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Unsichtbare Gefahr: Kohlenmonoxidvergiftung durch Abgase

© Ralf Geithe – fotolia.com
Kohlenmonoxidvergiftung

Die Risiken durch Gasbildung in Silos oder Pelletbunkern sind weitgehend bekannt. Weniger verbreitet ist das Bewusstsein dafür, dass auch in Produktions- oder Lagerhallen und ohne organische Substanzen Kohlenmonoxidvergiftungen drohen.

Die BG BAU warnte im Juli vor Unfällen durch Motorabgase. Anlass war ein Vorfall in Karlsruhe, bei dem gleich ein ganzer Bautrupp ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Der Grund: Kohlenmonoxidvergiftung durch Abgase von Baumaschinen. Überall, wo beispielsweise Kohle, Gas, Benzin oder Holz brennt, entsteht meist auch Kohlenmonoxid. Experten schätzen, dass jedes Jahr etwa 4.000 Menschen wegen einer Kohlenmonoxidvergiftung im Krankenhaus behandelt werden.

Solche Unfälle kommen immer wieder vor. In einer Lagerhalle im Industriegebiet von Bergheim klagten 2 Mitarbeiter über gesundheitliche Beschwerden. Sie hatten in einer geschlossenen Lagerhalle gearbeitet, in der auch ein Gabelstapler eingesetzt wurde. Die Feuerwehr stellte in der Raumluft deutlich erhöhte Kohlenmonoxidwerte fest.

Die Ursache: Bei frostigen Außentemperaturen war die Halle während der Staplerarbeiten nicht ausreichend gelüftet worden. Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich in einer Scheune im mittelfränkischen Neuhaus. 2 Männer brachen bei Arbeiten mit einem Stapler bewusstlos zusammen. Auch hier hatte sich Kohlenmonoxid in der Luft angereichert, da das Scheunentor geschlossen war.

Eine Kohlenmonoxidvergiftung kommt schnell

Machen Sie in Ihren Unterweisungen auf die Risiken einer Kohlenmonoxid-Vergiftung aufmerksam. 3 Punkte sind für das Risikoverständnis entscheidend:

  1. Kohlenmonoxid (CO) entsteht, wenn kohlenstoffhaltige Materialien wie Holz, Kohle, Öl oder Kraftstoffe verbrannt werden.
  2. CO ist giftig, weil es stark an das Hämoglobin im Blut bindet und dadurch den lebenswichtigen Sauerstoff verdrängt.
  3. Das Gas hat weder Geruch, Geschmack noch Farbe noch löst es einen Hustenreiz aus. Der Mensch kann diese Gefahr daher nicht wahrnehmen.

Darüber müssen Sie bei der Gefahrstoffunterweisung sprechen

Wie kommt es zu einer Vergiftung?

Die Luft, die wir einatmen, besteht nur zu einem Fünftel aus Sauerstoff und zu fast vier Fünfteln aus Stickstoff. Der Kohlenmonoxid-Anteil liegt unter 0,0001 %. Atmet man anstelle von Sauerstoff das geruchlose Atemgift Kohlenmonoxid ein, gelangt es über die Lunge ins Blut. Hier wird Sauerstoff normalerweise von den roten Blutkörperchen transportiert. Kohlenmonoxid haftet so fest an den roten Blutkörperchen an, dass es den lebensnotwendigen Sauerstoff im Blut verdrängt. Typische Symptome des Sauerstoffmangels sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Atemstörungen, Schwindel bis hin zur Bewusstlosigkeit. Oft enden Kohlenmonoxidvergiftungen tödlich.

Symptome einer Kohlenmonoxidvergiftung

Die Symptome zeigen sich je nach höher der CO-Konzentration und Aufenthaltsdauer in dem betroffenen Raum.

Bei einer leichten Vergiftung klagen die Betroffenen meist über:

  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Übelkeit
  • Müdigkeit.

Bleibt dies unbemerkt verschlechtert sich der Zustand weiter. Der Körper bekommt nicht genug Sauerstoff und es kommt zu

  • Desorientierung
  • Sehstörung
  • Kurzatmigkeit
  • Muskelschwäche
  • Hautverfärbung.

Wird dies nicht behandelt, führt die Kohlenmonoxidvergiftung zum Tod.

Abgase in geschlossenen Räumen vermeiden!

Vergiftungsrisiken bestehen immer dann, wenn Verbrennungsprozesse in geschlossenen Räumen stattfinden. Das können z. B. gasbetriebene Heizstrahler sein, aber auch Flurförderzeuge oder Baumaschinen, die mit Diesel oder Benzin betrieben werden. Schon durch eine Glättmaschine mit Benzinmotor ohne Katalysator kann die CO-Konzentration in einer geschlossenen Halle bis zur akuten Vergiftungsgefahr ansteigen.

