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Notfallmanagement für Gefahrgutunfälle: So bauen Sie es in Ihrem Betrieb auf!

© Ben Carlson – Shutterstock
Notfallmanagement

Bei Transportvorgängen innerhalb des Betriebs kann manches schiefgehen. Die Gefahr wächst, wenn am Warenumschlag Gefahrstoffe beteiligt sind und bei Unfällen freigesetzt werden. Sind die beteiligten Mitarbeiter dann nicht auf diese Situation vorbereitet oder notwendige Hilfsmittel nicht zur Hand, steigen die Risiken für Sicherheit und Gesundheit weiter. Wie Sie mit einem Notfallmanagement solche Situationen beherrschen, dazu gibt eine neue DGUV-Information eine nützliche Anleitung.

Innerbetriebliche Transportvorgänge sind die Lebensadern vieler Unternehmen. Unterschiedlichste Stoffe müssen zwischen Warenannahme, Lager, Produktion, Verpackung, Versand, Entsorgung usw. bewegt werden. Besonders die Schnittstellen zwischen Fahrzeugen, Transporthilfsmitteln und Umschlagbereichen sind unfallträchtig.

Lkw und Stapler, Mitarbeiter mit Sackkarre oder Hubwagen, aber auch Förderbänder und automatisierte Systeme bewegen Feststoffe, Flüssigkeiten, Gase in Fässern, Kanistern, Flaschen und Paketen sowie in unterschiedlichsten Gebindegrößen und -formen. An Rampen und in Ladezonen ist es manchmal eng und kann hektisch werden. In vielen Fällen sind kleinere Malheurs wie Beschädigungen, ein Umkippen, Fallenlassen oder Wegrollen „nur“ ärgerlich.  Doch sobald es um für Sicherheit und Gesundheit gefährliche Substanzen geht – ob ätzend oder giftig, leichtentzündlich oder umweltgefährlich –, wird jeder Unfall und jede kleine Leckage schnell zu einem hohen Sicherheitsrisiko.

Notfallmanagement als Präventionsaufgabe

In solchen Fällen gilt es, schnell und gezielt zu handeln. Betroffene Mitarbeiter müssen wissen, wie sie die Gefahr einschätzen und mit welchen Schritten sie reagieren müssen: Welche Substanzen muss ich wie aufnehmen oder binden? Wann muss ich wen alarmieren? Wenn Mitarbeiter in einer solchen kritischen Situation hektisch und planlos agieren, können sie nicht nur die Unfallfolgen verschlimmern, sondern sich auch selbst gefährden, etwa durch eine ungeeignete Reinigungsmethode. Dazu kommt die Gefahr, dass ausgetretene Substanzen aufgrund fehlender Verhaltensregeln verschleppt und verbreitet werden. Die neue DGUV-Information 208-050 zeigt, wie Sie in Ihrem Betrieb ein Notfallmanagement aufbauen, um solche Risiken zu beherrschen. Die wichtigsten Schritte dazu sind:

  1. durch eine Gefährdungsbeurteilung Art und Ausmaß möglicher Gefahrstoffexpositionen abschätzen.
  2. daraus präventive Maßnahmen zum Schutz der Mitarbeiter ableiten.
  3. die notwendigen Hilfsmittel und PSA definieren.
  4. festlegen, wann welche Mitarbeiter welche Aufgaben bei einem Notfall übernehmen und wie sich alle anderen Personen in der Nähe des Unfalls oder Lecks verhalten sollen.

Hinweis: Beachten Sie, dass es bei diesem Dokument nur um innerbetriebliche Umschlag- und Transportvorgänge geht. Das betrifft alle Räume, vom Treppenhaus bis zur Lagerhalle, aber auch Verkehrswege und Freigelände. Für Lieferungen und Transporte von und zu Ihrem Betrieb – ob per Straße, Schiene, Wasserweg oder Luft – gelten jedoch viele weitere Vorgaben zur Ladungssicherung, zur Gefahrgutverpackung und -kennzeichnung usw.

Ausgangspunkt: die Gefährdungsbeurteilung

Verschaffen Sie sich eine Übersicht, bei welchen innerbetrieblichen Transporten welche gefährlichen Stoffe und Güter bewegt werden. Denken Sie nicht nur an Rohstoffe, Hilfsstoffe, Zwischenprodukte und Waren, sondern auch an gefährliche Abfälle und wie diese vom Ort des Anfalls zu einem Sammelbehälter transportiert werden. Relevant für das Abschätzen der Gefährdungen sind

  • die physikalisch-chemischen Eigenschaften der Stoffe und deren Auswirkungen auf die Gesundheit, aber auch hinsichtlich deren Brand- und Explosionsrisiken.
  • die an den Transport- und Umschlagprozessen beteiligten Arbeitsmittel, Fahrzeuge, Förderbänder usw.
  • Art und Größenordnung möglicher Expositionen unter Berücksichtigung der Stoffeigenschaften, z. B. staubendes Pulver oder leichtflüchtige Flüssigkeit, und der möglichen Expositionswege wie Einatmen, Hautkontakt, Schleimhäute, Augen usw.
  • die Umgebungsbedingungen wie Innen- oder Außenbereich, bauliche Faktoren, Raumgröße, RLT-Anlagen usw.

Für die Risikoabschätzung genügt es nicht, wenn Sie die Beförderungspapiere erhaltener Waren nach Gefahrgut-Informationen durchschauen. Zentrale Informationsquelle sind und bleiben die Sicherheitsdatenblätter. Darüber hinaus liefern die bewährten Online-Portale wie die GESTIS-Stoffdatenbank, GISBAU oder REACH-Helpdesk wichtige Informationen zu gefährlichen Stoffen. Die DGUV-Information empfiehlt ein Vorgehen nach der TRGS 400 oder dem Einfachen Maßnahmenkonzept Gefahrstoffe ( EMKG) der BAuA.

