VDI stellt neue Richtlinie vor: So ermitteln und bewerten Sie Geruchsemissionen

VDI stellt neue Richtlinie vor: So ermitteln und bewerten Sie Geruchsemissionen

Ist in Ihrem Betrieb schon mal die Frage aufgetaucht, ob Sie ein Geruchsgutachten erstellen lassen müssen? Dies kann bei immissionsschutz-oder baurechtlichen Genehmigungsverfahren erforderlich werden. Eine neue VDI-Richtlinie klärt hier auf.

Gerüche sind permanente Alltagsbegleiter. Verursacher sind oft Betriebe aus der Abfall- und Landwirtschaft aber auch aus anderen Industriezweigen. Allerdings werden die Gerüche, die dort entstehen, von Anwohnern häufig als Belästigung empfunden. Vor allem Klär- oder Kompostieranlagen sind Geruchsverursacher und beeinträchtigen erheblich die Gesundheit.

Obwohl Gerüche subjektiv und unterschiedlich wahrgenommen werden, hinterlassen sie ihre Spuren im Gehirn. Es entstehen Geruchseindrücke, die auch als olfaktorische Eindrücke bezeichnet werden. Diese Geruchseindrücke werden im Hirn abgespeichert und können später immer wieder abgerufen werden. Demnach werden Gerüche, wie solche aus der Abfall- oder Abwasserwirtschaft, als negativ abgespeichert. Eine Gewöhnung daran findet nicht statt.

    Beeinträchtigungen durch Geruchsimmissionen: So greift das Bundes-Immissionsschutzgesetz

    Die Geruchsimmissionen, deren Verursacher Betrieb aus den genannten Branchen sowie Industrie- und gewerbliche Anlagen sind, gelten als schädliche Umwelteinwirkung im Sinne von § 5 Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG).

    Ganz konkret heißt es dort: Genehmigungsbedürftige Anlagen müssen so errichtet und betrieben werden, dass der Umweltschutz gewährleistet wird. Dementsprechend müssen Betreiber von Anlagen, in denen die Geruchsimmissionen entstehen, Vorsorge gegen schädliche Umwelteinwirkungen und sonstige Gefahren treffen (§ 5 Art.1 Abs.2 BImSchG). Im Sinne des Gesetzes müssen die Bürger bzw. Anwohner von Anlagen, in denen die Gerüche entstehen, geschützt werden.

    Voraussetzung für diesen staatlichen Schutz sind:  Die Geruchsimmissionen rufen je nach Art, Dauer und Ausmaß psychische Beeinträchtigungen für die Allgemeinheit sowie für die Nachbarschaft hervor. Derzeit gibt es keine Belege dafür, dass Gerüche eine krankmachende Wirkung haben. Allerdings rufen sie physiologische Reaktionen, wie zum Beispiel Stress hervor. Stressreaktionen treten oft bei sehr unangenehmen Gerüchen auf, bei denen der Körper zur Flucht vorbereitet wird.

    Weitere Rechtsgrundlagen – TA Luft und GIRL

    Neben dem Bundes-Immissionsschutzgesetz gibt es die GIRL (Geruchsimmissions-Richtlinie) sowie die TA Luft (Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft). Hierbei handelt es sich um weitere Rechtsgrundlagen in Bezug auf den Schutz vor schädlichen Einwirkungen durch Gerüche.

    In der TA Luft stehen die stoffbezogenen Emissions- und Immissionswerte. Darüber hinaus schreibt die Richtline Verfahren zur Geruchsmessung vor. Darüber hinaus ist die TA Luft für die Behörden bindend, die industrielle und gewerbliche Anlagen genehmigen müssen.

    Die Immissionen (über die Luft eingetragene Schadstoffe) dürfen Grenzen nicht überschreiten, da sie sonst zu Schädigungen bei Anwohnern führen können. Eine ausreichende Prüfung auf schädliche Umwelteinwirkungen durch Gerüche muss dann erfolgen, wenn die Immissionswerte der TA Luft nicht festgelegt sind.

    Die GIRL dagegen spielt eine Rolle im Zusammenhang mit dem subjektiven Empfinden von Gerüchen. Die Geruchsimmissionsrichtlinie legt fest, wie Gerüche als Immissionen gemäß § 3 BImSchG erfasst und beurteilt werden. Wenn sich Betriebe in der Nähe von Wohnimmobilien oder auch von großen Wohngebieten neu ansiedeln möchten, muss die genehmigungserteilende Behörde die zu erwartenden Geruchsbelästigungen berücksichtigen.

    Vor dem Hintergrund der GIRL muss sie prüfen, ob von der Anlage deutlich wahrnehmbare Gerüche zu erwarten sind. Außerdem ist die Feststellung bzw. Prüfung notwendig, an wie vielen Stunden im Jahr diese Gerüche auftreten. Wenn 10 bis 15 Prozent der Stunden eines Jahres Wohngebiete von diesen Gerüchen belastet werden, spricht man von einer deutlichen Geruchsbelästigung. Die Behörde muss eindeutig belegen, dass die Anlage die Quelle der Gerüche ist. Alle anderen Faktoren der Geruchsbelästigung, wie beispielsweise Straßenverkehr oder Düngemittel, müssen zweifelsfrei ausgeschlossen werden.

