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Heben und Tragen schwerer Lasten: So geht rückenfreundliches Arbeiten

© Peggy Blume – fotolia.com
Heben und Tragen von Lasten

In vielen Branchen und Berufen wird der Rücken stark belastet. Immer, wenn Lasten gehoben, getragen, gezogen oder geschoben werden, wirken Kräfte auf Bandscheiben, Muskeln, Sehnen und Bänder. Dies ist nicht immer vermeidbar und auch nicht per se gesundheitsbelastend. Es kommt auf die Schwere der Lasten, die verwendeten Hilfsmittel und den optimalen Einsatz des eigenen Körpers an, ob aus einer Beanspruchung eine (gesundheitsschädliche) Belastung wird.

Auch wenn eine Sicherheitsunterweisung zum Heben und Tragen schwerer Lasten keine Anatomievorlesung sein kann, sollten Sie Ihren Mitarbeitern einige Grundlagen zum Aufbau unserer Wirbelsäule erläutern. Noch besser ist es, wenn Ihr Betriebsarzt dies selbst übernimmt. Wichtig ist dabei vor allem, dass Ihre Kollegen die Auswirkungen schwerer Lasten auf ihren Körper verstehen. Die Kräfte die auf unseren Körper wirken und die Belastung beim Heben und Tragen wird in der folgenden Abbildung deutlich:

Heben und Tragen schwerer Lasten und Auswirkungen auf die Wirbelsäule
© Safety Xperts Heben und Tragen schwerer Lasten und Auswirkungen auf die Wirbelsäule

 

Wussten Sie, dass 1800 Newton / 180 kg auf Ihre Bandscheiben wirken, wenn Sie sich ohne Last um 60° nach vorne beugen? Bei einer zusätzlichen Last von 10 kg bei einer Beugung von 60° entspricht die Last der Bandscheiben bereits 285 kg.

Ein anderes Beispiel: Die Druckbelastung auf eine Bandscheibe wächst allein durch ein Vorbeugen bereits von etwa 1 auf 8 bar. Beim Heben mit Rundrücken kann der Druck auf mehr als 20 bar ansteigen. Dies ist ein Vielfaches des Drucks, dem ein Lkw-Reifen standhalten muss!

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Heben und Tragen darf nicht nur theoretisch unterwiesen werden

Achten Sie darauf, dass wenn Sie das Thema Heben und Tragen schwerer Lasten unterweisen, diese nicht theoretisch bleibt, sondern sich auf die konkreten Anforderungen
in Ihrem Betrieb bezieht: Was sind bei Ihnen die typischen Lasten, Lastwege und die damit verbundenen Belastungen? Die neue Lieferung Druckerpapier von der Warenannahme bis ins Büro? Die Kiste mit Holzabfällen von der Produktion in den Innenhof? Der Rasenmäher, der auf die Pritsche des Kleintransporters gehoben werden muss? Bringen Sie solche Beispiele nach Möglichkeit mit. Zeigen Sie, auf welche Weise diese Lasten sicher und gesundheitsgerecht bewegt werden können. Lassen Sie diese Bewegungsfolgen einüben.

Machen Sie Ihren Mitarbeitern klar, dass es bei den Gesundheitsrisiken durch schwere Lasten nicht allein um kg-Werte geht. Für eine Gesundheitsbelastung entscheidend sind mehrere Faktoren wie

  • das Gewicht der Last
  • die Häufigkeit der notwendigen Hebe- oder Tragevorgänge
  • zusätzliche Risikofaktoren wie räumliche Enge, oder Arbeiten über Kopf
  • die richtige Körperhaltung

Die ersten beiden Punkte können Ihre Mitarbeiter oft kaum beeinflussen. Doch hat sich hier in den letzten Jahren bereits viel verbessert. Vielleicht haben Sie ältere Mitarbeiter im Betrieb, die noch berichten können aus den Zeiten, als Zementsäcke üblicherweise 50 kg wogen. Entscheidend für ein erfolgreiches Unterweisen ist der letzte Punkt, denn hier können Sie präventiv ansetzen. Zum einen müssen Ihre Mitarbeiter wissen, welche Arbeitsfaktoren sich ungünstig auf den Bewegungsapparat auswirken. Dazu gehören z. B. einseitige Belastungen einer Körperhälfte, Drehbewegungen der Wirbelsäule unter Belastung, tiefes Bücken, länger andauernde Steharbeit, Arbeiten über Kopf, monoton zu wiederholende Bewegungsfolgen oder ein langes Verharren in einer bestimmten Körper(zwangs)haltung. Zum anderen sollte jeder wissen, worauf er beim rückengerechten manuellen Lastentransport achten muss.

