folgenden Fälle:

  • Sonnenschutz bei Beschäftigten mit sehr hellem Hauttyp
  • Sonnenschutz bei Personen, die besonders lichtempfindlich sind
  • Außenarbeiten im Sommer von Beschäftigten, die auf Ozon empfindlich reagieren
  • Mitarbeiter mit speziellen Allergien, z. B. gegen Insektenstiche

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Autor: Dr. Friedhelm Kring

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