• 0228 / 95 50 160

Neue Studie stellt Titandioxid unter Krebsverdacht

Krebsverdacht

Titandioxid weißt Autos, Zahnpasta und Wände. Jetzt hat der Ausschuss für Risikobewertung (RAC) der Europäischen Chemikalienagentur die Einstufung als „Kann vermutlich Krebs erzeugen“ vorgeschlagen. Der Krebsverdacht wird nun untersucht.

Titandioxid unter Krebsverdacht

Titandioxid ist das am häufigsten verwendete Weißpigment. Der Stoff ist in der Regel in eine Matrix wie Bindemittel und Kunststoff gebunden und liegt somit nicht als Staub vor. Der Stoff kommt jedoch zu Beginn der Wertschöpfungskette als Pulver zum Einsatz. Bei Studien an Ratten, denen extrem hohe Konzentrationen an Titandioxid-Staub inhalativ verabreicht wurden, wurde eine krebserzeugende Wirkung nachgewiesen. Darauf basierend, wurde jetzt eine harmonisierte Einstufung als krebserzeugende Kategorie 1 B „Kann beim Einatmen Krebs erzeugen“ vorgeschlagen.

Noch ist es nicht abschließend entschieden, aber es spricht vieles dafür, dass die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) Titandioxid als „wahrscheinlich krebserregend“ einstufen wird. Das Pigment, das auch unter den Bezeichnungen Titansäureanhydrid, Rutil, Anatas, Brookit, E 171, C.I. Pigment White 6 oder C.I. 77891 in vielen Produkten zur Weißfärbung verwendet wird, muss dann in vielen Anwendungen substituiert werden.

Die Folgen der neuen Einstufung von Titandioxid wären weitreichend

Zwar haben noch einige Mitgliedsländer Vorbehalte gegen die Neueinstufung von Titandioxid, die Erfahrung zeigt aber, dass die Einstufung früher oder später sehr wahrscheinlich ist. Als Folge müssten Produktionsverfahren geändert oder Produkte speziell gekennzeichnet werden:

  1. Weiße Farben mit Titandioxid müssten dann als „wahrscheinlich krebserregende“ Produkte mit dem Gefahrenpiktogramm GHS08 (Gesundheitsgefahr) und den entsprechenden Warnhinweisen (H351) gekennzeichnet werden. Der Vertreib dieser Produkte wäre dann deutlich erschwert.
  2. In Kosmetikprodukten (z. B. in Zahnpasta, Sonnencreme) kämen Verwendungsverbote zum Einsatz. Hierfür müssten Alternativen gefunden und eingesetzt werden.
  3. Produkte, die mit Lebens- oder Arzneimitteln in Berührung kommen, dürften ebenfalls nicht mehr mit Titandioxid eingefärbt werden. Das Gleiche gilt selbstverständlich für Lebensmittelfarbstoffe oder beispielsweise Aufheller in Tabletten.
  4. Auch andere Produkte wie Haushaltsgeräte, Glas- oder Keramikwaren können in noch nicht klar vorhersehbarer Weise betroffen sein.
  5. Generell müsste Titandioxid gemäß der Ersatzstoffverpflichtung der deutschen Gefahrstoffverordnung und der Europäischen Agenzienrichtlinie 98/24/EG durch alternative Stoffe ersetzt werden. Substitutionsstoffe mit gleichen Färbeeigenschaften und geringerer Gesundheitsgefährdung stehen allerdings aktuell noch nicht zur Verfügung.
  6. Auch Abfälle wären betroffen: Ab einem Gehalt von 1 % Titandioxid handelt es sich dann um gefährlichen Abfall. Auch betroffene Kunststoffe, Bauschutt, Papiere oder Fensterrahmen könnten dann nur noch in genehmigungspflichtigen Beseitigungsanlagen unter hohen Kosten entsorgt werden. Ein Recycling ist rechtlich nicht mehr möglich.
  7. Als Stoff nach Kategorie 2 (krebserzeugend) müssen zudem bei der Verarbeitung deutlich niedrigere Emissionsgrenzen eingehalten werden, die mit erheblichen Kosten für zusätzliche Abgasreinigungen verbunden sind.

