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Sicherheitsdatenblatt: Eine unentbehrliche Hilfe bei der Gefährdungsbeurteilung!

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Sicherheitsdatenblatt

Seit Einführung der REACH-Verordnung ( EG) Nr. 1907/2006 wurden Sicherheitsdatenblätter immer umfangreicher. Lassen Sie sich von so vielen Seiten aber nicht abschrecken! Nutzen Sie diese wertvollen Informationen zur Verbesserung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes in Ihrem Betrieb. Wie Sie die für Sie wichtigen Informationen zielgerichtet identifizieren und bewerten, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Das Sicherheitsdatenblatt (SDB) begleitet eine Chemikalie entlang der gesamten Lieferkette vom Hersteller bis zum beruflichen Verwender. Es enthält sicherheitsbezogene Informationen über Stoffe und Gemische. Diese Angaben sollen Ihnen helfen, die notwendigen Maßnahmen für den Schutz der menschlichen Gesundheit und die Sicherheit am Arbeitsplatz sowie für den Umweltschutz zu ergreifen. Auf dem Lieferweg obliegt es den Lieferanten, das Sicherheitsdatenblatt weiterzugeben.

Welcher Nutzen das erweiterte Sicherheitsdatenblatt bringt

Gemäß REACH erhalten Sie für bestimmte Stoffe ein erweitertes Sicherheitsdatenblatt ( eSDB). Dabei handelt es sich um das bereits seit Jahren etablierte, in 16 Abschnitte unterteilte Sicherheitsdatenblatt, ergänzt durch ein Expositionsszenario oder mehrere Expositionsszenarien. Einem Expositionsszenario können Sie entnehmen, für welche Verwendungen der Stoff vorgesehen ist. Wenn Ihre Verwendungen bzw. die Ihrer Kunden abgedeckt sind, finden Sie im Expositionsszenario Informationen über die Bedingungen für eine sichere Verwendung, die für Sie und Ihre Kunden relevant sind.

Diese wichtigen Informationen enthält das Expositionsszenario

Bei der Gefährdungsbeurteilung und der Ableitung von Schutzmaßnahmen helfen Ihnen insbesondere folgende Angaben:

  1. Bezeichnung des Expositionsszenarios: Es sollte Angaben – zum Verwendungsbereich (z. B. industrielle Anwendung), – zur Produktkategorie (z. B. Lack) und – zur Art der Verwendung (z. B. Versprühen) enthalten.
  2. Angaben zu den Verwendungsbedingungen: wie z. B. – Art und Dauer der Tätigkeit mit dem Stoff, – offene/geschlossene Verwendung, – Einsatzmenge, Umgebungsbedingungen (Raumgröße, Temperatur), – großflächige/kleinflächige Anwendung.
  3. Risikomanagementmaßnahmen: z. B. technische Lüftung, Absaugung, Atemschutz oder Abfallbehandlung

Prüfen Sie stets als Erstes anhand der Angaben in Abschnitt 1 des Sicherheitsdatenblattes „Relevante identifizierte Verwendung des Stoffes/des Gemischs“, ob Ihre Verwendung abgedeckt ist. Auch wenn Ihre eigene Verwendung nicht wörtlich im Expositionsszenario genannt ist, kann sie grundsätzlich durch das vorliegende Szenario abgedeckt sein. In jedem Fall haben Sie zu überprüfen, ob Ihre Verwendungsbedingungen mit denen des Expositionsszenarios übereinstimmen oder vergleichbar sind. Gibt es Abweichungen, müssen Sie mit dem Lieferanten Kontakt aufnehmen, damit er Ihre Verwendung aufnimmt. Ansonsten müssen Sie einen eigenen Stoffsicherheitsbericht erstellen.

Warum nicht jedes Sicherheitsdatenblatt einen Anhang hat

Nicht alle Sicherheitsdatenblätter müssen einen Anhang und somit ein Expositionsszenario enthalten. Die Ausarbeitung von Expositionsszenarien im Stoffsicherheitsbericht ist nach REACH für registrierte Stoffe nur vorgeschrieben, wenn sie

  • in Mengen von ≥ 10 t/a je Hersteller/Importeur hergestellt oder importiert werden und
  • bestimmte Kriterien zur Einstufung als gefährlich oder als PBT-bzw. vPvB-Stoff erfüllen.

Sicherheitsdatenblatt + Expositionsszenario = Gefährdungsbeurteilung?

Machen die im Sicherheitsdatenblatt bzw. in den Anhängen zum Sicherheitsdatenblatt beschriebenen Schutzmaßnahmen eine eigene Gefährdungsbeurteilung also überflüssig? Nein, aber das Expositionsszenario liefert Ihnen wertvolle Hinweise für die Gefährdungsbeurteilung und die Ableitung von entsprechenden Arbeitsschutzmaßnahmen. Unter bestimmten Voraussetzungen kann das Expositionsszenario für bestimmte Teile der Gefährdungsbeurteilung unmittelbar genutzt werden. Der Grund: Im Sinne der Gefahrstoffverordnung können das Sicherheitsdatenblatt und das Expositionsszenario als mitgelieferte Gefährdungsbeurteilung verwendet werden. Die Technische Regel für Gefahrstoffe ( TRGS) 400 „Gefährdungsbeurteilung für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen“ beschreibt, welche Anforderungen eine Gefährdungsbeurteilung erfüllen muss. Anhand der nebenstehenden Checkliste können Sie selbst beurteilen, ob ein Sicherheitsdatenblatt von ausreichend guter Qualität ist und somit die Kriterien einer Gefährdungsbeurteilung vollständig erfüllt.

