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Zeckenbisse: Welche Risiken zunehmen und welche Infos in jede Unterweisung gehören

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Zeckenbiss oder Zeckenstich?

Viele Anzeichen deuten darauf hin, dass in diesem Jahr die Zeckenplage besonders heftig wird und sich weiter ausbreitet. Damit steigen auch die Infektionsrisiken für alle Mitarbeiter, die regelmäßig oder hin und wieder draußen unterwegs sind. Durch Aufklärung und Unterweisung können Sie zwar keine Zecken bekämpfen, aber die Risiken für einen Zeckenbiss bzw. Zeckenstich bei Ihren Mitarbeiter wesentlich senken.

Liegt es am Klimawandel oder hat es andere Gründe? Die Zahl der Zecken und der durch sie übertragenen Erkrankungen wie FSME und Borreliose (s. Tabelle) nimmt zu. Im Mai waren in den bekannten Zecken ­Risikogebieten bereits doppelt so viele dieser Spinnentiere gefunden worden wie in früheren Jahren. Auch die vom Robert­ Koch ­Institut (RKI) ermittelten Risikogebiete mit erhöhter Erkrankungsgefahr dehnen sich immer stärker aus. Galten bisher die 5 Bundesländer Baden ­Württemberg, Bayern, Hessen, Sachsen und Thüringen als besonders FSME­ gefährdet, werden inzwischen auch erste Landkreise in Rheinland ­Pfalz und dem Saarland als Risikogebiete eingestuft. Dazu kommen neue Hot­Spots im Norden, denn auch aus Niedersachsen, Berlin und Mecklenburg­ Vorpommern wurden bereits Erkrankungen gemeldet. Als sei dies noch nicht besorgniserregend genug, breitet sich eine neue, aus dem Mittelmeerraum stammende Zeckenart in Deutschland aus. Auch diese Art ist Überträger von Krankheiten.

Zeckenbiss oder Zeckenstich? Informieren Sie über die Risiken

Auch wenn im Volksmund der Begriff Zeckenbiss weiter verbreitet ist, so handelt es sich genau genommen um einen Zechenstich. Denn die Zecke besitzt einen Stechrüssel, mit dem sie das Blut aufsaugen. Da der Ausdruck Zeckenbiss allerdings weiter verbreitet ist, habe ich für diesen Artikel die umgangssprachliche Variante des Zeckenbisses gewählt.

Trotz der Zeckenplage ist keinesfalls Panik angesagt, sich im Freien aufzuhalten. Doch jeder Mitarbeiter, der sich beruflich bedingt auch draußen aufhalten muss, sollte um die entsprechenden Risiken wissen. Denn wer bei einem Zeckenbiss falsch reagiert, erhöht die Infektionsgefahr, und wer bestimmte Symptome ignoriert, riskiert eine schwerwiegende Erkrankung. Es ist daher an der Zeit, gefährdete Mitarbeiter zu informieren und Zeckenrisiken in einer Unterweisung anzusprechen.

Tipp: Ein anderes Thema zu dem Sie im Sommer unterweisen sollten ist Hitze am Arbeitsplatz.

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6 Irrtümer und Missverständnisse zu Zeckengefahren

Zum Thema „Zecken“ kursieren diverse Mythen. Diese 6 Irrtümer sollten Sie auch in Ihrer Unterweisung aufklären, im optimalen Fall unterstützt Sie Ihr Betriebsarzt dabei.

Irrtum 1: Zecken sind (nur) gefährlich für Landwirte und Waldarbeiter

Das ist richtig, aber nur die halbe Wahrheit. Das Risiko, von einer Zecke gestochen zu werden, betrifft alle Beschäftigten in Outdoorberufen: Neben der Land­ und Forstwirtschaft sind dies z. B. Mitarbeiter im Landschaftsbau, in Gärtnereien, Baumschulen, Touristik, Kurierfahrer oder Postzusteller. Auch Bauarbeiter auf naturnahen Baustellen, Straßenbauer oder Beschäftigte der Müllabfuhr, der Naturschutzbehörde, des Ordnungsamtes usw. sind gefährdet. Man muss nicht mal regelmäßig jeden Tag im Grünen arbeiten, um betroffen zu sein. Zeckengefahren lauern auch beim Sommerfest des Kindergartens oder wenn Sie beim Tag der offenen Tür Ihres Unternehmen auf dem begrünten Außengelände Bierbänke aufstellen. Selbst auf frisch geschlagenen Weihnachtsbäumen wurden Zecken gefunden.

