Gefahrstoffmanagement: So gehen Unternehmen richtig mit gefährlichen Stoffen um

Gefahrstoffmanagement: So gehen Unternehmen richtig mit gefährlichen Stoffen um

Jedes Unternehmen, das mit Gefahrstoffen in Kontakt kommt, also gefährliche Stoffe transportiert, produziert, weiterverarbeitet oder auch einfach nur entsorgt, sollte in jedem Fall ein Gefahrstoffmanagement im eigenen Betrieb implementieren.

    Wenn in einem Unternehmen Gefahrstoffe eingesetzt werden, ist ein Gefahrstoffmanagement sowohl für den Arbeits- als auch Gesundheitsschutz Ihrer Mitarbeiter sinnvoll. Damit lassen sich nicht nur die gesetzlichen Regelungen zu Gefahrstoffen und Gefahrgut einhalten, sondern auch Arbeitnehmer, Kunden und Geschäftspartner schützen. Zugleich bewahrt ein nachhaltiges Management Firmen vor hohen finanziellen Schäden, die im Falle eines Unfalls mit Gefahrstoffen entstehen können.

    Was ist Gefahrstoffmanagement?

    Das Gefahrstoffmanagement ist ein wichtiger Aspekt im Arbeits- und Gesundheitsschutz eines Unternehmens. Darunter werden alle Maßnahmen bezeichnet, die zu einem sicheren Umgang mit Gefahrstoffen beitragen. Das Gefahrstoffmanagement gehört in den Bereich der Arbeitsschutzmaßnahmen. Mit Hilfe eines Gefahrstoffmanagementsystems haben Unternehmen die Möglichkeit, Standards für den Umgang mit gefährlichen Stoffen festzulegen, diese zu prüfen und Mitarbeiter im Rahmen einer Gefahrstoffunterweisung zu schulen. Ein Gefahrstoffmanagementsystem stellt also die perfekte Lösung dar, um die geplanten Schutzmaßnahmen dauerhaft und konsequent im Unternehmen durchzusetzen.

    Gesetzliche Grundlage für das Gefahrstoffmanagement ist die Gefahrstoffverordnung (GefStoffV), die wiederum den rechtlichen Rahmen für die „Technischen Regeln für Gefahrstoffe – Gefährdungsbeurteilung für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen (TRGS 400) liefert.

    Wer an Gefahrstoffe denkt, hat vor allem Gift oder Chemikalien im Sinn. Doch in der Praxis sind wir am Arbeitsplatz häufig von vielen verschiedenen gefährlichen Stoffen umgeben. Das können Klebstoffe, Desinfektions- oder Reinigungsmittel ebenso wie Lacke oder Säuren sein. Unternehmen können die dort eingesetzten Stoffe in einem Gefahrstoffkataster sammeln und ein Maßnahmenkonzept für Gefahrstoffe entwickeln.

    Bestandteile des Gefahrstoffmanagements

    Gefahrstoffmanagement besteht im Grunde aus 5 zentralen Elementen, die sich aus der Gefahrstoffverordnung, den TRGS 400 und dem Arbeitsschutzgesetz ableiten lassen:

    1. Gefährdungsbeurteilung
    2. Überprüfung, wie wirksam eingeführte Schutzmaßnahmen gegen Gefahrstoffe sind
    3. Ableitung von Schutzmaßnahmen aus der Analyse
    4. Dokumentation von umgesetzten Maßnahmen zum Schutz vor Gefahrstoffen
    5. Gefahrstoffunterweisung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

    Die Bestandteile des Gefahrstoffmanagements gehören zu den Unternehmerpflichten. Doch die Gefahrstoffverordnung und TRGS 400 geben neben der Dokumentation, Überprüfung und Unterweisung noch weitere Regelungen zum Umgang mit Gefahrstoffen vor, die im Rahmen des Gefahrstoffmanagements beachtet werden sollten. Dazu gehören unter anderem:

    • die ordnungsgemäße Entsorgung von Gefahrstoffen,
    • die Erstellung eines Gefahrstoffverzeichnisses,
    • die Kennzeichnung der Gefahrstoffe,
    • die Benennung eines Gefahrstoffbeauftragten und
    • die Konzeption praxisnaher Betriebsanweisungen.

