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Coronavirus: Wie können Unternehmen ihre Mitarbeiter schützen?

© Temo Sukhitashvili – Shutterstock
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Nach den Infektionen in Norditalien ist seit einigen Tagen klar: Das Coronavirus (SARS-Cov-2) und mit ihm die Krankheit COVID-19 hat nun auch Deutschland erreicht. Aktuell sind die Fallzahlen bei uns noch relativ niedrig.

Das bedeutet aber nicht, dass das auch so bleiben wird. Für allem für Arbeitgeber stellt sich daher die dringende Frage, wie sie ihre Arbeitnehmer vor einer Ansteckung mit dem neuartigen Virus schützen können. Denn Arbeitgeber haben eine Fürsorgepflicht für ihre Beschäftigten.

Wie ist die aktuelle Situation zu beurteilen? 

Das Robert-Koch-Institut (RKI) sowie das Bundesgesundheitsministerium weisen darauf hin, dass die Lage zwar ernst ist, die Gefahr für die Bevölkerung aber nur mäßig. In der Regel verlaufen die Erkrankungen mit dem Erreger SARS-Cov-2 recht milde. Vor allem im Vergleich zu der Grippe (Influenza), die aktuell ebenfalls in der Bevölkerung zirkuliert, sind die Symptome eher wenig ausgeprägt.

Experten gingen zwar zunächst davon aus, dass die Sterblichkeitsrate bei ungefähr zwei Prozent liegt, das hat sich mittlerweile aber relativiert. Viele Wissenschaftler halten eher eine Rate von 0,5 Prozent für wahrscheinlich. Damit gibt es natürlich immer noch Todesfälle aufgrund einer Infektion mit der neuartigen Lungenerkrankung, die Zahlen sind aber geringer, als zunächst vermutet.

Dazu kommt, dass hauptsächlich Personen mit einem schlechten Immunsystem oder Patienten mit Vorerkrankungen und Krankheiten wie Diabetes, oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen von schlimmen Verläufen betroffen sind.

Hamsterkäufe oder gar Panik innerhalb der Bevölkerung sind daher nicht angebracht. Denn es wird aller Voraussicht nach nicht zu Engpässen bei der Versorgung mit Lebensmitteln kommen. Die Bevölkerung soll sich so gut wie möglich vor einer Übertragung schützen. Häufiges Händewaschen und notfalls auch eine Händedesinfektion sind bereits wirksame Maßnahmen gegen die Viren.

Woran merke ich, dass Mitarbeiter am Coronavirus erkrankt sind?

Um Mitarbeiter zu schützen, müssen Arbeitgeber die Lage möglichst realistisch einschätzen können. Dazu gehört, dass sie einen Überblick über die Zahl der Infizierten haben müssen – und genau das ist gar nicht so einfach. Denn in der Regel verläuft die Infektion sehr mild. 

Das heißt, dass Mitarbeiter ganz häufig nur Symptome zeigen, die einer leichten Erkältung ähneln. Genau das macht es so schwierig, infizierte Mitarbeiter zu erkennen. Denn gerade in den Wintermonaten sind Husten, Schnupfen und Halskratzen  – häufige Symptome einer Infektion mit dem Coronavirus – nichts Außergewöhnliches in der Belegschaft. 

Ein Hinweis darauf, ob sich Angestellte mit dem Virus angesteckt haben könnten, sind die Kontakte. Wenn ein Mitarbeiter in jüngster Vergangenheit mit einer infizierten Person in Kontakt war, ist das ein deutliches Warnsignal und Grund genug, Vorsichtsmaßnahmen einzuleiten. 

Wenn Sie dabei Fragen zum konkreten Vorgehen haben, sind in der Regel das Gesundheitsamt oder andere Behörden, die sich mit dem Thema Gesundheitsschutz befassen, die richtigen Ansprechpartner. 

Wie soll ich mich verhalten, wenn sich ein Mitarbeiter mit dem Coronavirus angesteckt hat?

Meldungen von Desinfektionsschleusen oder still gelegten Firmen kommen bei der aktuellen Lage keinem Unternehmer seltsam vor. Im Gegenteil, Arbeitgeber müssen aufgrund des Corona Ausbruchs damit rechnen, dass auch ihre Firma dieses Schicksal treffen kann. 

