Die Energieeffizienzklassen werden überarbeitet

Die Energieeffizienzklassen werden überarbeitet

Der Vorschlag die Energieeffizienzklassen zu überarbeiten kam von der Europäischen Kommission bereits im Sommer 2015: Nach langer Diskussion wird die derzeitige Skala der Energieeffizienzklassenkennzeichnung von A+++ bis G durch eine klare und nutzerfreundlichere Skala von A bis G ersetzt. Die neuen Labels sollen es Verbrauchern wieder ermöglichen, die Energieeffizienz von Elektrogeräten besser zu vergleichen.

Endlich wird das Energielabel auch für Verbraucher verständlicher

Beim jüngsten Kauf eines Elektrogerätes werden Sie es bemerkt haben. Auf den Geräten kleben jetzt die neuen Labels für die Energieeffizienzklassen. Diese haben plötzlich nur noch die Klassen A bis G anstelle der gewohnten Kennzeichnung A+++ bis D.

    Neue Energieeffizienzklassen: Die Änderungen im Überblick

    • Die neue Energieeffizienz­skala reicht von A bis G (vormals von A+++ bis D).
    • Die Energieeffizienzklasse A steht für Geräte mit dem niedrigsten Energieverbrauch, die Klasse G für Geräte mit dem höchsten Energieverbrauch.
    • Der Ampel-Farbcode für die Energieeffizienzklassen von grün (guter Wert) bis rot (schlechtester Wert) bleibt grundsätzlich erhalten. Die Kategorien von A bis C reichen von dunkelgrün bis hellgrün, D ist gelb, E und F sind mit hellorange und dunkelorange gekennzeichnet, Schlusslicht G trägt die Farbe Rot.
    • Die energieeffizientesten Elektrogeräte sind jetzt mit Klasse B gekennzeichnet und das solange, bis die Hersteller noch energieeffizientere Geräte auf den Markt bringen.
    • Die vormals mit A+++ ausgezeichneten Elektrogeräte steigen mindestens in die Kategorie B ab. Selbstverständlich hat sich damit nicht schlagartig die Energieeffizienz der Geschirrspülmaschine oder des Kühlschranks verschlechtert, sondern lediglich die Wertung im Verhältnis zu Referenzgeräten.
    • Neu ist ein abgebildeter QR-Code oben rechts auf dem Energielabel. Dieser verlinkt direkt zu der EU-Daten­bank „European product database for energy labelling“ (EPREL). Hersteller, die für den europäischen Markt produzieren, müssen sich bei EPREL registrieren lassen und dort ihre tech­nischen Daten hinterlegen. Die Kennzeichnung der Elektrogeräte mit dem QR-Code ist für Hersteller Pflicht. Der Verbraucher kann damit detaillierte Angaben zum Gerät abrufen, die nicht auf dem Label stehen.
    • Neben Text und Farben enthält das Energielabel auch neue oder veränderte Piktogramme, womit die wichtigsten Angaben intuitiv erfasst werden können.

    Diese Geräte haben eine Energieverbrauchskennzeichnung

    • Kühlschränke und Kühlgeräte
    • Gefriertruhen
    • Waschmaschinen
    • Wäschetrockner
    • Fernsehgeräte
    • Geschirrspüler
    • Backöfen
    • Dunstabzugshauben
    • Lampen und Leuchtmittel
    • Staubsauger
    • Klimaanlagen
    • Heizgeräte
    • Raumlüftungsgeräte
    • Wasserkocher, Boiler und Warmwasserspeicher

    Spezielle Kennzeichnungen bei ausgewählten Geräten – das sollten Sie wissen

    Waschmaschinen

    • Das neue Energielabel nennt bei Waschmaschinen neben den allgemeinen Angaben auch die jeweilige Programm­dauer und Wäschemenge, die in die Maschine hineinpasst. Die Angaben zur Schleuder­effizienz sind geblieben.
    • Neuerdings sind Angaben auf den Etiketten zu finden, die auch Schall­emissionen in Klassen einteilen. A erhält eine Waschmaschine, die leiser schleudert als 73 Dezibel, D kennzeichnet eine Lautstärke von mindestens 81 Dezibel. Das neue Label etikettiert hier allerdings nur noch den Spitzen­wert der Geräuschentwicklung beim Schleudern und nicht beim Waschen selbst.