Irrtum 2: Zecken lassen sich im Wald von Bäumen fallen

Die lästigen Blutsauger sind keine typischen Baumbewohner. Sie sitzen eher auf leicht erhöhten Standorten wie Grashalmen oder Büschen in einer Höhe bis etwa 1,5 m. Von dort gelangen Sie auf Säugetieren oder Menschen, die sich im hohen Gras bewegen oder durchs Gebüsch schleichen. Daher ist man auf einem Spaziergang auf breiten Waldwegen weniger gefährdet, als wenn man z. B. nur mal eben im Strandbad oder beim Sport einen verschossenen Ball aus dem benachbarten Unterholz holt.

Irrtum 3: Der Zeckenbiss ist gefährlich!

Dies ist aus 2 Gründen nicht ganz korrekt. Erstens, wie bereits oben erklärt, beißen Zecken nicht, sondern sie saugen Blut per Stechrüssel, es handelt sich also um einen Zeckenstich. Biologisch gesehen ist der Ausdruck Zeckenbiss falsch, jedoch ist der umgangssprachliche Begriff besser bekannt. Zweitens ist ein Zeckenbiss selbst nicht gefährlich. Er ist, verglichen etwa mit dem Stich einer Wespe, nicht mal besonders schmerzhaft und juckt weniger als ein Mückenstich. Dies liegt daran, dass das Mundsekret der Zecke betäubende und entzündungshemmende Inhaltsstoffe enthält. Die Zecke versucht auf diese Weise, möglichst wenig aufzufallen und von ihrem Wirt unbemerkt zu bleiben. Jucken, Rötungen oder Schmerzen treten, wenn überhaupt, meist erst Stunden nach dem Stich ein. Gefährlich ist es jedoch, dass in Zecken etwa 50 verschiedene Krankheitserreger nachgewiesen wurden. Besonders 2 davon werden auch für Menschen gefährlich (siehe Tabelle), wenn sie beim Stechvorgang infiziert werden.

Irrtum 4: Zecken muss man aus der Haut herausdrehen

Dieser häufige Tipp zum Entfernen einer Zecke ist nicht sinnvoll, denn ein Zeckenkopf hat kein Gewinde! Richtig ist, dass man eine Zecke möglichst schnell entfernen sollte, nachdem man sie bemerkt hat. Je länger die Zecke auf der Haut bleibt und Blut saugt, umso größer wird die Gefahr, dass sie dabei Keime überträgt. Solange die Zecke „nur“ herumkrabbelt und einen geeigneten „Futterplatz“ sucht, ist die Infektionsgefahr gering.

Irrtum 5: Am besten träufelt man Öl (oder Uhu, Nagellack oder Ähnliches) auf die Zecke

Diese Vorgehensweise ist aber gefährlich! Denn die Flüssigkeit regt die Zecke an, noch mehr Speichel abzusondern, und damit steigt das Infektionsrisiko. Richtig ist: Die Zecke mit einer Zeckenzange oder Pinzette nah an der Haut losrütteln und herausziehen. Der Zeckenkörper sollte dabei möglichst wenig gequetscht werden.

Irrtum 6: Gegen Zecken kann man sich impfen lassen

Nein, eine Impfung gegen Zecken gibt es leider nicht. Man kann sich jedoch gegen eine Infektion mit FSME-Viren durch eine Schutzimpfung immunisieren. Gefährdeten Berufsgruppen wird dies unbedingt empfohlen.

Die häufigsten durch Zeckenstiche übertragenen Krankheiten

 