    In der Regel wird das Gefahrstoffmanagement in den Arbeitsschutz integriert.

    Wichtige Datenbanken für Gefahrstoffe

    Um vorhandene Gefahrstoffe zu klassifizieren und in ein Gefahrstoffverzeichnis, auch Gefahrstoffkataster genannt, einzutragen, helfen Datenbanken mit Gefahrstoffinformationen weiter. Die Einstufungen der Gefahrstoffe in einem Gefahrstoffverzeichnis sind zum Beispiel relevant, um stichhaltige Gefährdungsbeurteilungen zu verfassen. Zu den wichtigsten Datenbanken gehören:

    • Gefahrstoffdatenbank der Länder (GDL): In diese Datenbank tragen alle verantwortlichen Behörden der Bundesländer Gefahrstoffe, deren Wirkung und Inhaltsstoffe ein.
    • Gefahrstoffinformations-System der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (GESTIS): Diese Datenbank wird von Experten des Instituts für Arbeitsschutz (IFA) kontinuierlich aktualisiert und erweitert. Sie enthält über 8.000 gefährliche Stoffe und bietet Praxistipps zum sicheren Umgang damit.
    • Gefahrstoff-Informationssystem (GISBAU): Diese Liste wird von der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft gepflegt. Deshalb haben die darin aufgeführten Gefahrstoffe einen starken Bezug zum Bau und den damit verbundenen Arbeiten. Die Datenbank kann über sogenannte „Giscodes“ genutzt werden, die auf vielen Produkten für den Bau aufgedruckt sind.
    • ISi-Datenbank: Diese Datenbank mit Gefahrstoffen bearbeitet das IFA seit den 1990er-Jahren gemeinsam mit dem Verband der Chemischen Industrie (VCI). Mehr als 2.000 Firmen stellen die von ihnen erstellen Sicherheitsdatenblätter für chemische Produkte ein.
    • Gefahrstoff-Informationssystem GisChem: Gepflegt wird diese Datenbank von der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI) gemeinsam mit der Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM).

    Rechtliche Grundlagen zum Umgang mit Gefahrstoffen

    Es gibt zahlreiche Regelungen und Vorschriften wie z.B. das GHS, die den Umgang mit Gefahr- und Giftstoffen vorschreiben. Wichtig sind u.a.:

    • CLP: Das Kürzel steht für „Classification, Labelling and Packaging“. Es handelt sich dabei um eine EU-Chemikalienverordnung, die Vorgaben zur Verpackung, Einstufung sowie Kennzeichnung von Gefahrstoffen und Chemikalien beinhaltet.
    • GHS: Das “Globally Harmonized System of Classification, Labelling and Packaging of Chemicals” ist das weltweite Pendant zur CLP und gibt ebenfalls wichtige Regelungen zum Umgang mit Chemikalien und anderen Gefahrstoffen vor.
    • Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) sowie die TRGS 400

    Darüber hinaus müssen Unternehmen auch die Vorschriften der Biostoffverordnung sowie der REACH erfüllen, eine EU-Verordnung, welche Vorgaben zur sicheren Handhabung von Gefahrstoffen und Chemikalien enthält.

    Gefahrstoffmanagement Software: Anforderungen und Leistung

    Mit Hilfe von Gefahrstoffmanagement Software wie zum Beispiel SAP haben Firmen die Möglichkeit, eigene Sicherheitsdatenblätter oder Gefahrstofflisten sowie Betriebsanweisungen und andere Dokumente auf der Basis von Gefahrstoffdatenbanken zu erstellen. Die Software erleichtert darüber hinaus den Umgang mit Gefahrstoffen und kann z.B. Hinweise zur sicheren Lagerung von Stoffen geben.

    Diese spezielle Software ordnet wichtige Stammdaten zu Gefahrstoffen und kann von Anwendern mit neuen Daten angereichert werden. Abhängig von der Ausführung gibt es auch Software, die sich anhand von neuen Daten selbst aktualisiert.

