• 0228 / 95 50 160

Psychischer Arbeitsschutz – 5 wichtige Punkte

© TheVisualsYouNeed – Shutterstock
Psychischer Arbeitsschutz

Psychischer Arbeitsschutz betrifft nahezu jeden Betrieb! Ob für Menschen die Gefahr einer psychischen Belastung am Arbeitsplatz besteht, kann man durch die Überprüfung von nur 5 Schwerpunkten feststellen. Die „Gemeinsame deutsche Arbeitsschutzstrategie“ hat in ihrem Leitfaden diese Schwerpunkte vorgeschlagen. Ich möchte sie um wichtige Erfahrungswerte aus meinem Alltag als Sachverständiger ergänzen und aufzeigen, wie ich klassische Situationen einschätze.

Im beruflichen Alltag gibt es immer wieder zahlreiche Umstände, die für Menschen eine psychische Belastung und letztlich eine Beanspruchung darstellen können. Doch unabhängig davon kann auch das Verhalten der Betroffenen das Ganze beschleunigen!

Oft wird am Arbeitsplatz dann das Verhalten analysiert, werden Kommunikationsprobleme durchleuchtet, persönliche Sichtweisen erörtert. Aber das Arbeitsschutzgesetz sagt klar: Der Arbeitgeber bzw. die Führungskraft muss sich in erster Linie zuerst einmal um die Arbeitsverhältnisse kümmern. Daher lasse ich das mögliche Verhalten des Arbeitnehmers im Folgenden außer Acht.

Das bedeutet für Sie: Die nachfolgenden Schwerpunkte sollten bei jeder einzelnen psychischen Gefährdungsbeurteilung berücksichtigt werden. Professionelle Fragenkataloge und Normen wie die ISO 10075:3 berücksichtigen diese Punkte bereits, Sie können aber auch im Rahmen eines Workshops oder einer Diskussionsrunde die einzelnen Schwerpunkte gemeinsam mit dem Team (dem Sicherheits-Beauftragen) durchgehen!

Psychischer Arbeitsschutz – 5 wichtige Punkte für die Umsetzung im Betrieb

Gemäß der „Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie“ müssen überprüft werden:

1. Arbeitsverhältnis/Aufgaben

Damit bei Arbeitnehmern keine psychische Belastung entsteht, muss der Arbeitgeber bzw. die Führungskraft dafür sorgen, dass die gestellten Aufgaben überhaupt ausführbar und zumutbar sind. Erkennen wir bei der Beurteilung einer Arbeitsplatzsituation, dass die Aufgaben in ihrer Fülle nicht zu schaffen sind, weil beispielsweise die Menge der Aufgaben nicht mit der geeigneten Anzahl Arbeitnehmer korreliert, müssen Arbeitsinhalt und -aufgabe dauerhaft umverteilt werden.

Perfektionismus löst Druck aus

Ein sehr großes Problem ist dabei auch der Perfektionsanspruch des Vorgesetzten: Wird immer eine 100%ige Lösung verlangt, steigert dies langfristig immer auch das Risiko für eine psychische Gefährdung. Übrigens: Die Verhaltensweisen des Vorgesetzten „sind“ für den Arbeitnehmer immer auch Verhältnisse!

Mitarbeiter sollen ihre Ziele kennen

Zudem haben Ihre Mitarbeiter stets dann Probleme mit der Arbeitsaufgabe, wenn sie selbst keinen Einfluss auf diese nehmen können, sie also z. B. nicht bei der Vorbereitung, der Organisation oder der Kontrolle beteiligt sind oder waren. Noch problematischer ist es, wenn sie das Ziel ihrer Arbeitsaufgabe nicht kennen oder kein ausreichendes Feedback erhalten. Arbeitsorganisation Es sind beispielsweise die Arbeitszeiten, die Pausenregelung, die Definition der Urlaubsvertretung (und deren Aufgaben), die eine psychische Gefährdung ausmachen können. Verantwortungsvolle Arbeitgeber erkennen diese Themen und bieten entweder Alternativen oder deeskalierende Maßnahmen an, damit aus der Gefährdung nicht eine Belastung oder sogar eine Beanspruchung wird.