Schutzmaßnahmen müssen daher darauf fokussieren, das Entstehen von Abgasen in unzureichend belüfteten Umgebungen zu vermeiden. Für alle abgasproduzierenden Maschinen und Geräte gilt:

  • Einsatz nur nach Gefährdungsbeurteilung, welche explizit die Vergiftungsgefahren berücksichtigt und die Einsätze ggf. eingrenzt.
  • Nur laut den Vorgaben des Herstellers verwenden. Ist z. B. der Betrieb eines benzinbetriebenen Arbeitsmittels laut Betriebsanleitung in geschlossenen Räumen unzulässig, gilt dieses Verbot auch für Ihr Unternehmen und Ihre Mitarbeiter.
  • Gemäß dem Substitutionsgebot weniger gefährliche Alternativen prüfen, z. B. innerhalb von Gebäuden auf Elektrostapler umstellen.
  • Möglichkeiten zur Nachrüstung nutzen. Der Katalysator eines Estrichglätters z. B. reduziert das entstehende C O um etwa 80 %.
  • Unvermeidbare Einsätze von benzin- oder dieselgetriebenen Fahrzeugen nur bei guter Durchlüftung zulassen.
  • Motorfahrzeuge sorgfältig warten inkl. Abgastest.
Wichtig
Wenn Sie in Ihrem Betrieb Tätigkeiten durchführen, bei denen Kohlenmonoxid verwendet wird oder gebildet werden kann, sollten Sie auf personenbezogene Messgeräte (vgl. Abbildung) nicht verzichten. CO-Messgeräte schlagen Alarm, sobald kritische Gaskonzentrationen erreicht werden.

 

Betrachten Sie nicht nur Räume, die im geometrisch strengen Sinne von allen 6 Seiten umschlossen sind. Auch in einem tiefen Graben, bei beengten Raumverhältnissen oder wenn nur am anderen Ende einer Halle ein Tor offen steht, können sich gefährliche Gase ansammeln. Durch Maßnahmen, mit denen Sie Abgase reduzieren, senken Sie nicht nur die CO-Gefahr, sondern auch die Umwelt- und Gesundheitsrisiken durch weitere Stoffe wie Stickoxide oder krebserzeugende Emissionen von Dieselmotoren.

TIPP
Nutzen Sie finanzielle Zuschüsse!
Die BG BAU fördert das Nachrüsten von Baumaschinen mit Katalysatoren mit bis zu 250 s pro Maschine. Auch das Umstellen auf Gasbetrieb wird bezuschusst. Für akkubetriebene Stampfer oder Rüttelplatten erhalten Sie z. B. bis zu 800.

Bei diesen Konzentrationen besteht Lebensgefahr

Bei einer Kohlenmonoxidkonzentration von bis zu 0,003 % (30 ppm) besteht noch keine Gesundheitsgefahr. Hier genügt es Fenster und Türen zu öffnen. Dennoch sollten Sie die Feuerwehr rufen und schnell die Austrittsquelle finden. Bei einer Konzentration von 0,006 % sollten Sie zu den oben genannten Maßnahmen auch noch die Aufenthaltsdauer auf 15 Minuten minimieren.

Erste Symptome eine Kohlenmonoxidvergiftung zeigen sich bei einer Konzentration von 0,02 %, ab dann sollte der betroffene Bereich großflächig geräumt werden. Kopfschmerzen und Übelkeit sind die typischen Symptome.

Steigt der Wert auf 0,3 % sind schwere Vergiftungen schon nach wenigen Minuten möglich. Verwirrung, und Kurzatmigkeit treten auf, denn der Körper erhält nicht mehr genug Sauerstoffe. Nach mehreren Stunden bei gleichbleibender Konzentration endet die Kohlenmonoxidveergiftung tödlich.

Schon bei einer CO-Konzentration von 1 % ist der Aufenthalt in dem betroffenen Raum nach wenigen Minuten tödlich.

Die Konzentrationen in tabellarischer Übersicht finden Sie hier.

Erste Hilfe bei Kohlenmonoxid-Austritt

Sobald Sie die ersten Symptome bemerken, sollten Sie Fenster und Türen zum großflächigen Lüften öffnen und den Raum räumen. Sind die vergifteten Personen bereits bewusstlos, müssen Sie diese sofort aus dem Raum tragen. Beachten Sie dabei auch Ihre eigenen Sicherheit und nutzen Sie Atemschutzmasken, falls Ihnen diese vorliegen. Setzen Sie den Notruf ab. Wenn die Person trotz Bewusstlosigkeit noch atmet, legen Sie sie in die stabile Seitenlage. Liegt bereits der Atemstillstand vor, beginnen Sie direkt mit der Herz-Lungen Massage.

So organisieren Sie die Erste Hilfe in Ihrem Betrieb

Autor: Friedhelm Kring

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