Katharina M., Eschweiler: „In unserem Betrieb werden Beinaheunfälle kaum gemeldet. Häufig hören wir: ‚Es ist doch nichts passiert.‘ Viele Beschäftigte sehen daher keinen Anlass, solche Situationen weiterzugeben – zumal diese oft nur von der betroffenen Person selbst wahrgenommen werden. Uns ist jedoch bewusst, dass gerade diese Ereignisse wichtig für die Prävention sind. Denn oft entscheidet nur Zufall darüber, ob es bei einem ‚Beinahe‘ bleibt oder ein Unfall entsteht. Wie können wir unsere Kolleginnen und Kollegen dafür sensibilisieren, solche Situationen ernst zu nehmen und aktiv zu melden?“
Werner Böcker: Der Schlüssel liegt in der richtigen Einordnung: Ein Beinaheunfall ist kein „Nicht-Ereignis“, sondern ein Hinweis auf eine bestehende Gefährdung. Es ist nichts passiert – aber nur, weil es gerade noch gut gegangen ist. Machen Sie deutlich, dass solche Situationen nicht nur die einzelne Person betreffen. Die gleiche Gefährdung kann jederzeit wieder auftreten – dann möglicherweise mit Folgen. Jede gemeldete kritische Situation ist daher ein konkreter Beitrag zum Schutz aller. Entscheidend ist, dass Beschäftigte einen Nutzen erkennen. Das erreichen Sie nicht durch Vorschriften, sondern durch sichtbare Reaktionen.