Sollten Sie den Verdacht haben, dass sich ein Mitarbeiter mit dem Coronavirus angesteckt hat, müssen sie ihn unverzüglich nachhause schicken. Damit kommen Sie ihrer Fürsorgepflicht nach, die Sie auch für ihre übrigen Beschäftigten haben. Ein Verdachtsfall wird es in der Regel nur dann sein, wenn der Mitarbeiter mit einer infizierten Person Kontakt hatte oder er vor Kurzem in ein betroffenes Gebiet wie China oder Norditalien (z.B. Mailand) gereist ist. In diesem Fall kann ein Labortest Klarheit darüber geben, ob der Mitarbeiter an einer herkömmlichen Erkältung erkrankt ist oder sich tatsächlich mit dem Coronavirus angesteckt hat.

In diesem Fall das komplette Personal nachhause zu schicken oder gar für alle Beschäftigten einen Labortest anzuordnen, wäre zu viel des Guten. Nicht nur deshalb, weil die Labore in der aktuellen Situation ohnehin überlastet sind. 

Auch eine Quarantäne für alle Beschäftigten, die meist zwei Wochen andauert, dürfte nur in den seltensten Fällen angebracht sein. Halten Sie sich im Zweifel aber an die Vorgaben des Landesgesundheitsamtes. Scheuen Sie sich nicht, konkrete Nachfragen zu stellen. Denn die Behörden stehen in einem engen Austausch mit dem Robert-Koch-Institut und sind für die Infektionskontrolle zuständig. 

Ein ausgeklügelter Pandemieplan für Ihr Unternehmen ist grundsätzlich eine gute Idee. Damit folgen Arbeitgeber den Empfehlungen der Behörden, wie sie sich im Falle einer Epidemie, oder gar Pandemie, am besten zu verhalten haben. Wenn Sie sich vorab schon mit einem Pandemieplan rüsten wollen, sei auf die Internetseite der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hingewiesen. Die Experten haben dort allgemeine Hinweise versammelt, wie Sie ihr Unternehmen vor dem Virus aus China schützen können. 

Bekommen Mitarbeiter weiterhin Lohn oder Gehalt?

Arbeitnehmer, die aufgrund einer Infektion mit dem Coronavirus nicht am Arbeitsplatz erscheinen können, bekommen weiterhin ihr Entgelt. Dabei sind Arbeitnehmer mit einer Corona-Infektion in einer eigenartigen Lage: Auf der einen Seite müssen sie den Arbeitgeber nicht darüber informieren, woran sie erkrankt sind. Auf der anderen Seite wird der Arbeitgeber spätestens durch das Gesundheitsamt eine Meldung über die Infektion erhalten.

Das ist wichtig, denn nur so kann der Arbeitgeber entsprechende Schritte einleiten, um eine Verbreitung des Virus in der Belegschaft einzudämmen. 

Alle weiteren Informationen zu arbeitsrechtlichen Auswirkungen bekommen Sie auf der Website des Bundesministerium für Arbeit.

Kann der Betriebsarzt bei einer Corona-Infektion helfen?

Betriebsärzte sind in erster Linie dazu da, die Unternehmen bei Fragen der Arbeitssicherheit zu beraten. Außerdem helfen sie dem Arbeitgeber dabei, seiner Fürsorgepflicht seinem Personal gegenüber nachzukommen. 

Heilend werden Betriebsärzte in aller Regel nicht tätig. Das bedeutet, dass sie erkrankte Mitarbeiter nicht behandeln und auch keine Medikamente verschreiben. Auf der anderen Seite bedeutet das aber auch, dass sie eine Verdachtsdiagnose nicht hinterfragen dürfen.

Sollte der Betriebsarzt allerdings selbst den Verdacht haben, ein Mitarbeiter könnte sich mit dem Coronavirus infiziert haben, kann er einen niedergelassenen Arzt informieren. So kann vermieden werden, dass der potentiell mit dem Coronavirus infizierte Mitarbeiter eine Hausarztpraxis aufsucht und weitere Personen ansteckt. 

Der Betriebsarzt ist somit der erste Ansprechpartner für den Mitarbeiter und kann darauf achten, dass alle weiteren Schritte bestmöglich ablaufen. 

