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So führen Sie die Evakuierungsübung für den Brandfall durch

© Matthias Buehner – fotolia.com
Evakuierungsübung

Im Brandfall müssen Sie Ihre Betriebsgebäude schnell räumen und alle Beschäftigten müssen den Sammelplatz aufsuchen. Das wird in einer Evakuierungsübung trainiert. Doch auch bei dieser scheinbar simplen Sache gibt es einiges zu bedenken und zu planen. Lesen Sie im Folgenden mehr dazu.

Jeder Arbeitgeber ist verpflichtet, regelmäßige Evakuierungen für den Brandfall zu üben. Zu empfehlen ist eine jährliche Evakuierungsübung, damit ein Training im Gefahrfall sicherstellt, dass auch korrekt gehandelt wird. Denn Panik und Fehlhandlungen sind gefährliche Begleiterscheinungen eines Brandes, doch durch Planung und Übung kann dem vorgebeugt werden. Legen Sie die Fristen für die nächste Evakuierungsübung inklusive der Brandschutzunterweisung in Ihrer Gefährdungsbeurteilung fest.

Wie häufig sollte eine Evakuierungsübung stattfinden?

Hohe Fluktuation, komplizierte räumliche Bedingungen oder hohe Brandgefahren bedingen eher einen jährlichen Rhythmus. Nach Umbauten und Umzügen sollten stets Sondertermine für eine Evakuierung festgelegt  geübt werden. Auch mit neuen Mitarbeitern sollten Sie immer einmal den Evakuierungsweg ablaufen und zum Sammelplatz gehen, damit sich die Wege ins Gedächtnis prägen.

Ist es Ihre 1. Evakuierungsübung?

Wenn Sie zum ersten Mal eine Evakuierungsübung in Ihrem Betrieb durchführen, beachten Sie unbedingt die folgende Reihenfolge:

  1. Planen Sie erst wie die optimale Evakuierung aussehen soll
  2. Unterweisen Sie danach die Beschäftigten.
  3. Führen Sie anschließend die Evakuierungsübung durch.
  4. Werten Sie die Erfahrungen daraus aus, um aus Fehlern zu lernen.

Lassen Sie Ihre Beschäftigten nicht ungeschult falsche Verhaltensweisen üben, z. B. nicht die vorgesehenen Rettungswege laufen oder sich irgendwo sammeln, weil der Sammelplatz noch nicht ausgewiesen ist, denn so manifestieren sich genau diese Fehler und werden im Gefahrfall eher wiederholt.

Schritt 1: Was gehört in die Vorplanung der Evakuierung?

Es geht bei der Übung nicht darum, Beschäftigte Fehler machen zu lassen. Am besten ist es natürlich, wenn alles optimal funktioniert. Deshalb prüfen Sie schon vorher genau, ob die Rahmenbedingungen und die betriebliche Organisation stimmen, wie im Folgenden beschrieben:

Ihre Flucht- und Rettungswege

  • Haben Sie Ihre Flucht- und Rettungswege ordnungsgemäß gekennzeichnet?
  • Sind Fluchttüren frei zugänglich und unverschlossen?
  • Sind Fluchtwege unverstellt?
  • Hängen die Fluchtwegepläne aus?
  • Hängt die schriftliche Anweisung „Verhalten im Brandfall“ aus?
  • Ist ein Sammelplatzschild vorhanden oder im öffentlichen Bereich ein markanter Sammelplatz vereinbart?

Kennzeichnung sensibler Räume und Bereiche

Lagerbereiche, insbesondere mit brennbaren und entzündbaren Stoffen, sollten gekennzeichnet sein, sodass Einsatzkräfte die Gefahren rechtzeitig erkennen können. Auch andere sensible Bereiche, wie z. B. Serverräume, Elektroräume, Lagerbereiche für Akten, Verteilerschränke usw. sollten einen Hinweis an der Tür enthalten, damit Schäden an den Einrichtungen vermieden werden können.

