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Änderung des ADR 2019: Beachten Sie diese Neuerungen beim Gefahrguttransport

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ADR 2019

Alle zwei Jahre wird das Europäische Beförderungsabkommen ADR an aktuelle Bedürfnisse beim Gefahrguttransport angepasst, so auch wieder zum 1.1.2019. Und die Änderungen haben es in sich!

Das ADR (Accord européen relatif au transport international des marchandises Dangereuses par Route) steht für das Europäische Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße. Alle zwei Jahre wird das Regelwerk angepasst. Welche Änderungen im ADR 2019 auf Sie zukommen, erfahren Sie hier.

Das ADR 2019 bringt 9 größere Neuerungen

Prüfen Sie deshalb gleich anhand der folgenden Kurzübersicht, auf welche Neuerungen Sie sich vorbereiten müssen.

12 neue UN-Nummern für „Gefahrstoffe“ in Gegenständen, Geräten und Maschinen

„Gefährliche Güter in Maschinen“ oder „Gefährliche Güter in Geräten“ waren bisher per Sammeleintrag UN 3363 im europäischen Landverkehr freigestellt. Ab 2019 ändert sich das durch zwölf neue UN-Nummern.

Die Nummern 3537 bis 3548 decken verschiedene Varianten von Gefahrstoffen in Gegenständen, Geräten und Maschinen ab. Dies betrifft beispielsweise Gegenstände, die giftige Gase, entzündbare oder ätzende Stoffe enthalten. Damit müssen Sie für relevante Gegenstände, Maschinen oder Geräte auch neue Sondervorschriften einhalten, Verpackungsanweisungen beachten und Vorgaben für Gefahrzettel berücksichtigen.

Begriffsvereinheitlichungen

Diese Änderungen erfordern lediglich eine Umgewöhnung: Die beiden Schlüsselbegriffe „Gefahr“ und „Risiko“ werden im ADR 2019 deutlich konsequenter als bisher durchgehend einheitlich verwendet. Dies macht das Regelwerk etwas übersichtlicher und verständlicher.

Neue Möglichkeiten zur Beförderung energetischer Proben

Unter bestimmten Voraussetzungen können künftig bestimmte Proben organischer Stoffe als energetische Proben unter UN 3223 und UN 3224 befördert werden, wenn sie entsprechend verpackt sind. Die konkreten Anforderungen regeln neue Sondervorschriften und Klassifizierungsrichtlinien.

Einstufungen ätzender Stoffe (Klasse 8) erfolgen nun analog zu GHS/CLP

Bislang war es äußerst aufwendig, ätzende Gemische richtig zu klassifizieren und entsprechend zu verpacken. Diese Schwierigkeiten wurden nun entschärft, indem ein schrittweiser Ansatz gefunden wurde, der an das Global
Harmonisierte System zur Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien (GHS/CLP) angepasst ist.

Die Grundlage hierfür bilden Berechnungsmethoden, die es im Gefahrstoffrecht bereits gibt. Als Basis der Einstufung ätzender Gemische werden bestehende Testdaten herangezogen. Sollten keine konkret passenden Testdaten vorliegen, wird das Gemisch nach den Übertragungsgrundsätzen analog GHS eingestuft, die auf getesteten Gemischen basieren. Nur wenn weder Testergebnisse noch vergleichbare Gemische vorliegen, müssen Sie die Transporteinstufung selbst berechnen. Die hierfür vorgegebene Berechnungsmethode unterscheidet sich allerdings nach wie vor von den GHS/CLP-Regelungen.

Beachten Sie aber: Die genannten Methoden gelten nur für das Einstufungskriterium „hautätzend“. Für Gemische, die Metalle korrodieren, existieren noch immer keine Kriterien im Transportrecht.

Neue Anforderungen für die Verpackung von (beschädigten oder defekten) Lithiumbatterien

Und wieder eine Änderung, die den Transport von Lithiumbatterien betrifft: Die Entwicklungen im Bereich der Elektromobilität und die Herausforderungen beim Transport beschädigter Lithiumbatterien zwingen zu immer neuen Anforderungen. Das ADR 2019 reagiert darauf mit neuen, standardisierten Verpackungsanweisungen, um den Aufwand für Einzelzulassungen auf möglichst wenige Transportfälle zu beschränken, vor allem, wenn relevante Batterien bei Unfällen beschädigt werden, müssen die Verpackungen für diese Batterien nun besondere Anforderungen erfüllen und vorab einer Prüfung durch die zuständige Behörde unterzogen werden.

