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Wie Sie ein rechtssicheres Sicherheitsdatenblatt erstellen

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Sicherheitsdatenblatt erstellen

Seit Einführung der REACH-Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 wurden Sicherheitsdatenblätter immer umfangreicher. Lassen Sie sich von so vielen Seiten aber nicht abschrecken! Nutzen Sie diese wertvollen Informationen zur Verbesserung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes in Ihrem Betrieb.

    Sicherheitsdatenblätter (SDBs, englisch SDS für Safety Data Sheet) können eine wahre Goldgrube für Arbeitsschützer sein, da sie hier wertvolle Informationen zu möglichen Gefahren inklusive Schutzmaßnahmen finden. Sind Sie jedoch der Lieferant, der das Sicherheitsdatenblatt erstellen muss, kann es ganz schön kompliziert werden, die relevanten Informationen zusammenzutragen.

    Dann müssen Sie ein Sicherheitsdatenblatt erstellen

    Lieferanten müssen ein Sicherheitsdatenblatt erstellen, wenn ein von ihm bereitgestellter Stoff laut CLP-Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 als gefährlich eingestuft wird. Dann verlangt der Gesetzgeber von allen Chemikalienherstellern und -lieferanten, dass Sie spätestens bei der ersten Lieferung ein Sicherheitsdatenblatt erstellen müssen. Das Dokument muss fachlich richtig sowie vollständig ausgefüllt sein und regelmäßig aktualisiert werden. Bei einem Verstoß gegen die Vorschriften zum Sicherheitsdatenblatt drohen Bußgelder von bis zu 50.000 €.

    Warum das Sicherheitsdatenblatt so wertvoll ist

    Das Sicherheitsdatenblatt (SDB) begleitet eine Chemikalie entlang der gesamten Lieferkette vom Hersteller bis zum beruflichen Verwender. Es enthält sicherheitsbezogene Informationen über Stoffe und Gemische. Diese Angaben sollen Ihnen helfen, die notwendigen Maßnahmen für den Schutz der menschlichen Gesundheit und die Sicherheit am Arbeitsplatz sowie für den Umweltschutz zu ergreifen. Auf dem Lieferweg obliegt es den Lieferanten, das Sicherheitsdatenblatt entlang der Lieferkette weiterzugeben.

    Wer darf ein Sicherheitsdatenblatt erstellen?

    Sicherheitsdatenblätter dürfen ausschließlich von sachkundigen Personen erstellt werden. Das regelt die REACH-Verordnung klipp und klar. Diese Sachkunde erlangen Sie durch die Teilnahme an entsprechenden Schulungen.

    Welche Kenntnisse genau gefordert werden, ist in den Leitlinien zur Erstellung von Sicherheitsdatenblättern genau beschrieben. Demnach sind Sie sachkundig, wenn Sie durch Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen und praktische Erfahrung folgende Kenntnisse erworben haben. Sie…

    • kennen die relevanten Vorschriften, insbesondere die REACH- und die CLP-Verordnung sowie wichtige nationale Regelungen wie z. B. Technische Regeln für Gefahrstoffe,
    • verfügen über Leitlinien zum Sicherheitsdatenblatt, wie sie beispielsweise die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) veröffentlicht,
    • haben Erfahrung in der Bestimmung und Bewertung physikalisch-chemischer Eigenschaften (Flammpunkt, Viskosität, Explosionsgrenzen etc.),
    • kennen sich auf dem Gebiet der Toxikologie/Ökotoxikologie aus und können entsprechende Befunde bewerten,
    • haben Erste-Hilfe-Kenntnisse,
    • wissen, was im Schadensfall wie z. B. bei unbeabsichtigter Freisetzung oder Brand zu tun ist und wie Unfälle vermieden werden können,
    • kennen die Maßnahmen zum sicheren Umgang mit Gefahrstoffen von der Persönlichen Schutzausrüstung bis zur Entsorgung,
    • sind informiert über die Vorschriften zum Transport gefährlicher Güter.

    Sofern Sie Sicherheitsdatenblätter für Tenside, Explosivstoffe, Biozide oder Pflanzenschutzmittel erstellen, benötigen Sie zusätzliches Fachwissen für diese speziellen Gefahrstoffe.

