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Haben Sie in Ihren Aufzügen schon Notfallpläne hängen?

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Notfallplan für Aufzüge

Bei Brandalarm muss sich jeder Mitarbeiter schnell in Sicherheit bringen können. Dazu gibt es jede Menge Vorgaben für die Kennzeichnung von Fluchtwegen und Notausgängen, Sicherheitsbeleuchtung usw. Auch für Ihre Aufzüge brauchen Sie einen Notfallplan.

Jeder Betreiber einer Aufzugsanlage – ob Vermieter oder Eigentümer des Gebäudes – ist für deren Sicherheit verantwortlich. Laut BetrSichV ist es deshalb Pflicht einen Notfallplan für Aufzüge anzufertigen. Damit soll sichergestellt werden, dass bei Störungen, Notfällen, Brand usw. angemessen und sachgerecht reagiert wird und möglicherweise eingeschlossene Personen schnell gerettet werden.

Erfüllen Ihre Aufzüge die Vorgaben der BetrSichV?

Aufzüge gelten nicht gerade als besonders gefahrenträchtige Bereiche einer Arbeitsstätte. Doch ein Aufzug ist eine überwachungsbedürftige Anlage im Sinne der Betriebssicherheitsverordnung. Die Regeln für einen sicheren Aufzugsbetrieb sind damit Teil des betrieblichen Arbeitsschutzes. Grund genug, sich als Sifa die wichtigsten Vorgaben  in Erinnerung zu rufen. Denn auch ein augenscheinlich funktionierender Aufzug ist nicht automatisch mängelfrei.

Der Verband der TÜV (VdTÜV) veröffentlicht in seinen jährlichen Berichten erschreckende Mängelstatistiken. Laut dem Anlagensicherheits-Report von 2017 war nicht mal jeder zweite untersuchte Aufzug mängelfrei und hunderte Anlagen wurden stillgelegt. Auch wenn Ihr Unternehmen wie vorgeschrieben eine interne oder externe Person mit Überwachungs- und Prüfaufgaben beauftragt hat (den früheren „Aufzugswärter“), sollten Sie als Sifa auf die folgenden Aspekte ein Auge haben.

Erkennen Sie Mängel und Versäumnisse, verlassen Sie sich nicht darauf, dass diese bei der nächsten Aufzugsprüfung entdeckt werden, sondern informieren Sie die beauftragte Person. Auch Aufzüge, mit denen keine Personen befördert werden und die nicht als überwachungsbedürftig gelten, sind gleichwohl prüfpflichtig. Das betrifft Lastenaufzüge, Kleingüteraufzüge, Bauaufzüge, Fassadenaufzüge, Treppenlifte usw.

Diese Angaben braucht Ihr Notfallplan für Aufzüge

Seit Juni 2016 ist es außerdem Pflicht des Betreibers, einen Notfallplan für Aufzüge vorliegen zu haben. Diese Angaben muss Ihr Notfallplan enthalten:

  • den Standort der Aufzugsanlage mit der vollständigen Adresse
  • den verantwortlichen Arbeitgeber/Betreiber
  • die Personen mit Zugang zu allen Einrichtungen der Anlage, z. B. Werkschutz, Hausmeister, Mitarbeiter der Leitstelle usw.
  • die Personen, die eine Notbefreiung vornehmen können (s. u.)
  • Hinweise zur Ersten Hilfe mit Kontaktdaten, z. B. Ersthelfer, Betriebsarzt, Rettungsdienste

Tragen Sie die Angaben so detailliert wie nötig ein. Geben Sie bei größeren Betriebsarealen auch genau das Gebäude und den Standort des Aufzugs an. Nur so können Rettungskräfte eine Aufzugsanlage ggf. schnell erreichen.

Diesen Notfallplan müssen Sie dem Notdienst bzw. der „benannten Person“ zur Verfügung stellen. Die benannte Person, auch als Aufzugswärter bezeichnet, ist derjenige, der laut der BetrSichV den Aufzug kontrolliert und auch in der sachgerechten Befreiung von Personen geschult ist. Der TÜV Nord empfiehlt zudem, den Notfallplan in der Nähe der Aufzugsanlage anzubringen.

Aufzüge behindertengerecht gestalten

Ihr Notfallplan für Aufzüge muss auch benachteiligte Personen bedenken. Jeder von Ihnen kennt das Schild „Aufzug im Brandfall nicht benutzen“. Doch was ist mit benachteiligten Mitarbeitern, die auf den Rollstuhl angewiesen sind? Wie kommen diese im Notfall aus dem Gebäude? Genau diese Fragen haben sich auch die Erfinder des Evakuierungsstuhls gestellt.

Best Practice: So kommt der Rollstuhlfahrer auch im Brandfall sicher aus dem 5. Stockwerk

Wo ein Wille ist, findet sich auch ein Weg. – Dies könnte als Fazit einer Aktion stehen, mit welcher der Arbeitsplatz eines auf den Rollstuhl angewiesenen Mitarbeiters gerettet werden konnte. Der Mitarbeiter mit einer Muskelerkrankung arbeitet in der fünften Etage eines Bürotraktes. Über einen Aufzug kann er seinen Arbeitsplatz ohne fremde Hilfe erreichen. Doch im Brandfall dürfen Aufzüge nicht benutzt werden. Der Strom kann ausfallen oder Brandrauch die Lichtschranken zur Öffnung der Aufzugstür blockieren. Alle anderen Mitarbeiter müssen dann über das Treppenhaus flüchten – doch wo bleiben dann die Rollstuhlfahrer?

Die Lösung: Der Arbeitgeber stellte einen zusammenklappbaren Evakuierungsstuhl in der Nähe des Treppenhauses bereit. Über Gleitriemen kann ein Kollege im Notfall damit eine bewegungseingeschränkte Person über das Treppenhaus evakuieren.

Und auch dies ist eine interessante Information, wenn Sie in Ihrem Unternehmen vor ähnlichen Herausforderungen stehen: Der Evakuierungsstuhl wurde zu 100 % vom Integrationsamt gefördert.

Üben Sie das Verhalten im Ernstfall

Denken Sie bei Ihrer Evakuierungs- und Räumungsplanung nicht nur an Rollstuhlfahrer, sondern auch an anderweitig eingeschränkte Mitarbeiter oder Besucher wie seh- oder hörschwache Personen und prüfen Sie, ob Ihre Sicherheitshinweise auch für alle Personengruppen gut zu verstehen sind. Dies können Sie auch mithilfe einer Evakuierungsübung testen. Bei der Übung sollten Sie nicht nur die Alarmhinweise und Rettungsgriffe durchgehen, sondern auch Fluchtwege ablaufen und den Notfallplan für Aufzüge studieren.

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Autor: Friedhelm Kring

 

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