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So binden Sie den Betriebsrat optimal in den psychischen Arbeitsschutz ein

© Minerva Studio – Shutterstock
Betriebsrat

Ein Betriebs- oder Personalrat hat hinsichtlich des psychischen Arbeitsschutzes zahlreiche Rechte und Möglichkeiten. Doch darauf zu warten, bis diese Möglichkeiten erkannt und eingefordert werden, ist kurzsichtig und verhärtet nur unnötig die Fronten.

Der Betriebsrat hat ein Mitbestimmungsrecht in Bezug auf Regelungen zur Verhütung von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten sowie zum Gesundheitsschutz. Deshalb sollte der Betriebsrat auch in strategische Arbeitsschutzprojekte einbezogen werden und Planungen bezügliche des Betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM) und des psychischen Arbeitsschutzes miteinander abgesprochen werden.

Der Betriebsrat kann die (psychische) Gefährdungsbeurteilung fordern

Maßgebliche Rechtsgrundlage ist hier das Betriebsverfassungsgesetz. Der Betriebsrat kann die Durchführung der Gefährdungsbeurteilung in Einklang mit diesem Gesetz regeln, wenn folgende Aspekte berücksichtigt werden:

  1. Wer unterstützt die Sicherheitsfachkraft und den Betriebsarzt bei der Gefährdungsbeurteilung? Legen Sie fest, wie viele Vertreter aus dem Betriebsratsgremium beteiligt werden.
  2. Verpflichten Sie den Arbeitgeber, die Mitglieder des Beurteilungsteams für ihre Aufgabenerfüllung zu schulen.
  3. Legen Sie fest, wann die Beurteilung erfolgt. Sie können z. B. vereinbaren, dass bei bereits eingerichteten Arbeitsplätzen die Gefährdungsbeurteilung jährlich wiederholt wird.
  4. Regeln Sie, wer für die Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung zuständig ist.
  5. Vereinbaren Sie, wie die Wirksamkeitskontrolle erfolgt. Sie können beispielsweise eine Befragung der Mitarbeiter zur Auflage machen.

Mitwirken bei der Prävention psychischer Belastungen

Gerade nach der Neuwahl eines Betriebsrates stellt sich oft die Frage, wie der Betriebsrat zusammen mit der Betriebsleitung schnell viel bewegen kann – vor allem bei den psychischen Belastungen, die mittlerweile eines der größten betrieblichen Probleme darstellen.

Die Infografik zeigt Ihnen, an welchen Punkten Sie beim psychischen Arbeitsschutz ansetzen können:

Betriebsrat psychischer Arbeitsschutz
© Safety Xperts – In 7 Schritten zum psychischen Arbeitsschutz

Beginnen Sie zuerst mit einer Prüfung der Ausgangssituation (1) und werfen Sie einen Blick in derzeitige Wiedereingliederungsstrategien (2). Anschließend sollten Sie sich der Prävention widmen und überlegen wie Überlastung und Mobbing erkannt und verhindert werden kann (3). Eine Mitarbeiterbefragung (4) oder interne Workshops (6) helfen Ihnen dabei. Außerdem können Sie auch Mitarbeiter für das Thema sensibilisieren und als Berater ausbilden (5), die Stressfaktoren rechtzeitig ausgleichen sollen. Darüber hinaus sind sich viele Führungskräfte nicht dessen bewusst, dass sie Verantwortung für die psychische und physische Gesundheit ihrer Mitarbeiter tragen. Sie müssen beispielsweise die Mitarbeiter unterweisen, auf gesundheitliche Risiken der jeweiligen Arbeitsstätte hinweisen, vor mentalen oder körperlichen Belastungen warnen und entsprechende Vorgaben auch kontrollieren. Als Betriebsrat können Sie hier auch aufklären und dazu beitragen, dass diese gesetzliche Verantwortung umgesetzt wird. Und vielleicht treffen Sie dabei auf unerfahrene Führungskräfte, die dafür dankbar sind, auf diese Weise informiert zu werden.