    In welcher Sprache muss man das Sicherheitsdatenblatt erstellen?

    Ein Sicherheitsdatenblatt ist stets in der Amtssprache des Mitgliedsstaates vorzulegen. Demnach haben Sie in Deutschland Anspruch auf ein deutsches Sicherheitsdatenblatt, liefern Sie z. B. nach Frankreich oder Belgien, müssen Sie ein französisches Sicherheitsdatenblatt erstellen. Österreich und Luxemburg akzeptieren ebenfalls deutsche SDBs.

    Diese Informationen liefert das Sicherheitsdatenblatt

    Sicherheitsdatenblätter werden für Produkte bzw. Produktgruppen erstellt und enthalten in 16 Abschnitten folgende Angaben:

    Abschnitt im SDB Inhalt
    Abschnitt 1 Bezeichnung des Stoffs beziehungsweise des Gemischs und des Unternehmens

     

    Abschnitt 2 Mögliche Gefahren
    Abschnitt 3 Zusammensetzung/Angaben zu Bestandteilen

     

    Abschnitt 4 Erste-Hilfe-Maßnahmen
    Abschnitt 5 Maßnahmen zur Brandbekämpfung
    Abschnitt 6 Maßnahmen bei unbeabsichtigter Freisetzung
    Abschnitt 7 Handhabung und Lagerung
    Abschnitt 8 Begrenzung und Überwachung der Exposition / Persönliche Schutzausrüstung
    Abschnitt 9 Physikalische und chemische Eigenschaften
    Abschnitt 10 Stabilität und Reaktivität
    Abschnitt 11 Toxikologische Angaben
    Abschnitt 12 Umweltbezogene Angaben
    Abschnitt 13 Hinweise zur Entsorgung
    Abschnitt 14 Angaben zum Transport
    Abschnitt 15 Rechtsvorschriften
    Abschnitt 16 Sonstige Angaben

    Wenn Sie ein Sicherheitsdatenblatt erstellen, ist es nicht immer einfach alle relevanten Informationen an der richtigen Stelle zu notieren. Gehen Sie deshalb in Abschnitten vor und bauen Sie das SDB schrittweise auf.

    Abschnitt 1: Die Bezeichnung des Stoffes beziehungsweise des Gemischs und des Unternehmens

    Anhand der Produktbezeichnung auf dem Gefahrstoffetikett und dem Produktnamen in diesem Abschnitt können Sie das Sicherheitsdatenblatt Ihrer Chemikalie eindeutig zuordnen. In diesem Abschnitt ist auch die vorgesehene Verwendung wie z. B. Antioxidationsmittel vermerkt. Bei nach REACH registrierten Stoffen, muss das Sicherheitsdatenblatt Informationen über alle identifizierten Verwendungen enthalten, die für den Verwender der Chemikalie von Belang sind.

    Auch die Anschrift des Herstellers oder Ihres Lieferanten ist hier eingetragen. An diese Adresse wenden Sie sich, wenn beim Studieren des Dokumentes Fragen auftauchen, die durch die nachstehenden Abschnitte nicht beantwortet werden. Die Adressdaten werden ergänzt durch eine Notfallrufnummer sowie die E-Mail-Adresse der Person, die für das Sicherheitsdatenblatt zuständig ist.

    Abschnitt 2: Mögliche Gefahren

    Die Gefahren, die von dem Produkt ausgehen, werden durch die Einstufung im Unterabschnitt 3.1 beschrieben. Sie wird in Kurzform ausgewiesen wie beispielsweise bei einer akut toxischen Chemikalie der Kategorie 4: Acute Tox. 4: H302.

    Im Unterabschnitt 3.2 ist die vollständige Kennzeichnung vermerkt. Die Kennzeichnung besteht aus folgenden Elementen: Gefahrenpiktogramm/en, Gefahren- und Sicherheitshinweisen und dem Signalwort. Achten Sie darauf, dass die Informationen in diesem Abschnitt mit den Kennzeichnungsangaben auf dem Gefahrstoffetikett übereinstimmen.

