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UN-Nummern: Pflicht beim Transport von Gefahrgut

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UN-Nummern Gefahrgut

Der Transport von Gefahrgut ist nicht nur in Deutschland, sondern weltweit einheitlich geregelt. Die Güter werden mit Warntafeln gekennzeichnet, die wiederum mit Nummern versehen sind. Was die UN-Nummern bedeuten.

Weltweit nimmt die Zahl der Gefahrguttransporte zu. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, wurden 2016 mehr als 146.000 Tonnen Gefahrgut auf deutschen Straßen transportiert. 130.000 Tonnen fallen laut der Statistik auf deutsche Fahrzeuge und mehr als 15.000 Tonnen auf ausländische Gefahrguttransporter. Im gleichen Jahr wurden auf dem Seeweg, mit dem Binnenschiffverkehr sowie mit der Eisenbahn mehr als 160.000 Tonnen Gefahrgut transportiert. Obwohl es derzeit keine aktuellen Zahlen der genannten Behörde gibt, steigt die weltweite Zahl der Transporte gefährlicher Stoffe.

    Für Gefahrguttransporte gibt es zahlreiche Vorschriften, die genau regeln, wie die Gefahrstoffe auf den unterschiedlichsten Wegen transportiert werden müssen. Innerhalb der Europäischen Union (EU) ist die ADR-Vorschrift die Bekannteste.

    ADR als Basisregelwerk

    Das Europäische Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße kann als umfassendes Basisregelwerk gesehen werden. Unter anderem enthält es Vorschriften für die Klassifizierung, Verpackung, Kennzeichnung und Dokumentation gefährlicher Güter für den Umgang mit den Stoffen.

    Darüber hinaus enthält das ADR Vorschriften für die verwendeten Fahrzeuge. Zudem teilt das Übereinkommen die einzelnen Gefahrstoffe in die sogenannten ADR-Klassen ein, die umgangssprachlich auch Gefahrgutklassen genannt werden. Insgesamt gibt es 9 dieser Gefahrgutklassen. Sie beschreiben die Gefährlichkeit der einzelnen Gefahrstoffe.

    Die ADR-Klassen bezeichnen jedoch nicht nur Stoffe, sondern beispielsweise auch Gegenstände und Gemische, die entzündbar sind und von denen während des Transports eine Gefahr ausgehen kann. Das bekannteste Beispiel für einen Gefahrstoff ist Sprengstoff.

    UN-Nummern sind ein wichtiger Teil bei Gefahrguttransport

    Beim Gefahrguttransport spielt nicht nur die jeweilige Gefahrgutklasse eine wichtige Rolle, sondern auch die UN-Nummer. Diese von den Vereinten Nationen (UN) festgelegte Nummer ist stets vierstellig und wird für alle Gefahrstoffe und Gefahrgüter festgelegt. Auf den orangefarbenen Warntafeln, mit denen Gefahrguttransporte gekennzeichnet sind, ist es die untere Nummer. Die obere Nummer wird Gefahrnummer genannt.

    Was die Nummern aussagen

    Die UN-Nummern dürfen bei einem Gefahrguttransport nicht fehlen, da sie im Falle eines Unfalls den Feuerwehren wichtige Informationen zum Gefährlichkeitspotenzial der Stoffe liefern. Außerdem könne dadurch die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen eingeleitet werden.

    Weitere Erläuterungen der Gefahr- und UN-Nummern

    Im Folgenden sollen beide Nummern, die auf der Warntafel stehen, näher erläutert werden. Zunächst werden die obenstehenden Ziffern auf der Tafel betrachtet.

    Die erste Ziffer der UN-Nummern bedeutet stets die Hauptgefahr.

    1: Explosive Stoffe

    2: Gas

    3: Entzündbarer flüssiger Stoff

    4: Entzündbarer fester Stoff

    5: Entzündbarer (oxidierender) Stoff oder organisches Peroxid

    6: Giftiger Stoff

    7: Radioaktiver Stoff

    8: Ätzender Stoff

    9: Verschiedene gefährliche Stoffe

    Sollte das X vor den Nummern stehen, darf der Stoff nicht mit Wasser in Berührung kommen.

    Die erste Ziffer gibt die jeweilige Gefahrgutklasse des Stoffes an.

    Die zweite und dritte Ziffer der UN-Nummern stehen für eine zusätzliche Gefahr

    0: Keine weitere Gefahr

    1: Explosionsgefahr

    2: Entweichen von Gas durch Druck oder chemische Reaktion

    3: Entzündbarkeit flüssiger Stoffe (Dämpfe) und Gase oder selbsterhitzungsfähiger flüssiger Stoff

    4: Entzündbarkeit fester Stoffe oder selbsterhitzender fester Stoff

    5: Oxidierende Wirkung (brandfördernd)

    6: Giftig oder hohe Ansteckungsgefahr

    7: Radioaktivität

    8: Ätzwirkung

    9: Gefahr einer spontanen Reaktion nicht ausgeschlossen

    Bei der Gefahrnummer gibt es zudem bestimmte Ziffernkombinationen, die eine spezielle Bedeutung haben.

