Uta Fuchs: Suchtgefährdung ist ein gesundheitliches Problem und damit eine sehr private Angelegenheit. Sollten Unternehmen sich dafür interessieren?
Dr. Elisabeth Wienemann: Vorab ein Hinweis: Wir sollten zwischen Krankheit, also z. B. Alkoholabhängigkeit und riskantem Konsum unterscheiden. Die Abhängigkeit ist nur die Spitze des Eisbergs. Wesentlich weiter verbreitet ist der riskante Konsum. Bei Alkohol betrifft das rund 15 % der Erwerbstätigen. Zusammen mit anderen Suchtgefährdungen ist das eine große Zahl. Und ja, der Konsum von Suchtmitteln ist eine private Angelegenheit. Aber es gibt Gründe, warum sie auch Unternehmen etwas angehen. Zum einen entstehen früh Sicherheitsprobleme. Ein prominentes Beispiel ist der Zugunfall von Bad Aibling 2016. Damals kollidierten zwei Züge, weil der Fahrdienstleiter ein Handyspiel spielte. Prävention und Arbeitsschutz sind hier direkt angesprochen. Mit der Zeit ist zum anderen mit einer steigenden Zahl von AU-Tagen zu rechnen. Bevor sich eine Abhängigkeit entwickelt, fallen Betroffene schon durch gefährliche Konsummuster auf und häufig aus. In jüngster Zeit weisen Unternehmen auch auf Störungen und Leistungsabfall durch Mediennutzung hin. Beschäftigte können sich nicht mehr gut konzentrieren, wenn sie dauernd auf ihr Handy schauen. Der Sog von Onlinespielen oder sozialen Medien kann enorm sein.