    Zusätzlich kann in im Unterabschnitt 3.3 auf besondere Gefahren hingewiesen werden, die nicht zu einer Kennzeichnung als Gefahrstoff führen, wie z.B. bei Stäuben, die Möglichkeit der Bildung explosionsgefährlicher Staub-Luft-Gemische.

    Abschnitt 3: Zusammensetzung / Angaben zu den Bestandteilen

    Hier stehen die Informationen zur chemischen Basis Ihres Produktes. Alle gefährlichen Bestandteile in Ihrem Produkt sind hier aufgelistet. Aufgeführt sind in der Regel alle gesundheitsgefährlichen und umweltgefährlichen Bestandteile ab einer Konzentration von 1 %. Besonders gefährliche Stoffe wie beispielsweise hochgiftige Substanzen sind bereits bei niedrigeren Konzentrationen zu benennen. Für einige Substanzen hat die Europäische Kommission stoffspezifische Konzentrationsgrenzen festgelegt. So muss beispielsweise Ätznatron ab einer Konzentration von 0,5 % im Sicherheitsdatenblatt aufgeführt werden.

    Persistente, bioakkumulierbare und toxische (PBT)-Stoffe oder sehr persistente und sehr bioakkumulierbare (vPvB)-Stoffe sind ab ≥ 0,1 % zu benennen.  Die gefährlichen Inhaltsstoffe sind mit ihrer Stoffbezeichnung und Nummern zur Identifizierung wie die REACH-Registrierungnummer einzutragen. Wurde der Stoff nicht nach REACH registriert so ist ergänzend die EG-Nummer, die Index-Nummer oder die CAS-Nummer aufzunehmen. Auch die Konzentration des Stoffes ist zu vermerken. Hier sind Konzentrationsbereiche erlaubt.

    Natürlich dürfen auch nicht als gefährlich eingestufte Bestandteile auf freiwilliger Basis aufgeführt sein.

    Abschnitt 4: Erste-Hilfe-Maßnahmen

    Hier finden Sie, was Sie bei Gesundheitsbeeinträchtigungen durch Verschlucken, Einatmen sowie Haut- oder Augenkontakt mit Ihrer Chemikalie tun müssen. Diese Maßnahmen sind so beschrieben, dass sogar ein Laienhelfer Erste Hilfe leisten kann.

    So gelingt die Erste Hilfe in Ihrem Betrieb

    Abschnitt 5: Maßnahmen zur Brandbekämpfung

    Dieser Abschnitt sagt Ihnen, mit welchen Mitteln Sie einen Brand bekämpfen sollten und worauf Sie bei der Brandbekämpfung besonders achten sollten.

    Abschnitt 6: Maßnahmen bei unbeabsichtigter Freisetzung

    Das kann auch in Ihrem Betrieb passieren. Aus einem undichten Behälter läuft der ätzende Inhalt aus. Damit Sie wissen was bei der unbeabsichtigten Freisetzung zu tun ist, sind in diesem Abschnitt die nötigen Maßnahmen beschrieben. Lesen Sie dort nach wie Sie das Produkt schadlos beseitigen können.

    Abschnitt 7: Handhabung und Lagerung

    Was sollten Sie bei der Lagerung des Produktes beachten? Welche Schutzmaßnahmen sind zur sicheren Handhabung der Chemikalie sinnvoll? Antworten auf diese Fragen finden Sie in diesem Abschnitt. Hier sollten Sie außerdem auch detaillierte und praxisnahe Verwendungsempfehlungen finden.

    Abschnitt 8: Begrenzung und Überwachung der Exposition / Persönliche Schutzausrüstung

    Enthält das Produkt Inhaltsstoffe, für die ein Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) nach TRGS 900 oder ein Biologischer Grenzwert (BGW) nach TRGS 903 festgelegt ist, finden Sie hier konkrete Werte.

    Hinweise zur Auswahl Ihrer Persönlichen Schutzausrüstung sind ebenfalls wichtig. Ihr Lieferant gibt Ihnen an dieser Stelle auch Hinweise zu geeignetem Atemschutz, Schutzbrille, Schutzhandschuhe, Körperschutz und Hygiene.