    Hinweis: Die lokalen Behörden müssen die mögliche Geruchsbelästigung in regelmäßigen Abständen auch bei bestehenden Anlagen prüfen. Darüber hinaus hat die Bundesregierung die GIRL inzwischen in die TA Luft mit aufgenommen. Mit der Aufnahme soll das Nebeneinander von Wohnbebauung und Industrieanlagen weiterhin ermöglicht werden.

    Geruchsimmissionen versus Geruchsemissionen

    Geruchsimmissionen sind Geruchsbelästigungen, die aus der Verunreinigung der Luft resultieren. Chemiefabriken oder Tierhaltungsanlagen sind beispielsweise verantwortlich für die Geruchsimmissionen. Jede Immission kann auf mehrere Industrieanlagen bzw. Betriebe zurückgeführt werden. Die Verantwortung für die Verunreinigung der Luft liegt nicht nur bei einem Unternehmen allein.

    Bei Geruchsemissionen dagegen handelt es sich dagegen um Geruchs-Schadstoffe, die direkt aus der Quelle ausgestoßen werden. Diese Schadstoffe (Emissionen) entstehen zum Beispiel infolge der Verbrennung fossiler Energieträge, wie zum Beispiel Kohle, Öl und Gas. Darüber hinaus haben Produktionsprozesse in Raffinerien zur Folge, dass Geruchsemissionen ausgestoßen werden.

    Drei Faktoren beschreiben die Geruchsemission:

    • Geruchsstoffkonzentration (Geruchseinheit pro mLuft)
    • Geruchsintensität (subjektiv empfundene Stärke der Geruchswahrnehmung).
    • Hedonie (beschreibt, wie angenehm bzw. unangenehm Gerüche empfunden werden)

    Geruchsmessung: So funktioniert die Methode Olfaktometrie

    Oft genug beschweren sich Anwohner von geruchsintensiven Industrieanlagen oder Beschäftigte in nahegelegenen Gewerbeimmobilien über die Geruchsbelästigungen. Im Rahmen der Überprüfung von Anlagen, die Gerüche aussenden, müssen die Geruchsemissionen gemessen werden. Vor dem Hintergrund der Messung ist auch ein Geruchsgutachte erforderlich. Das Gutachten ist auch dann notwendig, wenn Genehmigungen für Anlagen sowie für Neubauten anstehen.

    Um die tatsächliche schädliche Umwelteinwirkung von Gerüchen zu beurteilen, muss man die Geruchsemissionen messen. Diese Messung, auch als Olfaktometrie bekannt, ist eine anerkannte Methode zur Bestimmung der Geruchsintensität.

    Sollen die Geruchsemissionen ermittelt werden, erfolgt dies mit Hilfe von Rasterbegehungen, die auch als Fahnenbegehungen bezeichnet werden. Die Fahnenbegehungen wiederum erfolgen in speziell definierten Bewertungsgebieten. Innerhalb dieses Gebiets erfolgen die Fahnenbegehungen mit der Probenahme an den einzelnen Messstellen. Die Messstellen haben innerhalb des Bewertungsgebiets in der Regel einen Abstand von 10 Metern.

    Bei der Geruchsmessung selbst kommt die menschliche Nase (Detektor) sowie der Olfaktometer zum Einsatz, an dem die Geruchsproben bewertet werden. Beim Olfaktometer handelt es sich um eine Mischapparatur, in der die Geruchsproben mit geruchsunbelasteter Luft gemischt werden können. Die geruchsunbelastete Luft ist synthetische Luft aus Druckgasflaschen. Probanden bewerten dann die Luft am Olfaktometer, einem Arbeitsplatz für mehrere Personen.

    Geruchshäufigkeit bei Messungen berücksichtigen

    Bei den Geruchsproben spielt die Geruchsintensität eine große Rolle. Probanden erhalten den Geruch zu Beginn stark verdünnt. Erst dann wird der Geruch immer stärker. Im Umkehrschluss heißt dies: Je stärker verdünnt werden muss, um den Geruch nicht mehr riechen zu können, umso intensiver ist der Geruch.

    Die Geruchsstoffkonzentration wird dabei aus der Verdünnung der Probe berechnet. Dennoch hat die Praxis gezeigt, dass die Geruchsstoffkonzentration allein kein hinreichendes Beurteilungskriterium für die Geruchswirkung darstellt. Um validierte Aussagen über die Gerüche bzw. Geruchsbelästigung zu bekommen, müssen im Rahmen der Messung die Geruchshäufigkeiten sowie die Geruchsstoffkonzentration berücksichtigt werden.

