Praxisfall

Wenn „leer“ nur leer aussieht – warum Restdämpfe so gefährlich sind

Ein leerer Behälter wirkt harmlos. Kein sichtbarer Inhalt, kein offensichtliches Risiko. Doch genau diese Einschätzung kann im Explosionsschutz gefährlich werden. Denn Behälter und Anlagenteile, in denen entzündbare Stoffe gelagert oder verarbeitet wurden, können auch dann noch gefährliche Dämpfe freisetzen, wenn sie längst „leer“ aussehen.
Svenja Dammasch

Svenja Dammasch

11.09.2026 · 1 Min Lesezeit

In einem Arbeitsbereich standen mehrere „leere“, nicht gekennzeichnete Kanister. Ein Beschäftigter wollte prüfen, ob sie tatsächlich leer waren und was sich zuvor darin befunden haben könnte. Mit einer explosionsfähigen Atmosphäre rechnete er nicht. Entsprechend war der Bereich auch nicht vorbereitet: Auf der Werkbank lag ein Akku-Schrauber, daneben brannte eine mobile Leuchte, ein Kollege hatte sein Handy in der Tasche. Der Beschäftigte öffnete den ersten Kanister und beugte sich darüber. Sofort stieg ihm deutlicher Lösemittelgeruch entgegen. Der Behälter war zwar weitgehend entleert, aber weder gereinigt noch freigegeben. An der Innenwand hafteten Reste, am Boden befand sich noch etwas Flüssigkeit. Dadurch hatte sich im Inneren ein zündfähiges Dampf-Luft-Gemisch gebildet. Dass nichts passierte, war kein Beweis für sicheres Arbeiten. Es war Glück: In diesem Moment wurde offenbar keine wirksame Zündquelle aktiv. Beim nächsten Mal kann dieselbe Situation anders ausgehen.

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