Wer an einer chronischen Erkrankung leidet, ist grundsätzlich nicht verpflichtet, dies dem Arbeitgebenden mitzuteilen. Erforderlich ist diese Information nur, wenn die Erkrankung die Fähigkeit beeinträchtigt, die Arbeitsaufgaben angemessen zu erledigen. Viele Erkrankte scheuen sich deshalb, über allfällige Einschränkungen zu sprechen. Sie fürchten, stigmatisiert und benachteiligt zu werden, keine Aufstiegschancen mehr zu haben oder gar den Arbeitsplatz zu verlieren. Als SiBe können Sie alle Mitarbeitenden über die Eingliederung chronisch Erkrankter informieren und dabei klarstellen, dass es oft nur kleine Anpassungen braucht, um Betroffene ins Team zu integrieren.
Chronische Erkrankungen – worum handelt es sich dabei?
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert chronische Krankheiten als sich langsam entwickelnde und langwierige, nicht übertragbare Krankheiten, die oft nicht vollständig heilbar sind. Die häufigsten darunter sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Diabetes und Atemwegserkrankungen, speziell Asthma. Die entsprechenden Krankheitsbilder sind so weit verbreitet, dass praktisch jede und jeder Einzelne Betroffene kennt und weiss, dass sie voll im Leben stehen können.
Neben den genannten gehören auch so unterschiedliche Erkrankungen wie psychische Beschwerden, Erkrankungen des Bewegungsapparats sowie chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) oder Blasenschwäche dazu.
Auch die davon Betroffenen sind oft sehr leistungsfähig. Psychisch Erkrankte können – je nach Ursache – von flexiblen Arbeitszeiten und dem Schaffen im Homeoffice profitieren. Bei Beschwerden des Bewegungsapparats bringt oft schon ein Schreibtisch, der sich abwechselnd im Stehen und im Sitzen nutzen lässt, Erleichterung. Viele Menschen haben Probleme, offen über CED zu sprechen. Betroffene leiden oft unter starken Schmerzen und müssen manchmal so oft das WC aufsuchen, dass kontinuierliches Schaffen schwierig ist. Dies kann auch bei Blasenerkrankungen der Fall sein. Manchmal lassen diese Beschwerden sich medikamentös abmildern – aber allfällig nicht immer.
Sehr häufig lassen sich im Unternehmen also Möglichkeiten finden, solche chronisch Erkrankten einzugliedern. Teilzeitregelungen oder auch Arbeitszeitkonten, bei denen Mitarbeitende in akuten Krankheitsphasen weniger und in stabilen Zeiten mehr arbeiten, sind oft sinnvoll.
Es empfiehlt sich allerdings grundsätzlich, vor der Arbeitsplanung ärztlichen Rat einzuholen, um chronisch Erkrankte nicht mit übertriebenen Erwartungen im Unternehmen zu überfordern.
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