Außerdem kommt dem Betriebsarzt eine weitere wichtige Aufgabe zu, die mit der Arbeitssicherheit in engem Zusammenhang steht: Durch die Hinweise und die Einhaltung der Hygienemaßnahmen kann eine Infektion mit dem Coronavirus nämlich vermieden werden. Der Betriebsarzt hat die nötigen Kenntnisse den Arbeitgeber dabei zu unterstützen, die Empfehlungen zum Infektionsschutz umzusetzen. 

Hygienemaßnahmen: So schützen Sie ihre Mitarbeiter vor dem Coronavirus

Das Robert-Koch-Institut (RKI) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) weisen darauf hin, dass Hygiene der beste Schutz vor einer Ausbreitung des Virus ist. Gerade Arbeitgeber sind daher in der Pflicht, ihre Mitarbeiter entsprechend zu informieren und notfalls auch zu schulen.

In der Regel werden bestimmte Hygienevorschriften ohnehin an prominenten Orten im Unternehmen aushängen, wo diese für alle Beschäftigten zugänglich und einsehbar sind. 

Auf Händehygiene achten

In der aktuellen Situation kann es darüber hinaus sinnvoll sein, beispielsweise in sanitären Einrichtungen Desinfektionsmittel oder bestimmte Hygieneartikel zur Händedesinfektion Verfügung zu stellen. Allerdings muss bei diesen Mitteln darauf geachtet werden, dass sie viruzid sind, also gegen das Virus wirken. 

Grundsätzlich empfiehlt sich außerdem, auf gründliche Handhygiene und Husten- und Niesetikette hinzuweisen. Dazu gehört, dass 

  • Mitarbeiter sich nicht in die Hände niesen oder husten sollen, sondern am besten in die Ellbogenbeuge.
  • Mitarbeiter keine Baumwolltaschentücher verwenden, die sie wohlmöglich auch noch mehrmals benutzen. Stattdessen sollten sie auf Papiertaschentücher zurückgreifen und diese Tücher nach dem einmaligen Gebrauch sofort entsorgen.
  • Mitarbeiter sich gründlich die Hände waschen und sich nicht mit ungewaschenen Händen ins Gesicht oder an den Mund fassen sollen.
  • Mitarbeiter im Idealfall darauf verzichten sollten, sich die Hände zu schütteln.

Für weitere Informationen und Hinweise zum Thema empfehlen wir Ihnen unsere „Hygienefibel für das Gesundheitswesen 2020“

Mundschutz als Infektionsprävention

Abhängig von der aktuellen Lage im Betrieb können auch Mundschutzmasken zu den Maßnahmen gehören, die der Arbeitgeber treffen muss, um seine Belegschaft zu schützen. 

Allerdings sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass das Robert-Koch-Insitut der Wirksamkeit eines Mundschutzes durchaus kritisch gegenüber steht. Denn herkömmliche Masken aus Papier bieten nur einen kurzfristigen Schutz. Was aber viel schlimmer ist: Ihr Einsatz vermittelt den Mitarbeitern das trügerische Gefühl, vor dem Virus geschützt zu sein. In der Folge könnten die wichtigen Hygienemaßnahmen vergessen werden.

Sollte es jedoch dringende betriebliche Gründe für einen Mundschutz geben, sind Arbeitgeber gut beraten, auf diejenigen Masken zurückzugreifen, die tatsächlich vor dem Virus schützen. Nach aktuellem Kenntnisstand sind das Atemmasken der Schutzklasse FFP 3. Allerdings erschweren diese Masken das Atmen erheblich und sind daher nur in Ausnahmefällen eine echte Option.

Allerdings kommt es aktuell zu teilweise erheblichen Lieferengpässen bei Atemmasken und anderen Hygieneartikeln. Viele Produkte zur Händehygiene, wie beispielsweise Sagrotan, sind in Drogeriemärkten bereits vergriffen und auch Apotheker berichten davon, dass Kunden Desinfektionsmittel und frei verkäufliche Arzneimittel in großen Mengen kaufen. Die Preise für diese Produkte sind in den letzten Tagen rasant gestiegen. Unternehmen, die in diesem Markt tätig sind, gehören daher ganz klar zu den Gewinnern, denn sie konnten in den letzten Wochen satte Umsätze verzeichnen und damit ein gutes Geschäft mit dem Corona Ausbruch machen. 

