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Stickoxide (NOx) und was Sie darüber wissen sollten

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Stickoxide

Die Diskussionen um Dieselfahrverbote in Städten spalten Deutschland. Wissenschaftliche Erkenntnisse, populistische Äußerungen, oberflächliche Kettenbriefe: Die vielfältige Informationsflut lässt es kaum mehr zu, sich eine eigene Meinung zu bilden und die Sachlage – auch im Betrieb – klar zu überblicken. Grund genug, sich wieder auf die Fakten zu besinnen.

Es ist schwer, ein objektives Bild der Gesundheitsgefährdungen durch Stickoxide zu gewinnen. Allein die Grenzwerte für Stickstoffdioxid verwirren, da hier zwischen Außenluft und Arbeitsplatz unterschieden wird. Während Politiker weiter über die Außenluft-Grenzwerte von Stickoxid diskutieren und für Dieselfahrverbote appellieren, sollten Arbeitsschützer einen genauen Blick auf den Arbeitsplatzgrenzwert werfen.

Was haben die unterschiedlichen Grenzwerte für Stickoxid zu bedeuten?

Der EU-Grenzwert (Jahresmittelwert) für die Stickstoffdioxidkonzentration (NO2) in der Außenluft beträgt 40 µg/m³ und ist Grund für die kommenden Dieselfahrverbote. Der Grenzwert von 40 µg/m³ gilt aber nur im Mittel. Als Ein-Stunden-Grenzwert ist ein Wert von 200 µg/m³ festgelegt worden, der nicht öfter als 18-mal im Kalenderjahr überschritten werden darf.

Der in Deutschland gültige Arbeitsplatzgrenzwert hingegen ist mit 950 µg/m³ wesentlich höher. Er darf sogar 4-mal pro Schicht für je 15 Minuten um das Doppelte überschritten werden, also bis 1.900 µg/m³. Noch verwirrender wird der Vergleich, wenn man einen Blick aufs Ausland wirft: In der Schweiz wird als maximale Arbeitsplatzkonzentration 3 ml/m³ gefordert, was nach Umrechnung ca. 6.000 µg/m³ ergibt.

Warum also ein so strenger Grenzwert für die Atemluft, der über Fahrverbote und andere Maßnahmen zu erheblichen wirtschaftlichen Einschränkungen führen kann?

Der Vergleich der Grenzwerte für Stickoxide ist nur die eine Hälfte der Wahrheit

Betrachtet man die Rahmenbedingungen für die Grenzwerte etwas genauer, haben die Grenzwerte durchaus ihre Berechtigung. Denn bei der Ableitung von Grenzwerten für Stickoxid in der Außenluft dürfen nicht die gleichen Maßstäbe angelegt werden wie für Arbeitsplatzgrenzwerte. Ausschlaggebend für die Bestimmung der Grenzwerte ist nicht allein die Konzentration, sondern die Exposition, also die Wirkung der Schadstoffe auf den Menschen, wie von der Einwirkzeit und den Rahmenbedingungen  abhängt.

Beachten Sie diese 7 Punkte bei Stickoxid-Grenzewerten:

Der Arbeitsplatzgrenzwert gilt für gesundes Arbeiten bei acht Stunden täglich und für maximal 40 Stunden in der Woche.

  1. Beschäftigte, die berufsbedingt solchen Schadstoffen ausgesetzt sind, erhalten zwangsläufig eine arbeitsmedizinische Betreuung und befinden sich somit unter strenger Beobachtung, was bei der Allgemeinbevölkerung nur sehr eingeschränkt gilt.
  2. Der Stickstoffdioxidkonzentration in der Außenluft sind wir hingegen rund um die Uhr ausgesetzt, da die Stickoxide dann in alle Lebensräume vordringen. Damit hat der Körper keine Chance, Schädigungen wie Reizungen durch das Gas in Ruhephasen wieder auszugleichen oder zu korrigieren. Zum Vergleich: Wenn Sie eine kleine Schnittwunde nicht heilen lassen, sondern immer wieder aufschneiden, wird daraus zwangsläufig Krebs entstehen. Kann die Wunde heilen, ist eine längere oder lebensbedrohende gesundheitliche Beeinträchtigung äußerst unwahrscheinlich.
  3. Empfindliche Personen wie Kinder, Schwangere, ältere Menschen oder Menschen mit Erkrankungen wie Asthma reagieren wesentlich sensibler auf Stickstoffdioxid als gesunde Beschäftigte.
  4. Bei Kontakt mit Wasser (also auch in den Schleimhäuten oder der Lunge) reagieren Stickoxide zu Salpetersäure, die dann das Gewebe schädigen kann. Geschieht dies dauerhaft, ohne dass der Körper diese Schädigungen heilen kann, drohen ernsthafte Erkrankungen wie Lungenödeme. Außerdem wurden in einer  epidemiologischen Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes für das Jahr 2014 statistisch rund 6.000 vorzeitige Todesfälle aufgrund von Herz-Kreislauf- Erkrankungen ermittelt, die auf die Langzeitbelastung mit Stickoxiden zurückgeführt werden können.
  5. Deshalb gilt gemäß der Innenraumlufthygienekommission bereits seit den 90-er Jahren ein Richtwert für Stickstoffdioxid in Innenräumen von 60 µg/m³ als Wochenmittelwert. Das ist zwar noch immer höher als die 40 µg/m³ des europäischen Grenzwerts, zeigt aber doch, dass seit fast 30 Jahren die Gefährdungen durch Stickoxide bekannt sind.
  6. Der EU-Grenzwert stimmt mit den heute gültigen wissenschaftlichen Empfehlungen z. B. der Weltgesundheitsorganisation (WHO) überein.

Sind Fahrverbote also berechtigt?

Aufgrund dieser Tatsachen haben die EU-Grenzwerte und folglich die Fahrverbote durchaus ihre Berechtigung. Natürlich stimmt wie immer die Gesetzeslage nicht mit allen Partialinteressen der Bevölkerung und der Wirtschaft überein. Aber in diesem Fall hat der Gesetzgeber ein klares Interesse: den Schutz der Bevölkerung vor Gesundheitsbeeinträchtigungen, wie auch immer diese entstehen sollten.

Ob es Sinn macht, die gesamte Diskussion jetzt allein in Fahrverboten enden zu lassen, ist eine andere Frage. In vielen Städten könnte man über komplette Dieselfahrverbote einen größeren Anteil der Stickoxid-Emissionen vermeiden, der irgendwo im Bereich von 10 bis 40 % liegen könnte.

Die Frage ist aber, ob das genügt, um die Grenzwerte sicher einzuhalten. Ob Fahrverbote deshalb unbedingt verhältnismäßig sind, wird deshalb auch von Politik und Gerichten unterschiedlich bewertet.

Fakt ist: Stickoxide sind gesundheitsgefährdend und die strengen Grenzwerte haben ihre Berechtigung – auch in Ihrer Unterschiedlichkeit.

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Autoren: Christian Schweizer und Stefan Küst

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