Ihre Alarmierungswege

Im Alarmfall kommt es darauf an, dass alle im Gebäude befindlichen Personen zum Sammelplatz gelangen. Voraussetzung dafür ist, dass auch alle informiert werden:

  • Sind Sirenen vorhanden oder Meldewege und Telefonketten festgeschrieben und Verantwortliche benannt?
  • Haben Sie auch für den Brandfall an das Informieren der Nachbarn gedacht und stehen Ihnen entsprechende aktuelle Telefonnummern zur Verfügung?
  • Und der Form halber noch die Frage: Sind Notrufnummern zu Feuerwehr, Notarzt und Polizei bekannt?

Die Räumungsbereiche

Innerhalb von 2 bis 3 Minuten sollte jeder Räumungsbereich von einem Brandschutzhelfer kontrolliert werden können. Deshalb planen Sie unbedingt entsprechend Ihre Räumungsbereiche und Gruppengrößen so ein, dass die Übersicht und der Schutz der Helfer gewahrt bleiben.

Haben Sie auch festgelegt, wer die Gasversorgung, ggf. die Heizung und elektrischen Versorgungen abschaltet?

Die Organisation und Einbindung Ihrer Brandschutzhelfer

Haben Sie Ihre geschulten Brandschutzhelfer bestellt und intern zu Ihren innerbetrieblichen Aufgaben unterwiesen? Denken Sie daran, Sie können ihnen neben einem geübten Einsatz von Feuerlöschern im Notfall diverse Aufgaben in der Evakuierung zuordnen, wie z. B.

  • das Kontrollieren, ob alle das Gebäude verlassen haben,
  • Öffnen von Rauch-Wärmeabzügen,
  • Einweisen von Einsatzkräften,
  • Abschalten der zentralen Versorgungsstellen für Stadtgas und Elektrik,
  • am Sammelplatz die Beschäftigten einweisen,
  • Meldung am Sammelplatz über Vollzähligkeit erstatten,
  • Aufnahme der Hinweise über Vermisste und Weiterleitung der Information an die Einsatzkräfte.

Stellen Sie die Funktion Ihres Krisenstabs sicher

Legen Sie unbedingt die Mitglieder eines Krisenstabs vor einem Gefahrfall fest. Mitglieder sind je nach Betriebsgröße beispielsweise Geschäftsführer, Facility Management, Leiter Technik, Sicherheitsfachkraft oder weitere Beschäftigte mit notwendigem fachlichem Wissen. Dieser Krisenstab kommuniziert im Brandfall mit der Feuerwehr und ist Ansprechpartner für alle Externen, ggf. auch für die Presse. Der Krisenstab sollte auch Wissen und Unterlagen zu wichtigen Informationen zum Gebäude haben, damit dieses an die Feuerwehr weitergegeben werden kann

TIPP: Was interessiert die Feuerwehr?
Im Brandfall benötigt die Feuerwehr Informationen über Vermisste und darüber, wo diese konkret vermisst werden. Außerdem braucht die Feuerwehr Hinweise zur Ihrem Gebäude. Bereiten Sie diese Informationen vor, auch wenn sie nicht direkt für Ihre Evakuierungsübung benötigt werden, z. B.:

  • Zugänge zum Gebäude
  • Gebäudepläne mit Keller- und Etagenangaben
  • Wasserversorgung und Hydranten
  • Lagerstätten gefährlicher Stoff
  • Räume mit empfindlichen Anlagen, z. B. Server
  • Brandschutzabschnitte
  • Rauch-Wärmeabzüge
  • Sicherheitsdatenblätter

Ihre Anwesenheitskontrolle am Sammelplatz

Haben Sie die Möglichkeit, über Anwesenheitslisten, Magnettafeln oder kollegiale Achtsamkeit jederzeit sicher herauszufinden, wer zur Zeit der Evakuierung im Gebäude war? Und können Sie anhand dieser Informationen am Sammelplatz feststellen, wer vermisst wird? Schaffen Sie sich dafür unbedingt ein System. Bedenken Sie dabei: Sammeln sich am Sammelplatz mehr als 50 Personen, vielleicht auch noch aus unterschiedlichen Firmen, wird es schnell unübersichtlich.