Diese grundsätzlichen Maßnahmen sind erforderlich

In einem eigenen Kapitel nennt die DGUV-Information die folgenden Basismaßnahmen, die stoff- und betriebsübergreifend umgesetzt werden sollten:

  •  organisatorisch: – Verantwortlichkeiten und Kompetenzen festlegen (Notfallhelfer und Notfallmanager, zu deren Qualifikationsanforderungen s. Kap. 9 der DGUV- Information); – einen Alarmplan aufstellen (Muster in Anhang 2)
  • technisch: – geeignete Alarmierungsmittel installieren oder beschaffen (Sirene, Glocke, Megafon etc.); – für Absperrmittel sorgen, mindestens rot-weiße Bänder
  • personenbezogen: Unterweisungen, Notfallübungen, Informationsblätter für Fremdfirmen und Besucher

Durch klare Vorgaben einen Notfall sicher abarbeiten

Die DGUV-Information unterscheidet Erstmaßnahmen wie Warnen, Kennzeichnen oder den Gefahrenbereich verlassen von Erkundungsmaßnahmen, um gezielt und nur mit PSA die Herkunft einer Verschmutzung oder Quelle einer Leckagen zu identifizieren. Stellt sich heraus, dass keine gefährliche Exposition zu erwarten ist, weil z. B. eine feuchte Stelle auf Kondens- oder Regenwasser zurückgeführt werden kann, stuft der Notfallmanager oder -helfer die Lage als „kein Notfall“ ein. Kann nicht ausgeschlossen werden, dass ein gefährlicher Stoff ausgetreten ist, muss eine Maßnahmenkaskade starten, die vom Abschätzen der ausgetretenen Menge bis zum Einsatz von Hilfsmitteln (s. Kasten rechts) reicht.

Je nachdem, ob das Risiko als beherrschbar oder nicht eingeschätzt wird, gilt eine höhere Alarmstufe. Dann müssen Ihre Kollegen auch entscheiden, ob ein Notruf erfolgt oder ein externer Dienstleister zu Hilfe gerufen werden muss. Die DGUV-Information zeigt mit grafischen Übersichten, welche Aufgaben und Schritte in einem Notfall auf welche Funktionsträger im Betrieb zukommen. Zu einem kompletten Notfallmanagement gehört außerdem, dass Sie Vorgaben zum Reinigen, Entsorgen und für die Freigabe betroffener Arbeitsbereiche festlegen.

Wichtig für Ihre Unterweisungen

Es muss nicht immer ein Unfall passiert sein, um ein Notfallmanagement auszulösen. Die Schritte und Maßnahmen gelten auch z. B. für einen plötzlich auftretenden ungewöhnlichen Geruch, eine nasse Stelle auf einer Chemikalienverpackung oder ein Pulver unbekannter Herkunft auf der Laderampe.

Legen Sie einen erfolgreich bewältigten Notfall mit den abgeschlossenen Aufräumarbeiten nicht sofort zu den Akten. Stellen Sie sich gemeinsam mit allen Beteiligten und Verantwortlichen kritischen Fragen:

  • Was hat den Notfall ausgelöst und wo könnten tieferen Ursachen liegen?
  • Was ist in den ersten Reaktionen der Mitarbeiter gut gelaufen, was weniger gut?
  • Welche Schritte in der akuten Notfallbewältigung sollten Mitarbeiter, Notfallhelfer und Notfallmanager in weiteren Übungen vertiefen?
  • Hat die Alarmierung und Kommunikation funktioniert wie vorgesehen?
  • Welche Präventionsmaßnahmen technischer, organisatorischer oder personenbezogener Art müssen verändert, ergänzt oder erweitert werden, damit sich ein solcher Vorfall nicht wiederholt?

Download-Tipp: Die neue DGUV-Information 208-050 „Notfallmanagement beim Umschlag und innerbetrieblichen Transport von Gefahrgütern und gefährlichen Stoffen – Eine Planungshilfe für Betriebe“ können Sie unter http://shortlinks.de/d93y herunterladen.

Die Notwendigkeit für diese Hilfsmittel sollten Sie prüfen

Neben geeigneter PSA für alle an der Notfallbewältigung und am Leckagemanagement beteiligten Mitarbeiter kommen diverse Werkzeuge und Hilfsmittel infrage, die je nach Art der Substanz (fest, flüssig …) und den damit verbundenen Gefährdungen in Ihrem Unternehmen gute Dienste leisten können:

  • Materialien zum schnellen Absperren und Sichern betroffener Arbeitsbereiche: Flatterbänder, Sperrketten, Warnleitkegel, Bauzäune, ggf. auch das Gefahrenzeichen „Zutritt für Unbefugte verboten“
  • Material zum Eindämmen, Begrenzen, Abdichten: Schläuche, Stopfen, Matten, Kissen, Riegel, flexible Absperrbarrieren („Schlangen“), selbstschweißende Dichtbänder
  • Materialien zum Auffangen oder Binden: Auffangplanen oder -säcke, Bergungsfässer, Leckagewannen, Bindemittel, Vliese, Sauger, Schaufel
  • Mittel und Geräte zur Leckageortung wie Rauchpatronen, Nebelerzeuger, UV-Lampen, ggf. spezielle Messgeräte
  • sonstige Werkzeuge wie Kamera für Dokumentationszwecke, Standleuchten, Taschenlampen für schwer einsehbare Bereiche usw.

Zum Notfallmanagement hinzu, kommen die Anforderungen der GefStoffV und der ASR A4.3 zu Erste-Hilfe-Einrichtungen, insbesondere Augenspülstationen und Duschen.

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Autor: Dr. Friedhelm Kring

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