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Wassergefährdende Stoffe und Gemische richtig managen

Wassergefaehrdende_Stoffe

Wassergefährdende Stoffe in der täglichen Praxis zu managen ist eine ständige Herausforderung. Fehlende Achtsamkeit kann im Fall eines Störfalls teuer werden. Wir zeigen Ihnen im Folgenden den Weg, wie Sie diese Aufgabe leichter bewältigen können.

Das Thema ist nicht neu, aber wichtig für alle Anlagenbetreiber, die Stoffe und Gemische mit einem Wassergefährdungspotenzial verwenden. Zum Schutz der Gewässer müssen Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen so gebaut und betrieben werden, dass Verunreinigungen oder nachteilige Veränderungen der Gewässer so gut wie ausgeschlossen sind.

Wassergefährdende Stoffe: VwVwS, dass entscheidende Hilfsmittel

In der allgemeinen Verwaltungsvorschrift zum Wasserhaushaltsgesetz über die Einstufung wassergefährdender Stoffe in Wassergefährdungsklassen (kurz: VwVwS) werden Stoffe als wassergefährdend bezeichnet, wenn sie geeignet sind, die physikalische, chemische oder biologische Beschaffenheit des Wassers nachhaltig zu verändern.

Sie werden entsprechend ihrer Gefährlichkeit in Wassergefährdungsklassen (WGK) eingestuft. Dabei unterscheidet man folgende Wassergefährdungsklassen:

  • WGK 1: Wassergefährdungsklasse 1 – schwach wassergefährdend (Beispiel: Chlorwasserstoff (HCl))
  • WGK 2: Wassergefährdungsklasse 2 – wassergefährdend (Beispiel: Diesel)
  • WGK 3: Wassergefährdungsklasse 3 – stark wassergefährdend (Beispiel: Benzol)

Wie erfolgt nun die Einstufung eines Stoffes in die jeweilige Wassergefährdungsklasse?

Dafür gibt es 2 Möglichkeiten:

Option 1: Schauen Sie nach, ob der Stoff in Anhang 1 (nichtwassergefährdend) oder 2 (wassergefährdend) der VwVwS genannt ist.

Option 2: Wenn der Stoff weder im Anhang 1 noch 2 zu finden ist, müssen Sie wassergefährdende Stoffe auf der Grundlage von R-Sätzen und Bewertungspunkten bestimmen und einstufen.

Die Kriterien, nach denen die wassergefährdenden Stoffe entsprechend ihrer Gefährlichkeit in die WGK 1, 2 oder 3 oder als nichtwassergefährdend eingestuft werden, sind im Anhang 3 der VwVwS aufgeführt.

Ein wichtiger Unterschied zu anderen Einstufungssystemen besteht darin, dass bisher nicht ausreichend untersuchte, nicht eingestufte oder nicht identifizierte Stoffe vorsorglich als stark wassergefährdend (WGK 3) gelten.

Wie erfolgt die Einstufung bei Gemischen?

Bei Gemischen sieht die Einstufung wie folgt aus: Die Wassergefährdungsklasse wird

Option 1: nach Anhang 4 Nr. 3 anhand der Komponenten ermittelt, soweit das Gemisch nicht in Anhang 2 eingestuft ist, oder

Option 2: nach Anhang 4 Nr. 4 durch Prüfung am Gemisch selbst festgestellt, soweit das Gemisch nicht in Anhang 2 eingestuft ist.

Aber nicht alle Gemische müssen als wassergefährdend eingestuft werden. Als nichtwassergefährdend können Gemische eingestuft werden, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

Der Gehalt an Komponenten der WGK 1 ist geringer als 3 % Massenanteil.

Der Gehalt an Komponenten der WGK 2 und 3 ist geringer als 0,2 % Massenanteil.

Es sind keine Komponenten der WGK 3, krebserzeugende Komponenten oder Komponenten unbekannter Identität zugesetzt.

Dem Gemisch sind keine Dispergatoren zugesetzt.

Was passiert nach der Einstufung?

Aus der WGK und der Menge der gehandhabten wassergefährdenden Stoffe werden dann aus den entsprechenden Anlagenverordnungen der Bundesländer Anforderungen an die Anlagen abgeleitet.

Damit soll eine Gefährdung von Grund- und Oberflächengewässern beim Gebrauch der Stoffe und bei Havarien ausgeschlossen werden.

Außerdem bietet die Einstufung von Stoffen in drei Wassergefährdungsklassen oder als nichtwassergefährdend für Anlagenbetreiber, Vollzugsbehörden vor Ort sowie im Fall eines Störfalls für die örtlichen Feuerwehren eine einfache Entscheidungsgrundlage. Dies ist auch wichtig, wenn es tatsächlich zu einem Störfall kommt, um die Umwelt- und Finanzschäden weitestgehend zu minimieren und entsprechende Maßnahmen zur Beseitigung anzuwenden.

Die WGK-Einstufung schafft darüber hinaus den Anreiz, besonders gefährliche oder schlecht untersuchte Stoffe durch solche, die weniger wassergefährdend und gut untersucht sind, zu ersetzen. Hier lohnt sich der Aufwand, nach weniger wassergefährdenden Stoffen zu suchen und diese in Ihren Betriebsprozessen einzusetzen.

Unsere Empfehlung

Sie müssen die Relevanz aller Kombinationen von Gefährlichkeitsmerkmalen für den Gewässerschutz nicht im Einzelnen beurteilen. Besprechen Sie gegebenenfalls mit einem Sachverständigen, für welche Stoffe und Gemische in Ihrem Betrieb die WGK ermittelt werden sollten.

Zudem empfehlen wir, ganz genau in die Versicherungsunterlagen Ihres Unternehmens zu schauen. Eventuell müssen Sie die Versicherungssumme für potenzielle Umweltschäden anpassen. Denn im schlimmsten Fall kann es zu ernsten finanziellen Problemen für einen Betrieb kommen, wenn Umweltschäden von der Versicherungssumme nicht abgedeckt sind.

Unser Praxis-Tipp: Alle bisher in eine Wassergefährdungsklasse als nicht wassergefährdend eingestuften Stoffe können in der Online-Datenbank Rigoletto des Umweltbundesamtes recherchiert werden.

So einfach geht Umweltschutz im Betrieb!

Autoren: Stefan Küst, Christian Schweizer

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