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8 Gefahren und Schutzmaßnahmen für Kühlschmierstoffe

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Kühlschmierstoffe

Bei vielen Produktionsschritten vor allem in der Metallverarbeitung sind Kühlschmierstoffe unersetzliche Helfer. Doch sie enthalten Stoffe, die gefährlich sind. In verschmutzen Kühlschmierstoffen können sich sogar krebserzeugende Bestandteile bilden.

Hier werden Kühlschmierstoffe eingesetzt

Damit beim Drehen, Fräsen, Bohren und Schleifen alles läuft wie geschmiert, werden Kühlschmierstoffe (KSS) eingesetzt. Wenn Sie in der Metallverarbeitung Werkstücke mit spanenden Verfahren bearbeiten oder umformen, kommen Sie auf jeden Fall mit diesen vielseitigen Helfern in Berührung: Rund 80.000 t an Kühlschmierstoff werden jährlich allein in Deutschland verwendet.

Kühlschmierstoffe vermindern die Reibung zwischen Werkzeug und Bauteil, führen Wärme ab und spülen Späne weg. Wer Kühlschmierstoffe einsetzt, verringert die Verschleißerscheinungen an den Werkzeugen und erzielt eine höhere Qualität der Werkstücke.

Ein großer Vorteil: Kühlschmierstoffe können genau für ihre spezielle Aufgabe zusammengesetzt werden. Bis zu 50 einzelne Komponenten werden zu einem KSS gemischt – abgestimmt z. B. auf die Schnittgeschwindigkeit oder die Bearbeitungstemperatur. Je nach ihrem Zustand werden 3 Arten von KSS unterschieden.

Die 3 Arten von Kühlschmierstoffen

Grundsätzlich handelt es sich bei Kühlschmierstoffen um flüssige Zubereitungen zum Kühlen, Schmieren und Spülen während Fertigungsverfahren der Be- und Verarbeitung. Die Flüssigkeit wird anhand 3 möglicher Eigenschaften eingeteilt:

  1. Nicht-wassermischbare Kühlschmierstoffe werden so verwendet, wie sie vom Hersteller geliefert werden.
  2. wassermischbare Kühlschmierstoff-Konzentrate, die mit Wasser auf die Gebrauchskonzentration verdünnt werden müssen.
  3. wassergemischte Kühlschmierstoff-Verdünnungen, die aus wassermischbaren Konzentraten hergestellt wurden.

So erfahren Sie, wie ein Kühlschmierstoff zusammengesetzt ist

Doch wie erfahren Sie als Anwender, aus welchen Komponenten sich Ihr KSS zusammensetzt?

Wenn Ihr Hersteller oder der Lieferant zuverlässig ist, stellt er Ihnen das Sicherheitsdatenblatt unaufgefordert zur Verfügung. Und zwar spätestens mit der ersten Lieferung.

Die Realität sieht jedoch leider oft anders aus – und dann müssen Sie aktiv werden: Kontaktieren Sie den Hersteller, und fordern Sie das Sicherheitsdatenblatt an. Und machen Sie deutlich, dass Sie damit nicht um einen Gefallen bitten: Jeder Hersteller muss für Gefahrstoffe oder Zubereitungen mit Gefahrstoffen das Sicherheitsdatenblatt erstellen und mitliefern.

Wie Sie ein rechtssicheres Sicherheitsdatenblatt erstellen

Was Sie über die unterschiedlichen Gefahren wissen müssen

Die unterschiedlichen Ausgangsstoffe bergen spezielle Gefahren. Einige der Komponenten können gefährlich für Mensch und Umwelt sein oder durch Verschmutzung gefährlich werden, mit vorübergehenden oder sogar bleibenden Auswirkungen. Beachten Sie daher folgende 8 Risiken von Kühlschmierstoffen:

  1. Wenn Sie in direkten Kontakt mit den KSS kommen, sind Erkrankungen der Haut möglich.
  2. Vermeiden Sie Augenkontakt mit KSS, denn dann kann es zu unterschiedlich heftigen Reizungen der Augen kommen.
  3. Wenn Sie Dämpfe oder Aerosole von KSS einatmen, sind oftmals Reizungen und Erkrankungen der Atemwege die Folge.
  4. Sollten Sie einzelne Bestandteile der KSS über Luft und Haut aufnehmen, können Erkrankungen innerer Organe die Folge sein. So werden beispielsweise Niere und Leber durch Diethylenglykol, oder die Nerven durch Lösungsmittel angegriffen.
  5. Gefahr besteht auch, wenn Sie mit verschmutzten, durch Mikroorganismen belasteten wassergemischten KSS in Berührung kommen, in denen sich krebserregende Nitrosamine gebildet haben.
  6. Geringer, aber nicht völlig auszuschließen ist die Gefahr, dass KSS versehentlich verschluckt werden.
  7. Da die KSS während des Bearbeitens in Bewegung sind und sich erwärmen, werden Dämpfe freigesetzt oder feinste Teilchen versprüht, sodass brennbare oder explosionsfähige Dampf-/Luft-Gemische entstehen können.
  8. Außerdem gefährden KSS die Umwelt, wenn sie nicht vorschriftsgemäß entsorgt werden.

