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Leitern: Das sind Ihre Pflichten bei der Verwendung von Leitern

© Benjamin Nolte – Fotolia
Leitern, Leiter

Stürze von mobilen Leitern und Gerüsten machen in Deutschland mehr als die Hälfte aller Absturzunfälle in der Bauwirtschaft und den baunahen Dienstleistungen aus. Aber auch in anderen gewerblichen Branchen gehören der Einsatz von Leitern und leider auch die damit verbundenen Unfälle zum Alltag. Deshalb regelt der Gesetzgeber diesen Gefährdungsbereich mit einer Vielzahl konkreter Vorgaben, die Unfälle wirkungsvoll verhindern sollen.

Und wie bei den anderen Arbeitsschutzregelungen auch, richten sich die Pflichten hauptsächlich an den Unternehmer als verantwortliche Person. Immer, wenn Sie tragbare Leitern und Tritte für Beschäftigte bereitstellen oder auch selbst benutzen, müssen Sie die entsprechenden rechtlichen Vorgaben berücksichtigen. Relevante Hinweise finden sich in den Regelungen des Arbeitschutzgesetzes (ArbSchG), welches für den Arbeitsschutz in Deutschland zuständig ist, der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV), Regelungen der Unfallversicherungsträger, den Technischen Regeln für die Betriebssicherheit (TRBS) 2121 sowie in weiteren spezifischen DIN-Normen.

Bereits vor dem Einsatz einer Leiter steht die Pflicht zur Gefährdungsbeurteilung

Das bekannte und bewährte Mittel der Gefährdungsbeurteilung kommt auch bei den sicherheitsrelevanten Anforderungen für den Umgang mit Leitern zum Einsatz. Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung müssen Sie als Unternehmensleitung ermitteln, ob sich kein anderes Arbeitsmittel für diese Tätigkeit anbietet, dessen Einsatz sicherer wäre. Konkret fordert die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV), dass man eine Leiter nur dann als hochgelegenen Arbeitsplatz benutzen darf, wenn

  • bei Benutzen der Leiter nur eine geringe Gefährdung vorliegt und die Benutzung nur von geringer Dauer ist oder
  • die baulichen Gegebenheiten ein anderes, sichereres Arbeitsmittel nicht zulassen und auch vom Arbeitgeber nicht geändert werden könne.

Beispiele für bauliche Gegebenheiten, die diesen Ausnahmetatbestand rechtfertigen, können enge Treppenhäuser, beengte Räume oder Gänge, Zugang zu Dächern oder Dachöffnungen sein. Auch wenn man fahrbare Arbeitsmittel wie Fahrgerüste oder Hubarbeitsbühnen nicht bis zum Arbeitsort fahren kann, gilt die Ausnahme. Schwieriger ist die Einschätzung, ob nur eine „geringe Gefährdung“ vorliegt und was unter „geringer Dauer“ zu verstehen ist. Zudem müssen hierbei die letzten Änderungen aus der Überarbeitung der TRBS 2121 vom Oktober 2018 berücksichtigt werden, die für eine Beurteilung der Arbeitssituation wichtig sind:

Die wichtigsten Neuerungen aus der TRBS 2121 beeinflussen Ihre Gefährdungsbeurteilung

  • Plattformleitern sind herkömmlichen Leitern vorzuziehen, da sie einen besseren Stand gewährleisten.
  • Bei der Verwendung einer Leiter als Zugang zu oder Abgang von hoch gelegenen Arbeitsplätzen darf der zu überwindende Höhenunterschied grundsätzlich nicht mehr als 5 m betragen.
  • Wenn eine Leiter als hochgelegener Arbeitsplatz verwendet wird, muss der Beschäftigte immer die Möglichkeit haben, mit beiden Füßen auf einer Stufe oder Plattform zu stehen. Das Arbeiten von der Leitersprosse aus ist seit der Änderung nicht mehr zulässig. Ausnahmen gelten nur in besonders begründeten Fällen wie beispielswiese bei Tätigkeiten in engen Schächten. Dies muss man dann aber unbedingt schriftlich im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung dokumentieren.
  • Dauerhafte Arbeiten, die eine Länge von 2 Stunden übersteigen, darf man auf einer Leiter nur bis zu einer Standhöhe von 2 m ausführen. Liegt die Standhöhe hingegen darüber (bis zu einer Höhe von 5 m), dürfen die Arbeiten auf der Leiter nur maximal 2 Stunden pro Arbeitsschicht dauern.

Beachten Sie für Ihre Gefährdungsbeurteilung diese sicherheitsrelevanten Aspekte

Ziel der Gefährdungsbeurteilung mit Leitern ist das Erkennen von Gefahren und die Ableitung von Maßnahmen, um die Gefährdungen zu beseitigen. Hierfür muss man die Arbeitsmittel, Verfahren und die Arbeitsumgebung in die Beurteilung mit einbeziehen.

Prüfen Sie deshalb vor dem Einsatz einer Leiter folgende Fragen, um Ihrer Arbeitgeberpflicht rechtssicher nachzukommen:

1. Können sicherere Arbeitsmittel als eine Leiter zum Einsatz kommen?

Solche Arbeitsmittel könnten feststehende Gerüste, Hubarbeitsbühnen, zugelassene Arbeitskörbe auf Gabelstaplern oder sogenannte hochziehbare Personenaufnahmemittel, also entsprechende Hebe-Aufzüge sein.

2. Sind die Zugänge ausreichend sicher?

Zugänge sind beispielsweise Treppen, Rampen, Leitern oder Tritte, die zu begehen bzw. zu besteigen sind, um zum Arbeitsort zu gelangen. Als sicher einzustufen sind z. B. Treppen an Gerüsten, Treppen zu Arbeitsplätzen an Maschinen oder auch Rampen, die mit Trittleisten ausgerüstet sind.
Aber auch Leitern können geeignete Zugänge darstellen, wenn Sie diese z. B. in Gerüsten als Gerüst-Innenleitern einbauen und nicht mehr als zwei Gerüstlagen miteinander verbinden. Leitern und Tritte als Zugang zu Fahrzeugladeflächen sind ebenfalls möglich. Dabei sind aber immer die Aspekte aus der TRBS 2121 zum Höhenunterschied sowie Dauer und Häufigkeit der Benutzung zu beachten. Auch müssen die Zugänge eine ausreichende Fluchtmöglichkeit bei drohenden Gefahren bieten.
Bei der Einschätzung von Zugängen ist zusätzlich in jedem Fall die Intensität der Nutzung zu berücksichtigen. Dient der Zugang auch der Abwicklung umfangreicher Werkzeug- und Materialtransporte, muss er auch diese Anforderung sicher erfüllen können.

