• 0228 / 95 50 160

Wie lassen sich psychische Belastungen am Arbeitsplatz vermeiden?

© REDPIXEL – fotolia.com
Psychische Belastung

Zu viel Sitzen bedeutet in erster Linie eine körperliche Belastung. Das ist für die meisten von uns nichts Neues. Was aber viele nicht wissen, auch die Konzentrationsfähigkeit ist dadurch eingeschränkt. Und wenn Sie nur sitzen, steigt das Risiko für psychische Belastungen.

Wenn Sie im Rahmen Ihrer 7 Schritte zur psychischen Gefährdungsbeurteilung also feststellen, dass Sie an dem Arbeitsplatztyp fast nur sitzen, sollten Sie die Verhältnisse ändern! Dieser Maßnahmenkatalog lässt sich auch mit einem kleinen Budget umsetzen und psychische Belastungen lassen sich vermeiden.

Stehend und sitzend psychische Belastungen kompensieren

Ihren Büroangestellten sollten Sie es ermöglichen, mindestens 2 Stunden ihrer täglichen Arbeitszeit nicht im Sitzen zu verbringen. Der Arbeitsalltag sollte variieren zwischen sitzen, stehen oder gehen. Noch besser wären 4 Stunden Bewegung während der Arbeit, schreibt das Team um John Buckey von der University of Chester in einer wissenschaftlichen Stellungnahme.

Als Arbeitgeber können Sie nur die Arbeitsverhältnisse anpassen. das entsprechende Verhalten muss vom Arbeitnehmer selbst kommen!

Bewegung, um psychische Belastungen zu mindern

  1. Legen Sie fest, dass die Arbeitnehmer sich in den Pausen bewegen und nicht am Arbeitsplatz essen, sondern dazu gezwungen sind, zum Beispiel in eine Abteilungsküche zu gehen.
  2. Reduzieren Sie Arbeitsplatzdrucker so weit wie möglich oder stellen Sie das Gerät außerhalb der Sitzreichweite auf. Auch möglich: Schaffen Sie eine Kopierer-/Druckerinsel, zu der sich Arbeitnehmer begeben müssen, um beispielsweise einen Ausdruck zu holen.
  3. Individuell lassen sich sogar am Arbeitsplatz selbst Bewegungen einbauen. So können Sie beispielsweise den Papierkorb in die andere Ecke des Raums platzieren. Hierdurch erzwingen Sie Bewegung.
  4. Bieten Sie Sitztrainer an. Zum Beispiel als einfaches Sitzballkissen oder mit Pedalen, um die Muskulatur zu stimulieren und Verspannungen zu lösen.
  5. Verlegen Sie Konferenzräume, Küchen und Toiletten auf andere Etagen als die, auf denen sich die Arbeitsplätze befinden. Sofern dies baulich möglich ist.
  6. Reduzieren Sie die Nutzung des Aufzugs. Zum Beispiel, indem Sie den Aufzug so langsam einstellen, dass ungeduldige Aufzugfahrer freiwillig die Treppe nehmen. Denkbar ist auch eine Betriebsregelung, dass die Mitarbeiter den Aufzug nur beim Transport schwerer Gegenstände oder bei einer Gehbehinderung benutzen dürfen.
  7. Setzen Sie eine Software ein, die den Arbeitnehmer animiert, zu bestimmten Zeiten Bewegungsübungen zu absolvieren. Der Bildschirmschoner „Pauls Schreibtisch Übungen“ wurde speziell vom Bundesministerium für Gesundheit entwickelt. Dieser bietet 5 unterschiedliche Übungen, um etwas Bewegung in den Alltag zu integrieren!
  8. Auf einen Arbeitsplatztisch kann auch bei Bedarf ein Stehpult-Aufsatz gestellt werden. Dieser bietet zumindest die Möglichkeit des stehenden Arbeitens, ohne dass zu große Kosten entstehen.
  9. Ein höhenverstellbarer Tisch ist natürlich die beste Lösung. Den Tisch kann unter Umständen die Krankenkasse bei chronischen Schmerzen subventionieren.

Kommunikation, um psychische Belastungen zu vermeiden

  • Psychische Belastungen entstehen oft schon dann, wenn der Mitarbeiter den Eindruck hat, dass er mit aktuell schwierigen Rahmenbedingungen allein gelassen wird. Deshalb: Informieren Sie die Belegschaft regelmäßig darüber, dass dieses Thema einen hohen Stellenwert hat oder dass dabei etwas passiert, über einen Aushang oder im Rahmen von Veranstaltungen.
  • Auch die Einführung eines Vorschlagwesens – und vor allem der regelmäßige Hinweis darauf – führt fast automatisch dazu, dass Frust und innere Kündigung nicht erst aufkommen.
  • Bewährt hat sich in diesem Zusammenhang auch die Installation des „Kummerkastens“. Dieser Briefkasten ist eine Möglichkeit, seine Beschwerden oder auch Beobachtungen mitzuteilen. Gleichzeitig wird das Signal gesetzt, dass Feedback gewünscht ist.
  • Anerkennung ist das beste Mittel, um die Psyche am Arbeitsplatz positiv zu beeinflussen. Sorgen Sie dafür, dass es eine Kultur der gelebten Anerkennung gibt, in dem z.B. regelmäßig Mitarbeiter vorgestellt und/oder ausgezeichnet werden, die sich besonders verdient verhalten haben.
  • Viele psychische Faktoren entstehen dadurch, dass die Mitarbeiter untereinander zu wenig oder sehr einseitig kommunizieren. Fördern Sie die Zusammenarbeit, indem Sie für Rahmenbedingungen sorgen, die dazu führen, dass man sich zu Geburtstagen gegenseitig gratuliert, gemeinsame Ausflüge macht und die Möglichkeit erhält, sich mit den Mitarbeitern auch einmal privat auszutauschen.
  • Vor allem Führungskräfte haben normalerweise einen großen Einfluss auf die Psyche. Deshalb ist es unbedingt notwendig, dass sie auch über die Zusammenhänge zwischen Führung und psychischer Belastung unterrichtet werden und dazu passende Verhaltensmuster trainieren.

Zusammenfassend werden Sie feststellen, dass es primär die Verhältnisse sind, die die Psyche beeinflussen. Für diese Rahmenbedingungen sind Führungskräfte und Mitarbeiter selbst oft die besten Experten.

Das bedeutet für Sie, schon mit einem kleinen Budget können Sie viel erreichen. Besprechen Sie unbedingt die genannten Punkte in Ihrer nächsten Sitzung des Arbeitsschutzausschusses. Denn, wenn Sie diese oder andere Punkte nicht umgesetzt haben, wird die psychische Belastung natürlich zunehmen!

Autor: Redaktion Safety Xperts


Downloads zu diesem Beitrag
Persönliche Stärken (DOCX) Download (99 KB)
Mitgliedern stehen hier 1 Downloads zur Verfügung

Sie haben Fragen? Rufen Sie uns an.
0228 / 95 50 160

* Selbstverständlich können Sie die Broschüren auch unabhängig von einer Newsletter-Anmeldung anfordern. Schreiben Sie uns dazu bitte eine kurze E-Mail mit Link zu dieser Seite.