Ermitteln Sie die Gefährdung vor dem ersten Einsatz der Kühlschmierstoffe

Die Gefahrstoffverordnung (GefStoffV, § 7) und die Biostoffverordnung (BioStoffV, ebenfalls § 7 für nicht gezielte Tätigkeit mit biologischen Arbeitsstoffen) fordern, dass eine fachkundige Person eine Gefährdungsbeurteilung vornimmt und die erforderlichen Informationen ermittelt.

Verantwortlich ist der Unternehmer. In der Praxis wird diese Aufgabe in der Regel an die Sicherheitsfachkraft delegiert. Die Gefährdungsbeurteilung müssen Sie fertigstellen, bevor die Kühlschmierstoffe zum ersten Mal eingesetzt werden. Für eine optimale Gefährdungsbeurteilung sollten Sie sich Unterstützung holen. Beziehen Sie folgende Personen mit in die Gefährdungsbeurteilung ein:

  • Hersteller und Lieferanten der Kühlschmierstoffe
  • fachkundige Personen im Betrieb und von außerhalb (Berater)
  • Betriebsarzt
  • Berufsgenossenschaften und Behörden

Entwickeln Sie ein umfassendes Sicherheitskonzept

Mit der Einschätzung der Gefahren durch die Gefährdungsbeurteilung ist es aber nicht getan. Entwickeln Sie auch Maßnahmen für einen sicheren Einsatz. Von KSS gehen während ihrer gesamten Einsatzdauer unterschiedliche Risiken aus, denen Sie mit unterschiedlichen Mitteln begegnen müssen. Entwickeln Sie für Ihr Unternehmen deshalb ein Sicherheitskonzept, das den gesamten Zyklus – vom Einkauf bis zur Entsorgung – erfasst.

Berücksichtigen Sie dabei sowohl die kurzfristigen Risiken als auch die Gefahren mit langfristiger Wirkung. Die folgenden 6 Schritte zeigen Ihnen, wie Sie dabei
am besten vorgehen:

Schritt 1: Suchen Sie nach Alternativen für Kühlschmierstoffe

Am besten ist es natürlich immer, Gefahren ganz und gar zu vermeiden. Das gilt auch für den Einsatz von KSS. Denn es gibt Alternativen: die Trockenbearbeitung und die Minimalmengenschmierung. Unter bestimmten Bedingungen – z. B. bei neuen Maschinen – können Werkstücke trocken bearbeitet werden, völlig ohne Kühlschmierstoffe. Das ist jedoch nur bei bestimmten spanenden Verfahren möglich. Für die Trockenbearbeitung sind unterschiedliche Varianten denkbar:

  • Auf den Kühlschmierstoff wird vollständig verzichtet.
  • Flüssiger Schmierstoff wird z. B. durch Graphit ersetzt (Trockenschmierung beim Schleifen).
  • Kühlende Gase (z. B. Stickstoff ) ersetzen die flüssigen Kühlstoffe

Schritt 2:  Verwenden Sie Kühlschmierstoffe mit geringem Gefahrenpotenzial

Lässt sich der Einsatz von KSS in Ihrem Unternehmen nicht vermeiden, dann

  • sollten Sie nach Möglichkeit nur KSS mit einem geringen Gefahrstoffpotenzial verwenden,
  • dürfen Sie keine KSS mit verbotenen Komponenten verwenden,
  • dürfen Sie keine KSS verwenden, die Bestandteile mit unbekannten Umweltrisiken enthalten,
  • sollten Sie den Einsatz von KSS vermeiden, die Stoffe enthalten, für die Verwendungsbeschränkungen existieren.

Beim Einsatz von wassermischbaren und wassergemischten KSS können sich krebserregende Stoffe bilden. Für diese KSS sind Verwendungsbeschränkungen in der Technischen Regel für Gefahrstoffe (TRGS) 611 zusammengefasst.

Schritt 3: Organisieren Sie den sicheren Einsatz der Kühlschmierstoffe

Jetzt müssen Sie mithilfe der Informationen aus der Gefährdungsbeurteilung die erforderlichen Sicherheitsvorkehrungen für die Arbeitsprozesse mit KSS in Ihrem Unternehmen ableiten.