3. Handelt es sich nur um kurzzeitige Arbeiten geringen Umfangs und mit geringer Gefährdung?

Wenn man diese Bedingungen einhält, kann man Leitern einsetzten, ohne dass damit von einer hohen Unfallgefahr auszugehen ist:

  • Der Standplatz auf der Leiter liegt nicht höher als 2 m über der Aufstellfläche ODER
  • der Standplatz auf der Leiter liegt nicht höher als 5 m über der Aufstellfläche (bis Oktober 2018 galten hierfür 7 m) UND die Arbeiten dauern nicht länger als 2 Stunden.
  • Das Gewicht des mitzuführenden Werkzeugs und Materials wiegt nicht mehr als 10 kg.
  • Mitzuführende Gegenstände haben eine Windangriffsfläche von nicht mehr als 1 m².
  • Stoffe oder Geräte, von denen für den Beschäftigten zusätzliche Gefahren ausgehen, werden nicht mitgeführt oder benutzt.
  • Es werden nur solche Arbeiten ausgeführt, die einen geringeren Kraftaufwand erfordern als den, der zum Kippen der Leiter ausreichen würde.
  • Der Beschäftigte steht bei der Arbeit mit beiden Füßen auf einer Stufe oder Plattform.

4. Werden beim Einsatz der Leiter zusätzliche Absturzgefahren vermieden?

Solche Absturzgefahren, die zusätzlich zur Nutzung der Leiter auftreten können, sind z. B. der innerbetriebliche Verkehr oder wenn die Leiter an Absturzkanten, neben Geländern oder ungesicherten Öffnungen aufgestellt wird. Derart gefährdende Rahmenbedingungen sind unbedingt zu vermeiden oder durch entsprechende Maßnahmen zu entschärfen.

Die wichtigsten Faktoren kurz in einer Tabelle zusammengefasst

Berücksichtigen Sie dabei diese wichtigen Gefahrenquellen und Kriterien:

Gefährdungen durch   Beispiele für Gefährdungen:
Die Arbeitsweise
  • Hoher Kraftaufwand
  • Hohes Gewicht und unhandliche Größe mitzunehmender Gegenstände (Werkzeuge, Ware usw.) und z.B. zu montierender Gegenstände
  • Körperhaltung
Den Höhenunterschied
  • Über 1 m: Stabilität und Bauart von leitern wichtig; falls nicht ausreichend, Hubarbeitsbühne oder Gerüst verwenden
  • Bis 1 m: Einsatz von Tritten bevorzugen
Die Dauer des Einsatzes
  • Lang: Leitern eher nicht zulässig, besser Gerüst, Hubarbeitsbühne bzw. Arbeitskorb wählen
  • Kurz: Leiter kann zulässig sein (wenn andere Gefährdungen dem nicht entgegenstehen)
Die Häufigkeit
  • Hoch: bei Tätigkeiten am gleichen Ort (z.B. beim Zugang zu Lagerzwischenbühnen) besser fest montierte Aufstiege (Treppe, Treppenleiter) bzw. fixierte Anlegeleiter wählen, bei Regalbedienung besser ortsgebundene Anlegeleiter (Regalleiter) oder Podestleiter wählen
  • Niedrig: Leiter kann zulässig sein (wenn andere Gefährdungen dem nicht entegenstehen)
Die Umgebungsbedingungen
  • Bodenbeschaffenheit (uneben, rutschig, nachgiebig) à Leiterzubehör einsetzen
  • Witterung (Regen, Sturm, Glätte) à Sicherung durch 2. Person
  • Innerbetrieblicher und öffentlicher Verkehr à organisatorische Maßnahmen erforderlich, z.B. Absperrung des Arbeitsbereichs
  • Nähe von beweglichen Anlageteilen à Abschalten oder Leiter aus isolierendem Material einsetzen
  • Nähe zu Absturzkanten à Sicherung durch 2. Person

Nicht immer ist das Arbeiten auf Leitern verboten

Es ist also weiterhin möglich, Leitern zur Arbeitsausübung einzusetzen, allerdings in begrenztem Rahmen. Folgende Tätigkeiten beispielsweise können Sie aber nach Durchführung einer Gefährdungsbeurteilung weiterhin bedenkenlos unter Einsatz einer Leiter ausführen lassen:

  • Viele Wartungs- und Inspektionsarbeiten wie Lampenwechsel in Leuchten
  • Montage- und Instandhaltungsarbeiten an Lüftungs-, Klima- und Heizungsanlagen
  • Montage von Bühnen und kleinen Regalanlagen
  • Anbringen von Schildern, Plakaten oder Lichterketten
  • Reparaturen an Fenstern, Markisen und Vordächern
  • Anstricharbeiten oder geringfügiges Nacharbeiten von Betonflächen an nicht zu hohen Fassaden, Auswechseln von kleinformatigen Plattenelementen in Verkleidungen
  • Anbringen, Spannen und Lösen von Verankerungen, Schließen von Ankerlöchern
  • Reinigen von Dachrinnen
  • Mess-, Richt- und Lotarbeiten
  • Ausrichten und Verschrauben von Montageteilen

Doch auch nach der Gefährdungsbeurteilung sind weitere Pflichten zu beachten

Wenn das Ergebnis Ihrer Gefährdungsbeurteilung den Einsatz einer Leiter ermöglicht, bedeutet dies nicht, dass Sie nun ohne weitere Voraussetzungen Ihre Beschäftigten zur Benutzung der Leiter auffordern dürfen. Folgende Pflichten sind zusätzlich zur Durchführung der Gefährdungsbeurteilung zu erfüllen:

  • Verwenden Sie ausschließlich Leitern und Tritte, die für einen Einsatz im Betrieb zugelassen sind. Hierfür müssen die Leitern den anerkannten Regeln der Technik entsprechen und nach ihrer Bauart für die jeweils auszuführende Arbeit geeignet sein. Basis dieser Einstufung sind die etablierten DIN-Normen. Die Details beschreiben wir im nächsten Abschnitt. Trägt Ihre Leiter das GS-Zeichen („Geprüfte Sicherheit“), wurde durch eine zugelassene Prüfstelle bestätigt, dass die anerkannten Regeln der Technik eingehalten wurden.
  • Vor Einsatz der Leiter müssen Sie sich über die Gefährdungen beim Umgang mit Leitern und Tritten informieren und Ihre Beschäftigten entsprechend angemessen unterweisen, wie unten beschrieben.
  • Auch der ordnungsgemäße Zustand der eingesetzten Leitern fällt in den Verantwortungsbereich der Unternehmensleitung. Deshalb müssen Sie die eingesetzten Leitern und Tritte regelmäßig kontrollieren oder prüfen lassen.

Diese Kriterien müssen Sie bei der Leiter-Auswahl beachten

Ihre Gefährdungsbeurteilung lässt den Einsatz von Leitern zu? Dann stellt sich sofort die nächste Frage: Was sollten Sie beim Kauf und bei der Bereitstellung von Leitern und Tritten einschließlich des Zubehörs berücksichtigen?