    Kühlgeräte

    • Neue Klassen auch für Kühlgeräte: In Bezug auf die Geräuschentwicklung von Kühlschränken und Co reicht die Einteilung von Klasse A für Schallemissionen unter 30 Dezibel bis Klasse D für 42 Dezibel und mehr.

    Fernseher

    • Das Energielabel zeigt mit den Kategorien von A bis G, wie viel Energie TV und Monitor verbrauchen.
    • Die neuen Energieeffizienz­klassen für Fernsehgeräte berücksichtigen auch die Bild­diagonale und den Standardmodus (SDR, Stan­dard Dynamic Range). Dadurch können große Geräte auch eine gute Effizienz­klasse erreichen, obwohl sie meist mehr Strom verbrauchen als kleinere.
    • Der angegebene Energie­verbrauch auf den Labels bezieht sich immer auf 1.000 Stromstunden im Normalbetrieb und nicht wie vorher auf den Jahresverbrauch. Der HDR-Modus mit seinen kräftigen Farben und starken Kontrasten hat einen höheren Stromverbrauch und liegt damit in einer höheren Effizienzklasse als Geräte im Standard-Modus. Das neue Label weist auch auf die Auflösung in Pixel hin.

    Geschirrspüler

    • Umfassten die Angaben für den Energieverbrauch von Geschirrspülmaschinen vormals das ganze Jahr (fiktiver Jahresverbrauch von 280 Spülgängen), gelten die Angaben des Strom­verbrauchs nun für 100 Spülgänge, die des Wasser­verbrauchs nur für einen Spülgang.

    A wie Auszeichnung: Nähere Erläuterungen zu den Energielabels

    Die Europäische Union hat ihre Kriterien verschärft und zeigt Stromfressern die rote Karte. Der Energieeffizienzindex bildet dafür den europäischen Rechtsrahmen, der die Anforderungen an stromverbrauchende Produkte festlegtEnergieeinsparung ist das erklärte Ziel. Auch altbekannte Elektrogeräte können in Bezug auf ihre Effizienzklasse plötzlich schlechter bewertet werden. Die oberste Klasse A ist derzeit nämlich noch nicht vergeben. Sie ist Geräten vorbehalten, die noch gar nicht auf dem Markt sind.

    So ist das energieeffizienteste Elektrogerät aktuell in der Klasse B zu finden und zwar solange, bis die Hersteller erwartungsgemäß noch energieeffizientere Geräte entwickelt haben. Die Klasse A wird also zu einer echten Auszeichnung und nicht wie bisher inflationär vergeben. Ziel der neuen Kennzeichnungspflicht ist es, den Herstellern von Elektrogeräten Druck zu machen, den Verbrauch von Kilowattstunden (kWh) weiter zu senken.

    Die gewohnten Plus-Klassen wie A+, A++ und A +++ sind komplett aus den Energieeffizienzklassen verschwunden, nur die Farbeinteilung von grün bis rot ist geblieben. Auch die Angaben zum Energieverbrauch stimmen nicht mehr mit den alten Etiketten überein. Lediglich bei Auslaufmodellen dürfen Händler eine Ausnahme machen und sie noch bis zum 30. November 2021 mit dem alten Energielabel verkaufen. Es lohnt also, sich schnell und sicher mit den neuen Energieverbrauchskennzeichnungen vertraut zu machen.

