• 0228 / 95 50 160

Urteil: Einhaltung von MAK-Werten schließt Berufskrankheit nicht aus!

Mak-wert

Auch wenn bei Gefahrstofftätigkeiten nachweislich alle MAK-Grenzwerte eingehalten wurden, kann eine Berufskrankheit vorliegen. Das hat das Sozialgericht Karlsruhe mit dem Urteil vom 14.12.2016 entschieden (Az. S 1 U 3686/15). Es gab damit der Klägerin recht, deren schwere Atemwegserkrankung die Berufsgenossenschaft (BG) nicht als Berufskrankheit (BK) anerkennen wollte.

MAK-Wert steht für Maximale Arbeitsplatz-Konzentration für flüchtige chemikalien und Stäube. Die Werte bilden Grenzwerte und dienen zur Einschätzung der Gefährdung an Gefahrstoff-Arbeitsplätzen. Ein Gerichtsurteil zeigt nun, dass selbst die Einhaltung der MAK-Werte, keine Garantie ist und gesundheitliche Schäden auch dann noch als Berufskrankheit eingestuft werden kann

Der Fall

Die 1979 geborene Frau war 14 Jahre als Energie-Anlagenelektronikerin in einer Firma beschäftigt, die Robotersysteme herstellt. Dabei musste sie täglich mehrere Stunden Lötarbeiten verrichten. Absaugvorrichtungen gab es an ihrem Arbeitsplatz nicht. Im Juli 2014 wurde bei ihr eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) diagnostiziert, die so schwerwiegend war, dass sie ihre Arbeit aufgeben musste. Als Ursache hielten die behandelnden Ärzte die berufliche Exposition gegenüber Lötzinn und Ölnebeln für möglich und erstatteten deshalb im Juli 2014 eine BK-Verdachtsanzeige.

BG: „MAK-Grenzwerte unterschritten“

Der Präventionsdienst der BG befand jedoch, dass die beim Weichlöten freigesetzten Gefahrstoffe die geltenden Grenzwerte unterschritten, auch wenn keine Absaugvorrichtungen vorhanden seien. Sie verweigerten darum die begehrte Anerkennung als BK Nr. 4302 der Anlage 1 zur Berufskrankheitenverordnung.

Entscheidung des Sozialgerichts Karlsruhe

Diese Auffassung wies das Gericht zurück. Denn die medizinischen Gutachten konnten keine andere plausible Krankheitsursache ermitteln, wie etwa Rauchen. Die Einhaltung der Arbeitsplatzgrenzwerte stehe dem nicht zwingend entgegen. Denn, so die Richter, diese gäben nach der Definition in § 2 Abs. 8 Gefahrstoffverordnung nur an, bis zu welcher Stoffkonzentration schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit „im Allgemeinen“ nicht zu erwarten seien. Es werden daher schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit im Einzelfall nicht von vornherein ausgeschlossen.

Das können Sie aus dem Urteil lernen

Grundsätzlich sollte Ihre erste Maßnahme sein, die mit Grenzwerten versehenen Stoffe gar nicht erst zu verwenden. Gibt es vielleicht andere Stoffe zur Substitution? Ist dies nicht der Fall sollten Sie nicht nur sicher stellen, dass die MAK-Werte eingehalten werden, sondern auch andere Sicherheitsmaßnahmen treffen. Etablieren Sie Prozesse, durch die die Freisetzung des Gefahrstoffs verhindert wird und überprüfen Sie die Qualität Ihrer Persönlichen Schutzausrüstung.

Prüfen Sie darüber hinaus welche Art von arbeitsmedizinischer Vorsorge Sie leisten müssen: Mehr zum Thema Arbeitsmedizin

Erfahren Sie mehr zu dem Thema Berufskrankheit:

* Selbstverständlich können Sie den Sprachführer zum Thema Arbeitssicherheit auch unabhängig von einer Newsletter-Anmeldung anfordern. Schreiben Sie uns dazu bitte eine kurze E-Mail mit Link zu dieser Seite.

Copyright © 2018 Safety Xperts. Impressum | Datenschutz