Bauart, Zubehör, Größe Material – die Unterschiede liegen im Detail

Schon bei der Beschaffung von Leitern und Tritten müssen Sie bestimmte Aspekte berücksichtigen, um sie im gewerblichen Umfeld einsetzen zu dürfen. Eine erste Hilfe bietet die neue DIN EN 131 aus dem Jahr 2018. Denn sie verpflichtet Hersteller dazu, die Leiter eindeutig zu kennzeichnen, ob sie sich auch für den gewerblichen oder allein für den privaten Einsatz eignet. Doch diese Unterscheidung allein genügt in der Regel nicht. Folgende Kriterien sollten Sie kennen, bevor Sie die geeignete Leiter für Ihren Einsatzzweck auswählen.

  • Für welche Arbeiten setzt man die Leiter ein bzw. welche Aufgaben muss sie erfüllen?
  • Wie lange sollen die Arbeiten auf der Leiter jeweils andauern? Muss die Leiter hierfür Stufen oder eine Plattform aufweisen oder genügen Sprossen?
  • Welche Leiter passt zur vorgesehenen Arbeitsweise, auch unter Berücksichtigung der Verhaltensmaßnahmen (z. B. sicheres Anlehnen der Leiter, keine Benutzung von zwei oder mehr Personen gleichzeitig, kein Übersteigen bei Stehleitern)?
  • Spielen besondere ergonomische Bedingungen eine Rolle (z. B. regelmäßiges Umstellen der Leiter, Überkopfarbeiten)?
  • Welche Belastbarkeit bzw. welche zulässige Traglast müssen die Leitern und Tritte bieten?
  • Wie ist die Bodenbeschaffenheit (z. B. glatt, nachgiebig, uneben)?
  • Stellen Lagerung (beispielsweise im Freien) oder häufiger Transport besondere Ansprüche an die Leiter?

Diese Rahmenbedingungen fordern oft eine gut überlegte Entscheidungsfindung, da einzelne Kriterien auch widersprüchliche Anforderungen stellen können. Wird z. B. eine Leiter für Arbeiten im Freien benötigt und auch bei kalten Temperaturen eingesetzt, bietet eine Holzleiter gegenüber Leitern aus Aluminium Vorteile, da der Kälteübertrag auf die Hände geringer ist. Muss man die Leiter aber auch im Freien lagern oder oft auf einer offenen Pritsche transportieren, scheidet Holz als geeignetes Material wiederum aus, da Holzleitern keinen deckenden Farbanstrich haben dürfen und somit bei Nässe rutschig sind. In solchen Fällen könnten als Kompromiss Kunststoffleitern in Frage kommen.

Außerdem können zusätzliche Gefährdungen die Wahl einer geeigneten Leiter stark beeinflussen. Solche Gefahren ergeben sich beispielsweise, wenn

  • Arbeiten an elektrischen Anlagen oder Anlagen mit Explosionsgefahr durchgeführt werden,
  • die Arbeitsumgebung von starken Bewegungen und Impulsen geprägt ist, beispielsweise bei Kran- und Förderanlagen,
  • in der Nähe von störenden maschinellen Anlagen und Einrichtungen gearbeitet wird oder bewegliche Anlagenteile die Stabilität beeinträchtigen,
  • die Einsatzbedingungen ein stabiles Aufstellen der Leiter erschweren, z. B. bei Rohrleitungen, Behältern, oder Regalsystemen,
  • die örtlichen Bedingungen besonders eng oder unzugänglich sind wie in Schächten und Kanälen,
  • die Leiter an Absturzkanten aufgestellt wird,
  • man auf der Leiter umfangreiche Arbeiten ausführt.

Diese 2 Beispielfälle zeigen, wie Sie das Auswahlschema richtig anwenden

Fall 1:

Arbeitsaufgabe: In einem Baumarkt müssen Beschäftigte regelmäßig Handwaschbecken (Gewicht: 7 kg) in die zweite Regalebene (Höhe: 2 m) ein- und auslagern.

Denkbare Arbeitsmittel Elektrogabelstapler mit Arbeitskorb oder Leitern unterschiedlichen Typs
Rahmenbedingungen Höhenunterschied: gering

Dauer: kurz (bis zu 20 Minuten)

Häufigkeit: gelegentlich (1- bis 2-mal wöchentlich)

Umgebungsbedingungen: Arbeitsumgebung gut übersehbar, keine plötzlich unerwarteten Gefährdungen

 

Ergebnis: Wählen Sie eine einseitig besteigbare Podestleiter als Sonderform der Stehleiter.

Vorteile: Der Aufstieg weist eine vergleichsweise geringe Neigung auf; durch den Armkontakt am Seitengeländer können die Beschäftigten die relativ schweren und sperrigen Waschbecken sicher nach oben (und nach unten) transportieren. Von der großen Plattform aus lassen sich die Waschbecken gut handhaben. Sie ist – mit Ausnahme des Zugangs – durch ein Geländer mit Handlauf, Knie- und Fußleiste umwehrt, sodass die Gefahr von Abstürzen weitestgehend auszuschließen ist. Die für Leitern zulässige Belastungsgrenze von insgesamt 150 kg wird bei weitem nicht überschritten. Bei „normalen“ Stehleitern wäre das Auf- und Absteigen aufgrund des steileren Neigungswinkels und des fehlenden Seitengeländers nur mit deutlich höherem Risiko möglich. Durch das fehlende Podest wäre die Handhabung der Waschbecken zudem ebenfalls gefährlicher. Sie scheiden daher für diese Aufgabe aus. Was gegen andere Leitern spricht: Aus denselben Gründen kommen auch Anlegeleitern hier nicht in Betracht. Darüber hinaus bestünde beim seitlichen Hinauslehnen während des Einräumens in das Regal Umsturzgefahr, was das Risiko nochmals erhöht. Alternativ zur Podestleiter ist auch der Einsatz eines Gabelstaplers mit Arbeitskorb denkbar. Er bietet dann Vorteile, wenn sperrige und/oder schwere Gegenstände in ständig wechselnden Höhen eingelagert werden müssen, wobei auch der mühsame Aufstieg mit der Ware entfällt. Bei der Risikobewertung müssen Sie jedoch auch die Gefährdung der Kunden bei der An-/Abfahrt des Staplers in den Verkaufsraum (Gangbreiten!) berücksichtigen.

Fall 2:

Arbeitsaufgabe: Beschäftigte müssen ein Warmluftgebläse einschließlich der erforderlichen Konsole in 6 m Höhe an einer Lagerhallenwand montieren.

