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Notwendigkeit von Flucht- und Rettungsplan

© curraheeshutter – Shutterstock
Flucht- und Rettungsplan

Es gibt keine einfache Regel, die vorschreibt, dass Sie – etwa ab einer bestimmten Betriebsgröße – einen Flucht- und Rettungsplan erstellen und aushängen müssen. Hier ist Ihre Eigenverantwortung gefragt und damit eine sorgfältige Gefährdungsbeurteilung.

Eine Orientierung bietet die Arbeitsstättenverordnung. Sie fordert in § 4 das Auslegen oder Aushängen von einem Flucht- und Rettungsplan, „wenn Lage, Ausdehnung und Art der Benutzung der Arbeitsstätte dies erfordern“. Die gleichen Kriterien Lage, Ausdehnung, Benutzung nennt auch die DGUV-Regel 100-00.

Wo und wann braucht man einen Flucht- und Rettungsplan?

Diese Kriterien bleiben jedoch recht vage. Nützlicher sind einige Beispiele aus der DGUV-Regel 100-001. Demnach sind Flucht und Rettungspläne angebracht:

  • bei großer räumlicher Ausdehnung eines Betriebs
  • bei weitläufigen Produktionsstätten
  • in großen Bürogebäuden
  • in Gebäuden mit unübersichtlichen Gängen, Treppen und Verkehrswegen
  • in Unternehmen, die mit gefährlichen Stoffen umgehen, wie Raffinerien, Betriebe der chemischen Industrie und Laboratorien
  • in Schulen und Kindertageseinrichtungen
  • wenn sich regelmäßig eine große Anzahl von Personen, Betriebsfremde oder Personen mit eingeschränkter Mobilität im Betrieb aufhalten.

Der letztgenannte Punkt betrifft z. B. Hotels, Krankenhäuser und Pflegeheime. Denken Sie aber auch an externe Einrichtungen im Sozial und Gesundheitswesen, wie z. B. Behindertenwerkstätten, oder wenn Menschen mit geistigen Einschränkungen in separaten Wohneinheiten betreut werden. Auch das staatliche Regelwerk nennt in der ASR A2.3 „Fluchtwege und Notausgänge, Flucht- und Rettungsplan“ einige Kriterien, die in die ähnliche Richtung weisen.

Demnach brauche Sie einen Flucht- und Rettungsplan:

  • wenn die Fluchtwegführung unübersichtlich ist
  • wenn sich in einem Gebäude viele ortsunkundigen Personen aufhalten, wie Besucher, Kunden, Publikum etc.
  • wenn eine erhöhte Gefährdung besteht, z. B. durch Explosionsgefahr, oder wenn im Brandfall gefährliche Substanzen freigesetzt werden.

Sehen Sie die genannten Beispiele keinesfalls als eine abschließende Aufzählung an. Es gibt viele Einzelfälle, die nicht genau dieser Auflistung zugeordnet werden können, aber dennoch einen Flucht- und Rettungsplan  rechtfertigen, so etwa:

  • wenn die Zufahrt von Feuerwehr oder Rettungswagen erschwert ist und sich z. B. aufgrund enger Zufahrten verzögern kann.
  • wenn eine Rettung von außen erschwert ist, weil an eine Fassade z. B. keine Leitern angelegt werden können.
  • wenn Flucht- und Rettungswege von den üblichen innerbetrieblichen Laufwegen abweichen.

Maßgeblich ist letztendlich Ihre Gefährdungsbeurteilung, in der Sie die Aspekte der Fluchtwegführung, Gefährdung und Rettungsmöglichkeiten kritisch betrachten. Auch bei Brandschutztüren gibt es Besonderheiten, die Sie beachten sollten.

So erstellen Sie den Flucht- und Rettungsplan DIN 23601-konform

Die DIN ISO 23601 „Sicherheitskennzeichnung Flucht- und Rettungspläne“ ersetzt seit 2010 die DIN 4844-3 als Regelwerk für das Erstellen von Flucht- und Rettungsplänen. Sie definiert Details ihrer Gestaltung und enthält die neuen Sicherheitszeichen nach ISO 7010. Die neuen Brandschutzzeichen zeigen jetzt durchgehend eine stilisierte Flamme. Die gleichen Symbole wurden auch in die überarbeitete ASR A1.3 übernommen. Damit soll erreicht werden, dass Verbots-, Warn-, Gebots-, Rettungs- und Brandschutzzeichen (auch über Arbeitsstätten hinaus) einheitlich dargestellt werden.

Weitere Neuerungen, welche die DIN ISO 23601 mit sich brachte:

  • Horizontale und vertikale Fluchtwege werden farblich differenziert dargestellt: Flure erscheinen in Hellgrün, Treppenräume in einem dunkleren Grünton.
  • Der Standort des Betrachters ist in blauer Farbe anzuzeigen.
  • Grüne Richtungspfeile sind erlaubt. Sie sollen jeweils vom Standort des Betrachters (blauer Punkt) ausgehen.
  • Im Übersichtsplan sollen auch die Sammelstellen angezeigt werden.