    Vorteile der neuen Energieverbrauchskennzeichnung

    • Höhere Differenzierbarkeit für Händler und Verbraucher: Die aktuellen Messangaben der Energieeffizienzklassen beziehen sich stärker auf die alltägliche und tatsächliche Nutzung der Geräte und weniger auf fiktive Referenzgeräte.
    • Mehr Übersicht: Mit der neuen Energieeffizienzskala will die EU die Über­sicht wieder­herstellen. Plus-Klassen sollen bis auf weiteres nicht wieder eingeführt werden müssen. Sie waren eher ein Behelfsprodukt.
    • Der Umwelt zuliebe: Die EU hat schon längst Mindeststandards eingeführt, damit aber nicht unbedingt mehr Klarheit für Verbraucher und Händler geschaffen. So durften zum Beispiel Wäschetrockner ab der Klasse C und Geschirrspüler ab der Klasse A+ schon viele Jahre nicht mehr verkauft werden. Die unteren Energieklassen wurden deshalb nach und nach vom Markt gefegt und damit auch die Orientierung für umweltbewusste Verbraucher.
    • Zukunftsweisend: Mit der Energieeffizienzklasse A werden nur Geräte gekennzeichnet, die energieeffizienter sind als die heutigen Modelle. A steht jetzt für eine echte Auszeichnung! Mit der neuen Energieverbrauchskennzeichnung wird Druck auf die Hersteller ausgeübt, noch energieeffizientere Geräte zu produzieren als heute auf dem Markt zu finden sind.
    • Mehr Transparenz: Aktuell wird zum Beispiel der Wasserverbrauch der Waschmaschine pro Zyklus oder Spül­durch­lauf angegeben. Diese Angaben sind weitaus realitätsnaher und benutzerfreundlicher für Verbraucher als ein vormals hochgerechneter Jahres­verbrauch, der stark variieren kann. Der Jahresverbrauch bezieht sich nun immer auf 100 Waschladungen (vormals 220) oder 100 Spülgänge bei Geschirrspülern (vormals 280). Durch die klaren und einheitlichen Bezugsgrößen werden die Energiekosten für Konsumenten kalkulierbarer.

    Nachteile der neuen Energieverbrauchskennzeichnung

    • Wirtschaft und Verbraucher kommen nicht umhin, sich mit dem neuen Energieeffizienzindex zu beschäftigen, sobald sie Elektrogeräte herstellen, vertreiben oder kaufen.
    • Einfaches Umrechnen ist nicht möglich: Aus der Energieeffizienzklasse A+++ wird nicht automatisch die Kennzeichnung B. Die Mess­kriterien haben sich grundsätzlich verändert und sind komplexer geworden.
    • Manche Angaben sind realitätsfern: Zum Beispiel wird das Volumen eines Kühl­schranks oder einer Tiefkühltruhe angegeben, ohne die Schubfächer oder Zwischenelemente mit einzuberechnen.
    • Mehr Schein als Sein: Manche Waschmaschinen und Geschirrspüler erscheinen sparsamer im Verbrauch zu sein als sie in Wirklichkeit sind. Grund hierfür sind die Angaben zum Strom­verbrauch, die sich nur auf das jeweilige Spar­programm beziehen. Sobald ein energieintensiveres Programm gewählt wird, ist der Energieverbrauch höher als angegeben und somit für den Verbraucher nicht transparent genug.

    Fazit: Neue Energieeffizienzklassen sind sinnvoll

    Die Vorteile der neuen Energieverbrauchskennzeichnung überwiegen eindeutig die Nachteile. Auch wenn es zunächst kompliziert erscheint: Der Verbraucher kann sich über den QR-Code detailliert zu jedem Elektrogerät informieren und muss sich nach dem Kauf nicht über versteckte Nachteile ärgern. Wichtige Kriterien wie Lärmbelästigung und Wasserbrauch werden benannt und eingeordnet. Um auf dem Markt zu bestehen, werden Hersteller gezwungen, Elektrogeräte zu entwickeln, die unsere Umwelt und unsere Ressourcen schonen. Umweltschutz wird dadurch zum Wettbewerbsvorteil. Durch die strengen Bewertungen setzt die EU Anreize energieeffizientere Produkte auf den Markt zu bringen und sich auf mit Umwelt- und Klimaschutz auseinanderzusetzen.

    Autoren: Christian Schweizer & Stefan Küst