Gefährdungsbeurteilung Plus  05.06.2026

Arbeitsunfälle

Jürgen LogaWerner BöckerUta Fuchs
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Weniger Arbeitsunfälle – ein Erfolg, der tägliche Arbeit erfordert
Die aktuellen Auswertungen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zeigen eine erfreuliche Entwicklung: Die Zahl der Arbeitsunfälle in Deutschland ist über viele Jahre hinweg deutlich gesunken und liegt heute auf einem historischen Tiefstand. Dieses Ergebnis wirkt auf den ersten Blick wie eine Selbstverständlichkeit. Tatsächlich ist es jedoch das Resultat konsequenter und langfristiger Arbeit im Arbeitsschutz – von technischen Verbesserungen über klare organisatorische Regelungen bis hin zur kontinuierlichen Beratung und Unterstützung durch Fachkräfte für Arbeitssicherheit.
GDA-Psyche – neue Auflage der bewährten Dokumentation verlangt neue Gestaltungsziele
Als Auditor für die psychische Gefährdungsbeurteilung war ich neugierig, was die große Überarbeitung der „GDA-Psyche“ praktisch bedeutet. Denn seit Corona hat sich der Arbeitsalltag durch mobiles Arbeiten und Homeoffice in vielen Betrieben deutlich verändert. Genau darauf reagiert nun die überarbeitete GDA-Dokumentation. Die im Januar 2026 veröffentlichte vierte Auflage geht noch stärker darauf ein, wie Arbeit so gestaltet werden muss, dass psychische Gefährdungen gar nicht erst entstehen.
Umgang mit Arbeitsunfällen und Beinahe­unfällen: vom Ereignis zur Prävention
Unfälle entstehen selten „plötzlich“ und ohne Vorgeschichte. In den meisten Fällen kündigen sie sich an – durch kleine Hinweise, kritische Situationen oder Beinaheunfälle. Genau hier liegt Ihr größter Hebel im Arbeitsschutz. Entscheidend ist nicht nur, dass diese Ereignisse passieren, sondern wie konsequent Sie und Ihr Betrieb damit umgehen.
Psychische Belastung
Das Beobachtungsinterview – so setzen Sie das mächtige Instrument praxisnah ein
Ich erlebe es in der Praxis immer wieder: Das Beobachtungsinterview ist vor allem dort stark, wo Arbeitsplätze sehr individuell geprägt sind, etwa im Einzelbüro, an Spezialarbeitsplätzen, im Außendienst, in Leitstellen, in kleinen Teams oder überall dort, wo ein standardisierter Fragebogen nur die Oberfläche trifft. Gerade die neue Leitlinie der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA) macht deutlich, dass psychische Gefährdungen genauer an der konkreten Arbeit erfasst werden müssen. Das Beobachtungsinterview ist deshalb wichtig, weil es nicht nur Meinungen sammelt, sondern auch Arbeitsabläufe, Unterbrechungen, Führungsverhalten, Arbeitszeit, digitale Erreichbarkeit und Störungen direkt an der Tätigkeit sichtbar macht. Genau darin liegt seine Stärke. Die Details dazu habe ich Ihnen nachfolgend zusammengestellt.
Mann mit Kopfschmerzen vor dem Bildschirm
Gefährdungsbeurteilung muss ein lebendes Dokument sein
Systematisch vorgehen, die Mitarbeiter von Anfang an mitnehmen und flexibel auf Veränderungen reagieren. Das sind die Bausteine für eine wirkungsvolle Gefährdungsbeurteilung, meint Sebastian Christ. Er muss es wissen: Bei RENOLIT ist die Zahl der meldepflichtigen Unfälle signifikant zurückgegangen, seit Führungskräfte geschult und Gefährdungen konsequent beurteilt werden.
So machen Sie aus Kontrolle Zusammenarbeit
In vielen Betrieben ist Arbeitsschutz noch immer stark von Kontrolle geprägt. Regeln werden vorgegeben, deren Einhaltung wird überprüft – durch Führungskräfte, durch Fachkräfte für Arbeitssicherheit, durch Kolleginnen und Kollegen und nicht zuletzt durch Aufsichtsbehörden. Diese Logik ist nachvollziehbar, greift aber zu kurz. Denn sie führt häufig zu genau dem Verhalten, das Sie eigentlich vermeiden wollen: Mängel werden kaschiert, Probleme nicht offen angesprochen und Prüfungen als Bedrohung wahrgenommen.