Diese Informationen muss ein Flucht- und Rettungsplan enthalten

Dem Flucht- und Rettungsplan liegt normalerweise eine Grundrisszeichnung des Gebäudes bzw. Stockwerks zugrunde oder ein Grundstücksplan. In diese Zeichnung oder diesen Plan werden dann nach festen Regeln bestimmte Symbole und Informationen eingetragen. Darüber muss der Flucht- und Rettungsplan informieren:

  • den genauen Standort des Betrachters
  • Lage und Verlauf der Flucht- und Rettungswege
  • Standorte der Erste-Hilfe-Einrichtungen
  • Standorte der Einrichtungen zur Brandbekämpfung und zur Alarmierung
  • Standorte der Notfalleinrichtungen und Evakuierungshilfen
  • die Lage von sicheren Bereichen und Sammelstellen
  • Regeln für das Verhalten im Brandfall und bei Unfällen

Ein Beispiel für einen DIN 23601 konformen Flucht- und Rettungswegeplan zeigt das untenstehende Bild:

Flucht- und Rettungsplan
© SafteyXperts: Beispielhafter Flucht- und Rettungsplan, der die Notausgänge und Feuerloescher deutlich kennzeichnet.

Hinweis: Pflicht ist, dass Sie Verhaltensregeln geben. Welche Regeln Sie aufstellen und wie Sie sie formulieren, ist nicht vorgegeben. Sie sollten also je nach betrieblicher Situation nicht einfach irgendwelche Vorlagen abschreiben, sondern genau klären, was speziell Ihre Mitarbeiter in Ihrer Arbeitsstätte zum richtigen Verhalten im Brandfall wissen müssen.

Tipp: Hier finden Sie Arbeitshilfen zur Prüfung Ihrer Flucht- und Rettungspläne.

Darüber hinaus sollten auf jedem Flucht- und Rettungsplan auch die Ersteller mit Namen und Datum angegeben sein sowie das Gebäude und Stockwerk. Die Pläne sind zu nummerieren.
Außerdem gilt:

  • Buchstaben müssen für eine gute Erkennbarkeit mindestens 2 mm, Sicherheitszeichen mindestens 7 mm hoch sein.
  • Flucht- und Rettungspläne sollten über eine Legende (Erklärung der Symbole und Farben) verfügen.
  • Flucht- und Rettungspläne sind stets farbig anzulegen. Lassen Sie auf keinen Fall Schwarz-Weiß-Kopien zu.
  • Der Hintergrund sollte stets weiß sein oder nachleuchtend weiß.
  • Als Mindestgröße gilt das A3-Fomat (29,7 cm x 42,0 cm).
  • Jeder Plan sollte mit „Flucht- und Rettungsplan“ überschrieben sein.
  • Innerhalb eines Gebäudes oder Betriebs sollten die Flucht- und Rettungspläne im Layout einheitlich sein.
  • Jeder Plan muss so angebracht werden, dass er beim Betrachten das Gebäude oder Grundstück lagerichtig zeigt.
  • Jeder Plan muss dauerhaft und sicher befestigt sein. Ein Aushang am Schwarzen Brett mit Reißnägeln genügt nicht.

Es ist inzwischen hierzulande inoffizieller Standard, dass die Verhaltensregeln im Brandfall mit einem roten und die Verhaltensregeln bei Unfällen mit einem grünen Rahmen versehen werden.
Achten Sie auch darauf, dass Flucht- und Rettungspläne an geeigneten Standorten angebracht sind, z. B. in der Nähe von Treppen, an den Hauptzugängen zu Stockwerken, an Abzweigungen, Gabelungen und anderen strategischen Stellen von Fluchtwegen sowie überall dort, wo sich viele Personen treffen wie Kantinen, Cafeterias usw. Das Befestigen in einer Höhe von 160 cm, gemessen vom Boden zur Mitte des Plans, hat sich bewährt.

Tipp: Flucht- und Rettungspläne dienen Ihrem Betrieb nicht nur als Grundlage der vorgeschriebenen Räumungsübungen. Nutzen Sie Ihre Flucht- und Rettungswegpläne auch als Schulungs- und Unterweisungshilfe für Ihre Mitarbeiter.

Achtung: Oft werden im Zuge von Sanierungs- oder Renovierungsarbeiten auch kleinere Umbauten am Gebäude vorgenommen. Hier eine Tür verlegt, da eine Zwischenwand entfernt, dort eine neue Rampe angelegt usw. Sie dürfen in solchen Fällen nicht vergessen, auch die Flucht- und Rettungspläne des Gebäudes bzw. Stockwerks anzupassen.

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Autor: Dr. Friedhelm Kring

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