    Die Geruchshäufigkeit, die Häufigkeit des Auftretens von Gerüchen, wird im Rahmen der Fahnenbegehungen durchgeführt. An der vorab festgelegten Messstelle wird die Geruchshäufigkeit durch die Probanden ermittelt. Die Messstelle befindet sich vorzugsweise in einem Wohngebiet, in dem die Gerüche gemessen und bewertet werden.

    In der Regel werden die Messungen über einen Zeitraum von sechs Monaten durchgeführt. Grund dafür sind die unterschiedlichen metrologischen Zustände in diesem Zeitraum, welche die Ausbreitung von Gerüchen beeinflussen. Die Messungen erfolgen in dem halben Jahr sowohl zu Tages- als auch zu Nachtzeiten.

    VDI-Richtlinie und Geruchsgutachten

    Wie bereits erwähnt, ist im Rahmen der Genehmigung und Überprüfung von Anlagen in der Nähe von Wohngebieten ein Geruchsgutachten notwendig. In diesem Zusammenhang spielt die VDI-Richtlinie VDI 3886 Blatt 1 eine wichtige Rolle.

    Was die VDI-Richtlinie besagt

    Die Richtlinie wendet sich an die Entscheidungsträger, welche neue Anlagen genehmigen müssen oder bestehende Bauten hinsichtlich der Geruchsbelästigung überprüfen müssen. Es sind die für den Immissionsschutz zuständigen Überwachungs- und Fachbehörden. Darüber hinaus ist die VDI-Richtlinie eine Entscheidungshilfe, ob ein Geruchsgutachten notwendig ist. Wenn dies der Fall ist, kann die VDI-Richtlinie beim Umfang des Geruchsgutachtens helfen.

    Anlass für ein Geruchsgutachten kann sowohl ein immissionsschutzrechtliches oder baurechtliches Genehmigungsverfahren einer neuen Anlage als auch ein Überwachungsverfahren einer bestehenden Anlage sein. Wenn sich beispielsweise Anwohner über eine Geruchsbelästigung beschweren, ist ein solches Geruchsgutachten erforderlich.

    Erstellung des Geruchsgutachtens

    Bei der Erstellung des Gutachtens müssen folgende Punkte berücksichtigt werden:

    • Wie hoch ist die Vorbelastung der Umgebung durch die Geruchsimmissionen? Der Ist-Zustand muss eindeutig geklärt werden
    • Wie hoch ist die zu erwartende Zusatzbelastung? (Planzustand)
    • Wie schaut es mit der Gesamtbelastung durch die Geruchsimmissionen aus?

    Die Zusatz-, Vor- und Gesamtbelastung wird im Geruchsgutachten meistens grafisch dargestellt. Darüber hinaus müssen folgende Punkte enthalten sein:

    • Beurteilungsgebiet
      Hier erfolgt die Festlegung nach Nr. 4.4.2 GIRL. Ziel der Festlegung des Beurteilungsgebiets ist die Erfassung der Geruchsimmissionsquelle. Die Festlegung des Beurteilungsgebiets hängt vom Geruchsaufkommen ab. Es muss daher sorgfältig ausgewählt werden.
    • Die Beurteilung der relevanten bau- und immissionsschutzrechtlichen Anlagen und Emissionsquellen werden folgendermaßen ermittelt:
      – mindestens 600 Meter Radius plus 2 Prozent Isolinie um das Vorhaben
      – mindestens 600 Meter Radius um alle relevanten Immissionsorte
      – eine 2-Prozent-Isolinie um die Emissionsorte
      Wenn Emissionsorte ausgelassen werden, muss dies im Gutachten stets begründet werden.
    • Weitere Emissionsquellen
      Damit die Bewertung der Geruchssituation umfänglich ist und tatsächlich alle Gerüche erfasst werden, müssen weitere Emissionsquellen im Beurteilungsgebiet erfasst werden. Nach Ziffer 4.2 GIRL sind diese Quellen zu berücksichtigen. Dazu zählen unter anderem Emissionen von verschmutzten Flächen sowie Futtermittelemissionen bei landwirtschaftlichen Anlagen.
    • Inhomogene Belastungen
      Wenn sich die Kenngrößen benachbarter Beurteilungsflächen um mehr als 0,04 unterscheiden, liegt bei einer Ausbreitungsrechnung eine inhomogene Belastung vor. Sind Beurteilungsflächen für eine Bewertung relevant, muss eine Verkleinerung der Beurteilungsfläche vorgenommen werden.

    Darüber hinaus müssen die meteorologischen Verhältnisse in dem Beurteilungsgebiet im Geruchsgutachten Eingang finden. In den meisten Fällen werden sie grafisch dargestellt. Die TA Luft bzw. die Geruchsimmissionsrichtlinie sowie das BImSchG sind die rechtlichen Grundlagen für die Erstellung des Geruchsgutachtens. In der Regel werden die Gutachten von den Kommunen erstellt. Dafür ist ein Geruchsgutachter zuständig. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von externen Dienstleistern, die im Auftrag von Städten und Gemeinden ein Geruchsgutachten erstellen.

    Autor: Dr. Friedhelm Kring