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Abfallsammelstellen: So werden sie effizient gestaltet

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Abfallsammelstellen

Abfall verursacht in mehrfacher Hinsicht Kosten – durch Ressourcenverschwendung, für eine saubere Sortierung, Entsorgung oder Verwertung. Aber berücksichtigen Sie neben diesen transparenten Kostenaspekten auch die versteckten Aufwände, die die innerbetriebliche Abfallsammlung verursacht?

Mir ist kein Betrieb bekannt, bei dem es nicht immer wieder oder sogar ständig Diskussionen rund um die Abfallsammlung gibt: überfüllte Tonnen, Mängel bei der Hygiene, Umweltgefährdungen, Probleme mit Geruchsbelästigung oder Schädlingen. Stein des Anstoßes sind meist die Abfallsammelstellen.

Werten Sie Ihren Abfall als integralen Bestandteil Ihrer betrieblichen Abläufe

Die Ursache für diese Probleme ist oft ein unzureichendes Verständnis der Abfallsammlung. In unseren Köpfen herrscht – wie auch vom Gesetzgeber im Kreislaufwirtschaftsgesetz beschrieben – der Entledigungswille vor: Der Abfall soll so schnell wie möglich verschwinden. Sammlung und Zwischenlagerung sind nur ein notwendiges Übel, dem wir wenig Beachtung schenken. Wenn dann Probleme mit der Abfallsammlung auftreten, verstärkt dies nur noch den Entledigungswillen. Dabei könnte ein integratives Abfallverständnis zu einem effizienteren Umgang mit Abfall verhelfen.

Denn Abfall ist Teil der Materialströme bei der Produktion und Bestandteil fast aller unternehmerischen Abläufe. Die innerbetriebliche Entsorgungslogistik ist damit wie andere Anlagen auch ein wichtiges Element der Produktions- und Unternehmensprozesse.

HINWEIS
Schenken Sie deshalb der Abfallsammlung und den Abfallsammelstellen die gleiche Aufmerksamkeit wie den produktiven Bereichen des Betriebs.

 

Planen Sie den Abfallfluss im Betrieb genauso wie andere Stoffströme

Von der Entstehung bis zu ihrer Entsorgung durchlaufen Abfälle im Betrieb meist mehrere Stationen: von der Anfallstelle über mehrere dezentrale Sammelstellen bis zur zentralen Abfallsammelstelle. Zur Organisation dieser Abfallströme macht eine sorgfältige Planung Sinn, denn nur so lassen sich unnötige Wege oder falsche Zuordnungen von Abfällen vermeiden.

Ein Entsorgungskonzept hilft auch bei der innerbetrieblichen Logistikplanung

Diese Planung arbeiten Sie am besten in einem ersten Schritt als Entsorgungskonzept aus. Das Entsorgungskonzept erfasst für alle Anfallstellen die Abfallarten und -mengen sowie den Bedarf an Sammelbehältern. Am übersichtlichsten gelingt ein solches Abfallkonzept, wenn Sie eine Tabelle anlegen, die als Spalten die einzelnen Abfälle berücksichtigt und diese über die Zeilen den Bereichen, Anlagen und Anfallstellen zuordnet. In den einzelnen Zellen können dann Mengen, Zwischenlager und Transportwege beschrieben werden.

HINWEIS
Erfassen Sie auch die Frequenz, in der die Abfälle für gewöhnlich anfallen. Damit können Sie später die weitere Sammelstellenplanung optimieren.

 

ABFALLART PPK METALL GEWERBE-ABFALL ÖLE/ FETTE SONSTIGE
Werk-statt Stoffe Papier, Pappe minderer Qualität Stahlteile, restentleerte Blechdosen Kehricht, Kunststoffteile, Farbreste (ausgehärtet) Altöle, Fette Lösemittelreste
Menge 8 kg 14 kg 10 l 3 l Klein-mengen
Frequenz 4-mal täglich Stündlich Stündlich Alle 2 Tage Selten
Sammel-gebinde vor Ort 120-l-Tonne, blau, mit Deckel 60 l 40-l-Kübel, schwarz mit Deckel 120-l-Kunst-stofffass, gelb, Deckel
Weiterer Entsorgungs-weg Abholung wöchentlich, zentrale Kartonagen-presse Abholung wöchentlich, zentraler Schrott-Container Abholung alle 2 Wochen, zentraler Container Abholung durch Entsorgungsdienstleister
An-merkungen Viele Fehlwürfe: öl-verschmiertes Saugpapier Geruchs-belästigung durch Biomüll Verun-reinigungen durch brennbare Flüssigkeiten, keine Auffangwanne vorhanden

Ein solches Entsorgungskonzept schafft den nötigen Überblick, um im nächsten Schritt die Abfallsammelstellen planen zu können.

