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Diese Pflichten der Energieeinsparverordnung müssen Sie als Gebäudebesitzer beachten

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Energieeinsparverordnung

Schon seit mehr als 15 Jahren gilt die Energieeinsparverordnung (EnEV). Doch noch immer ist die Unsicherheit bei Gebäudebesitzern, Bauherren oder Mietern groß. Denn vielen ist nicht klar, wann und in welchen Fällen die EnEV als eines der wichtigsten Instrumente der deutschen Energie- und Klimaschutzpolitik gilt und was genau beachtet werden muss.

    Energieeffizienz und Klimaschutzpolitik haben mit der aktuellen Energieeinsparverordnung einen neuen Fokus gefunden. Denn der Regelungsbereich der Verordnung deckt mit dem Gebäudesektor knapp 40 Prozent des Energieverbrauchs und gut ein Drittel der CO2-Emissionen in Deutschland ab. Kurz gesagt: Wer heizt, ist von der EnEV betroffen – unmittelbar oder indirekt.

    Das regelt die Energieeinsparverordnung

    Um die EnEV und ihre Vorteile gegenüber alten Gesetzen zu verstehen, ist es hilfreich, ihre Entstehungsgeschichte zu kennen. Denn mit der Verordnung wurden 2002 die alte Wärmeschutzverordnung und die Heizungsanlagenverordnung zusammengefasst. Und damit war auch der Regelungsumfang definiert:

    • Zum einen wird die Anlagentechnik für die Erzeugung, Verteilung, Speicherung und Übergabe der Wärme berücksichtigt und über konkrete Anforderungen an die Energiebilanz des Gebäudes geregelt.
    • Zum anderen befasst sich die EnEV intensiv mit den Wärmeverlusten, die bei der Gebäudebewirtschaftung entstehen. Dies findet Ausdruck in einem Primärenergiefaktor, der aussagt, wie viel der eingesetzten Energie, dem Gebäude letztendlich für eine konkrete Nutzung z. B. als Raumwärme erhalten bleibt.

    Die EnEV ermöglicht Ihnen also, die Heizungstechnik und den Wärmeschutz im Gebäude nicht mehr getrennt voneinander betrachten zu müssen. Im Gegenteil: Der Energiefaktor Anlagentechnik und der Faktor baulicher Wärmeschutz können in einem begrenzten Rahmen sinnvoll miteinander verrechnet werden, indem beispielsweise eine schlechte Wärmedämmung mit einer effizienten Heizanlage ausgeglichen wird.

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    Die wichtigsten Anforderungen der EnEV:

    Der Jahresprimärenergiebedarf und die Grenzen des Wärmeverlusts

    Besonderes Augenmerk legt die Energieeinsparverordnung auf den Jahresprimärenergiebedarf Ihres Gebäudes im Vergleich zu einem geeigneten Referenzgebäude, der nicht überschritten werden darf. Um die rechtlichen Anforderungen zu erfüllen, müssen Sie zusätzlich einen definierten Grenzwert für den Wärmeverlust des Gebäudes einhalten.

    Das sind die wichtigsten Forderungen der aktuellen Energieeinsparverordnung vom 1. Mai 2014

    Egal, ob Sie einen Neubau planen oder ein bestehendes Gebäude besitzen und dieses gar nachrüsten oder sanieren wollen – In allen Fällen müssen Sie die EnEV berücksichtigen. Das gilt für praktisch alle Gebäude, die länger als 4 Monate im Jahr beheizt werden.

    1. Fall Neubauten: Hier gelten besonders umfangreiche Anforderungen

    Vor allem bei neuen Häusern soll der Primärenergiebedarf zur Gebäudebeheizung und Warmwasserbereitung reduziert werden. Hierfür muss vorab berechnet werden, welche Energiemenge als Endenergie im Haus benötigt wird.

    Eine wichtige Rolle spielt dann der Energieträger und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Umwelt. Planen Sie beispielsweise eine bevorzugte Nutzung regenerativer Energien wie Sonnenwärme mittels Solarkollektoren, bringt dies bei der Bilanzierung Vorteile gegenüber dem Einsatz von Öl, Gas oder Strom. Dabei werden zusätzlich zur Raumheizung und -kühlung auch die Warmwasserbereitung, Lüftungsanlagen oder die für den Anlagenbetrieb benötigten Pumpen, Brenner und Regler berücksichtigt. Doch auch die Wärmeverluste durch die Gebäudehülle in Folge von Wärmebrücken oder mangelnder Luftdichtheit werden geregelt.

    Der aktuelle Mindeststandard der gültigen EnEV sieht vor, dass bei Neubauten die vorgegebenen Energieverbrauchs- und Dämmwerte des in der Verordnung beschriebenen Referenzgebäudes nicht überschritten werden dürfen. Je nach Lage und baulicher Ausgestaltung bedeutet dies in der Praxis, dass zur Beheizung und Bereitung von Warmwasser nur rund 50 bis 60 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr eingesetzt werden dürfen. Das ergäbe bei einem durchschnittlichen Einfamilienhaus jährlich etwa 630 Liter Öl.