    Abschnitt 9: Physikalische und chemische Eigenschaften

    In diesem Abschnitt steht, ob es sich bei dem Produkt um einen Feststoff, eine Flüssigkeit oder ein Gas handelt. Die Farbe und der Geruch sind ebenfalls anzugeben. Weiterhin sind die folgenden Daten gefordert:

    • Geruchsschwelle;
    • pH-Wert:
    • Schmelzpunkt/Gefrierpunkt;
    • Siedebeginn und Siedebereich;
    • Flammpunkt;
    • Verdampfungsgeschwindigkeit;
    • Entzündbarkeit (fest, gasförmig);
    • obere/untere Entzündbarkeits- oder Explosionsgrenzen;
    • Dampfdruck;
    • Dampfdichte;
    • relative Dichte;
    • Löslichkeit(en);
    • Verteilungskoeffizient: n-Octanol/Wasser;
    • Selbstentzündungstemperatur;
    • Zersetzungstemperatur;
    • Viskosität;
    • explosive Eigenschaften;
    • oxidierende Eigenschaften

    Sofern zu einem aufgeführten Parameter Angaben fehlen, ist das zu begründen.

    Abschnitt 10: Stabilität und Reaktivität

    Lesen Sie hier, welche Bedingungen zu gefährlichen Reaktionen wie die Bildung entzündbarer, erstickend wirkender, oxidierender und/oder giftiger Gase führen können.

    Abschnitt 11: Toxikologische Angaben

    Gesundheitsschädigende Wirkungen des Gefahrstoffes sind an dieser Stelle vollständig beschrieben. Das können sowohl Befunde toxikologischer Untersuchungen sein, als auch der Hinweis auf die Einstufung eines Stoffgemisches nach dem Berechnungsverfahren für Zubereitungen (Stoffgemische).

    Abschnitt 12: Umweltbezogene Angaben

    Konkret heißt das: Daten, die mögliche umweltgefährdende Eigenschaften belegen, sollten in diesem Abschnitt stehen. Hierzu gehören Informationen zur biologischen Abbaubarkeit oder der Schädlichkeit für Gewässer und Fische.

    Abschnitt 13: Hinweise zur Entsorgung

    Empfehlungen zur sachgerechten Entsorgung können Sie in diesem Abschnitt nachlesen. Die Angabe des zutreffenden Abfallschlüssels sollte hier nicht fehlen. Der 6-stellige Abfallschlüssel ist nach der Abfallnomenklatur der Abfallverzeichnis-Verordnung anzugeben.

    Abschnitt 14: Angaben zum Transport

    Bei gefährlichen Gütern finden Sie hier die Transportangaben für die relevanten Verkehrsträger, mindestens jedoch für den Straßentransport, aufgeführt.

    Abschnitt 15:  Rechtsvorschriften

    Gelten für das Produkt oder einzelne Bestandteile besondere Regelungen ist in diesem Abschnitt darauf hinzuweisen. Beispiele hierfür sind Zulassungsbeschränkungen oder Verwendungsbeschränkungen, die sich aus der REACH-Verordnung ergeben.

    Zu berücksichtigen sind auch nationale Vorschriften, wie beispielsweise Bestimmungen für die Lagerung oder die Zuweisung einer Wassergefährdungsklasse. Zudem ist anzugeben, ob der Lieferant für das Produkt eine Stoffsicherheitsbeurteilung nach REACH erstellt hat.

    Abschnitt 16: Sonstige Angaben

    Das heißt für Sie: Der Wortlaut aller in den Abschnitten 2 und 3 des Sicherheitsdatenblattes aufgeführten Gefahren- und Sicherheitshinweise ist hier aufgeschrieben. Ihr Lieferant beschreibt hier auch alle Informationen, von denen er annimmt, dass diese Angaben für Ihre Gesundheit und Sicherheit, aber auch für die Umwelt von Bedeutung sind.

     

    So wird das Sicherheitsdatenblatt eine unentbehrliche Hilfe bei der Gefährdungsbeurteilung!

    Autor: Gabriele Janssen

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