Berücksichtigen Sie bei der Planung der Abfallsammelstellen folgende Aspekte:

  • Anzahl der Sammelstellen im Betrieb:
    Mehr Sammelstellen bedeuten auch mehr Aufwand und Kosten bei der regelmäßigen Abholung.Dafür müssen die Beschäftigten bei wenigen zentralen Sammelstellen öfter längere Wege in Kauf nehmen, was ebenfalls Zeitverlust und damit Kosten verursacht. Hier gilt es, einen guten Mittelweg zu finden.
    Im obigen Beispiel sollten der Werkstatt die Behälter für Metall und Gewerbemüll belassen werden. Bei den Ölen und Fetten ist den Beschäftigten der Werkstatt aber durchaus zuzumuten, sie alle zwei Tage zu einer zentralen Sammelstelle zu bringen.
  • Der richtige Standort:
    Dieser Aspekt ist besonders wichtig. Achten Sie bei der Wahl des Standorts auf folgende Kriterien:
    Der Platzbedarf ergibt sich daraus, wie viele verschiedene Abfallarten in welchen Behältergrößen gesammelt werden sollen. Beachten Sie auch den Platz, der zum Rangieren, Befüllen und Entleeren benötigt wird.
    Die Berücksichtigung der Verkehrsführung ist erforderlich, um Befüll- und Entleerungsvorgänge schnell durchführen zu können, ohne dass dabei andere Prozesse behindert werden. Enge Gänge beispielsweise eignen sich genauso wenig wie zu enge Standorte an Durchfahrten. Besser sind geräumige Nischen am Rand der Produktionsflächen und Transportwege.
    Die Erreichbarkeit ist vor allem dann wichtig, wenn ein größerer Anteil der Beschäftigten regelmäßig die Sammelstelle ansteuern muss. Niemand nimmt gerne längere Wege in Kauf.
    Der Standort sollte eine gute Möglichkeit zur Reinigung bieten. Ein geschotterter Platz eignet sich wenig für Sammelbehälter, in denen kleinteilige Abfälle gesammelt werden.
    Barrierefreiheit ist dann gefordert, wenn die Abfälle mit Wagen oder Karren angeliefert oder abgeholt werden müssen.
    Überdachungen sind nötig, wenn Abfälle erst am Sammelplatz noch getrennt werden und hierfür einige Zeit eingerechnet werden muss.
    Oft ist es sinnvoll, den Sammelplatz abschließbar zu gestalten, beispielsweise wenn teure Wertstoffe gesammelt werden.
    Achten Sie auf eine korrekte Beschriftung der Behälter.

 

  • Bedienbarkeit der Sammeleinrichtung:
    Vor allem bei sperrigen, schweren, staubigen, flüssigen oder gefährlichen Abfällen sollte die Sammeleinrichtung so gestaltet sein, dass das Befüllen so einfach wie möglich erfolgt und Verschmutzungen vermieden werden. Hier eignen sich Rampen, spezielle Sammelbehälter oder andere spezifische Hilfseinrichtungen.

 

  • Hygiene, Schädlinge und Gesundheitsaspekte:
    Verderbliche Abfälle sollten immer dort gelagert werden, wo Beeinträchtigungen der Belegschaft durch Gerüche oder Keime ausgeschlossen sind. Aber auch andere Abfälle wie Kartonagen können eine willkommene Unterkunft für Schädlinge sein. Hier gilt es, immer abzuwägen, ob Sammeleinrichtungen besser im Gebäude oder im Freien eingerichtet werden. Zwar kann das Gebäude wirkungsvoller vor Schädlingsbefall geschützt werden, andererseits locken Sie das Ungeziefer mit dem Abfall in die Halle. Hier ist anhand der räumlichen Gegebenheiten abzuwägen.

 

  • Gefährliche Stoffe:
    Bei Sonderabfällen sind weitere gesundheitliche Aspekte zu beachten. Leicht und hoch entzündliche Flüssigkeiten z. B. dürfen nicht in Arbeitsräumen aufbewahrt werden. Doch auch bei anderen gefährlichen Stoffen gilt: Sammeln Sie diese Abfälle immer in getrennten Räumlichkeiten, die ausreichend belüftet werden können, über eine Auffangwanne verfügen und unter Verschluss gehalten werden können. Die ideale Lösung sind spezielle (evtl. begehbare) Lagerbehälter, die im Freien aufgestellt werden können, z. B. unter größeren Vordächern.

Die Planung der optimalen Sammelstellen-Infrastruktur ist bei Beachtung aller Aspekte kein Selbstläufer. Erst eine gute Vorarbeit durch Erstellen detaillierter Entsorungskonzepte macht es möglich, bei der Planung alle Anforderungen an die Abfallsammelstellen griffbereit zu haben.

HINWEIS
Scheuen Sie sich nicht, bei der Abfallsammelstellen-Planung neue Wege zu gehen! Selbst wenn einzelne Beschäftigte durch Ihre Planung einen höheren Aufwand bei der Abfallentsorgung haben als zuvor – es zählt die Effizienz bei Betrachtung der gesamten Entsorgungslogistik. Die neu geplante Infrastruktur kann am Ende immer noch zu vereinzelten Unstimmigkeiten bei der Belegschaft führen, aber Sie werden sehen, dass eine strukturierte Planung und Umsetzung deutliche Vorteile bieten gegenüber der Beibehaltung alter, gewachsener Entsorgungsstrukturen.

 

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Autor: Dr.-Ing. Karolina Kapsa 

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