    Doch die Anforderungen steigen weiter. Mit jeder Novellierung der EnEV werden neue Grenzwerte gesetzt. Aktuelles  Ziel ist das „Niedrigstenergiegebäude“, das bereits ab dem Jahr 2021 als Neubaustandard gelten soll.

    Empfehlung: Begnügen Sie sich bei der Bauplanung nicht mit den Mindeststandards, die Ihnen die EnEV vorgibt! Denn dies birgt die Gefahr, dass Ihr Bauprojekt bereits mit der Fertigstellung schon bautechnisch veraltet ist. Die Mehrkosten bei Verwirklichung eines höheren Energieeffizienzstandards amortisieren sich schnell und können über die Nutzung von Fördermitteln abgedeckt werden. Planen Sie beispielsweise den Bau nach den Standards der „KfW-Energieeffizienzhäuser“, unterstützt Sie die KfW-Förderbank mit Zuschüssen oder zinsgünstigen Krediten.

    2. Fall Bestandsbauten: Auch Eigentümer von Bestandsgebäuden sind von neuen Pflichten betroffen

    Dieser Fall ist noch kaum in den Köpfen der Hausbesitzer angekommen. denn die gängige Meinung besagt, dass die EnEV nur dann berücksichtigt werden muss, wenn Änderungen am Gebäudebestand geplant werden. Doch das gilt nicht immer – im Gegenteil: Immer mehr Bestandsgebäude müssen früher oder später nach den Regeln der Energieeinsparverordnung um- oder nachgerüstet werden.

    Die Austausch- und Nachrüstverpflichtungen der Energieeinsparverordnung

    Diese Vorgaben gelten für alle Mehrfamilienhäuser, auch wenn keine Sanierung geplant ist. Als Eigentümer eines Ein- oder Zweifamilienhauses sind Sie nur dann von den Austausch- und Nachrüstpflichten ausgenommen, wenn Sie bereits seit Anfang 2002 selbst im eigenen Gebäude wohnen. Haben Sie das Haus erst danach gekauft und bezogen, müssen auch Sie die Pflichten innerhalb von zwei Jahren erfüllen:

    • Öl- und Gas-Standardheizkessel, die älter als 30 Jahre sind, müssen gegen moderne Anlagen ausgetauscht werden, es sei denn, es handelt sich um Brennwert- oder Niedertemperaturanlagen mit einem besonders hohen Wirkungsgrad. Der Schornsteinfeger kann hierzu kompetent Auskunft geben.
    • Heizungs- und Warmwasserrohre müssen in allen unbeheizten Räumen mit einer Dämmung versehen werden.
    • Die oberste Geschossdecken zu unbeheizten Dachräumen müssen über einen Mindestwärmeschutz verfügen und hierfür evtl. ebenfalls nachträglich gedämmt werden. Alternativ dazu kann auch das darüber liegende Dach mit einer entsprechenden Dämmung versehen werden.

    Hinweis: Nicht in jedem Fall muss die Geschossdecke nach den Vorgaben der EnEV gedämmt werden.

    Oft argumentieren Gebäudebesitzer, dass sich eine Deckendämmung nach den Vorgaben der Energieeinsparverordnung für das betreffende Gebäude nicht rentiert. Und damit können Sie auch Recht behalten. Denn laut EnEV muss nur saniert werden, wenn sich die Maßnahme auch rechnet. Konkret bedeutet dies, dass auf solche eigentlich verpflichtenden Maßnahmen zur Dämmung immer dann verzichtet werden darf, wenn die dafür notwendigen Aufwendungen durch die Einsparungen innerhalb einer angemessenen Frist nicht erwirtschaftet werden können. In der Vergangenheit entschieden Gerichte hinsichtlich dieser Frist, dass sich entsprechende Sanierungen innerhalb von zehn Jahren rechnen müssen.

    3. Fall Sanierungsvorhaben: Diese Anforderungen müssen Sie bei allen geplanten Änderungen an Außenbauteilen beachten

    Der wohl häufigste Grund für den Geltungsbereich der EnEV sind Sanierungsvorhaben oder wenn Bauteile ohnehin verändert oder modernisiert werden sollen, beispielsweise wenn die Fassade neu verputzt werden soll oder Fenster getauscht werden. Bei einem reinen Neuanstrich greift die EnEV noch nicht. Allerdings kann es selbst dann sinnvoll sein, gleich eine Fassadendämmung vorzunehmen. Denn wenn für die Malerarbeiten ohnehin ein Gerüst aufgestellt wird, reduzieren sich die Zusatzkosten für die Dämmung um diesen Betrag, was die Amortisationszeit verkürzt.