Beispiele aus der Praxis:

  1. Stellen Sie wie bei Reisegruppen gestielte Schilder für die Sammelplatzverantwortlichen zur Verfügung, bei denen sich die Beschäftigten einzufinden haben.
  2. Statten Sie die für den Sammelplatz Zuständigen mit farblich gekennzeichneten Helmen aus.
  3. Vereinbaren Sie auf Ihrem Betriebsgelände am Sammelplatz differenzierte Punkte für einzelne Abteilungen.
  4. Ein Megaphon kann helfen, vielen aufgeregten Menschen Informationen zu geben, gegen die eine einfache Stimme nicht ohne weiteres ankommt.

Schritt 2: die Brandschutzunterweisung

Wenn Sie meinen, dass das Thema „Evakuierung“ im Brandfall abschließend durchdacht ist, unterweisen Sie Ihre Beschäftigten dazu. Die Unterweisungsdurchführung lassen Sie sich auf jeden Fall von den Teilnehmern unterschreiben.

Inhalte der Brandschutzunterweisungen sind u. a.:

  • Evakuierungssignale oder Evakuierungsketten
  • Fluchtwege anhand von Flucht- und Rettungsplänen
  • die Aufgaben von Brandschutzhelfern
  • die Inhalte des Verhaltens bei Brandfall bis hin zum Verbot der Nutzung von Fahrstühlen und Rolltreppen
  • Umgang mit Betriebsfremden und Behinderten
  • Freihalten von Verkehrswegen für die Feuerwehr
  • kein „Retten“ eigener Pkw und Wertsachen
  • Belaufen der Fluchtwege auf dem Weg zum Sammelplatz

Schritt 3: Evakuierung und Auswertung der Übung

Kündigen Sie eine Übung an, um mögliche Panik auszuschließen, aber nicht den genauen Termin.

ACHTUNG: Informieren Sie auch die Nachbarn und die Feuerwehr oder den Sicherheitsdienst über Ihre Übung, sodass Fehleinsätze der Feuerwehr sicher ausgeschlossen sind! Die Kosten dafür können schnell in die Größenordnung von tausenden von Euros gehen.

TIPP: Wenn eine komplette Betriebsevakuierung zu Übungszwecken nicht möglich ist, können Sie auch Betriebs- und Gebäudeteile einzeln evakuieren. Außerdem üben Sie am besten bei gutem Wetter im Sommer.

Um die Übung kontrollieren und auswerten zu können, sollten Sie kenntlich gemachte Beobachter an markanten Punkten einsetzen, die die Evakuierung mitverfolgen. Befragen Sie nach der Übung auch Ihre Beschäftigten anhand von Checklisten, ob alles plangemäß verlief oder ob

  • Sirenen in selten begangene Bereichen, z. B. Kellern, nicht gehört wurden,
  • Personen vergessen wurden,
  • Wege nicht klar waren,
  • Fahrstühle und Rolltreppen benutzt wurden,
  • Informationen fehlten,
  • Personen nicht teilnahmen usw.

Bereiten Sie die Checklisten vor der Evakuierung vor und verteilen Sie sie sofort nach deren Durchführung. So ist das Wissen noch präsent. Werten Sie anschließend die Informationen aus, und nutzen Sie die Chance, aus den Ergebnissen Schlüsse zu ziehen und zu lernen. Häufig sind auch technische Maßnahmen umzusetzen. Protokollieren Sie diese und legen Sie Zuständigkeiten und Termine fest. Sonst finden Sie den alten Zustand bei Ihrer nächsten Übung wieder vor.

Auch interessant: Notwendigkeit von Flucht- und Rettungsplan

Autor: Dr. Friedhelm Kring


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