Auch die Anforderungen an Großzettel wurden angepasst

Anders als bei den Kennzeichen, Gefahrzetteln und orangefarbenen Warntafeln gab es bislang keine expliziten Vorgaben zur Witterungsbeständigkeit für Großzettel (Placards) und das Kennzeichen für erwärmte Stoffe. Der neue ADR 2019 enthält nun auch für die letztgenannten Hinweise eine entsprechende Vorgabe, die Sie künftig beachten müssen.

Vor allem die neuen Sondervorschriften sollten Sie genauer prüfen

Die wichtigsten Änderungen finden sich in den Sondervorschriften. Die Aktualisierungen betreffen unter anderem folgende Sondervorschriften, um nur die wichtigsten zu nennen:

  • SV 188 Erleichterung der Beförderung von Lithiumbatterien
  • SV 281 für Chemietestsätze
  • SV 307 für Düngemittel
  • und die SV 363 zur Beförderung von Maschinen.

Darüber hinaus wurden neue Sondervorschriften erlassen wie beispielsweise

  • SV 193 für Düngemittel
  • SV 301 für Maschinen und Geräte mit geringen Mengen an Gefahrgut
  • SV 387 für die Klassifizierung von Lithiumbatterien
  • SV 389 für Güterbeförderungseinheiten als Energieträger mit Lithiumbatterien
  • SV 392 für Gasspeichersysteme in Fahrzeugen
  • SV 670 für die Entsorgung von Elektroaltgeräten mit Batterien
  • SV 671 für die höchstzulässige Gesamtmenge von Chemietestsätzen in Fahrzeugen
  • SV 671 für die Beförderung von Maschinen und Geräten (UN 3363) in Verbindung mit SV 301

Beachten Sie die neuen und geänderten Verpackungsanweisungen

Im Zuge der Aktualisierungen wurde auch ein großer Teil der Verpackungsanweisungen geändert, überarbeitet oder mit komplett neuen Regelungen ergänzt.

Besonders betroffen sind die Anweisungen P 001, P 200, P 410, P 520 mit neuer PP 94 und PP 95 für energetische Proben, P 901, P 902, P 903, P 908, P 909, P 910, LP 902, LP 903, LP 904, P 907 für UN 3363, P 911 für beschädigte Lithiumbatterien und LP 905, LP 906 für Lithiumbatterien.

Ein neuer Abschnitt bündelt die Vorschriften zur Temperaturkontrolle

Der Abschnitt 7.1 zu den „Allgemeinen Vorschriften für die Beförderung, die Be- und Entladung und Handhabung“ wird mit dem ADR 2019 um einen neuen Abschnitt 7.1.7 erweitert, der die allgemeinen Vorschriften und Sondervorschriften für die Temperaturkontrolle bündelt. Dies führt zu einer besseren Übersichtlichkeit, da die Regelungen bisher auf die Abschnitte 2, 3, 5, 8 und 9 verteilt waren.

Bei der Binnenschifffahrt ändern sich die ADN-Regeln für die Beförderung von Gasen

Das ADN bezeichnet das Euopäische Übereinkommen über die Beförderung gefährlicher Güter auf Binnenwasserstraßen. Auch dieses Regelwerk erfährt einige Änderungen.

Der Schwerpunkt bei der Überarbeitung des ADN betrifft die Regelungen zum Entgasen von Ladetanks. Darüber hinaus wurde neben weiteren Änderungen der gesamte ADN-Text an die Einführung eines modifizierten Explosionsschutzkonzeptes für die Binnenschifffahrt angepasst.

Übergangsfrist des ADR 2019

Die Änderungen des ADR 2019 treten am 1.1.2019 in Kraft. Allerdings können Sie von einer Übergangsfrist bis 30.6.2019 Gebrauch machen.

Beachten Sie jedoch: Einige der Änderungen benötigen etwas Vorlaufzeit, um noch rechtzeitig reagieren zu können. Prüfen Sie deshalb schnellstmöglich, inwiefern auch Ihre Gefahrguttransporte betroffen sind.

Auch interessant: Gefahrguttransport – Wie Sie bei der Auswahl der UN-Nummer vorgehen

Autor: Christian Schweizer & Stefan Küst

 

 

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