7 Tipps für die Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat

  1. Information zu BEM: Als Arbeitgeber müssen Sie in jedem Fall das betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) durchführen, wenn Sie später keine arbeitsrechtlichen Probleme haben möchten. Das bedeutet: Spätestens dann, wenn ein Arbeitnehmer in den letzten 360 Tagen mehr als 42 Tage krankgeschrieben war, muss ein Gespräch stattfinden! Informieren Sie hierzu von Anfang an den Betriebsrat über die Abläufe und das Prozedere, damit er seine Kollegen und Kolleginnen bei Fragen informieren kann. Gibt es keine Arbeitnehmervertretung, sollten Sie in einem offenen Aushang alle Mitarbeiter informieren.
  2. Information zur Einführung und Durchführung der psychischen Gefährdungsbeurteilung: Jeder Arbeitgeber muss eine „Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen“ durchführen. Und jeder Arbeitnehmer hat das Recht, ein solches Verfahren einzufordern. Deshalb ist es sinnvoll, den Betriebsrat von Anfang an in das Prozedere einzubinden.
  3. Beteiligung bei der Mitarbeiterbefragung: Eine psychische Gefährdungsbeurteilung darf nicht nur aus einer Mitarbeiterbefragung bestehen, sollte darauf aber auch nicht verzichten. Hierbei gilt es,wichtige Regeln rund um den Datenschutz zu beachten. Umso wichtiger ist es, dass der Betriebsrat die Abläufe, die Umsetzung des Datenschutzes und die Auswertungsmöglichkeiten kennt. Tipp: Der Anbieter, den Sie mit der Durchführung beauftragen, oder der Verlag, der die Befragungsbögen herausbringt, hat immer ein beschreibendes Factsheet, das er Ihnen zur Verfügung stellt. Sprechen Sie auch mit Ihrem eigenen Datenschutzbeauftragten.
  4. Beteiligung bei Experteninterviews: Bei Experteninterviews zu einer psychischen  Gefährdungsbeurteilung, bei denen Verhältnisse am Arbeitsplatz erörtert und abgefragt werden, muss neben einem Mitglied der Arbeitnehmer, der Personalabteilung, der Führungskräfte auch ein Mitglied des Betriebsrats dabei sein. Es macht also Sinn, den Betriebsrat von Anfang mit ins Boot zu holen.
  5. Vorschlagswesen und Kummerkasten: Immer noch gibt es bei vielen Arbeitgebern kein Vorschlagswesen und keinen Kummer kasten. Dabei macht beides Sinn, denn es ist ein Signal, dass der Arbeitnehmer Anregungen geben, aber auch anonyme Kritik oder – für ihn belastende – Beobachtungen (z. B. bei Mobbing) äußern kann. Das reduziert natürlich auch die psychischen Gefährdungen am Arbeitsplatz. Beziehen Sie den Betriebsrat von Anfang an in diesen Prozess mit ein, damit er als Sprachrohr der Arbeitnehmer weiß, welche Probleme bei den Mitarbeitern bestehen!
  6. Beteiligung bei den Gesundheitstagen: Gesundheitstage ohne innere Motivation der Arbeitnehmer machen keinen Sinn und sind Geld- und Zeitverschwendung. Warum also nicht alle Gremien im Unternehmen oder in der Behörde hier integrieren? So wird der Betriebsrat auch insgesamt erkennen, welche gesundheitlichen Entwicklungen vorliegen und wo Handlungsbedarf besteht.
  7. Integration in Qualifizierung von Arbeitnehmern: Arbeitgeber können Ihren Mitarbeitern betriebliche Weiterbildungen ermöglichen, die Kompetenzen im Umgang mit Stress und Belastungen am Arbeitsplatz aufbauen.

Die Ausbildung zum „Balance-Sensor“ wird beispielsweise im Herbst bei einigen IHKs und Handwerkskammern angeboten. Sowohl für Ihren Betriebsrat als auch für Ihre Sicherheitsbeauftragten ist das eine Chance, Hemmungen gegenüber dem Thema abzubauen.

Auch interessant: Aufgaben des Betriebsrates, seine Rechten und Pflichten

Autor: Jürgen Loga


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