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So schützen Sie Mitarbeiter vor dem Elektrounfall

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Elektrounfall

Der Schutz vor elektrischen Gefahren ist ein Gebiet, das zum Arbeitsschutz gehört, aber eine Sonderrolle einnimmt. Dies zeigt sich schon daran, dass die Fachkraft für Arbeitssicherheit hier auf die Zusammenarbeit mit einer Elektrofachkraft bauen darf. Wie Sie Ihre Mitarbeiter vor dem Elektrounfall schützen und was Sie im Notfall tun müssen, erfahren Sie hier.

 

Inhaltsverzeichnis
Die Gefahren des elektrischen Stroms
Darum kommt es so leicht zu einem Elektrounfall
Die Schutzausrüstung für Elektroarbeiten
Erste Hilfe bei Elektrounfällen
Darum sollte ein Mitarbeiter nach jedem Elektrounfall zum Arzt

 

Die Gefahren des elektrischen Stroms

Elektrischer Strom ist gefährlich. Das wissen wir. Und doch benutzen wir tagtäglich im Unternehmen wie im privaten Umfeld unzählige Elektrogeräte, ohne uns über die damit verbundenen Risiken, einen Elektrounfall zu haben, Gedanken zu machen. Eltern versehen Steckdosen mit Kindersicherungen, doch uns Erwachsenen ist nicht bewusst, dass hinter der millimeterdünnen Isolierung eines stromführenden Kabels eine tödliche Gefahr lauert. Denn die Gefahr ist unsichtbar, und wenn wir sie wahrnehmen, etwa durch Funken oder Schmorgeruch, ist es meist zu spät.

Viele Menschen haben Respekt vor Hochspannungsanlagen, hier wird die Lebensgefahr stärker empfunden. Doch rund 9 von 10 Elektrounfällen in Betrieben und Unternehmen passieren im Niederspannungsbereich, das bedeutet bei Wechselspannungen von bis zu 1.000 V. Die Zahl der Stromunfälle ist in den letzten Jahrzehnten zwar zurückgegangen, doch Jahr für Jahr kommen Menschen in Deutschland durch elektrischen Strom ums Leben. Die Ursachen sind oft banal. Wenn an verschlissenen Zuleitungen Drähte blank liegen, wird schon der Umgang mit einem Wasserkocher lebensgefährlich.

Daher hat der Gesetzgeber strenge Vorgaben für das Nutzen des elektrischen Stroms geschaffen. Diese betreffen zum einen die Elektrosicherheit der Infrastruktur wie etwa Elektroinstallationen von Gebäuden. Zum anderen bestehen hohe Anforderungen an die Produktsicherheit elektrischer Geräte und Anlagen, sodass von diesen bei betriebsgemäßer Nutzung normalerweise keine Gefahr ausgeht. Diese Vorgaben finden sich z. B. in den Normen des Verbandes der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e. V. (VDE-Normen) oder der europäischen Niederspannungsrichtlinie. Sie betreffen eher Architekten und Baugewerke sowie die Hersteller elektrischer Geräte.

Wichtiger für Sicherheitsverantwortliche im Unternehmen sind die Vorschriften zum Umgang mit elektrischen Installationen sowie elektrischen Geräten und Maschinen im Betrieb. Hier hat der Gesetzgeber streng geregelt, wer im Betrieb unter welchen Bedingungen und mit welcher Qualifikation welche Elektroarbeiten durchführen darf. Diese Vorgaben gelten für jedes Unternehmen – gleich welcher Branche oder Größe.

Darum kommt es so leicht zu einem Elektrounfall

Viele Funktionen und Abläufe im Körper sind bioelektrischer Natur. Elektrischer Strom wirkt gefährlich, weil er erregbare Gewebe reizt (Nerven, Muskeln und Herz). Man unterscheidet

  • die chemisch-physikalischen Wirkungen: innere Verbrennungen, äußere Verbrennungen an den Körperstellen, wo der Strom ein- und austritt (Strommarken), Flüssigkeitsverluste aufgrund Verkochungen, Blendungen durch Lichtbögen und
  • ihre möglichen physiologischen Folgen: Schock, Atemnot, Muskelkontraktionen und Krampfgefühle bis hin zur akuten Erstickungsgefahr, Steigerung des Blutdrucks, Kreislaufstillstand, Vorhofflimmern, Herzkammerflimmern, Herzrhythmusstörungen, Herzstillstände.

Bei Stromunfällen im Niederspannungsbereich treten eher elektrophysiologische Effekte auf, ein Hochspannungsunfall hat eher elektrothermische Folgen (Verbrennungen). Besonders empfindlich reagiert unser Herz. Wenn es durch einen Stromimpuls aus dem Takt gerät, kann das gefährliche Herzkammerflimmern auftreten. Maßgeblich für die gesundheitlichen Schäden ist neben der Stromstärke auch die Dauer des Stromflusses. Die Berufsgenossenschaft (BG) Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse unterhält das Institut zur Erforschung elektrischer Unfälle. Diese Einrichtung erfasst alle Elektrounfälle im Zuständigkeitsbereich der gewerblichen Berufsgenossenschaften. Die Datenbank des Instituts umfasst inzwischen mehr als 110.000 (!) Unfälle durch elektrischen Strom. Diese Zahl belegt, dass Elektrounfälle nicht so selten sind wie oft angenommen.