2. Regelung für Überstunden

Gute Erfahrungen habe ich z. B. damit gemacht, dass Regelungen zu den Überstunden getroffen werden, die für den Arbeitnehmer mehr Flexibilität zulassen (die Möglichkeit zu wählen, eine Überstunde abzufeiern oder bezahlt zu bekommen). Auch der gezielte Abbau von Zeitdruck kann zur Optimierung der Arbeitsorganisation beitragen, indem die bestehenden Verhältnisse entsprechend verändert werden – durch neue Programme, neue Abläufe oder eine neue Verteilung der Arbeit.

3. Soziale Beziehungen

Die Zusammenarbeit der Arbeitnehmer untereinander und die Ausgestaltung des Betriebsklimas sind Punkte, die ebenfalls berücksichtigt werden müssen. Wenn also z. B. keine Möglichkeit besteht, sich auch einmal privat untereinander auszutauschen, wenn es keine gemeinsamen Pausenräume, keine gemeinsame Kaffeemaschine, aber auch keine gemeinsamen Betriebsausflüge gibt, leiden soziale Beziehungen und die Gefahr psychischer Belastung und Beanspruchung wächst. Genauso bedenklich ist es, wenn Arbeitnehmer vorzugsweise allein oder mit zu vielen Kollegen arbeiten müssen. Auch hier muss der Arbeitgeber sich Gedanken darüber machen, wie eine Verarmung oder eine Überstrapazierung vermieden werden kann.

4. Arbeitsverhältnisse

Physische Aspekte, wie Temperatur, Licht, Luftfeuchtigkeit, Lärm und ungeeignete Möbel etc., gehören neben den chemischen Faktoren (Geruch, aggressive oder allergieauslösende Stoffe) zu den Hauptkriterien äußerer Einflussfaktoren. Mangelnde Ergonomie am Arbeitsplatz wirkt sich auf die psychische Gefährdung genauso schädlich aus wie Großraumbüros! Insgesamt gilt hier aber die Regel: Wird die neue Arbeitsstättenverordnung – besonders in Bezug auf die Bildschirmarbeitsplätze – eingehalten, ist ein zuverlässiger Abbau von psychischen Gefährdungen die Regel.

5. Neue Formen der Arbeit

Durch die Digitalisierung und andere Entwicklungen verändern sich die Arbeitsformen zunehmend. So werden durch die Einführung neuer Geräte und Programme Abläufe rationalisiert oder umgebaut. Oft sind dann mehr und/oder andere Kenntnisse des Arbeitnehmers notwendig. Deshalb verlangt die GDA ausdrücklich, in Abstimmung mit den Arbeitnehmern eine langfristige Planung einzuführen, in der zukünftige Anforderungen und Herausforderungen berücksichtigt werden. Dazu sollte unbedingt ein Gesprächskreis ausgebaut werden, in dem diese und ähnliche Themen besprochen und geplant werden können.

Fazit:

Diese 5 Schwerpunkte geben Ihnen eine klare Anleitung, wie Sie auch in kleinen Teams die richtigen Fragen stellen. Sie merken, das Ganze kann auch sehr pragmatisch angegangen werden! Suchen Sie die Kommunikation mit den Arbeitnehmern, sprechen Sie die Themen offen an – und Sie werden überrascht sein, wie viele konstruktive Lösungen Sie gemeinsam finden werden.

So einfach geht psychischer Arbeitsschutz im Betrieb!

Autor: Jürgen Loga


Arbeitshilfen
Titel

Psychischer Arbeitsschutz
vom 20.05.2019
Download

Sie haben Fragen? Rufen Sie uns an.
0228 / 95 50 160

* Selbstverständlich können Sie die Broschüren auch unabhängig von einer Newsletter-Anmeldung anfordern. Schreiben Sie uns dazu bitte eine kurze E-Mail mit Link zu dieser Seite.