Frank E. Bird untersuchte in den 1960er-Jahren Hunderttausende Vorfälle in Unternehmen. Seine Erkenntnis: Schwere Arbeitsunfälle entstehen selten aus dem Nichts. Ihnen gehen zahlreiche kleinere Ereignisse voraus.
Die oft zitierte Relation lautet:
- 1 schwerer Unfall
- 10 leichte Unfälle
- 30 Sachschäden
- 600 Beinaheunfälle oder unsichere Handlungen
Schon in den 1930er-Jahren untersuchte der US-amerikanische Sicherheitsingenieur Herbert William Heinrich tausende Arbeitsunfälle und gilt als Vorreiter von Frank E. Bird. In seinem Modell der Unfallpyramide beschreibt er folgendes Verhältnis:
- 1 schwerer Unfall
- 29 leichte Unfälle
- 300 Beinaheunfälle

Ob die 300 Beinaheunfälle von Heinrich oder 600 von Bird. Beide Modelle sind keine exakten Vorhersagen. Sie bedeuten nicht, dass nach exakt 300 oder 600 Beinaheunfällen automatisch ein schwerer Unfall eintritt. Vielmehr verdeutlichen sie einen Zusammenhang:
- Wer Risiken früh erkennt, kann schwerwiegende Ereignisse verhindern.
- Unsichere Situationen treten deutlich häufiger auf als schwere Unfälle.
- Beinaheunfälle sind Frühwarnsignale.
Die genaue Zahl ist weniger entscheidend als die Botschaft dahinter: Jeder Beinaheunfall ist ein Warnsignal. Wer diese Signale ignoriert, erhöht das Risiko schwerer Folgen.
Was Sie aus der Unfallpyramide lernen können
Die wichtigste Lehre aus Heinrichs und Birds Forschung lautet: Nicht der schwere Unfall ist der beste Lehrmeister, sondern der Beinaheunfall.
Deshalb sollten Sie im Rahmen Ihres Arbeitsschutzmanagements:
- Beinaheunfälle systematisch erfassen,
- einfache Meldewege schaffen,
- Meldungen ohne Schuldzuweisungen ermöglichen,
- Ursachen analysieren,
- Verbesserungen sichtbar umsetzen.
Jede gemeldete Beinahe-Situation bietet die Chance, Risiken zu beseitigen, bevor Menschen zu Schaden kommen.