So wenden Sie die Checkliste an

Gehen Sie mithilfe der nachstehenden Checkliste das vorliegende Sicherheitsdatenblatt Punkt für Punkt durch. Wenn Sie die Fragen in den Nummern 1 und 2a bis e mit „Ja“ beantworten, erfüllt das Sicherheitsdatenblatt die Anforderungen an eine mitgelieferte Gefährdungsbeurteilung. Für alle Punkte, die Sie mit „Nein“ beantworten, haben Sie eigenständig Informationen zu ermitteln und bei der Festlegung der Schutzmaßnahmen zu berücksichtigen.

 

Prüfpunkt 

     +   _ Bemerkungen

Abschnitte im Sicherheitsdatenblatt (SDB) oder Expositionsszenario (ES)

1: Werden Tätigkeiten
entsprechend den vom Hersteller/Lieferanten gemachten Angaben und Festlegungen durchgeführt?

Falls nein, muss eine eigenständige Gefährdungsbeurteilung durch den Arbeitgeber durchgeführt werden. SICHERHEITSDATENBLATT: 1.2 Verwendung: Angaben zum Produkt EXPOSITIONSSZENARIO: Beschreibung der Tätigkeiten/Prozesse, die durch das Expositionsszenario abgedeckt sind.

Sind Angaben zu den folgenden Punkten enthalten:

a: Gefährliche Eigenschaften der Stoffe oder Gemische

 – Werden Angaben zur Einstufung und Kennzeichnung des Produktes und der Inhaltsstoffe gemacht?

– Sind Hinweise enthalten, ob über die Kennzeichnung hinausgehende Gefährdungen zu erwarten sind?

– Sind bei fehlenden Prüfungen oder Bewertungen die gefährlichen Eigenschaften für die Empfehlung der Schutzmaßnahmen unterstellt worden?

 SICHERHEITSDATENBLATT: 2: Mögliche Gefahren
EXPOSITITIONSSZENARIO: Produktspezifikation

b: Arbeitsplatzgrenzwerte (AGW) und Biologische Grenzwerte (BGW)

 Werden die Grenzwerte der TRGS 900 bzw. 903 genannt? Für Gefahrstoffe ohne AGW oder BGW ist dieser Punkt nicht relevant.  SICHERHEITSDATENBLATT: 8: Expositionsgrenzen und persönliche Schutzmaßnahme

c: Informationen des Herstellers/ Inverkehrbringers zum Gesundheitsschutz und zur Sicherheit

– Liegt das Sicherheitsdatenblatt vor?

– Werden Angaben zu den Rahmenbedingungen für einen sicheren Einsatz des Produktes gemacht (z. B. konkrete Angaben zu Persönlicher Schutzausrüstung, Lüftung)?

Anmerkung: Werden bei Notwendigkeit des Einsatzes von Schutzhandschuhen keine Fabrikate genannt, muss der Arbeitgeber diese selbst ermitteln.

EXPOSITITIONSSZENARIO: Risikomanagementmaßnahmen: Arbeitsschutz

d: Ausmaß, Art und Dauer der Exposition unter Berücksichtigung aller Expositionswege

 Ist die inhalative Exposition am Arbeitsplatz und ggf. die Hautbelastung beschrieben?  EXPOSITIONSSZENARIO: Dauer und Häufigkeit der Anwendung

EXPOSITIONSSZENARIO: Vorhersage der Expositionshöhe auf Basis der Expositionsbedingungen

e: Physikalisch-chemische Wirkungen

 Liegen Angaben zu Flammpunkt und ggf. Explosionsgrenzen etc. vor? SICHERHEITSDATENBLATT: 9: Physikalisch­chemische Eigenschaften

f: Arbeitsbedingungen und Verfahren, einschließlich der Arbeitsmittel und der Gefahrstoffmenge

 Werden konkrete Angaben zu den Arbeitsbedingungen und zum Verfahren, in dem das Produkt eingesetzt wird, gemacht? Ggf. sind Informationen z. B. zur eingesetzten Produktmenge vom Arbeitgeber zu ergänzen.  EXPOSITIONSSZENARIO: Maximaler Verbrauch pro Zeiteinheit oder Tätigkeitsabschnitt EXPOSITIONSSZENARIO: Andere Verfahrensbedingungen

g: Möglichkeiten einer Substitution

 Werden Angaben gemacht, warum keine, nicht oder
weniger gefährliche Produkte bzw. Verfahren eingesetzt werden können? Ist dies nicht der Fall, muss der Arbeitgeber die Prüfung von Möglichkeiten der Substitution selbst vornehmen.
 Vom Arbeitgeber zu prüfen

h: Wirksamkeit der getroffenen oder zu treffenden Schutzmaßnahme

 Werden Hilfestellungen zur Überprüfung der Wirksamkeit der beschriebenen Schutzmaßnahmen unter den in der mitgelieferten Gefährdungsbeurteilung gemachten Angaben und Festlegungen gegeben (z. B. Einhaltung der Grenzwerte)? Die Wirksamkeit der betrieblich eingesetzten Schutzmaßnahmen muss vom Arbeitgeber überprüft werden.  EXPOSITIONSSZENARIO: Risikomanagementmaßnahmen: Arbeitsschutz
i: Schlussfolgerungen aus durchgeführter arbeitsmedizinischer Vorsorge  In der Regel sind diese Informationen nicht Inhalt der mitgelieferten Gefährdungsbeurteilung, sondern müssen vom Arbeitgeber eigenständig ermittelt werden.  Vom Arbeitgeber zu prüfen

 

Download-Hinweis: Weitere Hinweise zur Nutzung des Sicherheitsdatenblattes im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung finden Sie in der TRGS 400 „Gefährdungsbeurteilung bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen“.

Auch interessant: Wie Sie ein rechtssicheres Sicherheitsdatenblatt erstellen

Autor: Gabriele Janssen

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