    22: tiefgekühltes Gas

    33: leicht entzündbarer, flüssiger Stoff mit einem Flammpunkt von unter 23 Grad Celsius

    X333: selbstentzündlicher (pyrophorer) flüssiger Stoff, der gefährlich mit Wasser reagiert

    44: Entzündbarer fester Stoff: Bei erhöhter Temperatur befindet er sich im geschmolzenen Zustand.

    X423: Entzündbarer fester Stoff. Reagiert gefährlich mit Wasser, wobei sich brenn- und entzündbare Gase bilden können.

    55: Stark oxidierender Stoff.

    539: Entzündbares, organisches Peroxid

    66: hochgiftiger Stoff

    88: Stark ätzender Stoff

    90: Umweltgefährdender Stoff sowie verschiedene gefährliche Stoffe

    99: Verschiedene gefährliche Stoffein erwärmten Zustand.

    Die untere Hälfte des Schildes ist die UN-Nummer

    Beispiele hierfür:

    1202: Heizöl/Diesel

    1203: Benzin

    1428: Natrium

    1547: Anilin

    2257: Kalium

    1972: Methan flüssig

    1662: Nitrobenzol

    1790: reine Flusssäure

    1977: Stickstoff

    1090: Aceton

    1951: Argon flüssig

    Einführung neuer UN-Nummern

    Im Intervall von zwei Jahren werden die ADR-Vorschriften erneuert. Seit 1. Januar 2019 ist das ADR 2019 in Kraft und bringt zahlreiche Änderungen für sich, die für Unternehmen, wie beispielsweise Speditionen verpflichtend sind.

    Unter anderem werden mit den Neuregelungen zwölf neue UN-Nummern für Gegenstände vergeben, die gefährliche Stoffe enthalten. Das ADR 2019 enthält die UN-Nummern 3537-3548. Diese Nummern knüpfen an verschiedensten Gefahrstoffe in Geräten und Maschinen an. In den Vorschriften, die der Deutsche Speditions- und Logistikverband (DSLV) auf seiner Webseite als freiverfügbares PDF-Dokument anbietet, ist mehrfach die Rede von Gegenständen.

    Damit sind Maschinen, Geräte und andere Einrichtungen gemeint, die gefährliche Güter oder Rückstände davon enthalten. Die gefährlichen Güter müssen fester Bestandteil des Gegenstandes und für die Funktion dessen notwendig sein. Darüber hinaus dürfen sie nicht für die Beförderungszwecke entfernbar sein.

    Freistellung für UN-Nummer 3363

    Die aktuellen ADR-Vorschriften enthalten auch Neuerungen bezüglich der Freistellung für die UN-Nummer 3363. Die Nummer wird für „gefährliche Güter in Maschinen und/oder Geräten“ ist nur noch dann möglich, solange die gefährlichen Stoffe unterhalb der festgelegten Mengengrenzen liegen. Diese finden sich in den Vorschriften in Tabelle A Spalte (7a).

    UN-Nummer 2381

    Die Neuregelungen des ADR betreffen außerdem die UN-Nummer 2381. Die bisherige Übergangsvorschrift wurde vom Gesetzgeber entfernt. Unter dem Punkt 1.6.3.42 hieß es, dass die in Tabelle A des Kapitels 3.2 genannte Tankcodierung für vor 2013 gebaute festverbundene Tanks und Aufsetztanks für Gefahrgut mit der genannten UN-Nummer verwendet werden darf. Laut ADR 2019 ist dies nun nicht mehr möglich.

    Bestellung eines Gefahrgutbeauftragten

    Die neuen Vorschriften des ADR betreffen auch den Gefahrgutbeauftragten in Unternehmen. Bislang mussten Unternehmen, die lediglich als Absender von gefährlichen Güter beteiligt sind, keinen eigenen Gefahrgutbeauftragten oder externen in die Firma holen. Mit dem ADR 2019 wird sich dies nun ändern. Auch der Absender von Gefahrgut muss intern einen Gefahrgutbeauftragten benennen. Verpflichtend wird die Bestellung jedoch erst ab 1. Januar 2023. Festgeschrieben ist dies in der Übergangsvorschrift 1.6.1.44 im ADR 2019.

    Sprengstoff mit UN-Nummer gekennzeichnet

    Die zahlreichen UN-Nummern sind Zahlencodes für unterschiedliche Gefahrstoffe der Gefahrgutklassen. Beispielsweise bezeichnen die Nummern verschiedene Sprengstoff-Typen. Im Folgenden sind sie aufgezählt.

    UN-NummerSprengstoff-Typ
    0081Typ A
    0082Typ B
    0083Typ C
    0084Typ D
    0031Typ B
    0332Typ E

    Wie bereits erwähnt, gibt es auf verschiedenen Websiten Listen mit den UN-Nummern im Überblick. Vor der Kennzeichnung eines oder mehrerer Versandstücke ist es ratsam, die UN-Nummern zu studieren. Beim Gefahrguttransport sollte nichts dem Zufall überlassen werden.

    Autor: Redaktion SafetyXperts

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