  FSME Borreliose
Erkrankung Frühsommer-Meningoenzephalitis: eine Form der Hirnhautentzündung erstmals 1931 bei Forstarbeitern beobachtet Lyme-Borreliose/Lyme Krankheit: in Europa die häufigste durch Zecken übertragene Erkrankung
Erreger Viren Borrelien (=Bakterien)
Übertragung recht schnell beim Stich (Viren im Speichel der Zecke) ab etwa 12 Stunden (Borrelien im Darm der Zecke)
Symptome grippeähnlich; viele Infizierte entwickeln keine Symptome; bei einem Teil der Erkrankten kommt es zu einer Entzündung von Gehirn, Hirnhaut und Rückenmark ringförmige Hautrötung (Wanderröte); weiter Symptome schleichend und unspezifisch, für den Laien kaum eindeutig diagnostizierbar
Diagnose nur vom Arzt im Bluttest Nachweis per Bluttest beim Arzt; Labore können auch die Zecke selbst testen, sogar Schnelltests für zuhause sind erhältlich. Deren Ergebnisse sind jedoch umstritten
Schutzimpfung möglich; Kosten werden i.d.R. von den Krankenkassen übernommen, zumindest dann, wenn man in einem Risikogebiet lebt derzeit nur für Pferde möglich; klinische Studien für Impfstoffe für Menschen laufen
Therapie keine Behandlung oder Therapie möglich, allenfalls Linderung; Heilung bei Kindern oft folgenlos, bei Erwachsenen auch mit neurologischen Dauerschäden Therapie durch Antibotika; gut behandelbar im Frühstadium
Besonderheiten Nach einer Infektion ist der Mensch immun gegen alle FSME-Typen Borreliose führt nicht zu einer Immunität. Auch wer bereits erkrankt war, kann nach einem erneuten Kontakt mit dem Bakterium wieder erkranken.

 

So senkt jeder Mitarbeiter sein Zeckenrisiko

  1. Festes Schuhwerk tragen, möglichst auch lange Hosen und lange Ärmel.
  2. Für Haut und Kleidung ein Zeckenschutzmittel verwenden.
  3. Zu Hause Körper (und Kleidung) sorgfältig absuchen: Achseln, Leisten, Bauchnabel Kniekehlen, Haaransatz … überall, wo die Haut eher weich ist.
  4. An Stichstellen nicht herumkratzen.
  5. Zecke möglichst unverzüglich, aber vorsichtig entfernen.

Ganz wichtig: Kommt es nach einem Zeckenbiss zu einer kreisförmigen Rötung, sollte unbedingt ein Arzt konsultiert werden!

Keine Panik! – Nicht nach jedem Zeckenbiss ist man automatisch infiziert

Bei allem Risikobewusstsein muss man sich auch Folgendes deutlich machen: Längst nicht jede Zecke ist ein Krankheitsüberträger. Nur etwa jede fünfte Zecke (je nach Region zwischen 5 und 35 %) ist nach Angaben des Robert­ Koch ­Instituts tatsächlich mit Borrelien befallen. Für FSME-Viren liegen die Zahlen noch niedriger. Auch führt nicht jede infizierte Zecke zu einer Infektion beim Menschen und nicht jede Infektion führt zu einer manifesten Erkrankung. Statistisch gesehen, liegt das Risiko für eine Erkrankung in einer Größenordnung von etwa jedem 100. Zeckenbiss. Das ist denen, die es erwischt hat, nur ein schwacher Trost. Doch es kann andererseits auch vor unangemessener Panik schützen.

Nicht vergessen: Zeckenbisse gehören ins Verbandbuch!

Ein Zeckenbiss während der beruflichen Tätigkeit kann, rechtlich gesehen, als Arbeitsunfall gewertet werden. So sah es auch das Bundesverwaltungsgericht vor einigen Jahren, als es über den Fall einer an Borreliose erkrankten Lehrerin urteilte. Die Grundschullehrerin war im Rahmen eines Schulprojekts im Wald unterwegs, dabei von einer Zecke gestochen worden und später erkrankt. Da der Zeckenbiss „im Dienst“ passiert war und als ursächlich für die Borreliose-Erkrankung anerkannt wurde, bekam die Frau Leistungen der Unfallfürsorge für Beamte zugesprochen (Az. 2 C 81.08).
Für Zeckenbisse bei der Arbeit gilt daher: Stets im Verbandbuch dokumentieren! Niemand sollte sich auf private Unfallversicherungen verlassen. Denn in deren Versicherungsbedingungen sind Infektionen durch Zeckenbisse oft ausgenommen.

Denken Sie auch an Mitarbeiter, die beruflich bedingt in Risikogebiete reisen, etwa im Außendienst oder auf Montagestellen. Geben Sie ihnen Informationen mit, z. B. die DGUV-Information 214-078.

Autor: Dr. Friedhelm Kring

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