Wer Gefährdungsbeurteilungen (GBU) erstellt, greift gerne auf Bewährtes zurück. Das ist verständlich und in vielen Fällen auch sinnvoll. Schließlich haben sich zahlreiche Maßnahmen über Jahre hinweg bewährt. Doch genau darin liegt ein Problem: Wir drehen uns im Kreis. Was wir kennen, erscheint uns sicher. Was wir nicht kennen, taucht erst gar nicht im Ideenhorizont auf. Die Folge: Wir optimieren Tätigkeiten, die vielleicht gar nicht mehr in dieser Form notwendig wären. Die Kernfrage vieler Gefährdungsbeurteilungen ist: „Welche Maßnahmen machen diese Arbeit sicher?“ Was wir brauchen ist ein Perspektivwechsel. Entsprechend sollten wir einen Schritt zurückgehen und zuerst fragen: Muss diese Arbeit überhaupt so durchgeführt werden? Dies öffnet den Raum für zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten.
Der Denkfehler: Wir verbessern, was wir eigentlich abschaffen könnten
Die Maßnahmenhierarchie im Arbeitsschutz ist klar und folgt dem klassischen STOP-Prinzip – Substitution steht an erster Stelle. In der Praxis springen wir jedoch oft direkt zu technischen, organisatorischen oder persönlichen Schutzmaßnahmen. Nicht, weil wir das Prinzip nicht kennen, sondern weil uns die Ideen für Alternativen fehlen. Anders gesagt: Wir sichern die Leiter, statt zu hinterfragen, warum überhaupt jemand hinaufsteigen muss.
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