Schützen Sie sich vor dem Elektrounfall

Wichtigste Schutzfunktion der Persönlichen Schutzausrüstung (PSA) für Elektrofachkräfte ist die elektrische Isolierung. Sie soll einen Stromübertritt von unter Spannung stehenden Teilen auf den menschlichen Körper, die gefährliche Körperdurchströmung, verhindern. Die wichtigsten Komponenten der Schutzkleidung für Elektroarbeiter sind Jacke, Hose, Kopfbedeckung, Handschuhe und Stiefel oder Überschuhe nach VDE 0682-301. Je nach Aufgabe und Gefährdung bietet der PSA-Markt hochfunktionelle Elemente wie isolierende Schutzhelme, Schutzstiefel und Handschuhe, oft kombiniert mit weiteren Schutzarten.

Elektrofachkräfte dürfen nur dann auf das Tragen von Schutzkleidung verzichten, wenn eine elektrische Gefährdung sicher ausgeschlossen werden kann und alle Sicherheitsregeln angewendet werden.

Bei der Auswahl geeigneter PSA für Elektroarbeiten können sich Ihre Elektrofachkräfte an der DGUV-Information 203-77 „Thermische Gefährdung durch Störlichtbögen“ (die frühere BGI/GUV-I 5188) orientieren.

ESD Sicherheitsschuhe und ihre Notwendigkeit für die Elektrosicherheit

Erste Hilfe bei Elektrounfällen

Zu einem Elektrounfall kommt es immer dann, wenn der menschliche Körper in einen Stromkreis einbezogen wird.

Die gesundheitlichen Folgen hängen von vielen Faktoren ab, u. a. der Isolationswirkung von Schuhen, der Kontaktdauer, der Feuchtigkeit und dem Stromweg im Körper. Erste Maßnahme ist daher, den Stromfluss zu unterbrechen.

Das große Risiko bei einem Stromunfall lautet Herzkammerflimmern. Das Herz gerät „aus dem Takt“, vermindert seine Pumpleistung, und das Gehirn erhält keinen Sauerstoff mehr. Entscheidend sind daher schnelle Wiederbelebungsmaßnahmen. Gut, wenn ein Defibrillator verfügbar ist.

WICHTIG
Bei einem Elektrounfall sollten neben dem Notarzt unverzüglich Ersthelfer gerufen werden. Denn jeder Ersthelfer hat Beatmung und Herz-Druckmassage in seiner Ausbildung gelernt.

Hier die wichtigsten Maßnahmen:

  1. Stromfluss sofort unterbrechen: ausschalten, Netzstecker ziehen, Sicherung betätigen.
  2. Unfallopfer aus Gefahrenbereich retten – Eigenschutz beachten!
  3. Notarzt per 112 anfordern (lassen).
  4. Bewusstsein prüfen, in stabile Seitenlage bringen, Puls und Atem kontrollieren.
  5. Bei Herzstillstand Herz-Lungenwiederbelebung durchführen.
  6. Schaulustige wegschicken oder einbeziehen, z. B. zum Absichern der Unfallstelle.

Zum wichtigen Eigenschutz der Retter:

Kann der Stromfluss nicht sicher unterbrochen werden, sollte versucht werden, den Verunfallten durch nicht leitende Gegenstände (Besenstiel, Holzbrett) von den Spannung führenden Teilen zu entfernen oder ihm das Elektrogerät aus der Hand schlagen.

Jeder Helfer muss dabei selbst isoliert stehen, z. B. auf einem trockenen Holzbrett oder trockenen Textilien.

Insbesondere bei Elektrounfällen mit Hochspannung gilt höchste Vorsicht bei Rettungsversuchen. Die betroffene Anlage muss zunächst freigeschaltet werden.

Sorgen Sie dafür, dass eine Elektrofachkraft – am besten gemeinsam mit Ihrem Betriebsarzt – die Ersthelfer in Sachen Elektrogefahren und Selbstschutz unterweist.

So gelingt die Erste Hilfe in Ihrem Betrieb

Darum sollte ein Mitarbeiter nach jedem Elektrounfall zum Arzt

Wenig bekannt ist, dass auch „kleine“ Stromschläge schwere Folgen haben können. Ein Kribbeln oder ein kurzer „Wischer“ ist keineswegs immer harmlos.

Auch wenn viele leichte Stromunfälle glimpflich ablaufen und der Betroffene mit dem Schrecken davonkommt, sollten Sie wissen und in Ihren Unterweisungen klarstellen: Durch „Wischer“ sind schon Menschen zu Tode gekommen, weil die gesundheitlichen Wirkungen falsch eingeschätzt wurden. Denn auch bei einem leichten Stromschlag können sich Muskeln verkrampfen bis hin zur Atemlähmung.

WICHTIG
Daher gilt: Nach einem Stromschlag sollte ein Mitarbeiter von einem Arzt untersucht werden. Der entscheidet dann über das weitere Vorgehen, z. B. ob ein EKG gemacht wird oder der betroffene Mitarbeiter einige Zeit zur Beobachtung bleiben muss.

 

Mehr zum Thema: Unterweisung zur Elektrosicherheit – Warum Sie elektrotechnische Laien nicht vergessen dürfen!

Autor: Uta Fuchs

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