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Urteil und Wissenswertes über die Einhaltung der MAK Werte!

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Mak-Wert

MAK Werte stehen für maximale Arbeitsplatz-Konzentration für flüchtige Chemikalien und Stäube. Die Werte bilden Grenzwerte und dienen zur Einschätzung der Gefährdung an Gefahrstoff-Arbeitsplätzen. Ein Gerichtsurteil zeigt nun, dass selbst die Einhaltung der MAK Werte, keine Garantie ist und gesundheitliche Schäden auch dann noch als Berufskrankheit eingestuft werden können.

Der Fall

Die 1979 geborene Frau war 14 Jahre als Energie-Anlagenelektronikerin in einer Firma beschäftigt, die Robotersysteme herstellt. Dabei musste sie täglich mehrere Stunden Lötarbeiten verrichten. Absaugvorrichtungen gab es an ihrem Arbeitsplatz nicht. Im Juli 2014 hat man bei ihr eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) diagnostiziert, die so schwerwiegend war, dass sie ihre Arbeit aufgeben musste. Als Ursache hielten die behandelnden Ärzte die berufliche Exposition gegenüber Lötzinn und Ölnebeln für möglich und erstatteten deshalb im Juli 2014 eine BK-Verdachtsanzeige.

BG: „MAK Werte unterschritten“

Der Präventionsdienst der BG befand jedoch, dass die beim Weichlöten freigesetzten Gefahrstoffe die geltenden Grenzwerte unterschritten, auch wenn keine Absaugvorrichtungen vorhanden seien. Sie verweigerten darum die begehrte Anerkennung als BK Nr. 4302 der Anlage 1 zur Berufskrankheitenverordnung.

Entscheidung des Sozialgerichts Karlsruhe

Diese Auffassung wies das Gericht zurück. Denn die medizinischen Gutachten konnten keine andere plausible Krankheitsursache ermitteln, wie etwa Rauchen. Die Einhaltung der MAK Werte am Arbeitsplatz stehe dem nicht zwingend entgegen. Denn, so die Richter, diese gäben nach der Definition in § 2 Abs. 8 Gefahrstoffverordnung nur an, bis zu welcher Stoffkonzentration schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit „im Allgemeinen“ nicht zu erwarten seien. Es gelten daher schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit im Einzelfall nicht von vornherein auszuschließen.

Das können Sie aus dem Urteil lernen

Grundsätzlich sollte Ihre erste Maßnahme sein, die mit Grenzwerten versehenen Stoffe gar nicht erst zu verwenden. Gibt es vielleicht andere Stoffe zur Substitution? Ist dies nicht der Fall, sollten Sie nicht nur sicherstellen, dass die MAK Werte eingehalten werden, sondern auch andere Sicherheitsmaßnahmen treffen. Etablieren Sie Prozesse, durch die die Freisetzung des Gefahrstoffs zu verhindern ist und überprüfen Sie die Qualität Ihrer persönlichen Schutzausrüstung.

Die neuen MAK Werte für 2018 liegen vor

Die maximalen Arbeitsplatz-Konzentrationen, auch MAK Werte genannt, und biologischen Arbeitsstoff-Toleranzwerte (BAT Werte) sind wichtige Kenngrößen für die Gefährdungsbeurteilung bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen. Neue Grenzwert-Vorschläge erarbeitet die zuständige Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe (MAK-Kommission) und übergibt sie dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales.

MAK Werte stehen gemeinsam mit BAT Werten in einer Liste und sind veröffentlicht. Sofern die dort aufgeführten Stoffe krebserzeugende, Keimzellmutagene, sensibilisierende, hautresorptive und die Schwangerschaft beeinträchtigende Eigenschaften aufweisen, ist auch dies in der Liste vermerkt. Die Einhaltung der BAT Werte prüft der Betriebsarzt anhand von biologischem Material, wie Blut und Urin.

Bei einer Überschreitung der Grenzwerte ist klar: Die Qualität der Schutzmaßnahmen ist dringend zu prüfen.

MAK Werte & BAT Werte sind Orientierungshilfen

Wer schon einige Jahre im Arbeitsschutz aktiv ist, wird sich vielleicht über die Meldung neuer MAK Werte wundern. Denn sowohl die:

  • MAK Werte = maximale Arbeitsplatz-Konzentration für flüchtige Chemikalien und Stäube wie auch der
  • BAT Werte = biologischer Arbeitsstoff-Toleranzwert

gelten als veraltet. Sie wurden in der GefStoffV jedoch ersetzt durch den Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) und den biologischen Grenzwert (BGW). Dennoch dienen MAK Werte und BAT Werte weiterhin als wichtige Richtwerte zur Orientierung. Sie werden seit 2005 von der Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe der DFG jedes Jahr überprüft, mit dem aktuellen Forschungsstand zu gesundheitlichen Auswirkungen abgeglichen und ggf. angepasst.

Der Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS) prüft die Werte dann erneut und empfiehlt sie in der Regel zur Übernahme in die sie betreffenden Vorschriften und Regelwerke.

95 Änderungen und Neuaufnahmen – Orientierung bei der Gefährdungsbeurteilung

Besonders auffallend in der Liste der neu aufgenommen Substanzen ist ein neuer MAK Wert für Polytetrafluorethylen (PTFE). Dieser Stoff ist auch als Teflon oder Gore bekannt, mit dem Bratpfannen beschichtet und Outdoor-Kleidung ausgestattet wird. Dass es für so eine Substanz, die im Alltag oft verwendet wird, Arbeitsplatzgrenzwerte geben soll, mag auf den ersten Blick verwundern. Doch in diesem Fall geht es um PTFE-Feinstäube, die bei der Herstellung oder Verarbeitung entstehen. Sie stellen am Arbeitsplatz ein Gesundheitsrisiko dar, da sie tief in die Lunge eindringen und dort Entzündungen und Gewebeveränderungen hervorrufen können.

Weitere neue MAK Werte betreffen unter anderem Dichloressigsäure und deren Salze, Glutarsäure und Kokosnussöl. Einige Stoffe wurden hinsichtlich ihrer Kanzerogenität (Förderung der Krebsentstehung) neu eingestuft. Ebenfalls neu sind zusätzliche Warnhinweise für bestimmte Substanzen, bei denen, neben der Inhalation, auch die Aufnahme durch die Haut eine deutliche Gefährdung der Gesundheit darstellen kann. Erstmals wurde für Aluminium im Urin ein BAR (= biologischer Arbeitsstoff-Referenzwert) angegeben. Eine Überschreitung dieses Wertes bedeutet nicht automatisch eine Gesundheitsgefahr. Sie sollten überhöhte Werte in Ihrer Belegschaft jedoch als Anlass nehmen, die Ursache der zusätzlichen Aluminiumbelastung aufzuklären.

Sie können die neue MAK Werte und BAT Werte Liste zur Orientierung nutzen, wenn Sie Ihre Gefährdungsbeurteilungen überprüfen. Wenn die Stoffmengen, die als Gas, Dampf, Aerosol oder Staub in der Luft an Ihren Arbeitsplätzen auftreten, unterhalb der Werte liegen, können Sie davon ausgehen, dass auch langfristig keine Gesundheitsschäden drohen. Das können Sie erreichen, wenn Sie die Betriebsräume richtig lüften.

Autor: Redaktion Safety Xperts

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