Denkbare Arbeitsmittel Gerüst, Hubarbeitsbühne oder Podestleiter
Rahmenbedingungen Höhenunterschied: mittel bis hoch

Dauer: mehrere Stunden

Häufigkeit: einmalig Umgebungsbedingungen: kritisch, da ständiger Lagerverkehr

 

Ergebnis: Hier scheidet der Einsatz einer Leiter, auch einer entsprechend großen und damit standsicheren Podestleiter, aus. Die Gründe hängen u. a. mit den Abmessungen und dem Gewicht des Gebläses sowie der Zeitdauer der Montage zusammen. Besser geeignet ist in diesem Fall eine (Leih-)Hubarbeitsbühne, da diese Arbeit in dem Betrieb nur einmal anfällt. Demgegenüber birgt der ebenfalls denkbare Einsatz eines Gerüsts aufgrund der zusätzlichen Gefahren beim Auf- und Abbau vermutlich ein höheres Risiko.

Aus diesen gängigen Leiter-Typen können Sie wählen

Im Laufe der Zeit haben sich einige Leitertypen etabliert, deren Beschaffenheit über DIN-Normen vorgegeben und geprüft wird. Diese Leitern können durch geeignetes Zubehör so erweitert und modifiziert werden, dass sie für einen sicheren Einsatz bei den meisten Arbeiten in Frage kommen.

  • Anlegeleitern sind die ursprünglichste Form der Leiter. Sie sind immer einteilig. Man lehnt sie an einen festen Gegenstand, z. B. eine Wand.
    Achtung! Seit Anfang September 2018 gelten für Anlegeleitern neue Bestimmungen der DIN EN 131. Betroffen von der Änderung sind vor allem Anlegeleitern mit einer Leiterlänge von über drei Metern. Diese Leitern müssen in Zukunft mit verbreiterten Standfüßen ausgeführt werden, die ein Umkippen der Leiter vermeiden sollen und so eine höhere Sicherheit bei der Benutzung erreichen. Diese Vorgabe kann man z. B. durch eine breitere Quertraverse oder eine konische Bauform umsetzen. Ihre alten Leitern, die noch nicht der aktuellen Norm entsprechen, können Sie grundsätzlich weiterverwenden, wenn die Standsicherheit gewährleistet ist. Dies sollten Sie aber in einer aktualisierten betrieblichen Gefährdungsbeurteilung neu bewerten. Je nach Ergebnis kann die Nachrüstung einer zusätzlichen Stütztraverse oder die Neubeschaffung einer Leiter notwendig sein.
  • Schiebeleitern sind eng mit den Anlegeleitern verwandt, von denen sie sich nur dadurch unterscheiden, dass sie mehrteilig und dadurch auszieh- oder verlängerbar sind. In der Regel erfolgt die Höhenverstellung durch stufenweises Einhaken der zwei oder mehr Leiterelemente im Abstand der einzelnen Sprossen.
    Eine Besonderheit der Schiebeleitern stellen Seilzugleitern dar, bei denen die ineinander verschiebbaren Einzelelemente über eine Seilführung miteinander verknüpft sind und so einfacher verlängert werden können. Vor allem größere Schiebeleitern sollten mit Seilzug ausgestattet sein, um das Kipp-Risiko beim Aufrichten zu verringern.
    Steckleitern kann man aus mehreren kurzen Leiterelementen mithilfe von Einsteckvorrichtungen zusammengesetzen. Sie sind damit weniger flexibel in der Länge, dafür einfacher zu transportieren. Bei allen höhenverstellbaren Leitern ist die vom Hersteller maximal vorgegebene Gesamtlänge zu beachten.

Anlege-, Schiebe-, Seilzug- und Steckleitern können mit allen nachfolgend beschriebenen Zubehörteilen auf- oder nachgerüstet werden, um sie den jeweiligen Anforderungen anzupassen. Sie werden in der Regel als Sprossenleitern angeboten, spezielle Modelle sind aber für besondere Anwendungen auch als Stufenleitern verfügbar, wenn sichergestellt ist, dass die Neigung der Leiter immer gleich und entsprechend der angebrachten Stufen ausgerichtet ist, z. B. mittels Einhängevorrichtung.

  • Auch Rollleitern sind auf den ersten Blick den Anlegeleitern ähnlich, unterscheiden sich aber durch drei wesentliche Merkmale:
    • Sie haben am Bodenende fest angebrachte Rollen und laufen am Kopfende in einer ortsfesten Schiene. Die Leitern kann man quer (z. B. in Archiven) oder längs (z. B. in Regalgassen) verschieben.
    • Somit sind Rollleitern nur begrenzt mobil, dafür aber besonders standfest und immer in der gleichen Neigung angebracht.
    • Aufgrund der fest vorgegebenen Neigung kann man Rollleitern immer mit komfortableren Stufen statt Sprossen ausrüsten.

Rollleitern eignen sich besonders dann, wenn Regale häufig manuell zu be- und entladen sind. Als alternative Bezeichnung ist deshalb auch der Begriff „Verfahrbare Regalleiter“ gebräuchlich.

