Schätzungen zufolge könnten durch die Pläne der Regierung bis zu 123.000 SiBe-Positionen bundesweit entfallen – insbesondere in Betrieben mit weniger als 50 Beschäftigten. Doch auch mittelständische Betriebe mit bis zu 250 Beschäftigten sollen dann mit nur einem SiBe auskommen können. Zwar ist der konkrete Gesetzeswortlaut noch in Arbeit, doch die Stoßrichtung ist klar: Die Rolle der Sicherheitsbeauftragten wird scheinbar nicht als unersetzlich angesehen, sondern eher als formalistische Pflicht ohne nachweisbaren Mehrwert.
Formaler Ballast – oder unterschätzte Ressource?
Doch genau hier lohnt sich ein zweiter Blick. Denn aus Sicht des betrieblichen Arbeitsschutzes wäre es fatal, Sicherheitsbeauftragte auf ein reines Mindestmaß zu reduzieren. Vielmehr sollten Betriebe die Gelegenheit nutzen, ihre eigene Praxis zu überprüfen: Wie aktiv und wirksam sind unsere SiBe eigentlich eingebunden?
Denn richtig eingesetzt, können Sicherheitsbeauftragte wichtige Multiplikatoren für Sicherheit und Gesundheit sein – gerade in Zeiten steigender Anforderungen, Fachkräftemangel und zunehmender Komplexität. Sie agieren an der Basis, sind nah an den Beschäftigten und tief im Arbeitsalltag verwurzelt. Sie erkennen, wo die Schutzbrille fehlt, der Fluchtweg versperrt ist oder ergonomische Arbeitsmittel fehlen – ganz konkret im Betriebsgeschehen Tag für Tag.
„Kollegen unter Kollegen“ – das ist ihre Stärke
Sicherheitsbeauftragte wirken nicht von oben herab, an hierarchische Strukturen gebunden, sondern auf Augenhöhe. Als fachlich geschulte Kolleginnen und Kollegen können sie unsicheres Verhalten niederschwellig ansprechen, Rückmeldungen aufnehmen und Führungskräfte entlasten – gerade dann, wenn diese aufgrund von Struktur, Zuständigkeiten oder Distanz nicht alles selbst im Blick haben können.
SiBe schließen Lücken: zwischen Leitung und Mitarbeitenden, zwischen Regeln und Realität, zwischen Absicht und Alltag. Wer sie nur als Pflichtaufgabe sieht, vergibt enormes Potenzial – und verliert mitunter den Draht zur Belegschaft.
So können Sicherheitsbeauftragte ihre volle Wirkung entfalten
Damit Sicherheitsbeauftragte ihre Rolle sinnvoll ausfüllen, brauchen sie klare Aufgaben, gezielte Schulungen und sichtbare Unterstützung. Die folgenden Maßnahmen sind nur einige Beispiele, um die Aktivität der SiBe zu erhöhen:
- Durchführung regelmäßiger Sicherheitsbegehungen nach standardisierter Checkliste – SiBe decken Mängel systematisch auf, sensibilisieren das eigene Team und unterstützen die Führungskraft durch ihr Feedback in ihren Kontrollpflichten.
- Mitarbeit bei der Gefährdungsbeurteilung des eigenen Bereichs – SiBe kennen die Arbeitsabläufe genau und verbessern die Detailtiefe der Gefährungsbeurteilung durch Rückmeldungen zu realen Belastungen und Abweichungen.
- Beteiligung an der Analyse von (Beinahe-)Unfällen – SiBe bringen wertvolle Praxiserfahrung ein und können Erkenntnisse und Maßnahmen zurück ins Team tragen.
- Mitwirkung bei der Auswahl von PSA – SiBe begleiten Testphasen oder Praxis-Checks, sammeln Erfahrungsberichte ein und sind gleichzeitig interne Beratungspersonen für die Kollegen und Kolleginnen.
Die Frage ist also nicht, ob Sicherheitsbeauftragte gebraucht werden, sondern wie sie konkret unterstützen können. Eine einfache Möglichkeit: saisonale Gefährdungen aktiv aufgreifen und präventiv kommunizieren. Wie das aussehen kann, zeigt die folgende Praxishilfe zur sicheren Weihnachtsdekoration am Arbeitsplatz.