    Die Anforderungen durch die EnEV bei einer Sanierung unterscheiden sich je nach Umfang der geplanten Arbeiten am Gebäude:

    • Für umfassende Modernisierungen muss wie bei der Planung eines Neubaus eine energetische Gesamtbilanzierung durchgeführt werden. Der Grenzwert für den Primärenergiebedarf des sanierten Gebäudes liegt dann allerdings bis zu 87 Prozent über dem eines entsprechenden Neubaus.
    • Bei einzelnen Sanierungen wie beispielsweise einer Fassadendämmung odereinem Austausch der Fenster, müssen für das geplante Projekt lediglich die Anforderungswerte an den Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Wert) des Bauteils berücksichtigt werden. Doch auch hier gilt die Empfehlung, auch bessere Baustoffe mit höheren Dämmwerten ins Auge zu fassen und nicht nur die Mindeststandards zu erfüllen. In vielen Fällen werden die Mehrkosten schnell durch den geringeren Energiebedarf ausgeglichen.

    Neben den baulichen Vorschriften gelten noch weitere Pflichten der EnEV

    • Bei Vermietung oder Verkauf brauchen Sie einen EnEV-Energieausweis
      Alle beheizten oder gekühlten Gebäude benötigen zwingend einen Energieausweis, sobald sie vermietet oder verkauft werden. Denn der zukünftige Mieter oder Eigentümer soll so transparent über den Energieverbrauch des Gebäudes informiert werden und die künftigen Energiekosten abschätzen können.
      Mit der aktuell gültigen EnEV vom Mai 2014 wurden auch die Anforderungen an die Energieausweise für Wohngebäude geändert. Ein aktuell erstellter Energieausweis definiert für das Gebäude eine Effizienzklasse, wie wir sie von den Elektrogeräten her kennen. Die Skala reicht von A+ bis H, wobei die Klassen A und B zeigen, dass das Gebäude besser ist als der in der EnEV vorgesehene Neubaustandard.
    • Klima- und Lüftungsanlagen müssen regelmäßig geprüft werden.
      Für die verpflichtende Inspektion von Klima- und Lüftungsanlagen müssen Sie fachkundige Personen beauftragen, Ihnen als Betreiber eine Bescheinigung mit den Ergebnissen der Überprüfung ausstellen. Diese Bescheinigung müssen Sie wiederum den zuständigen Behörden auf Verlangen vorzeigen.
      Für neu installierte Klima- und Lüftungsanlagen sieht die EnEV die Integration einer Möglichkeit zur Wärmerückgewinnung vor. Allerdings müssen Sie bestehende Anlagen mit elektronischen Steuerungseinrichtungen nachrüsten, wenn sie über eine Luftbe- oder entfeuchtung verfügen.
    • Die Einhaltung der EnEV-Anforderungen muss durch eine Sachverstänigen-Bescheinigung bestätigt werden.
      Wenn Sie Änderungen am Gebäude durchführen, für die die Anforderungen der EnEV gelten, müssen Sie die Einhaltung dieser Anforderungen von einem Sachverständigen für Wärmeschutz bestätigen lassen. Oft genügt allerdings auch eine Bestätigung durch das ausführende Fachunternehmen (Unternehmererklärung), falls das Vorhaben keiner Genehmigungspflicht unterliegt.
      Diese Bescheinigung können Sie von der Behörde anfordern und ist hierfür mindestens 5 Jahre lang aufzubewahren.
    • Der Schornsteinfeger überprüft Ihre Anlagen
      Die Bezirksschornsteinfeger haben die Aufgabe, im Rahmen der Feuerstättenschau Ihre Heizungsanlage zu überprüfen. Im Rahmen dieser Inspektion stellen sie fest, ob alte Heizkessel ausgetauscht und die Rohrleitungen gedämmt wurden und ob die Anforderugnen der EnEV eingehalten wurden. Bei Verstößen erhält der Gebäudeeigentümer eine angemessene Frist, um den Auflagen nachzukommen. Erst wenn Sie die Frist abgelaufen ist und Sie nicht entsprechend reagiert haben, muss der Schornsteinfeger die zuständige Behörde informieren.

    Achtung! Bei Verstößen gegen die EnEV drohen hohe Bußgelder

    Verstöße gegen die Energieeinsparverordnung werden von den Behörden als Ordnungswidrigkeit geahndet und mit einem Bußgeld belegt. Die Höhe dieser Bußgelder richtet sich nach dem Versäumnis bzw. Vergehen.

    Wenn Sie beispielsweise einen Neubau ohne Einhaltung der EnEV-Anforderungen errichten, eine nicht EnEV-konforme Heizung installieren oder die Pflichten zur Gebäudedämmung missachten, drohen Bußgelder bis zu 50.000 €. Verstöße gegen die Pflicht zur Erstellung eines Energieausweises werden mit bis zu 15.000 € geahndet. Dasselbe gilt, wenn Sie Klimaanlagen nicht wie gefordert inspizieren lassen.

    Empfehlung: Nehmen Sie die Plichten der Energieeinsparverordnung ernst! Die Landesbehörden führen zunehmend Stichprobenkontrollen zur Überwachung der Pflichteinhaltung durch.

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    Autor: Christian Schweizer

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