  • Glasreinigerleitern sind spezielle Anlegeleitern, deren Kopfende allerdings spitz zuläuft, um die Leiter an schmalen Gebäudeteilen wie Fenster-Zwischenholmen anlehnen zu können. Diese auch „Spitzleitern“ genannten Leitern können wie andere Anlegeleitern auch einteilig oder wie eine Steckleiter aus mehreren Teilen zusammengesetzt sein. An der Spitze bringt man oft Gummielemente oder Rollen an, um eine leichtere oder sicherere Handhabung zu ermöglichen.
    Da man Glasreinigerleitern am Kopfende nur punktförmig anlehnt, benötigen Sie für einen stabilen Stand bei längerer Ausführung eine verbreiterte Auflage am Boden. Leitern mit einer zulässigen Standhöhe von bis zu 2 Metern bezeichnet man als Etagenleitern, längere mit Standhöhe bis zu 7 m und verbreiterter Fußtraverse als Tourenleitern.
  • Stehleitern sind zweischenklig ausgeführte Sprossenleitern, die man somit freistehend aufstellt und optional über eine Plattform verfügen. Sie können ein- oder beidseitig besteigbar sein, durch angebrachte Rollen verfahrbar, höhenverstellbar oder mit einer Holmverlängerung ausgerüstet sein. Angeboten werden auch Stufenleitern mit größeren Auftrittsflächen.
    Je nach Ausführung stellen Stehleitern besondere Ansprüche an eine sichere Konstruktion. Deshalb sollten Sie bei der Beschaffung immer genau auf die Einhaltung der gängigen Normen (DIN EN 131-1/-2) achten. Z. B. muss durch Aussteifungen sichergestellt sein, dass die Schenkel nicht auseinanderklappen können oder fahrbare Leitern müssen sich beim Besteigen so absenken, dass sie festen Stand haben.
    Eine Höhenverstellung von Stehleitern lässt sich verwirklichen, indem beispielsweise ein verschiebbares Oberteil angebracht wird, die Schenkel der Stehleiter durch zusätzliche verschiebbare Leiterelemente einzeln höhenverstellbar sind oder aber die Holme der Schenkel verlängert werden. Letztere Lösung hat den Vorteil, dass man damit auch Bodenunebenheiten ausgleichen kann und die Stehleiter sogar quer zu Stufen zu stellen ist. Derart aus- oder nachgerüstete Stehleitern bezeichnet man auch als Treppen- oder Treppenhausleitern.
    Bei Arbeiten, die einen besonders sicheren Stand des Ausführenden erfordern oder durch die Notwendigkeit zu einem erhöhten Bewegungsfreiraum gekennzeichnet sind, sollte man Podest- oder Plattformleitern einsetzen. Diese sind mit Stufen oder Flachsprossen ausgestattet und bieten eine umwehrte Plattform (Podest) für sicheren Stand.
  • Mehrzweckleitern können als Anlege-, Schiebe- oder Stehleitern verwendet werden und eignen sich vor allem, wenn häufig unterschiedliche Arbeiten mit immer anderen Anforderungen durchgeführt werden.
    Innerhalb der Mehrzweckleitern kann zwischen zwei Systemen unterschieden werden: gängig ist die dreiteilige Mehrzweckleiter als Stehleiter mit aufgesetzter Schiebeleiter. Bei Gelenk- oder Klappleitern hingegen sind meist 4 Schenkel durch selbsttätig sperrende Gelenke miteinander verbunden. Alle Mehrzweckleitern lassen sich als Anlege- oder Stehleiter nutzen. Die dreiteiligen Leitern sind zusätzlich auch Schiebeleitern und lassen sich mit sämtlichen Zubehörteilen wie unten beschrieben nach- oder aufrüsten. Die Gelenkleitern können alternativ als Kleingerüst mit Plattform eingesetzt werden, wenn das hierfür nötige Belagelement vorhanden ist.
  • Leitern, die dazu bestimmt sind, auf bestehende feste geneigte Flächen aufgelegt zu werden, bezeichnet man aufgrund ihres Haupteinsatzzwecks als Dachdeckerleitern. Beim Einsatz müssen sie immer gegen Verrutschen gesichert werden, z. B. durch Einhängen in bestehende Sicherheitsdachhaken.
  • Eine Besonderheit stellen auch die Seilleitern dar, deren Sprossen nicht durch Holme, sondern durch Seile oder Ketten miteinander verbunden sind. Solche Seil-, Strick- oder Kettenleitern sind besonders instabil und dürfen deshalb auch nur dann eingesetzt werden, wenn andere Leiter-, Gerüst- oder sonstige Lösungen nicht möglich sind. Innerhalb von Silos dürfen Seilleitern überhaupt nicht, beim Einsatz an Gebäudewänden nur mit Abstandshaltern eingesetzt werden. In vielen Fällen lassen sich Seilleitern durch die sichereren Hängeleitern ersetzen.
  • Als Hängeleitern werden Leitern bezeichnet, die hängend, also ohne Bodenberührung benutzt werden und hierfür an festen Elementen an- oder eingehängt werden. Vor dem Einsatz von Hängeeitern ist zur Gefährdungsvermeidung immer darauf zu achten, dass sie gegen Aushängen gesichert und am unteren Leiterende zu benachbarten Bauteilen abgespannt werden, um eine höchstmögliche Stabilität zu erlangen.
  • Mastleitern dienen dem Besteigen von Masten, Kaminen oder anderen säulenförmigen Bauteilen. Sie werden fest mit dem Mast bzw. dem Bauteil verbunden und verlaufen somit in der Regel nahezu senkrecht.
  • Eine Sonderstellung innerhalb der kleinen Stufen-Stehleitern nehmen die sogenannten Tritte Sie haben in der Regel nur bis zu vier Stufen und dürfen deshalb bis zur obersten Stufen betreten werden. Die Plattform muss nicht umwehrt sein. Aufgrund der geringen Stehhöhe und damit geringeren Sicherheitsanforderungen können viele unterschiedliche Bauformen verwirklicht werden. Gängig sind Treppentritte, Leitertritte, Tritthocker und tonnenförmige Tritte. Werden die Tritte mit Rollen ergänzt (sogenannte Rolltritte) müssen diese beim Besteigen einklappen, um ein unbeabsichtigtes Wegrollen zu unterbinden.

Oft ist ein sicherer Einsatz der Leiter erst mit dem erforderlichen Zubehör möglich

Da Leitern und Tritte in unterschiedlichsten Situationen und Arbeitsumgebungen eingesetzt werden, wurde eine Vielzahl von Zubehörteilen entwickelt, die den Sicherheitsanforderungen der jeweiligen Arbeitssituation Rechnung tragen sollen. Wichtigstes Ziel des Zubehörs ist die Standsicherheit der Leiter, aber auch das komfortable oder sichere Arbeiten auf der Leiter.

Folgende Zubehörteile können für Leitern verwendet werden:

  • Wandabstützungen verbreitern den Leiterkopf und damit die Auflagespanne an der Wand. Die Leiter wird so zusätzlich stabilisiert.
    Anwendung bei Anlege-, Schiebe-, Seilzug-, Steck- und 2-/3-teilige Mehrzweckleitern.
  • Leitertraverse hingegen verbreitern den Leiterfuß und sind je nach Bedarf gerade oder gebogen ausgeführt. Sie verringern die Kippgefahr. Leitertraversen können zusätzlich mit einem Höhenausgleich ausgestattet sein.
    Sollten Sie noch ältere Leitern mit über 3 m Länge im Einsatz haben, wird allgemein empfohlen, diese nachträglich mit einer neuen Traverse auszustatten, da dies bei neuen Leitern seit 2018 Pflicht ist. Detaillierten Rat erhalten Sie hierzu beim Leiterhersteller.
    Anwendung bei Anlege-, Schiebe-, Seilzug-, Steck-, 2-/3-teilige Mehrzweckleitern und Glasreiniger-/Tourenleitern.
  • Aufsetz-, Einhak- und Einhängevorrichtung sind z. B. bei verschmutztem oder rutschigem Untergrund in Nass- und Fettbereichen erforderlich.
    Anwendung bei Anlege-, Schiebe-, Seilzug-, Steck- und 2-/3-teilige Mehrzweckleitern.
  • Leitergurte sichern die Leiter gegen Wegrutschen, wenn das Anbringen von Aufsetz-, Einhak- oder Einhängevorrichtungen nicht möglich ist, z.B. an Bäumen oder Fahrzeugbordwänden.
    Anwendung bei Anlege-, Schiebe-, Seilzug-, Steck- und allen Mehrzweckleitern.
  • Schwenkbare Leiterfüße sorgen dafür, dass der Fuß immer satt auf dem Untergrund aufliegt. So wird der Leiterstand stabilisiert.
    Anwendung bei Anlege-, Schiebe-, Seilzug-, Steck- und 2-/3-teilige Mehrzweckleitern.
  • Stahlspitzen dringen in Erdboden, Grasflächen oder sonstigem nachgiebigen Untergrund ein und verhindern so ein Wegrutschen.
    Anwendung bei Anlege-, Schiebe-, Seilzug-, Steck- und 2-/3-teilige Mehrzweckleitern.
  • Holmverlängerungen oder gebogene Traversen, die zum Teil stufenlos einstellbar sind, dienen dem Niveauausgleich bei unebenen oder geneigten Flächen sowie Stufen. Da die Traverse breiter ist als das untere Leiterende, wird gleichzeitig eine Erhöhung der Standsicherheit erreicht.
    Anwendung bei Anlege-, Schiebe-, Seilzug-, Steck-, 2-/3-teilige Mehrzweckleitern und Glasreiniger-/Etagenleitern.
  • Ein- oder beidseitig angebrachte Seitengeländer, Haltebügel oder Handläufe erleichtern das Besteigen oder Stehen auf der Leiter und bieten zusätzliche Sicherheit.
    Anwendung bei allen Leitern außer Glasreiniger-, Gelenk-, beidseitig begehbaren, höhenverstellbaren oder fahrbaren Stehleitern.
  • Für ein längeres Stehen auf der Leiter bieten sich Einhänge- oder Klapp-Podeste an, die die Standfläche vergrößern und variabel einsetzbar sind.
    Anwendung bei allen Leitern außer Glasreiniger-, Plattform- oder fahrbaren Stehleitern.