    In der praktischen Anwendung hilft die Gefahrstoffmanagement Software z.B. auch dabei, die ausgegebenen Mengen an Gefahrstoffen zu dokumentieren und zu kontrollieren. Entsprechende Programme wie SAP sind somit wichtiger Bestandteil von Arbeitsschutzmaßnahmen und die ideale Lösung für die erfolgreiche Implementation eines Gefahrstoffmanagements. Darüber hinaus erleichtern sie die Kostenkontrolle.

    Gefahrstoffmanagement als Weiterbildung

    Beschäftigte können sich wichtiges Knowhow im Gefahrstoffmanagement in Weiterbildungen aneignen. Die Schulungen gehen dabei auf die aktuelle Gesetzeslage ein und bieten praxisnahes Wissen für Unternehmen.

    So vermeiden Sie Gefährdungen und etablieren ein nachhaltiges Gefahrstoffmanagement

    Um Unfälle mit Gefahrstoffen zu vermeiden, sollte regelmäßig eine Gefährdungsbeurteilung durch Experten erfolgen. Das können sowohl externe Fachkräfte als auch intern im Gefahrstoffmanagement weitergebildete Mitarbeiter sein.

    Eine Gefährdungsbeurteilung kann so ablaufen:

    1. Mögliche Gefahren und Gefährdungen durch Gefahrstoffe werden ermittelt.
    2. Das Risiko dieser Stoffe wird klassifiziert.
    3. Es werden Maßnahmen konzipiert, um das Risiko zu verringern und Mitarbeiter zu schützen.
    4. Die Maßnahmen werden umgesetzt.
    5. Die Maßnahmen werden auf ihre Wirksamkeit geprüft und ggf. angepasst.
    6. Alle Schritte werden dokumentiert.

    Neben der Gefährdungsbeurteilung sind folgende Schritte im Rahmen des Gefahrstoffmanagements wichtig:

    • Stellen Sie eine Liste mit allen im Unternehmen verwendeten Gefahrstoffen zusammen (Gefahrstoffkataster oder auch Gefahrstoffverzeichnis). Tragen Sie darin auch die Menge und die Verwendungsform ein.
    • Dokumentieren Sie, welche Gefahrstoffe am Arbeitsplatz verwendet werden und wie diese genutzt werden.
    • Erstellen Sie Sicherheitsdatenblätter auf der Basis Ihrer Daten und der Daten aus den Gefahrstoffdatenbanken.
    • Suchen Sie mögliche weniger gefährliche Alternativen zu den verwendeten Gefahrstoffen.
    • Schulen Sie Ihre Mitarbeiter über eingeführte Schutzmaßnahmen.
    • Unterweisen Sie Ihre Mitarbeiter regelmäßig im korrekten und sicheren Umgang mit Gefahrstoffen sowie über deren Verpackung und Kennzeichnung.
    • Erstellen Sie leicht verständliche und praxisnahe Betriebsanweisungen.
    • Aktualisieren Sie Ihr Gefahrstoffkataster regelmäßig.

    Fazit: Gefahrstoffmanagement ist mehr als nur die Einhaltung von gesetzlichen Regelungen

    Jedes Unternehmen ist dazu verpflichtet, Gefahren und Gefährdungen für seine Beschäftigten zu verringern. Ein strukturiertes Gefahrstoffmanagement, welches unter anderem die Erstellung des Gefahrstoffverzeichnisses, die Benennung eines Gefahrstoffbeauftragten, die Gefährdungsbeurteilung sowie die Dokumentation und Unterweisung von Schutzmaßnahmen umfasst, kann demnach zu einer höheren Arbeitssicherheit beitragen.

    Doch letztlich ist Gefahrstoffmanagement mehr als das, denn es sensibilisiert alle Beteiligten für mögliche Gefahren im Umgang mit Gefahrstoffen. Gleichzeitig verhindert es schwerwiegende Unfälle, die wiederum negativ auf das Unternehmen zurückfallen und zu hohen Regressforderungen führen können.

    Autor: Redaktion SafetyXperts