Die extrem gestiegene Nachfrage nach Hygieneartikeln und vor allem nach Mitteln zur Desinfektion führt nicht nur auf dem Markt für Kunden zu Lieferengpässen. Auch Krankenhäusern und Kliniken bekommen die Engpässe deutlich zu spüren. Sie haben aktuell ebenfalls Probleme, ausreichend Schutzkleidung zu bekommen. 

Gerade für Arbeitnehmer, die im Krankenhaus oder in der Pflege beschäftigt sind, ist das eine denkbar ungünstige Situation. Denn Ärzte und Krankenschwestern brauchen auch bei Operationen, die nicht in Verbindung zu dem Coronavirus stehen, einen Mundschutz. Wenn dieser nun vergriffen ist, weil die Bevölkerung sämtlichen Mundschutz auf dem Markt aus Angst vor dem Coronavirus aufkauft, ist das problematisch. Denn natürlich ist auch in diesem Fall der Arbeitgeber in der Pflicht, seinen Beschäftigten ausreichend Schutzmaßnahmen zur Verfügung zu stellen. 

Müssen Arbeitnehmer Desinfektionsmaßnahmen befolgen?

In betrieblichen Zusammenhängen gilt das Direktions- oder Weisungsrecht des Arbeitgebers. Das bedeutet, wenn Sie als Arbeitgeber bestimmte Desinfektionsmaßnahmen wie Händewachen oder die Benutzung eines Desinfektionsmittels anordnen, müssen die Arbeitnehmer dem Folge leisten. 

Wenn es in der Belegschaft Mitarbeiter gibt, die dem Infektionsschutz kritisch gegenüber stehen, weisen Sie darauf hin, dass Sie diese Maßnahmen angeordnet haben, um die mögliche Ansteckungsgefahr mit dem Virus zu minimieren und damit eine Verbreitung auf für andere Menschen zu verhindern. 

Im Zweifelsfall können Sie auch darauf verweisen, dass eine hohe Ansteckungsrate auch ein Risiko für die Wirtschaft ist – und damit letztlich auch für die Arbeitsplätze ihrer Beschäftigten. Denn tatsächlich haben schon die ersten Unternehmen aufgrund der wirtschaftlichen Belastung durch das Coronavirus Insolvenz angemeldet. 

Müssen Arbeitnehmer Auskunft über Reisen in Risikogebiete geben?

Diese Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Denn auf der einen Seite können Mitarbeiter in ihrer Freizeit Urlaub machen wo sie wollen. War nun ein Mitarbeiter vor Kurzem in einem Risikogebiet wie China oder Italien, möchten Sie als Arbeitgeber das natürlich gerne erfahren.

Denn in diesem Fall müssen Sie über weitergehende Infektionsprävention nachdenken, um die übrige Belegschaft vor den Coronaviren zu schützen. Daher wäre es durchaus wünschenswert, der Arbeitnehmer würde berichten, wenn er sich dem Risiko einer Ansteckung ausgesetzt hat.

Ein Reiseverbot in die betroffenen Regionen kann der Arbeitgeber jedoch nicht aussprechen. Das würde dem Persönlichkeitsrecht des Arbeitnehmers zuwiderlaufen. Sie als Arbeitgeber können nur darauf vertrauen, dass ihre Mitarbeiter die Ansteckungsgefahr realistisch einschätzen und für ihre und die Gesundheit der sie umgebenden Menschen die richtigen Schlüsse ziehen. 

Fazit: Der aktuelle Ausbruch des Coronavirus ist kein Grund zur Panik – weder in der Bevölkerung noch in der Belegschaft. Unternehmen, die sich an die Empfehlungen des Landesgesundheitsamtes, des Robert-Koch-Instituts oder der WHO (Weltgesundheitsorganisation) halten, sind in der Regel gut vorbereitet. Achten Sie auf eine gründliche Händedesinfektion und weisen Sie ihre Mitarbeiter darauf hin, wie sie sich am besten verhalten, wenn sie niesen oder husten müssen. Als zusätzliche Information kann Ihnen außerdem unsere „Hygienefibel für das Gesundheitswesen 2020“ dienen.

Autor: Redaktion SafetyXperts

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