Auch die richtige Größe der Leiter sollten Sie vor dem Einsatz ermitteln

Nicht jede Leitergröße eignet sich für jede Anforderung. Wenn Leitern zu groß gewählt werden, haben Sie evtl. keinen Platz oder aber auf Arbeitshöhe kann der Abstand zur Wand zu groß sein, wenn die Leiter im korrekten Winkel gestellt wird. Auch zu kleine Leitern sind für den Anwender nutzlos.

Bedenken Sie also vor der Anschaffung, welche Leitergröße Ihre Anforderungen am besten abdeckt. Dabei sollten Sie folgende Faktoren berücksichtigen:

  • Anlegeleitern dürfen, wenn sie nicht zusätzlich gegen Wegrutschen gesichert wurden, nur bis zur viertobersten Stufe oder Sprosse bestiegen werden.
  • Bei beidseitig besteigbaren Stehleitern müssen die obersten beiden Sprossen bzw. Stufen frei bleiben, sie dürfen also nur bis zur drittobersten Stufe bestiegen werden.
  • Wenn Sie eine Mehrzweckleiter als Stehleiter mit aufgesetzter Schiebeleiter einsetzen, darf die Leiter nur nur bis zur fünftobersten Sprosse bestiegen werden.
  • Bei Stehleitern mit Plattform und zusätzlichem Haltebügel oder Podestleitern existieren solche Beschränkungen verständlicherweise nicht. Doch auch hier sollte die Höhe mit Bedacht gewählt werden. Idealerweise kann der Nutzer der Leiter vom Podest aus die maximal erforderliche Arbeitshöhe erreichen, ohne sich strecken zu müssen oder – im Gegenzug – ohne in stark gebückter Haltung zu arbeiten.
  • Anlegeleitern, die dazu dienen, auf höhergelegene Arbeitsplätze übersteigen zu können, sollten so lang sein, dass sie die Anlegestelle um mindestens 1 m überragen. Alternativ können aber auch andere geeignete Haltemöglichkeiten wie zusätzliche Geländer installiert werden.

Leitern aus Holz, Stahl, Aluminium oder Kunststoff – Die Auswahl des geeigneten Materials

Die Arbeitsbedingungen können auch erheblichen Einfluss auf einen weiteren Aspekt der Leiterauswahl haben: Das Material, das den jeweiligen Bedingungen am besten entspricht. Schmutz in der Arbeitsumgebung, Anforderungen an die Robustheit, klimatische Bedingungen, Chemikalien oder elektrostatische Aufladung können hier entscheidende Anforderungen stellen.

Diese Materialen kommen in Betracht:

  • Holz ist als natürlicher Werkstoff zwar schwer normierbar, hat sich aber im harten Arbeitsalltag seit hunderten Jahren bestens bewährt. Vor allem im rauen Betrieb des Baugewerbes wie beispielsweise bei Ausbauarbeiten sind Holzleitern nach wie vor erste Wahl.
    Nachteilig ist allerdings die Witterungsempfindlichkeit von Holz. Trotz Oberflächenbehandlung (deckende Farbanstriche sind nicht erlaubt) bleibt Holz durch UV-Strahlung und Feuchtigkeit vor allem an Verbindungsstellen angreifbar und muss in entsprechenden Einsatzgebieten dann auch öfter geprüft werden.
  • Die mittlerweile weit verbreiteten Aluminiumleitern sind leicht, bei geringer Belastung und sachgemäßem Gebrauch verhältnismäßig stabil und witterungsfest. Allerdings ist Aluminium als weiches Leichtmetall auch stoß- und schlagempfindlich und deshalb für den Baustellenalltag nicht geeignet.
  • Leitern aus Stahl bringen die nötige Stabilität und Robustheit mit, sind aber korrosionsempfindlich und damit im Außenbereich nur bedingt einsetzbar. Sie eignen sich aber hervorragend für den Einsatz im Innenbereich mit rauem Betrieb wie in Lager- und Maschinenhallen. Bei der Lebensmittelverarbeitung sowie in der Wasserwirtschaft haben sich die teureren aber robusten und hygienischen Edelstahlleitern bewährt.
  • Nur für spezielle Einsatzbereiche wurden Kunststoffleitern entwickelt und mit besonderen DIN-Normen bedacht. In Arbeitsumgebungen mit schädigenden Einflüssen beispielsweise durch Säuren und Laugen, gibt es kaum Alternativen zu Kunststoffleitern. In diesen und allen anderen Fällen, in denen der Einsatz von Stahl oder Aluminium ausscheidet, wie beim Einsatz in elektrischen Anlagen, findet Kunststoff oder auch glasfaserverstärkter Kunststoff (GFK) Verwendung.

Haben Sie nun die geeignete Leiter in der richtigen Größe und aus dem bevorzugten Material für Ihren Einsatzbereich gefunden, bleibt nur noch eine Frage zu beantworten, bevor Sie die Leiter beschaffen:

Wie viele Leitern oder Tritte benötigen Sie?

Was auf den ersten Blick lapidar wirkt, sollte trotzdem gut bedacht werden. Denn lange Wege und mangelnde Verfügbarkeit von Aufstiegen verringern nicht nur die Arbeitseffizienz, sondern erhöhen auch die Gefährdung, wenn deshalb beispielsweise die wenigen Leitern überbeansprucht oder zu stark frequentiert werden. Planen Sie deshalb genügend Leitern ein, z. B. für jeden Lagergang mindestens eine.