8 mögliche organisatorische Maßnahmen bei Kühlschmierstoffen:

  1. Halten Sie die Zahl der betroffenen Beschäftigten gering, indem Sie z. B. Arbeitsgänge mit KSS räumlich von anderen Tätigkeiten trennen.
  2. Begrenzen Sie durch vernünftige Arbeitsorganisation Dauer und Umfang des Kontakts mit den KSS. Dazu können Sie z. B. eine bestimmte Zeit pro Schicht vorgeben.
  3. Sorgen Sie dafür, dass nur geringe Gefahrstoffmengen am Arbeitsplatz bereitgehalten werden. Die Menge sollte den Tagesbedarf nicht überschreiten.
  4. Verhindern Sie Fehlgebrauch von Arbeitsstoffen, indem z. B. nur deutlich und aussagefähig beschriftete Verpackungen für KSS verwendet werden. Wenn aus der Originalverpackung die Tagesration abgefüllt wird, müssen Sie sicherstellen, dass die Beschriftung des Behälters mit dem Inhalt übereinstimmt und eventuell vorhandene, nicht mehr gültige Beschriftungen und Kennzeichnungen entfernen werden.
  5. Sorgen Sie für ausreichende Möglichkeiten der Lüftung, verlagern Sie Arbeiten mit KSS in möglichst große Räume bzw. Hallen.
  6. Schaffen Sie die Voraussetzungen für Sauberkeit am Arbeitsplatz: Mittel zur Beseitigung von Verschmutzungen müssen vorhanden sein und Behälter zur Abfallbeseitigung bereitstehen.
  7. Organisieren Sie ausreichende Möglichkeiten zur persönlichen Hygiene: Sorgen Sie dafür, dass verschmutzte Arbeitskleidung gewechselt werden kann. Weisen Sie die Mitarbeiter darauf hin, dass Reinigungstücher nicht für die Hände benutzt werden sollen.
  8. Veranlassen Sie, dass zum Essen, Trinken, Rauchen spezielle Räume oder Bereiche benutzt werden und dass die Pausen oder Bereitschaftsräume sowie Tagesunterkünfte nicht mit stark verschmutzter Arbeitskleidung betreten werden.

Darüber hinaus sollten Sie auch technische und personenbezogene Schutzmaßnahmen treffen.

Schritt 4: Wie Sie Ihre Kollegen auf Notfälle vorbereiten

Auch wenn Sie alles organisiert haben und die Kollegen gut informiert sind: Völlig ausschließen lassen sich Unfälle leider nicht.

Sie können durch organisatorische Maßnahmen dafür sorgen, dass Ihre Kollegen bei Zwischenfällen und Unfällen schnell und wirkungsvoll handeln und so die Auswirkungen möglichst überschaubar bleiben. An dieser Stelle kommt das Sicherheitsdatenblatt noch einmal ins Spiel: In den Punkten 4 bis 8 finden Sie wichtige Hinweise für Notfallmaßnahmen.

Das Sicherheitsdatenblatt: Eine unentbehrliche Hilfe bei der Gefährdungsbeurteilung!

Schritt 5: So prüfen und entsorgen Sie Kühlschmierstoffe sicher

Bei ihrem Einsatz verändern die KSS ihre Eigenschaften: Sie nehmen Schmutz auf und werden dabei durch feste Bestandteile oder chemisch verunreinigt bzw. von Mikroorganismen befallen („verkeimt“). Damit verlieren sie ihre nützlichen Eigenschaften und werden zu einer langfristigen biologischen Gefahr für Mensch und Umwelt.

Entwickeln Sie einen Prüfplan, in dem die „Sollwerte“ für Ihre Kühlschmierstoffe festgehalten sind. Kontrollieren und dokumentieren Sie regelmäßig, ob die Vorgaben eingehalten werden. Fragen Sie auch bei Ihrem KSS-Hersteller nach: Immer mehr Firmen bieten diese Kontrollen inzwischen als Service an.

Können Kühlschmierstoffe nicht mehr verwendet werden, dürfen sie nicht einfach ins Abwasser geleitet werden! Sie haben die Möglichkeit, einen Abfallspezialisten mit der Entsorgung zu beauftragen oder die Abwässer selbst vorzubehandeln. Wassergemischte und nicht-wassermischbare Kühlschmierstoffe müssen voneinander getrennt gesammelt, gelagert und entsorgt werden.

Schritt 6: Informieren Sie Mitarbeiter mit der Betriebsanweisung

Ein bewährtes Mittel, um auf Gefahren aufmerksam zu machen und Mitarbeiter über die erforderlichen Notfallmaßnahmen zu informieren, ist die Betriebsanweisung. Hängen Sie diese dort auf, wo auch mit Kühlschmierstoffen gearbeitet wird und gehen Sie die Betriebsanweisung in Ihrer nächsten Unterweisung durch. Die jährliche Gefahrstoffunterweisung ist Ihre Möglichkeit, die Mitarbeiter für die Gefahr von KSS zu informieren.

So erstellen Sie rechtssichere und praxistaugliche Betriebsanweisungen

Autor: Uta Fuchs


Arbeitshilfen
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Kühlschmierstoffe Gefährdung und Schutzmaßnahmen
vom 07.05.2019
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