Die Angst ist groß, denn Alternativen gibt es nicht

Noch stößt die geplante Einstufung auf erheblichen Widerstand bei Industrie und Verbänden, denn Alternativen müssten erst neu entwickelt werden. Fest steht: Ein Ersatz von Titandioxid wird teuer und unbequem.

Empfehlung: Auch wenn vorerst nur ein Krebsverdacht herrscht, wenn Sie in Ihrer Produktion oder Ihren Produkten Titandioxid verarbeiten, sollten Sie schnellstmöglich eine Änderung der Rezepturen oder Verfahren anstreben. Vor allem bei Kosmetika, Lebens- oder Arzneimitteln wird sich Titandioxid künftig mit hoher Sicherheit als imageschädigend auswirken. Als Vorreiter, der alternative Stoffe entwickelt und einsetzt, können Sie sich noch vom Markt absetzen, selbst dann, wenn Ihre Produkte nicht so strahlend weiß wie die der Konkurrenz sind.

Der Krebsverdacht für Titandioxid kann Ihr Image schädigen

Nach dem imageschädigenden Gezerre um den Unkrautvernichter Glyphosat ist aber klar: Wenn es um wahrscheinliche Gesundheitsgefährdungen geht, verstehen die Verbraucher keinen Spaß. Dies hat zwei wesentliche Effekte:

  • Die politischen Instanzen werden künftig kein Risiko mehr eingehen. Selbst wenn die Einstufung von Titandioxid als „wahrscheinlich krebserregend“ nicht gleich in den nächsten Monaten kommt – der öffentliche Druck wird zu drastischen Einschränkungen bei der Verarbeitung von Titandioxid führen.
  • Wenn es um krebserregende Substanzen geht, sind die Verbraucher außerordentlich sensibel. Vor allem bei Kosmetika, Arzneimitteln und Lebensmitteln sind die Tage von Titandioxid gezählt. Spätestens, wenn erste Testberichte oder Medienaktionen Titandioxid als gesundheitsgefährdend benennen, müssen sich Hersteller um alternative Pigmente kümmern.

Treffen Sie schon heute Schutzmaßnahmen

Wenn Sie in Ihrem Betrieb Titandioxid verarbeiten oder es beispielsweise durch Schleifen von Beschichtungen zu einer Freisetzung von Titandioxid-Staub kommen kann, sollten Sie folgende Schutzmaßnahmen treffen:

Augenschutz: Tragen Sie eine Gestellbrille mit Seitenschutz!

Handschutz: Verwenden Sie gegen mechanische Beanspruchung beschichtete Handschuhe. Benutzen Sie gerbstoffhaltige Hautschutzmittel.

Körperschutz: Tragen Sie staubdichte Schutzkleidung, wie z. B. einen Schutzanzug Typ 5.

Atemschutz: Benutzen Sie bei Grenzwertüberschreitung eine Voll- oder Halbmaske bzw. eine filtrierende Halbmaske mit Partikelfilter P2 (weiß).

Mein Hinweis: Bislang gibt es für Titandioxid keinen eigenen Arbeitsplatzgrenzwert. Daher haben Sie bei der Gefährdungsbeurteilung den Allgemeinen Staubgrenzwert zu berücksichtigen. Er setzt sich aus den Grenzwerten für die alveolengängige Fraktion (A-Staub) von 1,25 mg/m³ und die einatembare Fraktion (E-Staub) 10 mg/m³ zusammen.

Autor: Gabriele Janssen, Christian Schweizer

* Selbstverständlich können Sie den Sprachführer zum Thema Arbeitssicherheit auch unabhängig von einer Newsletter-Anmeldung anfordern. Schreiben Sie uns dazu bitte eine kurze E-Mail mit Link zu dieser Seite.

Copyright © 2018 Safety Xperts. Impressum | Datenschutz