Auch eine geeignete Leiter muss richtig eingesetzt werden

Die Sicherstellung eines korrekten Umgangs mit der Leiter ist der nächste Schritt, bevor die Leiter zum Einsatz kommen kann. Zwei Aktionen sind hierfür erforderlich:

  • Die Erstellung und Verwendung einer Benutzungsanleitung, die vom Hersteller bezogen werden kann
  • Die Unterweisung Ihrer Beschäftigten auf Basis der Benutzungsanleitung und der Gefährdungsbeurteilung

Achtung: Gerade bei Steigleitern sollte enorm viel Wert auf die Gefährdungsbeurteilung gelegt werden, da sie an gefährlichen Stellen wie Schächten eingesetzt werden.

Diese Aspekte sollte Ihre Benutzungsanleitung beinhalten

Bei der Beschaffung Ihrer neuen Leitern ist Ihnen sicher bereits aufgefallen, dass an der Leiter verschiedene, seit 2018 neugestaltete, Piktogramme abgebildet sind, die auf den richtigen Umgang mit der Leiter hinweisen. Diese Piktogramme bilden die erste Basis Ihrer Benutzungsanleitung. Außerdem muss der Hersteller Ihnen beim Kauf der Leiter eine passende Gebrauchs- und Bedienungsanleitung in Papierform aushändigen. Damit haben Sie die wichtigsten Inhalte für Ihre Benutzungsanleitung vorliegen. Sollten Sie Ihre Benutzungsanleitung für alte Bestandsleitern erstellen müssen, können Sie beim Leiterhersteller die aktuellen Benutzerhinweise anfordern. Die meisten namhaften Hersteller bieten diese nebst kompletten Betriebsanweisungen auch als Download auf ihren Internetseiten an.

Die Mitarbeiterunterweisung muss ebenfalls klaren Vorgaben genügen

Mit der Mitarbeiterunterweisung verdeutlichen Sie Ihren Beschäftigten die Gesundheitsgefährdungen, die bereits beim Absturz aus geringen Höhen entstehen. Ihre Unterweisung sollte deshalb mindestens die folgenden Aspekte beinhalten:

  • Hinweise zur bestimmungsgemäßen Benutzung
  • bauartspezifische Hinweise
  • Hinweise auf zusätzliche Gefährdungen

Diese Hinweise entnehmen Sie vollständig den Benutzungshinweisen des Leiterhersteller. Doch je nach Ergebnis Ihrer Gefährdungsbeurteilung können sich noch weitere, zusätzliche Gefährdungen ergeben, die ebenfalls Inhalt der Unterweisung sein müssen, wie beispielsweise

  • Gefährdungen durch den innerbetrieblichen oder öffentlichen Verkehr,
  • Gefahren in Folge von Witterungseinflüssen (z.B. Nässe, Glätte, Sturm),
  • gefährliche Einsätze der Leiter in der Nähe elektrischer Anlagen oder Anlagen mit Explosionsgefahr,
  • Nutzung der Leiter an Rohrleitungen oder Behältern, in Schächten oder Kanälen bzw. an Absturzkanten,
  • Einsatz der Leiter an maschinellen Anlagen und Einrichtungen (z.B. durch Aufstellung der Leiter in der Nähe von beweglichen Anlageteilen) oder Kran- und Förderanlagen.

Organisieren Sie die Unterweisungen so, dass alle betroffenen Beschäftigten regelmäßig, idealerweise jährlich, geschult werden. Am besten führen Sie hierfür eine Mitarbeiterliste, in der alle Schulungstermine vermerkt und durch Unterschrift des Mitarbeiters nach erfolgter Schulung dokumentiert werden.

Nun können Sie endlich den sicheren Einsatz der Leitern im Betrieb freigeben. Aber leider sind Ihre Pflichten damit noch immer nicht komplett erfüllt. Denn der Einsatz von Leitern im Betrieb fordert eine laufende Kontrolle und Überwachung.

Diese regelmäßigen Pflichten müssen Sie bei der Verwendung von Leitern beachten

Auf die Pflicht zur turnusmäßigen Mitarbeiterunterweisung wurde bereits hingewiesen. Doch auch die im Betrieb eingesetzten Leitern verlangen Ihre regelmäßige Aufmerksamkeit. Denn als Unternehmensleitung müssen Sie dafür sorgen, dass alle Leitern und Tritte wiederkehrend auf ordnungsgemäßen Zustand geprüft werden. Diese Pflicht umfasst die Sicht- und Funktionsprüfung der Leitern.

Zwar ist durch die neue Norm DIN EN 131 gewährleistet, dass eine Leiter für den gewerblichen Einsatz mindestens 50.000 Einsätze (sogenannte Zyklen) unbeschadet übersteht. Bei regelmäßiger Verwendung, evtl. noch im rauen Baustellenbetrieb, kann die Belastbarkeit einer Leiter aber schon nach wenigen Jahren an ihre Grenzen gelangen. Deshalb richten sich die Zeitabstände für die Prüfungen nach den individuellen Betriebsverhältnissen, also nach der Nutzungshäufigkeit, der Beanspruchung bei der Benutzung sowie der Häufigkeit und Schwere festgestellter Mängel bei vorangegangenen Prüfungen.

Ihre erste Pflicht ist die Erstellung eines Prüfplans

Nehmen Sie sich deshalb die Zeit, auf Basis Ihrer Gefährdungsbeurteilungen, der erwarteten Belastung der Leiter und Erfahrungswerten einen Prüfplan zu erstellen, der mindestens folgende Festlegungen enthält:

1. Bestimmen Sie eine verantwortliche Person, die für die Leiterprüfung zuständig ist. Dies muss nicht unbedingt die gleiche Person sein, die auch die Prüfung durchführt, vor allem, wenn die Prüfungen von externen Dienstleistern vorgenommen werden. Wichtig ist, dass der Verantwortliche die nötigen Kenntnisse und Fähigkeiten hat, um die Leiterprüfung zu organisieren und gegebenenfalls sogar selbst durchzuführen. Idealerweise stimmen Sie sich hierzu mit Ihrer Fachkraft für Arbeitssicherheit ab, denn dieser kennt sich mit allen Gegebenheiten aus, was den Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit im Betrieb betrifft.

2. Erstellen Sie mit dem Verantwortlichen ein Kataster, in dem alle Leitern aufgeführt sind. Auch Beschaffungsdatum, Leiterart, und weitere Eigenschaften der Leiter sollten in dem Kataster vermerkt sein. Dieses Kataster ist gleichzeitig die Basis für Ihr Leiternprüfbuch.
Folgende Kriterien sollte Ihr Leiternprüfbuch mindestens abdecken:

  • Leiterart (Anlegeleiter, Stehleiter, Mehrzweckleiter etc.)
  • Abteilung bzw. Unternehmensbereich oder Standort
  • Hersteller und Beschaffungsdatum, Artikel-/Typ-Nr.
  • Sprossenanzahl und Länge
  • Material (Holz, Aluminium, Stahl etc.)
  • Vorhandene Prüfzeichen
  • Weitere interne Kennzeichen: Inventarnummer, Bezeichnung, Aufbewahrungsort etc.
  • Verantwortliche Person für die Prüfung

Leiternprüfbücher kann man auch digital führen. Verschiedene Anbieter stellen hierfür geeignete Software zur Verfügung.