Mehr Inhalte zur Unterweisung von Ergonomie und dem Heben und Tragen schwerer Lasten finden Sie auch auf Untwerweisung-Plus. Hier finden Sie Videos und Präsentationsvorlagen um Ihre eigene Unterweisung zu unterstützen: unterweisung-plus.de/Ergonomie

Die 10 wichtigsten Grundsätze für ein rückenfreundliches Heben und Tragen:

  1. Lasten möglichst mit beiden Händen greifen.
  2. Lasten nicht ruckartig anheben, sondern langsam mit leicht gespreizten Beinen bei geradem Rücken aus der Hocke.
  3. Lasten nah am Körper heben und den Last-Schwerpunkt möglichst nah an der Wirbelsäule ansetzen. Die Belastung der Bandscheiben wird umso größer, je weiter der Schwerpunkt der Last vom Körper entfernt ist.
  4. Beim Anheben nicht die Wirbelsäule verdrehen. Erst Gewicht anheben, dann den Körper drehen.
  5. Lasten mit geradem Rücken tragen, dabei die Arme nach unten ausgesteckt halten.
  6. Lasten auf beide Arme verteilen, statt allein auf einer Seite schwer zu tragen.
  7. Beim Transportieren von Lasten stets auf freie Sicht achten (Hindernisse, Stufen, Nässe usw.).
  8. Lasten möglichst ohne große Höhenunterschiede absetzen und ohne eine Drehbewegung.
  9. Schwere oder sperrige Lasten stets zu zweit tragen.
  10. Arbeitsmittel wie Sackkarren, Hubwagen, Tragegurte und alle anderen Hebe- und Tragehilfen konsequent nutzen.

Wenn Sie es schaffen, dass Ihre Mitarbeiter diese Verhaltensregeln verinnerlichen und rückengerechtes Arbeiten in Ihrem Betrieb zur Selbstverständlichkeit wird, beugen Sie Bandscheibenschäden und anderen Muskel-Skelett-Erkrankungen effektiv vor.

Um weitere Präventionsmaßnahmen gegen Rückenschmerzen zu planen, zum Beispiel auch bei Bildschirmarbeit im Büro, empfehle ich dieses Rücken-Fit Paket.

Achtung: Ergonomiegerechtes Arbeiten betrifft nicht nur den Rücken!

Rückengerechter Lastentransport und korrekt eingestellte Bildschirmarbeitsplätze sind in vielen Betrieben wichtige Ansatzpunkte, um Muskel-Skelett-Erkrankungen vorzubeugen. Doch bedenken Sie, dass Ergonomie weit darüber hinausgeht. Ergonomie bedeutet das bewusste Gestalten von Arbeitsplätzen, Maschinen, Werkzeugen usw. Das beginnt damit, dass Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz möglichst individuell auf ihre Körpermaße einstellen können, und umfasst alle Faktoren der Arbeitsumgebung, von der Beleuchtung bis hin zur verwendeten Software. Wenn Sie das Thema Heben und Tragen unterweisen, nutzen Sie den Rahmen daher auch dazu, offen mit Ihren Mitarbeitern zu diskutieren,

  • wo in Ihrem Unternehmen sich der Mensch noch zu sehr seiner Arbeitsumgebung anpassen muss und
  • wo Sie ansetzen können, um umgekehrt die Arbeitsbedingungen besser auf den Menschen, Ihre Mitarbeiter, abzustimmen.

Fakt ist: Ein hohes Maß an Ergonomie führt nicht nur zu mehr Sicherheit und Gesundheit, sondern wirkt sich auch positiv auf die Motivation und das Wohlbefinden am Arbeitsplatz aus. Ergonomisch
gestaltete Arbeitsabläufe belasten und ermüden weniger, laufen effizienter und steigern die Arbeitsqualität und Produktivität.

Entdecken Sie weitere interessante Beiträge zu dem Thema Unterweisung:

Autor: Dr. Friedhelm Kring


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