3. Ermitteln Sie gemeinsam mit der verantwortlichen Person, in welchen Abständen welche Leitern zu prüfen sind und hinterlegen Sie diesen Rhythmus als weiteren Inhalt im Leiternprüfbuch.

4. Legen Sie anhand der Nutzungsart und -häufigkeit sowie der Belastung der Leiter fest, welche Prüfungen für jede Leiter vorzunehmen sind und ob spezielle Aspekte zu beachten sind. Diese Entscheidung dokumentieren Sie anhand unserer kostenlosen Leitern-Checkliste, die für jede Leiter individuell erstellt wird und in die alle Prüfergebnisse eingetragen werden können. Die Checklisten werden dann ebenfalls im Leiternprüfbuch zusammengefasst.
Legen Sie bei der Erstellung der Checkliste besonderes Augenmerk auf diese Punkte:

  • Besonderheiten der Leiter wie z. B. funktionale Verbindungselemente (z.B. Gelenke bei einteiligen Mehrzweckleitern)
  • Anbau- oder Zubehörteile
  • Umbauten (z.B. Kürzung einer Leiter)
  • Besondere Belastungen hinsichtlich Belastungsintensität oder Nutzungszeit
  • Bekannte alte Beschädigungen, Reparaturen oder Nachrüstungen
  • Besonderheiten bei den Bedienungshinweisen

5. Kontrollieren Sie regelmäßig, mindestens jährlich, die Einträge im Prüfbuch auf Vollständigkeit.

Diese Kriterien sollten Ihre Leitern-Checklisten unbedingt beinhalten

Der Einfachheit halber bietet es sich an, unsere kostenlose Leitern-Checkliste zu benutzen, die dann nur mittels Streichungen an die jeweilige Leiter angepasst wird. Die Basis für ihre Checkliste könnte wie folgt aufgebaut sein, bedarf aber evtl. weiterer spezifischer Ergänzungen für spezielle Leitern:

Prüfkriterien für Leiterprüfung

  1. Betriebsanleitung/Benutzungshinwiese
    • An der Leiter vorhanden, vollständig und gut erkennbar/lesbar
  2. Holme bzw. Wangen
    • Verbindungen lose
    • Verformung
    • Beschädigung (z.B. Risse)
    • Scharfe Kanten, Splitter, Grat, Abnutzung, starker Rost
    • Schutzbehandlung (bei Holz) bzw. Lackierung abgenutzt
    • Freiliegende Fasern bei glasfaserverstärktem Kunststoff
  3. Sprossen, Stufen, Plattform
    • Verbindung zum Holm schadhaft (z.B. Bördelung, Schraub-/Nietverbindung, Schweißnaht)
    • Abnutzung (z.B. Trittfläche, Plattformauflage)
    • Verformung
    • Beschädigung (z.B. Risse)
    • Scharfe Kanten, Splitter, Grat
    • Schutzbehandlung (bei Holz) bzw. Lackierung abgenutzt
    • Freiliegende Fasern bei glasfaserverstärktem Kunststoff
  4. Spreizsicherungen an Steh-/Mehrzweckleitern
    • Fehlend bzw. fehlende Teile
    • Befestigung beschädigt
    • Gurte, Ketten, Gelenke, Aussteifungen beschädigt
    • Brückenheber beschädigt
  5. Beschlagteile
    • Scharniere beschädigt oder lose
    • Gleitende Teile nicht ausreichend geschmiert
    • Sicherungshaken, Fallhaken beschädigt oder lose
    • Zugseil, Umlenkrollen und Endanschlag beschädigt
    • Korrosion
    • Abnutzungserscheinungen
  6. Leiter-/Trittfüße, Rollen
    • Füße, Schuhe, Spitzen, Kappen, Rollen fehlend oder beschädigt
    • Traverse, Fuß-/Holmverlängerung defekt
    • Rollen abgenutzt
    • Rollen-Absenkung nicht funktionsfähig
  7. Weiteres Zubehör, z. B. Wandabstützung
    • Fehlend
    • Defekt
    • Verbindung schadhaft
  8. Sonstige festgestellte Mängel
    • __________________________
  9. Kontrollergebnis Leiter
    • ist in Ordnung und darf man verwendet
    • darf man erst nach Reparatur weiterverwenden
    • ist auszusondern/auszutauschen
  10. Bemerkungen
  11. Nächste Prüfung (Monat/ Jahr)
    Datum, Unterschrift Verantwortlicher
  12. Zur Reparatur weitergeleitet an _________________
    Datum, Unterschrift Verantwortlicher
  13. Reparatur / Verschrottung durchgeführt
    Datum, Unterschrift Verantwortlicher

Das müssen Sie tun, wenn Leitern beschädigt sind

Wenn Sie bei der Prüfung Beschädigungen an der Leiter feststellen, müssen Sie rasch handeln. Denn als Arbeitgeber unterliegt es Ihrer Sorgfaltspflicht, schadhafte Leitern und Tritte sofort einer weiteren Benutzung zu entziehen. Bewahren Sie beschädigte Leitern deshalb so auf, dass ein weiterer Einsatz bis zur sachgerechten Instandsetzung bzw. Verschrottung zuverlässig verhindert wird.

Handelt es sich um hochwertige Leitern und nur geringe Beschädigungen, ist eine Reparatur oft noch möglich und sinnvoll. Auf jeden Fall aber sind solche Instandsetzungsarbeiten möglichst von Fachbetrieben oder dem Hersteller vorzunehmen. Vor allem umfangreiche Reparaturen wie beispielsweise das Einbördeln neuer Sprossen oder Schweißarbeiten an der Leiter sind nur von autorisierten Betrieben durchzuführen.

Bei Beschädigungen an Holmen oder Wangen ist meist keine Reparatur mehr möglich. Allerdings kann man solche Aufstiege evtl. noch um die schadhafte Stelle kürzen, wobei dann aber auf den festen Sitz der neu eingebauten Leiterfüße zu achten ist.

Auch nach der Reparatur muss man die Leiter wieder anhand einer neuen, zusätzlichen Prüfung ins Leiternprüfbuch aufnehmen. Als Arbeitgeber haben Sie die Pflicht, die Leiter auf ihren sicheren Zustand hin zu überprüfen, bevor sie wieder einer betrieblichen Verwendung zugeführt wird. Die Sicherheit der Leiter können (und sollten) sie sich selbstverständlich vom reparierenden Betrieb bestätigen lassen.

Autor: Redaktion Safety Xperts


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